Non-Performing Loans aus Investorensicht


Seminararbeit, 2009
63 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Motivation und Zielsetzung

2 Grundlagen und Charakteristika von Problemkrediten
2.1 Definition Kredite
2.2 Problemkredite / Notleidender Kredit
2.2.1 Distressed Debts
2.2.2 Sub- und Non-Performing Loans
2.3 Rahmenbedingungen und Markt für Non-Performing Loans
2.3.1 Historische Entwicklung
2.3.2 Rahmenbedingungen
2.3.2.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
2.3.2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.3.2.2.1 Forderungsabtretung
2.3.2.2.2 Banklizenz
2.3.2.2.3 Bankgeheimnis
2.3.2.2.4 Datenschutz
2.3.2.2.5 Amtsgeheimnis

3 Akteure und ihre Motivationen
3.1 Motivationsgründe der Transaktionspartner
3.1.1 Verkaufsanreize und Handlungsalternativen der Banken
3.1.2 Investoren und Erwerbsmotive
3.2 Investitionsstrategien von NPL Investoren
3.2.1 Passives Investment
3.2.1.1 Trading
3.2.1.2 Buy-and-Hold-Investoren
3.2.2 Aktives Investment
3.2.2.1 Control-Oriented Strategie
3.2.2.2 Non-Control-Oriented Strategie
3.2.3 Exit-Strategien
3.3 Investitionsmöglichkeiten der NPL Investoren
3.3.1 Single Name Transaktionen
3.3.2 Basket- und Portfoliotransaktionen

4 Repräsentative Struktur einer NPL Transaktionen
4.1 Typische Ausgangssituationen
4.2 Vorüberlegungen einer NPL Transaktion für Investoren
4.3 Informationsbedarf der Investoren / Due Diligence
4.4 Bewertung und Preisfindung aus Sicht der Investoren
4.4.1 Grundsätzliche Rendite- und Preisfindungsüberlegungen zu NPL
4.4.2 Discounted Cash Flow Methode
4.4.3 Marktorientierte Methode
4.4.4 Liquidationswertverfahren

5 Fazit
5.1 Zielerreichung
5.2 Perspektiven und Handlungsempfehlungen

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Größenschätzung dt. NPL-Markt

Abbildung 2 - Handlungsalternativen

Abbildung 3 - Umgang mit NPL für Banken

Abbildung 4 - Risiko-Rendite-Spektrum von Opportunity Fonds

Abbildung 5 - Bestimmung des Fremdkapitalwertes

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Ausgangssituation

Kreditinstitute stehen aktuell vor einem gravierenden Strukturwandel. Dieser resultiert insbesondere aus den veränderten Eigenkapitalanforderungen aus den Basel II-Richtlinien, dem Wegfall der Gewährsträgerhaftung, dem Abschwung des Immobilienmarktes in Ostdeutschland sowie der steigenden Anzahl von Unternehmensinsolvenzen, welcher aus einem konjunkturellen Abschwung resultiert. In Folge dessen befinden sich die Unternehmensinsolvenzen weiterhin auf einem hohen Niveau von etwa 30.000 jährlich (Stand 2007/2008).[1] Im Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise kann davon ausgegangen werden, dass diese eine erhöhte Anzahl von Insolvenzen mit sich bringen wird. Die daraus folgende erschwerte Kreditrückführung von Seiten der betroffenen Unternehmen führt zu einem höheren Ausfall von Krediten, dem sich die Banken stellen müssen. Der steigende Wettbewerbsdruck in Folge der Globalisierung in Verbindung mit einer geringen Eigenkapitalrendite zwingt deutsche Banken dazu, ihre Rentabilität auf ein vergleichbares Niveau zu steigern und ihre operativen Risiken zu minimieren. Im Vergleich zu europäischen Banken mit durchschnittlich 15 Prozent Eigenkapitalrendite, erreichen deutsche Banken lediglich ca. 9 Prozent.[2] Zur Lösung dieser Herausforderung stehen den Kreditinstituten bestimmte Handlungsalternativen zur Verfügung, wie die eigene Betreuung des Kreditengagements – dies eventuell in Verbindung mit einem externen Dienstleister – oder der Verkauf des Kredites an spezielle Investoren. Für eine eigene Betreuung müssen die Aspekte der Eigenkapitalhinterlegung nach den Basel-II-Richtlinien sowie die Vorschriften der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) beachtet werden. So müssen ausfallgefährdete Kredite mit einem deutlich höheren Eigenkapitalanteil hinterlegt werden als dies bei einem „gesunden“ Kredit erforderlich ist. Für einen Verkauf der Forderung sprechen die Eigenkapitalentlastung, der Liquiditätszufluss, eventuell geringere Refinanzierungskosten auf dem Kapitalmarkt sowie ein geringerer Personalaufwand für das Fachpersonal (Sanierungsabteilung, Analysten, Abwicklungsspezialisten). Eine wichtige Rolle bei der Veräußerung dieser Engagements übernehmen dabei die Investoren, welche sich auf die Betreuung und aktive Restrukturierung von Not leidenden Krediten spezialisiert haben. Die einzelnen Käufer verfolgen dabei unterschiedliche Strategien, wobei die Gesundung des Unternehmens und damit eine Wertsteigerung des Fremdkapitals im Vordergrund stehen. Ziel der Investoren ist dabei stets eine risikoadäquate Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Hemmnisse bei der Veräußerung der Forderungen bestehen in Bank- bzw. Amtsgeheimnis und im Datenschutzgesetz. So dürfen Kreditinstitute keine Informationen über Kreditverhältnisse offenlegen, soweit keine Zustimmung des Schuldners vorliegt. Die Verschwiegenheitspflicht der Bank gegenüber ihrem Kunden steht somit der Auskunftspflicht dem Käufer gegenüber entgegen.[3]

