Konflikt - altersspezifische Sprachkonflikte und Umgang mit Alter in der Gesellschaft


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
24 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Umgang mit Alten in anderen Kulturen
1.2 Der Stil des Alters

2 Altersspezifische Konflikte
2.1 Altersbilder
2.2 Geschlechtsspezifische Altersbilder
2.3 Veränderung sprachlich – kommunikativer Fähigkeiten
2.4 Soziale Veränderungen
2.5 Distanzierung durch Sprache
2.6 Das Alter in der Sprache
2.7 Altersdarstellungen in den Medien

3 Kommunikation im Alter
3.1 Konzepte von Alter
3.2 Annäherungen an die Altersspezifik
3.3 Sprache und Kommunikation im Alter

4 Zusammenfassung

Bibliographie

1 Einleitung

1.1 Umgang mit Alten in anderen Kulturen

Das Wort Konflikt kommt von dem lateinischen Verb confligere – zusammentreffen oder kämpfen. Dies bezeichnet also eine Auseinandersetzung zwischen mindestens zwei Parteien (intrapersonell), mehreren Parteien (interpersonell) oder ganzen Organisationssystemen (organisatorische). Man unterscheidet Konflikte auf unterschiedlichen Ebenen, die verschiedene Ergebnisse erfordern. So gibt es politische Konflikte, die auf höherer Ebene versuchen, nationale Interessen zu vertreten und so gibt es auch soziale Konflikte, die auf soziologischer Ebene ausgetragen werden.

Hier soll es nun um den Konflikt zwischen Jung und Alt gehen – die Missverständnisse, die zwischen den Generationen herrschen und die Ursachen dafür. Bevor ich dieses Thema nun genauer beleuchten werde, möchte ich kurz darauf eingehen, wie andere Nationen mit ihren Alten umgehen.

Die Joseph Rowntree Foundation ermittelte, dass es in Amerika weit verbreitet ist, alte Menschen als Last, als ein zu lösendes Problem oder als kranken und verletzlichen Patienten anzusehen, dessen Rechte durch den Bedarf an Sozialpflege beschränkt ist. Ihre Situation lässt sich nicht dadurch verbessern, dass man Darstellungen erschafft, in denen sie zumindest teilweise physisch mit jüngeren Menschen mithalten können. Bezug nehmend auf den Surgeon General's Report, "Older Adults and Mental Health“ lässt sich sagen, dass 20 von den ab 55 - jährigen in den USA an psychischen Problemen leiden. Die vierthäufigste Todesursache unter den Älteren ist Alzheimer und selbst die höchste Suizidrate in den USA liegt bei den über 65 – jährigen. Jedes Jahr nehmen sich ca. 6000 ältere Menschen das Leben. Im letzten Jahr gab es heftige Diskussionen zwischen der Führungsspitze der staatlichen Sozialhilfe, Dame Denise Platt, und dem Kanzler. Ich ihrem Bericht warnte sie davor, dass 70% der Gemeindebehörden den Hauspflegeservice nur noch den alten Menschen zugestehen, die so schwach sind, dass sie Hilfe bedürfen, um aus dem Bett zu steigen und sich zu ernähren. Diejenigen, die mäßige Schwierigkeiten haben, wie beispielsweise Beweglichkeitsprobleme oder Depressionen, qualifizieren sich nicht mehr unbedingt für Staatliche Hilfen, sondern sind auf ihre Familien und Freunde angewiesen.

Eben dieser Fakt kann und führt auch zu Konflikten zwischen den Generationen, der laut dem Minister für Sozialhilfe, Ivan Lewis, durch demografische Probleme zustande kommt. In Indien hat man sich lange Zeit überhaupt nicht für die Gruppe der Senioren interessiert und man beschäftigt sich erst seit kurzem mit diesem Problem. Traditionell ist es dort eben so, dass die Männer für die Erhaltung der Familie sorgen – die Väter für ihre Kinder, die Söhne für ihre Eltern. Dementsprechend leben auch heute noch mehrere Generationen unter einem Dach. Dennoch ist es so, dass die Menschen im Zuge der Verstädterung mobiler werden und die Älteren doch mehr auf sich allein gestellt sind, als es noch vor Jahren der Fall war.

