Ziel dieser Forschungsarbeit ist es, herauszuarbeiten, wie Lernvideos innerhalb des Mathematik-Präsenzunterrichts eingebaut und anhand von welchen Kriterien sie ausgewählt werden. Zusätzlich sollen die Einstellungen von Mathematiklehrkräfte untersucht werden, um mögliche Verbindungen zu ihrer Verwendungsweise von Lernvideos im Mathematikunterricht herzustellen.
Angesichts der Fundierung einer empirische Untersuchung, werden zunächst Lernvideos innerhalb der Wissenschaft untersucht. Dabei werden die Besonderheiten und Anwendungsweisen verschiedener Arten von Lernvideos herausgearbeitet. Zudem wird beschrieben, welche Anwendungsformen innerhalb des Mathematikunterrichts bereits bekannt und erwartbar sind, welche Kriterien aus wissenschaftlich-didaktischer Sicht an Lernvideos gestellt werden und welche Einschränkungen mit der Nutzung von Lernvideos einhergehen. Im darauffolgenden Kapitel werden mathematik-didaktische Grundlagen ausgeführt. Dazu gehören Lerntheorien, die die theoretischen Abläufe von Lernprozessen beschreiben.
Im Anschluss daran folgt der empirische Teil dieser Arbeit. Er wird durch die Entwicklung der Forschungsfrage eröffnet, die sich an den wissenschaftlichen Forschungsergebnissen orientiert. In Kapitel 5 folgt die Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, die das Erhebungs- und Auswertungsverfahrens einschließt, ebenso wie die Darstellung der Stichprobe. Da mithilfe von Leitfadeninterviews Experten in Form von Mathematiklehrkräften befragt werden, werden die erhobenen Daten im Anschluss durch eine qualitative Inhaltsanalyse ausgewertet. Die erhobenen und analysierten Daten werden im sechsten Kapitel als Ergebnisse dargestellt.
Im vorletzten Kapitel wird sich mit den Ergebnissen des Interviews im Zusammenhang mit den vorher herausgearbeiteten Forschungsergebnissen befasst. Es wird diskutiert welche Verwendungsweisen innerhalb des Mathematikunterrichts angewandt, welche Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft und welche Kriterien tatsächlich zur Bewertung von Lernvideos genutzt werden. Als letztes Kapitel gibt das Fazit einen zusammenfassenden Überblick über die vorliegende Untersuchung und liefert Desiderate dieser im Zusammenhang mit Möglichkeiten zur Erweiterung des Vorhabens in der Zukunft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lernvideos
2.1 Kriterien für (gute) Lernvideos
2.2 Lernvideos im Mathematikunterricht
2.3 Grenzen von Lernvideos
2.4 Lernvideos in der heutigen Bildungswelt
3. Grundlagen zur Unterrichtsgestaltung
3.1 Theorien zum Lernen im Mathematikunterricht
3.1.1 Lerntheorien
3.1.2 Selbstbestimmungstheorie
3.1.3 Einstellungen von Lehrkräften
3.2 Relevante Prinzipien der Mathematikdidaktik
3.2.1 Das Genetische Prinzip
3.2.2 Das Spiralprinzip
3.2.3 Das operative Prinzip
3.2.4 Das EIS-Prinzip
3.3 Erklären im Mathematikunterricht
4. Entwicklung der Forschungsfrage
5. Methodische Vorgehensweise
5.1 Qualitative Forschung und Verortung der Studie
Erhebungsverfahren
5.1.1 Fragebogen vor Interview
5.1.2 Interviewleitfaden
5.1.3 YouTube Video im Interview
5.1.4 Ablauf der Interviews
5.2 Auswertungsverfahren – die qualitative Inhaltsanalyse
5.3 Stichprobe
6. Ergebnisse
6.1 Lernüberzeugung im Allgemeinen – mithilfe von Fragebogen
6.2 Lernvideobewertung von Lehrkräften
6.3 Eigene Erfahrungen zur Nutzung mit Lernvideos
6.4 Kriterien für Lernvideos
6.5 Vor- und Nachteile von Lernvideos
6.6 Induktive Kodierungen
6.6.1 interaktive Videos
6.6.2 Themen im Mathematikunterricht
6.6.3 Differenzierung durch Lernvideos
7. Diskussion der Ergebnisse
7.1 Einfluss der Pandemiesituation auf den Einsatz von Lernvideos
7.2 Einsatz von Lernvideos im Mathematikunterricht
7.3 Kriterien für Lernvideos im Mathematikunterricht
7.4 Vor- und Nachteile
7.5 Auswirkungen von Einstellungen auf Lernvideonutzung
7.6 Reflexion der Methode
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Forschungsarbeit untersucht, wie Lernvideos im Mathematik-Präsenzunterricht eingesetzt werden und nach welchen Kriterien Lehrkräfte diese auswählen. Ein zentrales Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen den didaktischen Einstellungen der Mathematiklehrkräfte und ihrer spezifischen Verwendung von Lernvideos im Unterricht zu identifizieren und zu analysieren.