1.2 Motivation und Zielsetzung

In der den vergangen Jahren wurden Finanzinvestoren häufig als „Heuschrecken“ in der öffentlichen Presse und politischen Diskussion dargestellt. Diese würden Unternehmen wirtschaftlich „aussaugen“ und lediglich das Ziel verfolgen, eine möglichst hohe Rendite zu generieren, ohne auf moralische Grundsätze Rücksicht zu nehmen.

Die Berichterstattung erfolgte dabei einseitig und undifferenziert, da weder eine Unterscheidung nach Investorentyp noch nach dem Status des Investitionsobjektes stattfand. Es soll aufgezeigt werden, dass hier eine Unterteilung vorgenommen werden muss, da Unternehmen in der Krise durch die Expertise und Kapitalstärke von Finanzinvestoren durchaus profitieren können. Selten verfolgt der Investor die Liquidation, sondern vielmehr die Sanierung und Fortführung des Unternehmens als Strategie zur Erreichung der angestrebten Rendite. Weiterhin soll die Bedeutung eines funktionierenden NPL-Marktes in Deutschland für Banken und Investoren hervorgehoben werden. So zeigt ein Vergleich mit anderen nationalen NPL-Märkten, wie dem der USA, dass sowohl die Marktteilnehmer als auch die Schuldner durch den Handel mit Krediten eine Besserstellung erfahren. Ein standardisierter Markt für Not leidende Kredite könnten demnach die Auswirkungen von globalen Krisen für deutsche Banken und Unternehmen mildern. Zudem könnte die Gesellschaft durch eine Stabilisierung des Finanzsektors profitieren, da die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sinken würde und dadurch Arbeitsplätze erhalten bleiben würden.

Die deutschen Banken könnten durch einen geregelten Markt für Not leidende Kredite ihre Kapitalbasis stärken und dementsprechend ihr Rating verbessern.

2 Grundlagen und Charakteristika von Problemkrediten

2.1 Definition Kredite

Kredite, abgeleitet von den lateinischen Begriffen credere „ glauben“ und creditum – „das auf Treu und Glauben Anvertraute“ ist die Gebrauchsüberlassung von Geld (Banknoten, Münzen, Giralgeld) oder vertretbaren Sachen (Warenkredit) meist auf eine im Voraus bestimmte Zeit an einen Dritten gegen Entgelt in Form von Zinsen. Die Vergabe von Krediten geschieht zu bestimmten Konditionen, wie Höhe des Kredites, Zinssatz, Laufzeit, Zahlungsterminen und zu stellenden Sicherheiten. Kredite können an Privatpersonen, Unternehmen oder an Staaten vergeben werden. Beispiele hierfür sind Kontokorrentkredite, Immobiliendarlehen, Betriebsmittelkredite oder öffentliche Kredite in Form von Bundesanleihen, Bundesschatzbriefen oder seit 2008 die Tagesgeldanleihe der Bundesrepublik Deutschland. Kreditgeber sind hauptsächlich Kreditinstitute, wie Geschäfts-, Universal- oder Zentralbanken, aber ebenso können es auch Privatpersonen sein, welche ihr Erspartes zinsbringend als Kredite vergeben. Als Beispiel hierfür kann die Online-Kredit-Plattform „Smava“[4] angeführt werden, auf welche Privatpersonen Mikrokredite[5] an andere Privatpersonen oder Selbständige vergeben können. Als Kreditgeber dazu dient eine Bank, welche direkt nach Abschluss des Darlehensvertrages das Darlehen an die Privatpersonen weiterverkauft. Da in Deutschland eine Banklizenz zur Kreditvergabe benötigt wird, ist dieser „Zwischenschritt“ über die Bank nötig.

