Abenteuer Exotismus

Zum Sujet im Abenteuer am Beispiel „Tarzan The Tiger“ (1929)


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Fortsetzung folgt – episodische Narration und ihre Bedeutung
1.1 Grundgedanken des seriellen Aufbaus
1.2 Das Motiv Amnesie und dessen Bedeutung für den seriellen Aufbau

2 Abenteuer Dschungel – Exotismus und das Fernweh
2.1 Tarzan der weiße Affe
2.2 Von fernen Orten und ihrer Notwendigkeit

3 Ich Tarzan – koloniale Darstellung einer fernen Welt - Über die Rechte eines Weißen oder: Tarzan darf alles

Fazit

Literaturı und Quellenverseichnis

Einleitung

„Ich glaubte es wäre ein Abenteuer, aber in Wirklichkeit war es das Leben.“

(Joseph Conrad)

Nach Joseph Conrad ist ein Abenteuer ein Erlebnis außerhalb des realen menschlichen Lebens – fiktiv und überaus erlebnisreich. Auch wenn er dies nun sarkastisch reflektiert und sein tatsächliches Leben im Rückblick eher als übermäßig ereignisreich hält, differenziert er mit seiner Aussage zwischen realen Ereignissen und dem Genre Abenteuer. Wenn man an Abenteuer denkt, fällt nicht zuletzt der Name 'Tarzan', der neben Romanen, Geschichten und Comics auch auf der Leinwand von Beginn an eine gern gesehene Figur war und noch immer ist. Von Edgar Rice Burroughs erfunden, wurde er vor allem durch die Verfilmungen Henry MacRaes weltweit bekannt. Aufgrund dessen soll die Serienverfilmung „Tarzan the Tiger“ von 1929 Mittelpunkt dieser Arbeit sein. Vor allem der serielle Aufbau mit den insgesamt 15 Kapiteln soll anhand der Sujets nachvollzogen werden, in wieweit dies die Abenteuer-Erzählungen unterstützt. Da die Figur 'Tarzan' einen hellhäutigen Menschen darstellt, der adlige, europäische Wurzeln besitzt, ist es interessant, diese Hintergründe zu erfassen, wobei auch auf den rassistischen Kontext der Zeit zurückgegriffen werden sollte. Was fasziniert den Zuschauer der 1920er und 30er Jahre an den Abenteuern des Tarzan? Könnte er auch eine andere Hautfarbe besitzen ohne dass das Stereotyp des Abenteurers in der Wildnis gleich völlig umgedeutet wird? Des Weiteren spielt offenbar die Ferne zur Zivilisation eine große Rolle – einerseits tatsächlich gesellschaftlich, andererseits natürlich auch geographisch. Was macht das Abenteuer in der Fremde so reizvoll und was fasziniert an der Exotik? Scheinbar ist auch die Mystik ein wichtiges Moment in der Exotik. Die Rolle Las zwischen Tarzan und Jane wird deswegen in die Überlegung mit einfließen, wobei das Element der Liebesbeziehungen zwischen den Figuren betrachtet werden soll. Hierbei scheint auch die Amnesie Tarzans von Bedeutung zu sein, wodurch versucht werden soll, die Funktion dieses Gedächtnisverlustes für den Handlungsablauf herauszuarbeiten.

Explizit soll an dieser Stelle vorgreifend erwähnt werden, dass Begriffe, wie 'fremd', 'exotisch' oder Ähnliches immer relativ betrachtet werden sollen, da dies eine Frage der Perspektive ist und niemals meine subjektive Einstellung dazu darstellen soll.

1 Fortsetzung folgt – episodische Narration und ihre Bedeutung

1.1 Grundgedanken des seriellen Aufbaus

Mit dem Film bekam die Literatur ungeahnte Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln, obgleich diese Entwicklung von nicht wenigen Seiten heftig kritisiert wurden. Viele jedoch versuchten sich am neuen Medium – experimentell mit dem Material Film an sich oder mit Literaturverfilmungen. Edgar Rice Burroughs' „Tarzan“ erlangte schnell eine große Beliebtheit bei seinen Lesern. Allein dadurch war es ein Anreiz, die Leserschaft auch mit bewegten Bildern an die Abenteuer des weißen Mannes im Dschungel zu fesseln.

