Da ich selber einen Migrationshintergrund habe und angehende Lehrerin bin, ist es mir wichtig, das Thema Bildungsungleichheit und -diskrimierung im deutschen Bildungssystem zu untersuchen und Lösungsansätze für eine wertschätzende Bildung innerhalb der Migrationsgesellschaft aufzuzeigen. Da nur Lösungsansätze innerhalb der Migrationsgesellschaft aufgezeigt werden sollen, ist die Untersuchung der Ungleichheit und Benachteiligung auf solche, die im Zusammenhang mit Migration stehen, beschränkt. Ich werde untersuchen, ob und welche Ungleichheiten und Diskriminierungen im Zusammenhang mit der Migration bestehen und welche Ansätze es im deutschen Bildungssystem gibt, hierauf einzuwirken, um diese zu beseitigen oder wenigstens deutlich zu verringern.
Die vorliegende Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Im zweiten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen und Fachdefinitionen zusammengetragen. Im Zusammenhang mit den verschiedenen Arten der Migration erörtere ich die Begriffe Integration, Assimilation, Inklusion und Akkulturation, die zu den Migrationstheorien gehören. Daraufhin werden die Begriffe Bildung, Bildungsungleichheit, Bildungsbenachteiligung und Diskriminierung definiert. Zudem wird beschrieben, was unter Migrationshintergrund und Migrationsgesellschaft zu verstehen ist. Im dritten Kapitel wird unter Berücksichtigung statistischer Forschungen dargelegt, dass in der Ausbildung, besonders in der Schule, Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund diskriminiert werden. Im vierten Kapitel werden die theoretischen Ursachen für die Bildungsungleichheit dargestellt. Hierbei werden unter anderem die Ansätze der Theoretiker Raymond Boudon und Pierre Bourdieu thematisiert. Im fünften Kapitel werden schließlich Lösungsansätze beschrieben, wobei mein Hauptaugen-merk auf der innerschulischen und sprachlichen Betrachtungsweise liegt. Mit der innerschulischen Betrachtungsweise ist das Schulsystem und mit der sprachlichen Betrachtungsweise ist die Bedeutung von Deutsch als Mutter- oder als Fremdsprache gemeint. Zudem wird auch das auf Grundüberzeugungen aufgebaute Verhalten von Lehrkräften (Habitus) erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Migration und Migrationstheorien: Integration, Assimilation, Inklusion, Akkulturation
2.2 Migrationshintergrund und Migrationsgesellschaft
2.3 Bildung, Bildungsungleichheit und Bildungsbenachteiligung
2.4 Diskriminierung
2.5 Zusammenhang und Abgrenzung
3 Ungleichbehandlung und Benachteiligung
3.1 PISA- und IGLU-Studien – Grundlagen, Methoden und Ergebnisse
3.1.1 Grundlagen und Methoden
3.1.2 Ergebnisse der PISA- und IGLU-Studie
3.2 Andere statistische Quellen
4 Ursachen für die Bildungsungleichheit von Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund
4.1 Soziale Ungleichheit – die Theorie von Raymond Boudon
4.1.1 Der primäre Herkunftseffekt
4.1.2 Der sekundäre Herkunftseffekt
4.2 Pierre Bourdieu und der Kapitalbegriff
4.2.1 Habitus und Feld
4.2.2 Modell soziokultureller Reproduktion
4.3 Die Schule als Ort institutioneller Diskriminierung
5 Ermittelte Ursachen und mögliche Lösungsansätze für die Reduzierung von Bildungsungleichheit
5.1 Innerschulische Betrachtungsweise: Das deutsche Schulsystem und resultierende Lösungsansätze
5.2 Habitus von Lehrkräften und daraus resultierende Lösungsansätze
5.3 Sprachliche Betrachtungsweise: Deutsch als Fremdsprache und Lösungsansätze
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Ausmaß der Bildungsungleichheit und -diskriminierung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem und identifiziert auf dieser Basis Lösungsansätze für eine wertschätzende Bildung innerhalb der Migrationsgesellschaft.