2.2 Problemkredite / Notleidender Kredit

2.2.1 Distressed Debts

Eine allgemein gültige und verbindliche Definition und Klassifizierung zu einem einheitlichen Standard bzw. eine Legaldefinition für Problemkredite oder notleidende Kredite existiert bisher weder im Finanzmarkt noch in der wissenschaftlichen Fachliteratur.[6] „Die Einordnung von Krediten als „notleidend“ variiert aufgrund unterschiedlicher steuerlicher, bilanzieller und aufsichtsrechtlicher Richtlinien.“[7]

In der Praxis haben sich durch das Fehlen einer einheitlichen Definition bestehende Charakteristika aus dem Bond- bzw. Kreditmarkt sowie aus den Bestimmungen aus dem Basel II-Akkord durchgesetzt. Dabei werden unter dem Begriff „Distressed Debts“ oder zu Deutsch Problemkredite oder Not leidende Kredite Verbindlichkeiten verstanden, bei denen eine Leistungsstörung oder eine stark gesunkene Kreditnehmerbonität vorliegt. Hierbei wird mit einer hohen Wahrscheinlichkeit innerhalb eines Jahres mit einem Ausfall oder der Nichterfüllung der Pflichten des Schuldners aus der Verbindlichkeit gerechnet. Forderungen dieser Art unterliegen zumeist einem bankinternen Rating von B- (S&P) bzw. gleichwertigen Ratings anderer Rating-Agenturen. Als Leistungsstörung wird in Deutschland ein Zahlungsverzug für Zins- und Tilgungsleistungen von 90 Tagen angesehen.[8] Auch die Nichteinhaltung von sogenannten „Covenants“, worunter Neben- oder Zusatzvereinbarungen in Kredit- oder Anleiheverträgen zu verstehen sind, kann dazu führen, dass Verbindlichkeiten als „Distressed“ deklariert werden. In diesen „Covenants“ verpflichtet sich der Schuldner bestimmte Dinge zu unterlassen bzw. zu tun (positive bzw. negative Neben- oder Zusatzvereinbarung). Notleidende Kredite müssen von den Banken zu Lasten des Ertrages wertbereinigt werden. Die Bezeichnung „Distressed Debts“ bildet somit den Oberbegriff für die Kategorien Sub-Performing und Non-Performing.

2.2.2 Sub- und Non-Performing Loans

Der Begriff der Sub-Performing Loans umfasst diejenigen Verbindlichkeiten, welche nachfolgende Bedingungen erfüllen. Es liegt eine Verschlechterung der Vermögensverhältnisse, respektive des Ratings vor, was regelmäßig zu einer unzureichenden Sicherheitenbestellung führt. Damit einher geht, dass Vertragsbedingungen, die Voraussetzungen für eine Kündigung des Vertrages sind, zwar noch nicht vorliegen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass diese verletzt werden als sehr hoch angenommen werden. Auch befinden sich solche Verbindlichkeiten zumeist auf einer bankinternen „Watchlist“, da die Schuldner zwar grundsätzlich noch nicht ausgefallen sind, aber nur noch einen Teil der vertraglich festgelegten Zins- und Tilgungszahlungen leisten können.[9]

Dagegen sind bei den Non-Performing Loans die Verträge bereits gekündigt oder es liegen die Voraussetzungen für eine Kündigung des Vertrages vor. Es wird nicht mehr mit einer vollständigen Rückzahlung der Verbindlichkeiten oder mit Zins- oder Provisionszahlungen gerechnet. Der Kredit befindet sich im Status des „Default“, was mit „Leistungsstörung“, „Nichterfüllung“ oder „Zahlungseinstellung“ übersetzt werden kann.

Aufgrund von fehlenden allgemeingültigen deutschen Übersetzungen der Begriffe Distressed Debts, Sub-Performing Loans und Non-Performing Loans im Zusammenhang mit problembehafteten Verbindlichkeiten, werden im weiteren Verlauf die englischen Fachtermini beibehalten.