„Anfang 1999 wurde von der Regierung das erste Programm mit den Schwerpunkten finanzielle Sicherheit, Gesundheit und Ernährung, Bildung, Wohnen, Wohlfahrt sowie Lebens- und Eigentumsschutz angekündigt. Menschen über 65 Jahren, die und deren Familie unter der Armutsgrenze leben, erhalten einen Betrag von 75 Rupien im Monat. Die Kosten für den Bau sowie laufende Kosten von Altenheimen und Tageseinrichtungen, für mobile Gesundheits- und Sozialdienste für alte Menschen werden zu 90 % von der Regierung getragen. Zurzeit gibt es ca. 1.000 Altenheimen in Indien.“[1]

Spanien mangelt es an freien Betten in Altenpflegeheimen, also müssen manche alten Leute sehr lange auf einen freien Platz warten, wenn sie sich keinen Platz in einem privaten heim leisten können. Doch auch hier ist es von Vorteil, dass die alte Tradition, dass mehrere Generationen unter einem Dach leben, noch immer beständig ist. Allerdings ist es auch so, dass Pflege für ältere Menschen auf lange Sicht gesehen, nicht garantiert ist.

Es gibt also ähnliche Probleme mit der Behandlung alter Leute in den verschiedenen Ländern, die eine Lösung fordern. Unter den genannten Aspekten, möchte ich nun die Lage in Deutschland schildern.

1.2 Der Stil des Alters

Der Prozess des Alterns ist in unserer Gesellschaft nicht Positivthema, was nicht zuletzt auch sehr stark durch die Medien geschürt wird. Schönheitsoperationen, die im Windeseile Standard werden, Faltencremes und häufige Versprechen ewiger Jugend.

Das Bild der letzten Phase des Lebens – eines älteren Menschen, dessen Haare erblassen und die haut erschlafft, hat in unseren Köpfen keinen Platz, weil es uns wohl zu sehr an die Vergänglichkeit unseres Daseins erinnert.

Diese Form der Verdrängung findet aber nicht nur auf alltäglicher Ebene statt, sondern eben auch auf wissenschaftlicher. Während in den letzten Jahren unzählige Bücher über die Art und Weise wie Jugendliche kommunizieren, geschrieben wurden, so gibt es doch kaum und nur sehr wenige linguistische Untersuchungen über das Alter. Es gibt jedoch eine linguistische Form, mit der auf das Alter Bezug genommen wird, die Festschriften.

„Festschriften sind eine wissenschaftliche Institution zur Ehrung des wissenschaftlichen Lebenswerks – eines Lebenswerks, das nur durch Altern und das Erreichen eines bestimmten Alters zustande gebracht werden konnte. Sie sind eine der wenigen Einrichtungen dieser Gesellschaft, bei der Alter – gebunden an markante numerische Geburtstage – als Voraussetzung zur Erbringung von Leistungen gewürdigt wird. Festschriften haben so einen ambivalenten Charakter: Sie würdigen das Lebenswerk, verweisen aber zugleich darauf, dass die geehrte Person ein bestimmtes Alter erreicht hat und das Ende der wissenschaftlichen Berufstätigkeit in die Nähe gerückt ist.“[2]

2 Altersspezifische Konflikte

2.1 Altersbilder

Wenn man das Alter betrachtet und es dabei mit Zeit und Kultur verbunden sieht, dann kann man sich auch die Frage nach den Bildern des Alters stellen, die sich innerhalb eines Kulturkreises ergeben.

Diese Bilder reflektieren die Stellung der älteren Menschen in einer Gesellschaft und finden sich zum einen in dem älteren Menschen selbst und zum anderen auch in anderen sozialen Gruppen wieder. Auch bei der Gruppe der Alten ist es so, dass Kommunikation auch immer ein Stück weit von Stereotypen behaftet ist, so dass eben diese auch einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Kommunikation zwischen alten und jungen Menschen hat.

Es gibt zwei Wege, das Alter zu deuten. Der erste Weg besteht darin, das leben beziehungsweise das Altern als auf- und absteigende Lebensphasen zu bezeichnen. Man spricht in diesem Fall von Lebensstufen oder Lebenstreppen. Bis zu dem 25. Jahr spricht man vom Aufstieg, alle Lebensjahre danach stellen bereits den Abstieg dar, der sich in den verschiedensten Bereichen des Lebens bemerkbar macht.