- Analyse des aktuellen Nutzungsverhaltens von Lernvideos durch Mathematiklehrkräfte
- Identifikation relevanter Qualitätskriterien für den Auswahlprozess von Lernvideos
- Untersuchung des Einflusses der Covid-19-Pandemie auf die Integration digitaler Lernangebote
- Ermittlung von Zusammenhängen zwischen Lehrerüberzeugungen und der Verwendungsweise
- Reflexion der methodischen Qualität durch qualitative Interviews mit Lehrkräften
Auszug aus dem Buch
2. Lernvideos
Lernvideos werden ganz generell verstanden als Videos, die zum Lernen dienen. Der Begriff wird oft ohne ausdrückliche Definition verwendet, da klar ist was Videos sind und der vorgeschaltete Begriff des Lernens ebenfalls klar erscheint (vgl. Altieri et al., 2018; Schön & Ebner, 2013; Werner et al., 2018). Dabei bleibt häufig unklar welche Merkmale charakterisierend für solche Videos sind (vgl. Bednorz & Bruhn, 2021, S. 10). Videos im Allgemeinen können durch ihr Ansprechen zweier Sinneskanäle charakterisiert werden – visuell und auditiv – was im Vergleich zu anderen Lernmaterialien (z. B. Bildern oder Arbeitsblättern) einen starken Bezug zur Realität der Zuschauer:innen bewirken kann (vgl. Tesar et al., 2011, S. 4).
Es existieren viele verschiedene Arten von Videos und Filmen, die im Unterricht genutzt werden können, was eine genaue Definition des Begriffs „Lernvideo“ ebenfalls erschwert. Wolf (2015) grenzt in seinem Aufsatz Erklärvideos von Videotutorials, Performanzvideos und Lehrfilmen ab. Tutorials sind dabei eine Unterkategorie von Erklärvideos, in welchen eine konkrete Handlung demonstriert wird und die Zuschauer:innen zur Nachahmung anregen beziehungsweise anleiten soll. Performanzvideos stellen Videos dar, „in denen Fertigkeiten im Sinne einer Dokumentation oder einer Selbstdarstellung ohne weitere didaktische Aufarbeitung gezeigt werden“ (Wolf, 2015, S. 31). Lehrfilme beschreiben Videos, die in einem professionellen Kontext produziert werden (vgl. ebd., S. 31). Bei all diesen Videoarten können Inhalte gezeigt werden, die präsent schwer umsetzbar oder in Worte zu fassen wären (vgl. Schön & Ebner, 2013, S. 6).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz digitaler Medien und speziell Lernvideos im Mathematikunterricht ein und formuliert das Ziel der Forschungsarbeit.
2. Lernvideos: Das Kapitel definiert den Begriff "Lernvideo", beschreibt verschiedene Videoarten und diskutiert Kriterienkataloge sowie Einsatzmöglichkeiten im pädagogischen Kontext.
