Innerhalb der vorliegenden empirischen Arbeit soll erforscht werden, welche Selbstkonzepte Seiteneinsteiger*innen besitzen und wo sie selbst Stärken und Schwächen in der Rolle als Lehrkraft sehen. Dazu sollen vor allem die 4 Bereiche „Unterrichten, Beurteilen, Innovieren und Erziehen“, welche als Standards für die Lehrerbildung zusammengefasst werden, im Mittelpunkt stehen.
In Bezug auf die Professionalisierung von Seiteneinsteiger*innen soll nach den Unterstützungsmaßnahmen geforscht werden, welche mögliche Schwächen optimieren. Hier stehen die Qualifizierungsmöglichkeiten, die Unterstützung durch die Einzelschule und die Selbstprofessionalisierung im Zentrum. Was wird den Seiteneinsteiger*innen zur Verfügung gestellt, was nutzen sie davon und was wiederum nicht? Als Methode wird ein Leitfadeninterview mit Seiteneinsteiger*innen aus dem Landkreis Stendal, welche alle an der Schulform Sekundarschule unterrichten, durchgeführt. Insgesamt stehen 5 Lehrkräfte zur Verfügung, welche nicht grundständig ausgebildet wurden und somit einen alternativen Weg zum Lehramt gewählt haben. Anhand der Ergebnisse soll analysiert werden, ob Seiteneinsteiger*innen ausreichend Möglichkeiten erhalten, um ihre Professionalität weiterzuentwickeln und falls ja, diese auch nutzen.
Zum besseren Verständnis werden zu Beginn der Arbeit die theoretischen Grundlagen geklärt. Dazu zählt zum einen die Erläuterung des Selbstkonzeptes und deren Modelle (Kap. 2). Zum anderen die Professionalisierung mit verschiedenen Begrifflichkeiten und Ansätzen sowie der Professionalisierung im Lehrerberuf (Kap. 3). Das letzte Kapitel zur Theorie beschäftigt sich mit den Seiteneinsteiger*innen (Kap. 4). Anschließend erfolgt in Kapitel 5 der Forschungsstand, wo es um Merkmale, Selbstkonzepte und Professionalisierung von Seiteneinsteiger*innen geht. Danach werden die Forschungsfragen (Kap. 6) und die Methode der Studie (Kap. 7) vorgestellt. Daraufhin wird die Auswertung des Leitfadeninterviews anhand der qualitativen Inhaltsanalyse erklärt (Kap. 8) und im Anschluss die Ergebnisse der Befragung (Kap. 9) erläutert und zusammengefasst. Im vorletzten Kapitel werden die Ergebnisse diskutiert und auf deren Grundlage die Forschungsfragen beantwortet. Die Arbeit schließt mit einem Fazit und einem Ausblick ab, in welchem mögliche Forschungen erklärt werden, welche an die Erkenntnisse dieser Studie anknüpfen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Selbstkonzept
2.1 Zum Begriff des Selbstkonzeptes
2.2 Modelle des Selbstkonzepts
2.2.1 Ansatz nach Epstein
2.2.2 Selbstkonzeptmodell nach Shavelson et al.
3. Professionalisierung
3.1 Berufliches und professionelles Handeln
3.2 Der Begriff der Professionalität
3.3 Der Begriff der Professionalisierung
3.4 Professionstheoretische Ansätze
3.4.1 Der strukturtheoretische Ansatz
3.4.2 Der kompetenztheoretische Ansatz
3.4.3 Der (berufs-)biografische Ansatz
3.5 Professionalisierung im Lehrerberuf
4. Seiteneinsteiger*in
4.1 Zum Begriff Seiteneinsteiger*in
4.2 Lehrermangel in Sachsen-Anhalt
5. Forschungsstand
5.1 Merkmale von Quer-/Seiteneinsteiger*innen
5.2 Selbstkonzepte von Seiteneinsteiger*innen
5.3 Professionalisierung von Seiteneinsteiger*innen
6. Fragestellungen
7. Methode der Studie
7.1 Leitfadeninterview
7.2 Begründung des Leitfadeninterviews: Vor- und Nachteile
7.3 Stichprobe/Teilnehmende
8. Auswertung des Leitfadeninterviews anhand der qualitativen Inhaltsanalyse
8.1 Transkription der Interviews
8.2 Daten erkunden
8.3 Kategoriensystem erstellen
8.3.1 Überblick über die Kategorien
8.3.2 Kategorienentwicklung nach Mayring
8.4 Codieren der Interviews
8.5 Gütekriterien
8.6 Begründung der qualitativen Inhaltsanalyse: Vor- und Nachteile
9. Ergebnisse der Befragung
9.1 Fallbeispiel Frau X
9.2 Fallbeispiel Frau X
9.3 Fallbeispiel Anonym
9.4 Fallbeispiel Herr X
9.5 Fallbeispiel Frau X
9.6 Zusammenfassende Analyse
9.6.1 Oberkategorie Selbstkonzept
9.6.2 Oberkategorie Professionalisierung
9.6.3 Oberkategorie Verknüpfung Selbstkonzept und Professionalisierung
10. Diskussion der Ergebnisse
11. Fazit und Ausblick
12. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Selbstkonzept von Seiteneinsteiger*innen im Lehrberuf sowie deren Möglichkeiten der Professionalisierung in einem kritischen Kontext ländlicher Schulen mit Lehrermangel. Forschungsleitend ist dabei die Frage, wie diese Lehrkräfte ihre Stärken und Schwächen innerhalb der Standards der Lehrerbildung wahrnehmen und welche Unterstützungsangebote sie zur Kompetenzerweiterung nutzen.