Die zweite Möglichkeit das Alter zu deuten, ist die Vorstellung von der Erschöpfung der Lebenskraft. Im Verlauf der Jahre verringert sich die Lebenskraft und endet letztlich in der so genannten Altersschwäche. Beide Ansätze haben eine Gemeinsamkeit, denn in beiden Fällen wird das Alter mit negativen Wortbedeutungen belegt.

„Diese Vorstellungen vom Auf- und Abstieg des Lebens führten zur Konzeption des die Gesamtgruppe der Älteren umfassenden, universellen und generellen Abbaus der kognitiven Leistungsfähigkeit, dem so genannten Defizitmodell des Alterns. Diese Defizit-Modelle des Alterns, die für alle Lebensbereiche eines Individuums angenommen wurden, vermitteln ein Bild über das Altern als ein vorrangig mit Einbußen und Verlusten gekoppelter Prozess und haben sowohl auf die wissenschaftliche Forschung als auch auf die Alltagsvorstellung über das Altern großen Einfluss.“[3]

Dieses eben erwähnte Defizitmodell beschreibt das Altern als Leistungsabbau, der kontinuierliche und natürlich abläuft und behauptet auch, dass es einen Zusammenhang zwischen diesem Leistungsabbau und dem numerischen Alter gibt. Lehr (1988) differenziert noch mal innerhalb des Modells zwischen Defekt- und Disusemodell. Sein Defektmodell geht davon aus, dass die nachlassenden Fähigkeiten nicht umkehrbar sind und dass man dem Verfall auch nicht entgegenwirken kann. Dies gilt sowohl für die Physis als auch für die Psyche. Das Disusemodell geht einerseits zwar auch davon aus, dass gewisse Leistungen im Alter nachlassen, sagt aber andererseits aus, dass das ebenso gut einfach aus Mangel an Übung passiert.

Bestimmte Fertigkeiten werden nicht mehr so häufig in Anspruch genommen und lassen daher nach, das bedeutet also umgekehrt, dass diese Defizite doch beeinflussbar sind und nicht grundsätzlich irreversibel. Seit den 70er Jahren wird das Defizitmodell zwar sehr hart kritisiert und in Frage gestellt, aber gerade die Vorurteile, mit denen sich dieses Modell beschäftigt, nicht immer noch nicht ganz von der Hand zu weisen.

2.2 Geschlechtsspezifische Altersbilder

Aus dem bereits Geschriebenen kann man schlussfolgern, dass die Altersbilder als Reflektion ihrer Zeit und der jeweiligen gesellschaftlichen Situation bezeichnet werden können. Dabei spielen insbesondere soziale und wirtschaftliche Faktoren eine entscheidende Rolle, da das Altern auch immer in seinem geschichtlichen Rahmen betrachtet werden sollte, um die Hintergründe der jeweiligen Auffassungen besser verstehen zu können. Die Position der Alten ist demnach also ach eine Statusfrage. Die Regelung, dass ältere Menschen Vorrang haben sollten, geht weit in die Geschichte zurück und ist auch heute noch teilweise zu belegen, wenn man allein nur den Phraseologismus Alter vor Schönheit betrachtet.

Wie sehen diese Phasen nun also aus. Der Übergang von den Jägern und Sammlern hinzu den Ackerbauern wird als erste Phase einer Altermacht benannt und ist auch unter dem Begriff neolithische Revolution bekannt. Dies spielte sich um 10000 v.Chr. ab und ist daher wichtig, weil sich hier für die Alten neue Rollen ergaben wie beispielsweise Heiratsvereinbarungen schließen. Als sich später z.B. in Ägypten langsam Hochkulturen herausbildeten, veränderten sich die Struktur der Gesellschaft und somit folglich auch die Position der Alten innerhalb dieser und sie verloren an Einfluss. Das bekannte Prinzip aus dem alten Griechenland, welches alte Männer für die Gerichtsbarkeit einsetzte, wurde zur gleichen Zeit verändert und gewählte Richter eingesetzt, so dass hier auch wieder der Einfluss eingegrenzt wurde. Ein besonderes Beispiel ist auch das europäische Mittelalter, denn gerade zu der Zeit war es auf Grund von schlechten Lebensbedingungen nicht üblich, dass die Menschen ein hohes Alter erreichten und somit wurden die wenigen über 60-Jährigen zu wichtigen Repräsentanten der Städte. So waren die Alten vielleicht lange Jahre nicht unbedingt der privilegierte Teil der Gesellschaft, aber ihnen wurde mit Respekt entgegengetreten, sei es, weil der Älteste auch Familienoberhaupt war oder weil sie natürlicherweise auch mehr Wissen an die folgenden Generationen weitergeben konnten.