2.3 Rahmenbedingungen und Markt für Non-Performing Loans

2.3.1 Historische Entwicklung

„Auffällig ist bei einem internationalen Vergleich, dass der Hintergrund von schnell wachsenden NPL-Märkten regelmäßig die Verbindung einer Immobilienkrise („Blase“) mit gesamtwirtschaftlichen Problemen (…) ist.“[10] Im folgenden Teil wird herausgestellt und an Hand von historischen Ereignissen begründet, in wie fern das oben aufgeführte Zitat die Hintergründe zur Entstehung eines Marktes für Non-Performing Loans weltweit treffend wieder gibt und beschäftigt sich im weiteren Verlauf intensiver mit der Entwicklung der Märkte der USA und Deutschlands.

Der Beginn des „Distressed Corporate Debt Investing“ in den USA, geht auf das Jahr 1929 zurück, in welchem die große Depression Ihren Ursprung hat. Eine aus der Krise heraus entstehende immer größer werdende Zahl an Insolvenzen weckte zunehmend das Interesse von Investoren, die z.B. schon damals anfingen in Verbindlichkeiten von Eisenbahnunternehmen (70er Jahre), Immobilienfonds (Mitte der 70er und 80er Jahre), Energie-und Stahlunternehmen (80er und 90er Jahre) sowie seit der Jahrtausendwende in die Verbindlichkeiten von Telekommunikationsunternehmen zu investieren.[11] Im Jahr 1987 konnte durch die Überarbeitung des US Bankruptcy Code eine Vereinfachung der Unternehmensreorganisationsverfahren geschaffen werden, welche Anreize zur Unternehmensfortführung boten.[12] Eine weitere Rolle für die zunehmende Entwicklung des Distressed Debt Investing in den USA spielten Mitte der 80er-Jahre die große Anzahl von Unternehmen, welche durch einen Leverage Buyout übernommen wurden. Als Finanzierungsinstrument wurden so genannte „Junk Bonds“, was als Schrottanleihen übersetzt werden kann, herausgegeben. Hierbei handelt es sich um Bonds, die bereits zum Zeitpunkt der Emission über ein geringes Rating und eine hohe Verzinsung. verfügen. Zu Schwierigkeiten führte dies als es im Jahr 1987 zu einem Kursverfall an den Börsen mit einer einhergehenden Rezession kam und es somit vielen Unternehmen, ungewöhnlicher weise trotz der Erwirtschaftung positiver Cash-Flows, unmöglich war die Junk-Bonds ordentlich zu bedienen. 1989 kollabierte der Junk-Bond-Markt endgültig und die Voraussetzungen für Distressed-Debt-Investments waren geschaffen. Es ging also hier nicht darum operative Restrukturierungen durchzuführen, sondern vielmehr bilanzielle Veränderungen im Sinne von Umschuldungen vorzunehmen. Folglich wurde im Laufe der Zeit Fremdkapital in Eigenkapital (Debt-Equity-Swap) umgewandelt.[13] Schon in dieser Zeit entstanden Fonds mit Volumina von über 1 Mrd. USD. Die stetige Entwicklung eines von Zeit zu Zeit immer mehr standardisierten Marktes nahm ihren Lauf. Ende der 90er-Jahre musste der Verkauf eines Kredites schon nicht mehr wie zuvor im persönlichen Gespräch mit Bankberatern besprochen werden, es gab jetzt schon spezielle Händler und Brokerhäuser, die sich auf das Thema Kauf von notleidenden Kredite spezialisiert hatten.
Banken entledigten sich von nun an mit zunehmender Akzeptanz von Ihren Sub- und Non-Performing Loans und mussten keine langwierigen Restrukturierungsprozesse mehr durchlaufen. Unternehmen konnten durch die Entstehung eines von nun an nahezu standardisierten Marktes schneller wieder Ihren ursprünglichen Geschäften nachgehen. Zusätzlich zu den bisher genannten Ereignissen kam die von 1986 bis 1993 andauernde „Savings & Loans-Krise“. Während dieser Zeit brachen in den USA über 1600 Banken und Sparkassen in Folge von Insolvenzen zusammen.[14] Dabei wurden ca. 48 Mrd. USD Sub- Performing und Non-Performing- Aktiva abgearbeitet.[15] Als Folge der „ Savings & Loans-Krise“ entstand ein Zweitmarkt für Bankkredite, in welchem zur Abwicklung des Forderungsbestandes dieser Gesellschaften Non-Performing Loans standardisiert analysiert und gehandelt werden.[16]