- Analyse der theoretischen Hintergründe von Migration, Bildung und Diskriminierung
- Auswertung von PISA- und IGLU-Studien sowie statistischer Daten zum Bildungserfolg
- Darstellung soziologischer Ursachenmodelle (Boudon, Bourdieu) für Bildungsbenachteiligung
- Diskussion der Rolle des institutionellen Schulsystems und des Habitus von Lehrkräften
- Entwicklung von Lösungsstrategien für mehr Bildungsgerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
Die Schule als Ort institutioneller Diskriminierung
Eine Ungleichbehandlung oder Benachteiligung einzelner Personen oder Gruppen findet auch in der Schule statt (vgl. Gomolla, zitiert nach Fereidooni 2011: 23). In der vorliegenden Arbeit ist die Thematisierung der institutionellen Diskriminierung von großer Bedeutung, da sie die Auswirkungen am Beispiel des deutschen Bildungssystem verdeutlicht. Aus den Studien von Gomolla u.a. folgt, dass es in Schulen sowohl zu bewusster als auch zu unbewusster Diskriminierung und Benachteiligung von Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund kommt (vgl. Steinbach 2008: 88). Nach Gomolla (2006) werden Kinder in Bildungseinrichtungen wegen kultureller, religiöser oder ethnischer Zugehörigkeit diskriminiert (vgl. Steinbach 2008: 57).
Die institutionelle Diskriminierung ist in direkte und indirekte Diskriminierung unterteilt, wobei erstere regelmäßige, bewusste bzw. geplante Handlungen in Organisationen beschreibt und sich somit auf die formalen Benachteiligungen bezieht. Mit indirekter institutioneller Diskriminierung wird „[...] die gesamte Bandbreite institutioneller Vorkehrungen, die Angehörige bestimmter Gruppen, wie ethnischer Minderheiten[...]“ (Gomolla 2006: 2) beschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der bildungssystembedingten Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Migration, Bildung, Diskriminierung sowie Migrationshintergrund und setzt sie in den relevanten Kontext.
3 Ungleichbehandlung und Benachteiligung: Anhand internationaler Schulleistungsstudien (PISA, IGLU) und weiterer Statistiken wird empirisch die Bildungsbenachteiligung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund dargelegt.
4 Ursachen für die Bildungsungleichheit von Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund: Hier werden soziologische Erklärungsmodelle von Raymond Boudon und Pierre Bourdieu sowie das Konzept der institutionellen Diskriminierung angewandt, um Bildungsungleichheit theoretisch zu ergründen.
5 Ermittelte Ursachen und mögliche Lösungsansätze für die Reduzierung von Bildungsungleichheit: Das Kapitel diskutiert das deutsche Schulsystem, den Habitus von Lehrkräften und sprachliche Aspekte, um auf dieser Basis konkrete Lösungsansätze zu formulieren.
6. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit chancengleicher Bildungszugänge für alle Kinder sowie strukturelle Reformen im Schulwesen.
Schlüsselwörter
Bildungsungleichheit, Diskriminierung, Migrationshintergrund, Bildungsbenachteiligung, Schulsystem, Migration, Chancengleichheit, Soziale Herkunft, Institutionelle Diskriminierung, Pierre Bourdieu, Raymond Boudon, Sprachförderung, Lehrkräftehabitus, Inklusion, Bildungsgerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem und untersucht Möglichkeiten, wie eine gerechtere und wertschätzendere Bildung realisiert werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Migration, empirische Belege für Bildungsungleichheit (durch Studien wie PISA), soziologische Ursachenanalysen sowie konkrete Lösungsansätze innerhalb des Schulsystems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, existierende Ungleichheiten und Diskriminierungsmechanismen im deutschen Schulwesen aufzuzeigen und Ansätze zu beschreiben, wie diese beseitigt oder deutlich verringert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine Literatur- und Analysearbeit, die auf Basis bestehender wissenschaftlicher Theorien (z.B. Boudon, Bourdieu) sowie der Auswertung empirischer Studien und Statistiken eine fundierte Argumentation aufbaut.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine empirische Bestandsaufnahme der Bildungsbenachteiligung, deren theoretische Begründung durch soziologische Konzepte sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der innerschulischen Praxis und dem Habitus von Lehrkräften.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Bedeutende Begriffe sind Bildungsungleichheit, institutionelle Diskriminierung, Migrationshintergrund, Chancengleichheit und bildungssoziologische Analysen.
Wie bewerten die herangezogenen soziologischen Theorien die Rolle des Kapitals?
Insbesondere Pierre Bourdieu sieht in den Kapitalformen (ökonomisch, kulturell, sozial) die Ursache dafür, dass Kinder aus privilegierten Familien bessere Bildungschancen haben, da das bestehende Schulsystem diese Kapitalformen voraussetzt.
Warum hält die Autorin das bestehende Schulsystem für problematisch?
Die Autorin kritisiert das mehrgliedrige deutsche Schulsystem, da es Kinder zu früh nach sozialen Kriterien selektiert, was für Kinder mit Migrationshintergrund häufig prekäre Bildungs- und Berufsaussichten zur Folge hat.
- Quote paper
- Vian Muslem (Author), 2022, Bildungsungleichheit und -diskriminierung im deutschen Bildungssystem. Lösungsansätze für eine wertschätzende Bildung innerhalb der Migrationsgesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1416079