Ich denke, dass sich das Bild der Alten im Laufe der Jahrhunderte negativ veränderte, weil mangelhafte hygienische und medizinische Zustände, sowie unausgewogene Ernährung dazu führten, dass die Lebenserwartung (welche im 16.Jhd. bei ca. 25 lag – Ehmer 1990) der Menschen nicht hoch war und man deshalb das Alter auch als etwas negatives betrachtet hat. Denn gerade im hohen Alter zeigen sich die Spuren, die das Leben hinterlassen hat. Harte Arbeit hinterlässt einerseits physische Spuren und andererseits ruft sie auch psychische Veränderungen hervor.

Eine weitere geschichtliche und sehr einschneidende Phase ist die Industrialisierung. Als man im 19.Jhd. begann das Land zu verlassen und in die Stadt zu ziehen, überließ man viele alte Menschen sich selbst, die nicht zuletzt häufig elend lebten. Einst starke Familienunternehmen verloren an Beständigkeit, da sie mit der Produktionsmasse der neuen Massenproduktion natürlich schlecht mithalten konnten. Es wurde viel und im Akkord produziert, so dass man auf starke und belastbare Personen zurückgreifen musste und auch konnte. Dort blieb für die Alten also kein Platz, so dass viele Arbeitsplätze verloren gingen. Von diesem Umschwung waren aber nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen betroffen, die infolgedessen, dass die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde, ihre Rolle als Erzieher bzw. als Lehrer verloren. Die Aufgaben der Alten wurden im Laufe der Zeit so gekürzt, dass sie sich nun mehr sich selbst überlassen waren. Somit rückte die soziale Kategorie Alter auch in die Öffentlichkeit. Der Reichskanzler Otto von Bismarck machte das mit der Einführung der Altersversicherung deutlich. „Die politischen Veränderungen, die medizinische Versorgung und die soziale wie finanzielle Verbesserung der Lebensumstände führten zu einer Konstituierung des Alters durch dessen ökonomische Absicherung.“[4]

Daraus lässt sich einfach entnehmen, dass sich die Lebenserwartung erhöht, wenn die Lebensumstände erträglicher und besser sind – sowohl auf medizinischer, als auch auf wirtschaftlicher Basis. „Diese Entwicklungen hatten zwar eine Verbesserung der Lebensverhältnisse, nicht jedoch eine grundlegende Veränderung der vorherrschenden Altersbilder zur Folge. Wurde im Biedermeier das Alter zeitweise romantisch verklärt und idyllisch überhöht, so machte dies dem ausgeprägten Jugendkult zur Jahrhundertwende Platz.“[5]

Wie bereits angesprochen, änderte sich gerade auch für die Frauen einiges. Im 19.Jhd. war die Rolle der Oma mit Bildern des Kinderhütens und des Strickens verbunden.

[...]


[1] http://www.hope-international.org/indien-aktuell/indien-benachteiligte1.html#Alte

[2] Fiehler 2002, S. 499

[3] Thimm 2000, S. 40

[4] Ehmer 1990, S.88

[5] Thimm 2000, S.46

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Konflikt - altersspezifische Sprachkonflikte und Umgang mit Alter in der Gesellschaft
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Veranstaltung
Vagheit und Mehrdeutigkeit
Note
2,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V141588
ISBN (eBook)
9783640504862
ISBN (Buch)
9783640504961
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konflikt, Sprachkonflikte, Umgang, Alter, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Linda Fährke (Autor), 2008, Konflikt - altersspezifische Sprachkonflikte und Umgang mit Alter in der Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141588

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