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Sprache und Macht - Konfigurationen einer soziolinguistischen Debatte

Titel: Sprache und Macht - Konfigurationen einer soziolinguistischen Debatte

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 26 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: M.A. Hoelenn Maoût (Autor:in)

Französische Philologie - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Ja, ich glaube, wenn man von der Linguistik spricht, muss man sich klar sein, dass man von Politik spricht. Und wenn man von Politik spricht, muss man wissen, dass es sich dabei um Sprache handelt.“
Bourdieu: Die verborgenen Mechanismen der Macht
Wie das einleitende Motto andeutet, setzt sich diese Arbeit mit der Diskussion um die Spannungen zwischen Sprache und Macht am Beispiel der gegenwärtigen französischen Gesellschaft auseinander. Aus diesem Grunde geht die linguistische Analyse mit einer Untersuchung der sozialen Zusammenhänge einher, in der die Sprache stets stattfindet.
Um in die Thematik aus diachroner Perspektive einzusteigen, befasst sich der erste Abschnitt mit den historisch-politischen Prämissen des heutigen Standardfranzösisch, welches im Folgenden aus verschiedenen Blickwinkeln und Disziplinen problematisiert wird. Daher umreißt der zweite Teil die Debatte zwischen dem Semiologen Barthes und der Literaturwissenschaftlerin Merlin-Kajman, deren verschiedene Standpunkte sich zwar durch voneinander differierende Konzeptionen von Macht und Sprache auszeichnen, sich indessen in ihrer Radikalität der Kritik entsprechen.
Der Ansatz der soziologischen Perspektive folgt im Hauptteil dieser Arbeit in einer umfassenden Beschäftigung mit den Thesen und praktischen Felderfahrungen Bourdieus. Sein Versuch, die akademischen, unausgesprochenen Voraussetzungen der Sprachanalyse aufzuzeigen und durch Bewusstwerdung aufzubrechen, mündet einerseits in der Idee, dass ein sprachlicher Tausch immer ein ökonomischer Tausch ist. Andererseits zieht dieser Entwurf der Sprache die Konsequenz nach sich, denjenigen, die mit dem wenigsten Kapital ausgestattet sind und deshalb kaum soziale Anerkennung erfahren, Raum für ihre spezifischen Erfahrungen mit der französischen Gesellschaft und Sprache zu geben. Somit ist es neben der wissenschaftlichen Analyse der verschiedenen Sprach- und Machttheorien Anliegen dieser Arbeit, die außerhalb des universitären Diskurs und Duktus formulierten Inhalte und Sprachprodukte darzulegen. Mit dem Ziel, den Bogen zur Merlin-Kajmanschen Beobachtung vom Verschwinden der Sprache zu ziehen, aber auch um die sozialen Hierarchien innerhalb der Sprachbewertung nicht zu reproduzieren, ergründet Teil IV die heutige Jugendkultur Frankreichs am Beispiel der Hip-Hop-Bewegung in ihrem charakteristischen historisch-politischen, sozial-sprachlichen, architektonischen und medial bestimmten Kontext.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sprache und Macht

2.1. La langue est-elle fasciste?

3. Sprachwissenschaft und Soziologie

3.1. Eine linguistische Wirtschaftskunde

3.2. Körperliche Hexis und sprachlicher Habitus

4. Banlieue zwischen Mythos und Realität

4.1. ‚Multisprech’: Les langues des Cités

5. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die komplexen Spannungsfelder zwischen Sprache und Macht innerhalb der gegenwärtigen französischen Gesellschaft, wobei sie insbesondere die soziologischen Thesen Pierre Bourdieus mit aktuellen Diskursen zur Sprachkritik und Jugendkultur verknüpft, um die Mechanismen sozialer Ausgrenzung und symbolischer Herrschaft offenzulegen.

  • Historisch-politische Prämissen des Standardfranzösischen und dessen elitäre Normsetzung.
  • Die kritische Debatte um die Macht der Sprache zwischen Roland Barthes und Hélène Merlin-Kajman.
  • Die Bourdieusche Analyse von sprachlichem Kapital, Märkten und dem sozialen Habitus.
  • Soziokulturelle Untersuchung der Banlieue und der französischen Hip-Hop-Bewegung als Ausdrucksform.
  • Die Rolle von Sprache als Mittel des Widerstands und der (Re-)Konstruktion von Identität.

Auszug aus dem Buch

3.2. Körperliche Hexis und sprachlicher Habitus

Im Gegensatz zu ökonomischen Gütern sind symbolisches und kulturelles Kapital an die Person gebunden, so dass es sich um inkorporiertes Kapital handelt. Ebenso wie Geschmacksvorlieben ist der Sinn für die Akzeptabilität eines linguistischen Produktes – verbunden mit der Sensibilität für die Spannung des Marktes – im Habitus verinnerlicht: „Er verbindet die Strukturen mit der Praxis durch Vermittlung des Habitus als Produkt der Strukturen, welche Praxis produzieren und Strukturen reproduzieren.“ Dementsprechend ist der Habitus unbewusster Schauplatz der Verinnerlichung von äußerlichen Ansprüchen und Strukturen und simultan Umsetzung der inneren Ansprüche, welche extern geformt werden.