Wie oben beschrieben stand während der 80er-Jahre die bilanzielle Umstrukturierung der LBOs im Vordergrund, in den 90er Jahren hingegen traten immer mehr „schlechte Unternehmen“ auf den Markt, wo es nicht nur darum ging bilanzielle Restrukturierungen zu verwirklichen, sondern zusätzlich operative Restrukturierungen helfen mussten. Mit der Anwendung einer offeneren Kreditpolitik Ende der 90er Jahre, bei der die Kredite nun an Non-Investment-Grade Schuldner gegeben wurden, erreichte der Disstressed-Debt-Markt in den USA seinen Höhepunkt im Jahr 2002. Zwischen 1997 und 1999 wurden jährlich ca. 100 Mrd. USD Junk-Bonds emittiert, bei denen es wegen des verlangsamten Wirtschaftswachstums 2001 zu Zahlungsschwierigkeiten kam. Dies führte zu einem erhöhten Ausfall der Bonds.[17]

Rund 900 Mrd. Dollar Volumen notleidender Kredite fallen 2006 auf China. Ursache für den hier in den 90er Jahren entstandenen Sekundärmarkt für Non-Performing Loans war die Asienkrise. Als Folge dieser Krise wurden in Asien Portfolioverkäufe zur Rettung insolventer Banken vorgenommen.[18] Die Einführung eines Gesetzes, welches die steuerliche Abschreibung von Verlusten aus notleidenden Krediten über 5 Jahre erlaubte, brachte in Italien den ersten größeren kontinentaleuropäischen NPL-Markt zustande.[19]

Erste Schritte zum Distressed Debt Investing zeigten deutsche Banken in den frühen 90er Jahren, indem Sie Risiken aus ausfallgefährdeten Krediten meist in Form von Unterbeteiligungen (Sub Participation) auf Dritte übertrugen. Ende der 1990er Jahre hatten sich bei Deutschlands Banken mehr als 100 Mrd. Euro stark ausfallgefährdeter Kredite angesammelt.[20] Bis dato war es in Deutschland üblich, Kredite bis zu ihrer Rückzahlung in den eigenen Büchern zu halten.
Erst im Jahr 2003 wurden die ersten Portfolioverkäufe in Deutschland öffentlich bekannt.[21] Auslöser in Deutschland war laut einer Studie von Ernst&Young aus dem Jahr 2008 die seit Mitte der 90-er Jahre schwache Konjunktur und die damit einhergehende zunehmende Zahl von Insolvenzen. Der Anstieg von Insolvenzen führte wiederrum dazu, dass immer mehr Immobilien im Wege der Zwangsvollstreckung verwertet werden mussten. Das zuletzt genannte Problem zeigte sich vor allem in den neuen Bundesländern, wo nach der Wiedervereinigung hohe Kreditvolumina gewährt wurden und der zunehmende Werteverfall der Kreditsicherheiten ein weiterer Faktor für das ansteigende Volumen notleidender Kredite war. Außerdem verschlechterte sich zunehmend die Ertragslage der Banken selbst, so dass diese quasi gezwungen waren, ihre Risikokredite intensiver zu kontrollieren[22]. Erste Zahlen über den Handel von notleidenden Krediten aus 2003 schätzen, dass das Volumen von Distressed Debt Transactions zwischen ca. 1,6 Mrd. Euro[23] und ca. 1,75 Mrd. Euro.[24] Dem ist hinzuzufügen, dass aus unterschiedlichen Quellen abweichende Zahlen zu ein und demselben Jahr hervorgehen, was darauf zurückzuführen ist, dass längst nicht alle Transaktionen öffentlich bekannt gegeben werden und es demzufolge bis heute schwer ist, genaue Zahlen über das tatsächliche Volumen ausfindig zu machen. Zudem verwenden die Marktforschungsunternehmen nicht einheitliche Basen, einige ziehen für ihre Berechnungen die gesamten Bestände der NPL heran, andere hingegen lediglich den veräußerbaren Teil.[25] Die folgende Abbildung veranschaulicht diesen Sachverhalt, dass Marktvolumenschätzungen von unterschiedlichen Beobachtern zu teilweise erheblichen Abweichungen führen, obwohl ein enger Zeitraum betrachtet wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Größenschätzung dt. NPL-Markt[26]

