Die gegenwärtige Wirtschafts- und Lebensweise kapitalistischer Gesellschaften steckt vor dem Hintergrund einer Verschärfung ökologischer Probleme in einer Verantwortungs- und Legitimationskrise. Energie- und ressourcenschwere Produktions- bzw. Verhaltensmuster stehen im direkten Widerspruch zu den planetaren Grenzen und unterstreichen die Notwendigkeit einer sozial-ökologischen Transformation westlicher Systeme. Wie müssen Wirtschafts- und Gesellschaftskonzepte ausgestaltet sein, um gegenwärtige sowie zukünftige Krisen zu adressieren und eine zukunftsfähige Lebensweise sicherzustellen?
Diese Literaturanalyse skizziert zunächst den interdisziplinären Rahmen einer Transformation, um die Anforderungen und Herausforderungen bzw. Pfadabhängigkeiten zu benennen. Darüber hinaus ist aufgrund anhaltender Priorisierung ökonomischer Wachstumsbestrebungen vor den Zielen ökologischer Nachhaltigkeit eine kontroverse Betrachtung der Wachstumsdebatte notwendig. Basierend auf dieser Gegenüberstellung werden die Grenzen des Wirtschaftswachstums verdeutlicht und fließen in die Ausgestaltung einer sozial-ökologischen Transformation ein. Gleichwohl gilt die Analyse gesellschaftlichen Wohlstands als zentrale Richtline und übergeordnetes Ziel wirtschaftspolitischer Entscheidungen für einen tiefgreifenden Wandel.
Aufbauend auf den Forderungen nach einem verbesserten Wohlstandsmodell und einer ökologischen Wirtschaftsweise werden zwei alternative Wirtschafts- und Gesellschaftskonzepte beschrieben und anschließend hin auf ihre Transformationspotenziale analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Relevanz einer sozial-ökologischen Transformation
2. Anforderungen an eine sozial-ökologischen Transformation
2.1 Einordnung relevanter Begriffe
2.2 Interdisziplinärer Rahmen für eine sozial-ökologische Transformation
2.3 Herausforderungen und Pfadabhängigkeiten
2.4 Strategische Prinzipien der Effizienz, Konsistenz und Suffizienz
3. Die Grenzen des Wachstums?
3.1 Wachstumskontroverse
3.2.1 Wirtschaftswachstum als Voraussetzung für eine nachhaltige Gesellschaft
3.2.2 Kritik am Paradigma des Wirtschaftswachstums
3.2 Der Zusammenhang zwischen Wohlstand und Wirtschaftswachstum
3.2.1 BIP als Wohlstandsindikator
3.2.2 Auswirkungen moderner Konsumverhältnisse auf subjektives Wohlbefinden
4. Alternative Wirtschafts- und Gesellschaftskonzepte
4.1 Das Konzept einer Green Economy
4.1.1 Handlungsfelder und Ziele
4.1.2 Transformationspotenziale der Effizienz
4.1.3 Transformationspotenziale der Konsistenz
4.2 Das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie
4.2.1 Handlungsfelder und Ziele
4.2.2 Gesellschaftliche und institutionelle Dimension
5. Paradigmenwechsel für eine zukunftsfähige Gesellschaft?
5.1 Analyse der Transformationspotenziale einer Green Economy
5.2 Analyse der Transformationspotenziale einer Gemeinwohl-Ökonomie
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Notwendigkeit einer sozial-ökologischen Transformation westlicher Industriegesellschaften angesichts multipler Krisen. Das Ziel ist es, alternative Wirtschafts- und Gesellschaftskonzepte – konkret die "Green Economy" und die "Gemeinwohl-Ökonomie" – auf ihr Transformationspotenzial hin zu vergleichen, um einen Pfad aus der wachstumsgetriebenen Ressourcenkrise zu skizzieren.
- Sozial-ökologische Transformation als Antwort auf die Klimakrise
- Die Wachstumsdebatte: Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch
- BIP als Wohlstandsindikator versus subjektives Wohlbefinden
- Green Economy: Technologische Ansätze und deren Effizienzgrenzen
- Gemeinwohl-Ökonomie: Systemische Veränderungen durch ethische Marktwirtschaft
Auszug aus dem Buch
3.2.1 BIP als Wohlstandsindikator
Die Einordnung des objektiven Wohlstands gelingt im ökonomischen Kontext einfacher: Das BIP eines Landes bzw. seine Wachstumsrate gibt Auskunft über den Gesamtwert aller produzierten Güter und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres hergestellt wurden (Vgl. Jörg/Hauff, S. 18). Der Indikator BIP bewertet somit die ökonomische Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft und wird, vor allem auf sozialpolitischer Ebene, mit einer Steigerung des Wohlstandsniveaus verbunden (Vgl. ebd., S. 18). Gerade für Wirtschaft und Politik werden neben Inflationsrate, Zinsniveau, Arbeitslosenquote und Zahlungsbilanz das Wachstum des BIP als wesentliche Messgröße herangezogen und bietet somit eine zentrale Entscheidungsgrundlage (Vgl. ebd., S. 18). Um ein Verständnis von gesellschaftlichem Wohlstand zu vermitteln, ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem BIP als Wohlstandsindikator notwendig.