- Selbstkonzepte von Seiteneinsteiger*innen (Stärken/Schwächen)
- Lehrermangel und Seiteneinstieg in Sachsen-Anhalt
- Professionstheoretische Ansätze und Professionalisierung im Lehrerberuf
- Unterstützungsmöglichkeiten: Fortbildung, Einzelschule und Selbstprofessionalisierung
- Qualitative Analyse via Leitfadeninterviews mit Seiteneinsteiger*innen
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Selbstkonzeptmodell nach Shavelson et al.
Das Selbstkonzeptmodell nach Shavelson, Stanton und Hubner (1976) ist, wie bereits angedeutet, das am häufigsten zugrunde gelegte Modell in der Pädagogischen Psychologie. Sie waren die Ersten, die ein empirisch überprüfbares Modell des Selbstkonzeptes vorlegten, welches immer wieder in seinen Grundannahmen bestätigt wurde. In ihrem Aufsatz versuchten die Autoren vor allem, die Ergebnisse der bisherigen Selbstkonzeptforschung zu systematisieren und ein hypothetisches Konstrukt der Eigenschaften des Selbstkonzepts zu erstellen. Dabei wurde Bezug genommen auf eine Vielzahl empirischer Arbeiten, die bis dato erschienen waren und einer Forschungsepoche entstammen, die Hattie (1992) nachträglich als „dustbowl empiricism“ bezeichnete, da diese Arbeiten eine relative Armut an theoretischem Hintergrund und Überblick gemeinsam hatten.
Nach Shavelson et al. (1976) wird das allgemeine Selbstkonzept durch Erfahrungen und Interpretationen der Umwelt generiert, welche wiederum entscheidend beeinflusst sind durch „significant others“. Im Wesentlichen nennen die Autoren sieben Eigenschaften des Selbstkonzepts, die sich in der Zusammenschau der bisherigen Forschungsarbeiten herauskristallisierten: 1. Das Selbstkonzept ist organisiert bzw. strukturiert. Dies zeigt sich darin, dass Personen ihre Alltagserfahrungen diesen Strukturen zuordnen und Strukturen zueinander in Beziehung setzen können. 2. Das Selbstkonzept ist multidimensional, d.h. es umfasst verschiedene Facetten wie den physischen, emotionalen, sozialen und den akademischen Bereich. 3. Es ist hierarchisch organisiert. An der Hierarchiespitze steht dabei das generelle Selbstkonzept. Die mittlere Hierarchiezone bilden generalisierte Schlussfolgerungen in den Bereichen „akademisches“ und „nicht-akademisches Selbstkonzept“, wobei sich Letztgenanntes differenzieren lässt in das soziale Selbstkonzept, das emotionale Selbstkonzept und das physische Selbstkonzept.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den massiven Lehrermangel in Deutschland und die wachsende Bedeutung von Seiteneinsteiger*innen als Lösungsstrategie.
2. Selbstkonzept: Dieses Kapitel definiert das Selbstkonzept als Gesamtheit der Einstellungen zur eigenen Person und erläutert theoretische Modelle wie den Ansatz von Epstein und Shavelson et al.
3. Professionalisierung: Es werden verschiedene Professionstheorien in Bezug auf den Lehrerberuf vorgestellt und Wege zur Professionalisierung für Lehrkräfte erläutert.