Bis heute gibt es keine offizielle Statistik der Bundesbank über Non-Performing Loans.[27] Fünf wesentliche Transaktionen wurden im Jahr 2003 öffentlich bekannt, die größte darunter der Verkauf risikobehafteter Immobilienkredite mit einem Nominalvolumen von ca. 500 Mio. EUR durch die Hypo Real Estate an Lone Star und JP Morgan Chase. Als zweitgrößte Transaktion sei der Kauf von 395 Mio. EUR Immobilienkredite, ebenfalls durch Lone Star, bei welcher der Verkäufer nicht öffentlich bekannt gegeben wurde, genannt[28]. 2004 stieg die Zahl der stattfindenden Transaktionen sprunghaft auf 14 an, darunter befanden sich erstmals drei Transaktionen mit einem Volumen von über einer Mrd. Euro. So u.a. der Verkauf der Hypo Real Estate Bank an die HypoVereinsbank, welche bis dahin als weltweit größte NPL-Transaktion bekannt wurde mit einem Gesamtvolumen von EUR 8,1 Mrd.[29]. Seit diesem Zeitraum wird der deutsche Markt für NPL als „Hot Spot“ für Distressed Debt Investoren bezeichnet.[30] Das Gesamtvolumen der Distressed Debt Transaktionen im Jahr 2004 wird in unterschiedlichen Quellen auf zwischen 8,5[31] Mrd. EUR und 9,4[32] Mrd. EUR gesetzt. Davon fielen nur 20,2% des gesamten Distressed-Debt-Handel auf deutsche Unternehmensforderungen, einen größeren Anteil trugen gewerbliche und private Immobilienkredite mit einem Volumen von ca. 7,5 Mrd. EUR. Konsumentenkredite trugen einen verschwindend geringen Anteil an dieser Zahl, da ausfallgefährdete Konsumentenforderungen wegen ihres überwiegend geringen Volumen nicht interessant für große Investoren waren. So wuchs das Volumen von 2003 auf 2004 um das ca. fünffache von ca. 1,75 Mrd. Euro auf 8,507 Mrd. Euro an. Der Markt für NPL geriet in 2004 in den Fokus der Bankenwelt und der Presse. Wegen seines großen noch unentdeckten Potentials wurde der deutsche Markt 2005 noch als „Emerging Market“ bezeichnet.[33] Bis ins Jahr 2006 stieg das Volumen an notleidenden Krediten nochmal um ca. 70 % seines Volumens auf 14,383 Mrd. Euro an. Waren es im Jahr 2006 21 Transaktionen, sank die Zahl derer im Jahr 2007 auf nur noch fünf Transaktionen mit einem Volumen von ca. 6,5 Mrd. Euro.[34] Den obigen Ausführungen ist zu entnehmen, dass sich der deutsche Markt im Gegensatz zu dem der USA, Asiens oder Italiens insgesamt als ein noch recht junger und bis dato zugleich unterentwickelter Markt darstellt. Durch das starke Wachstum und beginnende Standardisierung sowie Akzeptanz unter den Marktteilnehmern, kann der deutsche Markt heute jedoch als entwickelter Markt angesehen werden. Zwischen den Jahren 2003 und 2006 entwickelte sich der deutsche Handel mit Notleidenden Krediten zum aktivsten Markt der Welt.[35] Der deutsche Markt stellt sich „heute sowohl für Käufer wie auch Verkäufer attraktiv“[36] dar, heißt es in den Ausführungen von Prof. Dr. Schalast in seiner Ausführung “Aktuelle Entwicklungen des deutschen NPL-Markts[…]“ aus dem Jahr 2007. „Land of Opportunity“ sind Bezeichnungen für den seit seinen Anfängen im Jahr 2003 immer stärker anwachsenden Handel mit Problemkrediten. Einen Wandel erlebt der Markt nach fast vier Jahren stetigem Zuwachs im Jahr 2007, als die gehandelten Volumina plötzlich im Gegensatz zu den Vorjahren rapide abnahmen. Das Volumen sank um mehr als 50% von ca. 14,38 Mrd. Euro auf nur noch 6,49 Mrd. Euro in 2007. Dieses hohe Volumen lag letztmalig zwischen den Jahren 2003 und 2004 vor. Während der Markt für Non-Performing Loans in seiner Anfangszeit um 2003 hier zu Lande hauptsächlich aus einzelnen Transaktionen sehr großer Kreditportfolios (zwischen €100 und € 150 Mio.) bestand, tendieren die Prognosen von Branchenexperten 2005 bereits dahin, dass zukünftig auch kleinere Kreditvolumina im Immobilienprivatkunden- und Unternehmenskreditgeschäft den Markt bestimmen werden- und zunehmend auch das Verbraucherkreditgeschäft Merkmale von Non-Performing Loans aufzeigen und Teil des Handels wird.[37] Der Handel mit Non-Performing-Loans kleinerer Volumina spricht für eine gewisse Reife des Marktes, da hierfür eine Standardisierung des Marktes Voraussetzung ist. Mittlerweile ist diese schon seit 2005 prognostizierte Entwicklung des deutschen Marktes für NPL eingetreten und anhand aktueller Transaktionen zeigt sich, dass dieser noch im Jahr 2003 als aufstrebender Markt bezeichnete bis heute eine deutliche Weiterentwicklung durchlaufen hat und als entwickelter Markt angesehen werden kann.