Wie Seidl und Zahrnt darlegen, besitzen längst nicht alle Kategorien, die einen positiven Beitrag auf die gemessene Wirtschaftsleistung ausüben und somit das BIP zum Wachsen bringen, auch eine förderliche Wirkung für die Wohlfahrt einer Gesellschaft. So wirken sich bspw. auch Zerstörungen wie Unfälle, Umweltkatastrophen und Krieg (z.B. durch Waffenexporte) steigernd auf das BIP aus. Dahingegen werden bspw. Luftverschmutzungen, die Zerstörung der Artenvielfalt, der Abbau von fossilen Energieträgern, Bodenversiegelung sowie der Verlust von Bodenfruchtbarkeit nicht in das BIP eingerechnet. Diese Entwicklungen verschlechtern die Lebensgrundlage von Gesellschaften drastisch und sind meist auf ökonomische Aktivitäten zurückzuführen (Vgl. Seidl/Zahrnt 2010b, S. 29). Weiterhin werden viele wohlfahrtssteigernde Tätigkeiten, die sich der ökonomischen Messbarkeit entziehen, wie bspw. Haus- und Care-Arbeit sowie Ehrenamt, nicht im BIP abgebildet (Vgl. Jackson 2012, S. 58). Diese offensichtlichen Mängel am BIP als Wohlstandsindikator legen die Vermutung nahe, dass eine tatsächliche Messung der Lebenszufriedenheit durch rein ökonomische Größen nicht ausreichend möglich ist (Vgl. Schmidt/aus dem Moore, S. 1; Ruckriegel, S. 130).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Relevanz einer sozial-ökologischen Transformation: Einleitende Darstellung der multiplen Krisen unserer Zeit und der Notwendigkeit einer fundamentalen transformation des Wirtschaftssystems.
2. Anforderungen an eine sozial-ökologischen Transformation: Definition zentraler Begriffe sowie Vorstellung des interdisziplinären Rahmens und der drei Basisstrategien Effizienz, Konsistenz und Suffizienz.
3. Die Grenzen des Wachstums?: Kritische Auseinandersetzung mit dem Wachstumsdogma und Erläuterung des Zusammenhangs zwischen BIP, Konsummustern und Wohlbefinden.
4. Alternative Wirtschafts- und Gesellschaftskonzepte: Detaillierte Beschreibung der Konzepte "Green Economy" inklusive ihrer zwei Säulen und der "Gemeinwohl-Ökonomie" mitsamt ihren ethischen Governance-Strukturen.
5. Paradigmenwechsel für eine zukunftsfähige Gesellschaft?: Vergleich und Analyse der Transformationspotenziale beider Konzepte hinsichtlich ökonomischer und gesellschaftlicher Dimensionen.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ansätze und Appell für eine Symbiose der Konzepte, um strukturelle Pfadabhängigkeiten zu überwinden.
Schlüsselwörter
Sozial-ökologische Transformation, Green Economy, Gemeinwohl-Ökonomie, Wirtschaftswachstum, BIP, Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz, Postkapitalismus, Konsumverhalten, Wohlstand, Klimakrise, Systemwandel, Gesellschaftsvertrag, Suffizienz, Dekarbonisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der sozial-ökologischen Transformation als zwingendes Erfordernis für eine zukunftsfähige Gesellschaft angesichts der ökologischen Krisen unserer Zeit.
Welche sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Grenzen des kapitalistischen Wirtschaftswachstums, die Rolle des BIP, nachhaltige Konsummuster sowie der Vergleich zweier alternativer Wirtschaftsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aus einer Literaturanalyse herauszuleiten, welches Potenzial die "Green Economy" und die "Gemeinwohl-Ökonomie" für einen tiefergreifenden gesellschaftlichen Wandel bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine interdisziplinäre Literaturanalyse, die theoretische Konzepte prüft und durch Fallbeispiele und Empirie unterfüttert.
Welche Themen behandelt der Hauptteil besonders?
Der Hauptteil gliedert sich in die kritische Hinterfragung des Wachstums, gefolgt von einer detaillierten konzeptionellen Analyse der Green Economy und der Gemeinwohl-Ökonomie.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie Entkopplung, Rebound-Effekt, Gemeinwohl-Bilanz, demokratische Allmende und Pfadabhängigkeiten bilden den theoretischen Kern.
Ist die "Green Economy" ein ausreichendes Konzept?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Green Economy zwar wichtige technologische Innovationen fördert, jedoch durch ihr Festhalten am Wachstumsparadigma bei sozialen und tiefergreifenden strukturellen Herausforderungen an Grenzen stößt.
Was unterscheidet die "Gemeinwohl-Ökonomie" vom herkömmlichen System?
Sie strebt eine ethische Marktwirtschaft an, in der nicht Gewinnmaximierung, sondern das Gemeinwohl und die Förderung kooperativer Strukturen durch Instrumente wie die Gemeinwohl-Bilanz im Zentrum stehen.
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- Marianne Förter (Author), 2022, Sozial-ökologische Transformation als Voraussetzung für eine zukunftsfähige Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1417263