Interessant ist, dass MacRaes Film „Tarzan the Tiger“ von 1929 in insgesamt 15 Kapitel eingeteilt ist, die zu Anfang immer wieder die Figuren vorstellen, den Verlauf bis zu dem jeweiligen Kapitel rekonstruieren und das Ende des vorhergehenden Kapitels noch einmal zeigen. Dies lässt darauf schließen, dass die einzelnen Kapitel zur Zeit der Filmpremiere nicht aufeinander folgend, sondern als einzelne Vorführungen gezeigt wurden. Tarzan und dessen serielle Abenteuer sind ganz bewusst in Reihe gesetzt. Die Handlung ist klar gegliedert, wer 'gut' und wer 'böse' ist, ist für den Rezipienten leicht zu unterscheiden. Die gesamte Figurenkonstellation bleibt überschaubar, der Held stirbt nie und die erzählte Geschichte kommt stets zu einem 'happy End'. Das heißt, der großartige Held löst seine alltagsfernen, waghalsigen und aufregenden Abenteuer 'ohne Kratzer'.

Die 15 Kapitel umfassende Filmreihe „Tarzan the Tiger“ stellt eine Verfilmung des Romans Edgar Rice Burroughs dar.1 Im Original „Tarzan and the Jewels of Opar“ (1916) wird hier die Geschichte Tarzans nacherzählt, wie zurück in den Dschungel reisen muss, um sein Anwesen mithilfe des dort versteckten Goldes zu retten. Dadurch gelangt er zurück in seine 'wilde' Vergangenheit und wird fortan mit Abenteuern konfrontiert. Im ersten Kapitel „Call of the Jungle“ geschieht eine Ortscharakterisierung, die in der Mise en Scène als Wildnis und menschenlose Tierwelt dem Zuschauer präsentiert wird.

Dieser erste Eindruck funktioniert beinahe wie der establishing shot des späteren amerikanischen Films und führt lokal in das Geschehen ein. Kontrastiv wirkt folgend die Plantage mit einem weißen Herrenhaus2 in der Totale (0:01:22)3. Somit entsteht eine optische Hierarchie zwischen wilder Umgebung und zivilisatorischer Architektur.

Daraufhin erfolgt die Figurenvorstellung in dargestellten Szenen, nicht in Standbildern mit Unterschriften, die im selben Moment die Schauspieler namentlich erwähnt. Dies ermöglicht eine Dynamik während der eigentlich statischen Einführung der Figurenkonstellation. Der Anfang des Films erhält narrativ eine exponierte Stellung. Er offenbart innerhalb kurzer Zeit den Schauspieler-Stab, dramatische Konflikte zwischen den folgenden Rollen und konstatiert dem Zuschauer gewisse Haltungen, die ihn emotional lenken. Damit führt der Film in das Handlungsgeschehen ein. Die Erklärung der Figuren erfolgt jeweils vor einer Szene mit dem Protagonisten im close-up, mithilfe eines Zwischentextes. Diese Texte beinhalten jedoch auch zu Anfang nicht nur einleitend die Erklärung der Figuren, sondern ebenso die Sprechtexte zwischen den Protagonisten. Die Handlung läuft als parallel zur Einführung. Der Aufbau der Kapitel ist strikt und sinusförmig. Zunächst wird Tarzan kultiviert in seinem Anwesen als 'Earl of Greystoke' gezeigt, was auf dessen edle und westliche Herkunft deuten soll. Im Gespräch mit Albert Werper, „Soldier of Fortune – a guest at Greystoke“ (0:02:21), kommen Erinnerungen an Tarzans frühere Abenteuer auf, die die Zuschauer zu dieser Zeit bereits gut kannten und nun mit Überblendungen inszeniert werden. Somit entsteht der optische Kontrast zwischen der herrschaftlichen Kleidung und dem archaisch anmutenden Tierfell mit Dolch. Diesen Eindruck verstärkend, ändert sich die Filmmusik zudem von einer fröhlich-ruhigen, zu einer eben abenteuerlich-energischen Art:

„At heart I'll always be Tarzan!“ (0:02:40)

In der Serialität4 von „Tarzan the Tiger“ gibt diese Erinnerung und Sehnsucht zugleich die Basis für den weiteren Verlauf der Kapitel. In seiner episodischen Struktur eröffnet der Film im Verlauf einzelne, aneinandergereihte Momente, die insgesamt jedoch in einer Kontinuität mit einem fokussierten Fixpunkt steht – Tarzan mit seiner Amnesie und die Liebe Janes, die am Ende über alles Böse siegt, wie es für das Genre Abenteuer charakteristisch ist.

