Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit befasst sich mit der ambivalenten Situation der Trans* Kubaner:innen. Wie der Titel bereits andeutet, wird politisch gesehen seit den 80er Jahren versucht, die LGTBQ+-Bevölkerung der Insel in die Gesellschaft zu integrieren. Sozial-gesellschaftlich betrachtet ist diese Integration aber kläglich gescheitert. In der Arbeit werden bereits vollzogene trans*freundliche Veränderungen in Kuba einer kritischen Prüfung unterzogen. Diese erfolgt aus einer dekolonialen Perspektive, die sich an Ramón Grosfoguel, Walter D. Mignolo und Nelson Maldonado orientiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Präliminarien
3. Heterosexuelle Zweigeschlechtlichkeit und die „Diktatur des Normalen“
4. Der kubanische Weg – (k)eine Alternative
4.1 Dekolonialismus und die epistemische dekoloniale Wende
4.2 Die Geschichte kubanischer Trans*Identitäten – eine Genealogie der Unterdrückung
4.3 Die kubanische Revolution – Prototyp (k)einer dekolonialen Wende?
4.4 Kubanische Trans*Politik - Ausgewählte Beispiele für (keine) Gleichberechtigung und (keine) sexuelle Selbstbestimmung
4.4.1 Trans*Gesundheitsfürsorge
4.4.2 Berufsleben und Arbeitsbedingungen kubanischer Trans*
4.4.3 Eheschließungen und offiziell anerkannte Partnerschaften
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende wissenschaftliche Hausarbeit untersucht das Verhältnis des kubanischen Staates zur marginalisierten Minderheit der Trans*KubanerInnen und prüft kritisch, inwieweit vollzogene trans*freundliche Veränderungen in Politik und Gesellschaft aus einer dekolonialen Perspektive als echter Fortschritt gelten können oder ob sie lediglich instrumentelle Ziele verfolgen.
- Kritische Analyse kubanischer Trans*Politik und Gesetzesänderungen
- Dekoloniale Perspektive auf die kubanische Geschlechterpolitik
- Untersuchung der Lebensrealitäten von Trans*Personen unter staatlicher Kontrolle
- Konflikt zwischen revolutionärer Ideologie und sexueller Selbstbestimmung
- Diskurs um Trans*Gesundheitsfürsorge, berufliche Teilhabe und Partnerschaftsrechte
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Geschichte kubanischer Trans*Identitäten – eine Genealogie der Unterdrückung
Es ist tatsächlich nicht so einfach eine Geschichte derjenigen zu schreiben, die für fast vier Dekaden vom akademischen Diskurs ignoriert und von der Regierung und der Gesellschaft marginalisiert, unterdrückt und verfolgt wurden.
The excessive politicization of homosexuality in Cuba during the first three decades after 1959, among other reasons, has considerably limited the study of the issue inside Cuba.
Und noch schwieriger gestaltet es sich die Geschichte einer Bevölkerungsgruppierung nachzuvollziehen, die in dem Sinne nie Gruppentendenzen gezeigt hatte – jedenfalls nicht auf Kuba. Dennoch soll der Versuch einer solchen geschichtlichen Darstellung der Trans* innerhalb des kubanischen Staatsgebiets, beginnend mit dem Amtsantritt Fulgencio Batistas 1940 bis heute unternommen werden. Vorsorglich muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass es aus obig genannten Gründen wenig wissenschaftliches Material zur Thematik gibt, weshalb die Autorin dieser Arbeit über wissenschaftliche Publikationen hinaus auf populärwissenschaftliche Medien und Augenzeugenberichte zurückgreifen musste.
Will man die Geschichte der kubanischen Trans*Gemeinschaft nachzeichnen, muss man sich dessen bewusst sein, dass für eine sehr lange Zeit vor Ort nicht zwischen Lesben, Gays und Trans*Personen unterschieden wurde. Selbst heutzutage gibt es noch viele KubanerInnen, die den Ausdruck „homosexuales“, auf Deutsch „Homosexuelle“, benutzen, wenn sie sich auf Transidentitäre beziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein und begründet das Interesse an der Marginalisierung von Trans*KubanerInnen, während sie den dekolonialen theoretischen Rahmen skizziert.
2. Theoretische Präliminarien: Dieses Kapitel klärt zentrale Begriffe wie "Trans*" und grenzt sie von anderen Bezeichnungen ab, um eine klare Arbeitsgrundlage zu schaffen.
3. Heterosexuelle Zweigeschlechtlichkeit und die „Diktatur des Normalen“: Der Autor untersucht die historische Normalisierung der Zweigeschlechtlichkeit und deren Ursprung in kolonialen Strukturen.
4. Der kubanische Weg – (k)eine Alternative: Das Herzstück der Arbeit analysiert dekoloniale Ansätze und die spezifische Trans*Politik Kubas anhand historischer und gegenwärtiger gesellschaftlicher Beispiele.
5. Schlussbemerkungen: Das abschließende Kapitel fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und reflektiert über die anhaltenden Diskrepanzen zwischen staatlichem Image und der Realität für Trans*Personen in Kuba.
Schlüsselwörter
Trans*, Kuba, Dekolonialität, CENESEX, Geschlechteridentität, Heteronormativität, Marginalisierung, Transsexualität, Soziale Integration, Politische Transformation, Menschenrechte, Diskriminierung, Transformation, Revolution, Identitätspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Situation von Trans*Personen in Kuba und untersucht, wie staatliche Politik und gesellschaftliche Normen deren Leben beeinflussen, unter besonderer Berücksichtigung dekolonialer Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentrale Themen sind die Geschichte kubanischer Trans*Identitäten, der Einfluss der kubanischen Revolution auf Minderheiten, der Zugang zu Gesundheitsfürsorge und die prekäre berufliche sowie soziale Lage der Betroffenen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, wie das staatliche Narrativ einer "transfreundlichen" Politik mit der tatsächlichen gesellschaftlichen Ausgrenzung und Marginalisierung von Trans*Personen in Kuba korrespondiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin wählt einen multidisziplinären Ansatz, der sich vor allem auf eine dekoloniale epistemische Perspektive stützt, angereichert durch Literaturanalysen und teilnehmende Beobachtungen.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil behandelt die historische Unterdrückung von Trans*Personen ab der Batista-Ära, die institutionalisierte Transphobie während der Revolution und die aktuelle, vom CENESEX geprägte Politik.
Wie lässt sich die Arbeit durch Schlüsselwörter charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie dekoloniale Wende, Identitätspolitik, staatliche Überwachung, soziale Exklusion und medizinische Pathologisierung definieren.
Welche Rolle spielen die UMAPs für das Verständnis der Arbeit?
Die UMAPs (Arbeitslager) verdeutlichen die institutionalisierte Unterdrückung non-binärer Personen in der frühen revolutionären Phase, die für die Autorin ein fundamentales Beispiel für die staatliche Repressionsstrategie darstellen.
Warum bewertet die Autorin die Rolle des CENESEX kritisch?
Sie kritisiert, dass das CENESEX dekoloniale Begriffe zwar instrumentalisiert, aber faktisch an pathologisierenden, medizinischen Konzepten festhält und marginalisierte Stimmen kaum substanziell einbindet.
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- Katja Leichsnering (Author), 2021, Ser trans* in Cuba. Zwischen staatlicher Integration und sozialem Außenseitertum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1416389