4. Seiteneinsteiger*in: Der Abschnitt klärt den Begriff der Seiteneinsteiger*innen und beleuchtet die akute Mangelsituation an Lehrkräften insbesondere in Sachsen-Anhalt.
5. Forschungsstand: Hier werden bisherige Studien zu Merkmalen von Seiteneinsteiger*innen sowie deren Selbstkonzepten und Professionalisierungsmaßnahmen zusammengefasst.
6. Fragestellungen: Basierend auf der Theorie werden zentrale Forschungsfragen zur Erhebung der Selbstkonzepte und Professionalisierungswege von Seiteneinsteiger*innen abgeleitet.
7. Methode der Studie: Die empirische Arbeit nutzt qualitative Leitfadeninterviews mit fünf Seiteneinsteiger*innen, um authentische Einblicke in ihre Sichtweisen zu gewinnen.
8. Auswertung des Leitfadeninterviews anhand der qualitativen Inhaltsanalyse: Erläutert wird das methodische Vorgehen nach Mayring, von der Transkription bis zur Kategorienbildung mit MAXQDA.
9. Ergebnisse der Befragung: Darstellung der Interviewergebnisse anhand konkreter Fallbeispiele, unterteilt in die Oberkategorien Selbstkonzept, Professionalisierung und deren Verknüpfung.
10. Diskussion der Ergebnisse: Die Befunde werden interpretiert und die eingangs formulierten Forschungsfragen unter Berücksichtigung der vorangegangenen Theorien beantwortet.
11. Fazit und Ausblick: Die Untersuchung schließt mit einer Zusammenfassung der individuellen Erfahrungen und gibt Anregungen für zukünftige Forschungen, beispielsweise Experteninterviews mit dem Schulamt.
Schlüsselwörter
Seiteneinsteiger*innen, Lehrermangel, Selbstkonzept, Professionalisierung, Lehrerbildung, qualitative Inhaltsanalyse, Leitfadeninterview, Unterrichtsqualität, pädagogische Kompetenz, Schulkultur, Mentoring, Berufseinstieg, Selbstwirksamkeit, Sachsen-Anhalt, Lehrerberuf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Selbstkonzept und die Professionalisierungsprozesse von Seiteneinsteiger*innen im Schuldienst, die keine klassische pädagogische Ausbildung durchlaufen haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Umgang mit dem Lehrkräftemangel, die Bedeutung des persönlichen Selbstkonzepts (Stärken/Schwächen) und verschiedene Wege der beruflichen Unterstützung (Fortbildung, Schule, Selbstbildung).
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es zu erforschen, welche Selbstkonzepte Seiteneinsteiger*innen besitzen, wo sie ihre Stärken und Schwächen in der Lehrrolle sehen und wie sie Unterstützungsangebote zur Professionalisierung nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine empirische, qualitative Studie, die leitfadengestützte Experteninterviews verwendet und diese mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen (Selbstkonzept, Professionalisierung, Seiteneinstieg) sowie die methodische Aufbereitung und die Analyse von fünf Fallbeispielen im Schulkontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Seiteneinsteiger*innen, Selbstkonzept, Professionalisierung, Lehrerbildung, qualitative Inhaltsanalyse und Berufseinstieg charakterisieren.
Spielt die Unterstützung durch das Kollegium eine Rolle für die Professionalisierung?
Ja, laut den Ergebnissen ist die soziale Unterstützung innerhalb der Einzelschule, insbesondere durch die Schulleitung und erfahrene Kolleg*innen, ein zentraler Anker für die Seiteneinsteiger*innen.
Ist ein hohes Selbstkonzept bei Seiteneinsteiger*innen problematisch?
Entgegen mancher theoretischer Annahmen hat sich in dieser Studie gezeigt, dass auch Seiteneinsteiger*innen mit hohem Selbstkonzept die vorhandenen Unterstützungsangebote intensiv nutzen, um sich weiterzuentwickeln.
Welcher Wunsch der Befragten sticht besonders hervor?
Die interviewten Lehrkräfte äußerten übereinstimmend den Wunsch nach einer längeren, strukturierten Einarbeitungszeit und Hospitationsmöglichkeiten zu Beginn, anstelle des sofortigen "Sprungs ins kalte Wasser".
- Arbeit zitieren
- Marius Melms (Autor:in), 2022, Auf dem Weg zur professionellen Lehrkraft. Selbstkonzepte und Professionalisierung von Seiteneinsteiger*innen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1416363