Die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Kapiteln sind streng chronologisch mit vorangestellten Rückblicken zur Übersicht für den Zuschauer. Der Strang zwischen den einzelnen Filmteilen folgt jedoch einer strikten narrativen Logik. Eine solche episodische Narration definiert sich in „Tarzan the Tiger“ von Außen her, weil ihr keine andere Möglichkeit gegeben ist. Demnach werden dem Rezipienten zunächst signifikante Momente vorgetragen, die sich in der „inneren Rede“5 des Zuschauers zu einem Überblick der Umstände entwickeln.

Durch diese eigenen Implikationen gewinnt der Film jedoch durch diesen relativen Mangel an Kausalität an Authentizität. Der Spannungsbogen wird wie die Feder eines Uhrwerks aufgezogen und wirkt fast wie die Eisenstein'schen Attraktionsmomente6 sujethaft. Immer wieder werden Momente gesetzt, um das darauf folgende Kapitel zu motivieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dieser Auflistung der Kapitel ist eine eindeutige narrative Linie durch den Handlungsstrang zu erkennen. Der mystische „Call of the Jungle“ führt vorausblickend in das Abenteuer ein, der der Reise dort hin die Abkehr vom Alltag und zugleich das Verlassen der zivilisierten Welt symbolisiert. Dieses abrupte Verlassen der gewohnten Alltagswelt ist für ein Abenteuer unabdingbar und verweist auf die Phantastik des Kommenden. Der Held der Erzählung ist zu Beginn selbst Teil des Alltags, wie ihn der Zuschauer erlebt und kann sich somit mit dessen Figur identifizieren. Indem diese nun aber quasi in eine andere Welt 'eintaucht', ermöglicht der Abenteuerfilm ihm selbst den Einblick in die Fremde. Nach den verschiedenen Spannungsfeldern, in denen Tarzan genre-typischen Hindernissen begegnet (Eifersucht, Verfolgung, Kämpfe, die das Abenteuer verstärkende Amnesie etc.), gelangt er schließlich an sein zu Anfang gestelltes Ziel und es kommt zu einem guten Ende.

[...]


1 Vgl.: Lupoff, Richard A.: Master of Adventure. The Worlds of Edgar Rice Burroughs, University of Nebraska Press, 2005, S. 147.

2 Im Zwischentext: „a plantation developed by a Nobelman“ (0:01:13)

3 Die in Klammern gesetzte Zahlenreihe bezeichnet die Filmzeit der zitierten DVD.

4 Serialität meint hier die aufgereihte Anordnung der Kapitel zu einem Gesamtwerk.

5 „innere Rede“ hier nach B. M. Ejchenbaum, vgl.: Ejchenbaum, B. M.: Probleme der Filmstilistik, in: Albersmeier, Franz-Josef: Texte zur Theorie des Films, 1995, S. 110.

6 Vgl. zur Montage der Attraktionen: Eisenstein, Sergej M.: Montage der Attraktionen, in: ebd. S. 47 f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Abenteuer Exotismus
Untertitel
Zum Sujet im Abenteuer am Beispiel „Tarzan The Tiger“ (1929)
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
Abenteuer. Eine narrative Figur in Literatur und Film
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V141727
ISBN (eBook)
9783640506576
ISBN (Buch)
9783640506767
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Abenteuer, Tarzan, Serie, Sujet, Exotismus, Rasse, Held, frühes Kino, Film, Literatur, Narration, Dschungel, Burroughs, und, Jane, Opar
Arbeit zitieren
Mathias Seeling (Autor), 2009, Abenteuer Exotismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141727

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