3. Grundlagen zur Unterrichtsgestaltung: Hier werden lerntheoretische Grundlagen, didaktische Prinzipien der Mathematik und Anforderungen an das Erklären im Mathematikunterricht theoretisch erarbeitet.
4. Entwicklung der Forschungsfrage: Auf Basis des Theorieteils werden hier das Forschungsinteresse konkretisiert und die zentralen Forschungsfragen sowie Hypothesen entwickelt.
5. Methodische Vorgehensweise: Dieses Kapitel erläutert das Forschungsdesign der qualitativen Studie, einschließlich der Stichprobenwahl, der Experteninterviews und der qualitativen Inhaltsanalyse.
6. Ergebnisse: Die erhobenen Daten aus Fragebögen und Interviews werden in diesem Kapitel deskriptiv und induktiv aufbereitet und analysiert.
7. Diskussion der Ergebnisse: Die zentralen Befunde werden in einen größeren Kontext eingeordnet, mit den Hypothesen abgeglichen und methodisch kritisch reflektiert.
8. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichsten Erkenntnisse zusammen und liefert einen Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe im Bereich digitaler Medien im Unterricht.
Schlüsselwörter
Lernvideos, Mathematikunterricht, Erklärvideos, Lehrerüberzeugungen, Digitale Bildung, Unterrichtsgestaltung, Flipped Classroom, Qualitative Inhaltsanalyse, Medienkompetenz, Mathematische Didaktik, Lernprozesse, Zusatzmaterial, Lehr-Lern-Formate, YouTube, Differenzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den aktuellen Einsatz von Lernvideos in der alltäglichen Praxis von Mathematiklehrkräften und beleuchtet, nach welchen Kriterien diese Videos ausgewählt und in den Präsenzunterricht integriert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle von Lernvideos im Mathematikunterricht, die didaktische Einbettung in moderne Unterrichtskonzepte wie Flipped Classroom, die subjektiven Qualitätskriterien von Lehrkräften sowie die Einstellung der Lehrpersonen zu digitalen Lernmedien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die primäre Forschungsfrage lautet: Wie werden Lernvideos von Lehrkräften innerhalb ihres Mathematikunterrichts derzeit eingesetzt und nach welchen Kriterien wählen Lehrkräfte die genutzten Videos aus?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Studie. Dabei wurden sieben Mathematiklehrkräfte mittels offener Leitfadeninterviews befragt, ergänzt durch einen standardisierten Fragebogen, und die Daten wurden anschließend durch eine qualitative Inhaltsanalyse ausgewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung (Lerntheorien, Didaktik, Kriterienkataloge) und den empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der Interviews präsentiert und im anschließenden Diskussionsteil ausgewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Lernvideos, Flipped Classroom, Mathematikinhalte, Lehrerperspektive, Lehr-Lern-Formate und didaktische Qualität beschreiben.
Wie wirken sich die Einstellungen der Lehrkräfte auf die Nutzung von Lernvideos aus?
Obwohl eine allgemeine konstruktivistische Grundtendenz bei den befragten Lehrkräften erkennbar ist, zeigen sich individuelle Unterschiede in der Anwendungshäufigkeit, wobei insbesondere das Unterrichtskonzept der Lehrkraft (z. B. Integration im Lehrplan vs. punktueller Einsatz) die Nutzung maßgeblich beeinflusst.
Spielt die Pandemiesituation eine Rolle für die Ergebnisse?
Ja, die Pandemie hat bei allen befragten Lehrkräften initial zu ersten Erfahrungen mit der Produktion und dem Einsatz von Lernvideos geführt, wobei diese Erfahrungen für einige als Impuls für dauerhafte Konzepte dienten, während andere nach der Rückkehr zum Präsenzunterricht eher zu gewohnten Routinen zurückkehrten.
- Quote paper
- Eva Schmidt-Hengst (Author), 2022, Lernvideos im Mathematikunterricht. Nutzung und Bewertung durch Lehrkräfte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1415651