2.3.2 Rahmenbedingungen

2.3.2.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die Bewertungspolitik der Banken spielt ebenso wie das Relationship Lending und das sogenannte Management Know-How eine wichtige Rolle unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Auf diese soll im folgenden Text zusammenfassend eingegangen werden.

Die Angst vor der Realisierung von Buchverlusten durch den Verkauf von Portfolios unter Buchwert, hemmt einige Banken sich von ihren NPL zu trennen. Die Abschreibungspolitik der Banken erfolgte in der Vergangenheit nicht immer unter der Annahme eines jederzeitigen Forderungsverkaufs. Sicherheiten, die einer Forderung unterlagen, wurden somit höher bewertet, als bei einem Verkauf tatsächlich realisierbar. Dies förderte die oben genannten Ängste der Banken.[38] Auch die Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) zur Bildung von Wertberichtigungen, welche die Kreditinstitute dazu auffordern ihre Forderungen um drohende Verluste zu bereinigen, konnten die Einstellung der Banken im Hinblick auf eine angemessene Bilanzierung nicht verbessern.

Der Begriff des Relationship Lending beschreibt das in Deutschland vorherrschende Hausbankprinzip. Dieses besagt, dass zwischen Kunde und Bank eine enge, nahezu vertraute Beziehung vorherrscht. Ein Verkauf von Krediten an Investoren würde diese Beziehung verletzen.[39] Banken neigen eher dazu, auch an minderwertigen Forderungen festzuhalten, weil sie Reputationsschäden durch negative Presse befürchten. Interessanterweise fordern deutsche Banken ausstehende Kredite ein und liquidieren Unternehmen anstatt eine Sanierung anzustreben. Dies widerspricht dem Hausbankprinzip und der vertrauensvollen Beziehung.

Ein weiterer Punkt, welcher als Hemmnis für den Handel von Distressed Debt gesehen wird, sind fehlende Restrukturierungserfahrung und -bereitschaft des Managements deutscher Unternehmen. Gerade deutschen Führungskräften mangelt es an der fachlichen Ausbildung, um ein Unternehmen nachhaltig zu restrukturieren und in die Gewinnzone zu bringen. Auf Grund der patriarchischen Hierarchie wird oft an etablierten, aber veralteten Verfahren festgehalten. Somit werden Probleme ausgesessen, was zu einer Unternehmenskrise führen kann. Einer unflexiblen Unternehmensführung gelingt es selten, auf Krisen angemessen zu reagieren. Auf Grund dieses Sachverhalts geraten viele Betriebe in eine wirtschaftliche Zwangslage, die bis zu einer Insolvenz führen kann. Bei vorhandener Sanierungserfahrung wäre eine Liquidierung in einigen Fällen nicht zwingend notwendig.

2.3.2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.3.2.2.1 Forderungsabtretung

Die Abtretung von Forderungen ist im § 398ff BGB geregelt. Voraussetzung für eine gültige Forderungsabtretung ist die Einigung durch Käufer und Verkäufer, welcher in der Regel ein Kaufvertrag (Trade Confirmation) zu Grunde liegt[40]. Dort heißt es, dass ein Altgläubiger (Zedent) eine Forderung an einen Dritten (Zessionar) ohne die Zustimmung des Schuldners abtreten kann, sofern dieses vertraglich zuvor nicht ausdrücklich zwischen Gläubiger und Schuldner ausgeschlossen wurde[41]. In Deutschland können Forderungen mittels Abtretung und Übernahme des Vertrages abgetreten werden. Die Aufgabe des Zedenten besteht darin, dem Zessionar wichtige Informationen, welche zur Geltendmachung der Forderung dienen, zu erteilen und diesem, die dafür nötigen Beweismittel in Form von Urkunden auszuhändigen, wie es in § 402 BGB geregelt ist. Akzessorische Sicherheiten, wie Bürgschaften, Pfandrechte und Hypotheken, gehen gemäß § 401 Abs. 1 BGB automatisch auf den Forderungskäufer über. Nicht akzessorische Sicherheiten wie die Grundschuld, die Garantie oder aber auch bewegliche Sachen müssen gesondert abgetreten werden, hier erfolgt keine automatische Übertragung. Eine stille Zession, bei welcher der Gläubiger nichts von der Abtretung erfährt und die Bank somit weiter sein Ansprechpartner bleibt, wird bei Unternehmenskrediten nicht gerne verwandt, da “die Investoren an der gesamten Kundenbeziehung interessiert sind, was z.B. auch Kontokorrentlinien beinhaltet”[42]. Durch die Abtretung der Forderung gelingt es der verkaufenden Bank Ihre Bilanz und Ihre Risiken zu entlasten. Eine ausführliche Betrachtung dazu erfolgt in Kapitel 3.1.1 Verkaufsanreize und Handlungsalternativen der Banken. Die Übertragung der Ansprüche stellt eine weitere Variante dar. Hierzu bedarf es der Zustimmung aller Beteiligten und darüber hinaus gegebenenfalls von Bürgen, Konsortial-, Bürgschafts- und /oder Förderbanken. Vorteilhaft im Vergleich zur Abtretung ist hier, dass alle Rechte und Pflichten auf den Investor übertragen werden, sodass dieser die Vertragsverhältnisse komplett übernimmt und somit die gesamte Kundenbeziehung überblickt. Die Unterbeteiligung oder auch genannt