Der Habitus, „ce code secret“, wird von Bourdieu als typisches Verhaltensmuster beschrieben, welches durch Sozialisation erworben wird und den charakteristischen Lebensstil von Individuen oder Gruppen strukturiert. Als strukturierendes und strukturiertes Prinzip ordnet der Habitus sowohl die Erzeugungsvorgänge der Wahrnehmung als auch deren rezeptive Bewertung. Durch die Verinnerlichung dieser Wahrnehmungs- und Bewertungsraster ist das System ein unbewusstes (und dadurch als fraglos und gegeben erscheinendes), welches die Klassenzugehörigkeit markiert. Aus diesem Grund beschreibt Bourdieu den Habitus als „System von Grenzen“, innerhalb derer Variationen des Verhaltens und der Reaktionen durchaus möglich bleiben. Außerhalb dieser Schranken spielt der Habitus die Rolle für den Distinktionswert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die Spannungen zwischen Sprache und Macht in Frankreich und führt in die methodische Herangehensweise ein, die linguistische Analyse mit soziologischen Zusammenhängen verbindet.

2. Sprache und Macht: Dieses Kapitel beleuchtet das diachrone Verhältnis von Sprache und staatlicher Normierung sowie den elitären Charakter des Standardfranzösischen.

2.1. La langue est-elle fasciste?: Hier wird die Kontroverse um die vermeintliche Faschisierung der Sprache durch ihre Zwanghaftigkeit anhand der Positionen von Barthes und Merlin-Kajman analysiert.

3. Sprachwissenschaft und Soziologie: Es wird die Notwendigkeit einer soziolinguistischen Analyse dargelegt, die über rein deskriptive linguistische Systeme hinausgeht und Bourdieu als theoretischen Rahmen nutzt.

3.1. Eine linguistische Wirtschaftskunde: Dieser Abschnitt definiert Sprachsituationen als Märkte, auf denen Sprache und Diskurse durch Machtverhältnisse bewertet und hierarchisiert werden.

3.2. Körperliche Hexis und sprachlicher Habitus: Die Ausführungen zeigen auf, wie der Habitus als unbewusstes System soziale Herkunft und Distinktion durch Sprache und körperliche Haltung manifestiert.

4. Banlieue zwischen Mythos und Realität: Das Kapitel untersucht die Lebenswelt französischer Jugendlicher und die mediale Stigmatisierung der Banlieue vor dem Hintergrund kolonialer Geschichte.

4.1. ‚Multisprech’: Les langues des Cités: Es wird analysiert, wie Hip-Hop als politisches und kulturelles Instrument dient, um eigene Identitäten und Sprachformen jenseits etablierter Strukturen zu etablieren.

5. Schlussbemerkung: Die gewonnenen Einsichten über die Verknüpfung von sprachlicher Normierung und gesellschaftlicher Ausgrenzung werden zusammengeführt und reflektiert.

Schlüsselwörter

Sprache, Macht, Pierre Bourdieu, Habitus, Soziolinguistik, Banlieue, Hip-Hop, symbolisches Kapital, Diskurs, Frankreich, soziale Hierarchie, Identität, sprachliche Norm, Distinktion, Hybridisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen Sprache und Macht in der französischen Gesellschaft und zeigt auf, wie sprachliche Normen soziale Hierarchien festigen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentral sind die Machtstrukturen der Sprache, die soziologische Theorie von Pierre Bourdieu, die Situation in den französischen Banlieues und die Rolle der Hip-Hop-Kultur als Sprachrohr.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es, die unausgesprochenen Mechanismen der Sprachbewertung aufzudecken und zu zeigen, wie Marginalisierte durch kreative Sprachaneignung eigene Räume schaffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine soziolinguistische Analyse sowie die kritische Auseinandersetzung mit poststrukturalistischen und soziologischen Machttheorien.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit Bourdieus Konzepten von Markt und Habitus, der theoretischen Debatte um "faschistische" Sprache und einer empirischen Analyse von Raptexten als Widerstandspraxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Neben Sprache und Macht sind Habitus, Banlieue, symbolisches Kapital und soziale Distinktion prägende Begriffe.

Wie bewertet der Autor die Rolle des französischen Bildungswesens?

Das Bildungswesen wird als Institution kritisiert, die durch eine vermeintliche Chancengleichheit soziale Ungleichheiten perpetuiert und kulturelle Eliten begünstigt.

Welche Bedeutung kommt der Hip-Hop-Kultur in diesem Kontext zu?

Hip-Hop wird als "Politik der Straße" verstanden, die durch hybride Sprachverwendung die herrschende Norm untergräbt und den "Sprachlosen" eine Stimme verleiht.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Sprache und Macht - Konfigurationen einer soziolinguistischen Debatte
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für romanische Philologie)
Veranstaltung
Langue - Pouvoir
Note
1,0
Autor
M.A. Hoelenn Maoût (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
26
Katalognummer
V141415
ISBN (eBook)
9783640493401
ISBN (Buch)
9783640493135
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bourdieu Barthes Merlin-Kajman Austin Soziologie Linguistik Rap Banlieue
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Hoelenn Maoût (Autor:in), 2007, Sprache und Macht - Konfigurationen einer soziolinguistischen Debatte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141415
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Leseprobe aus  26  Seiten
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