[...]


[1] Vgl. o.V. (2009), Creditreform, Studie Unternehmensinsolvenzen in Europa, 2009, o. A.

[2] Vgl. Kuhlwein von, N.; Richthammer, M. (2006), S. 1.

[3] Vgl. Schalast, C.; Daynes, C. (2005), S. 19.

[4] Details siehe Homepage unter: http://www.smava.de.

[5] Vgl. Klein, M., (o.J.), S. 330.

[6] Vgl. Lützenrath, C. et al. (2006), S. 12.

[7] o.V. (2005), S. 4.

[8] Vgl. o.V. (2004), S. 23.

[9] Vgl. Richter, N. (2006), S. 12.

[10] Vgl. Schalast (2007), S. 2.

[11] Vgl. Richter, N. (2006) , S.73.

[12] Vgl. ebd., (2006), S. 73.

[13] Vgl. Richter, N. (2006), S.74.

[14] Vgl. o.V. (2008), S. 4.

[15] Vgl. Richter, N. (2006), S. 74.

[16] o.V. (2005), S.8.

[17] Vgl. Richter, N. (2006), S.75.

[18] Vgl. o.V. (2006)S. 25.

[19] Vgl. o.V. (2008), S. 17.

[20] Vgl. Prof. Dr. jur. Schmelz, K.-J. (2007), S.3.

[21] Vgl. Schalast (2007), S. 1.

[22] Vgl. Schalast, C.; Daynes, C. (2005), S. 32

[23] Vgl. Richter, N. (2006), S.

[24] Vgl. o.V. (2008), S. 12.

[25] Vgl. Lützenrath, C. et al. (2006), S. 14.

[26] Eigene Darstellung in Anlehnung an Lützenrath, C. et al., (2006), S. 14.

[27] Vgl. o.V. (2008), S. 11.

[28] Vgl. Richter, N. (2006), S. 84 f.

[29] Vgl. Froitzheim, R. et al. ,(2006), S. 14.

[30] Vgl. Schalast, C.; Daynes, C. (2005), S. 32.

[31] Vgl. o.V. (2008), S. 12

[32] Vgl. Richter, N. (2006), S. 86.

[33] Vgl. o.V. (2005), S. 11.

[34] Vgl. o.V. (2008), S. 12.

[35] Vgl. o.V. (2008), S. 7.

[36] Vgl. Schalast (2007), S. 1.

[37] Vgl. o.V. (2008), o.S.

[38] Vgl. Bösch, M., Heinig, R. (2007), S. 51.

[39] Vgl. Richter, N. (2006), S. 157

[40] Vgl. Schalast, C.; Daynes, C. (2005), S. 43.

[41] Vgl. Richter, N. (2006), S. 130.

[42] Vgl. ebd., S. 131.

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Non-Performing Loans aus Investorensicht
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule
Veranstaltung
Finanzierung
Note
2.0
Autor
Jahr
2009
Seiten
63
Katalognummer
V141423
ISBN (eBook)
9783640513611
ISBN (Buch)
9783640512072
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausgefallene Kredite, Insolvenz, Investition, Basel II, Basel 2, Sub Performing, Non-Performing, Risiko
Arbeit zitieren
Markus Keller (Autor), 2009, Non-Performing Loans aus Investorensicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141423

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