Unsere Welt ist bedeckt von beinahe vier Milliarden Hektar Wald, was 30 Prozent der gesamten Landmasse entspricht. Zwischen den Jahren 1990 und 2005 sank die Zahl um 3 %, was einen durchschnittlichen jährlichen Verlust von 0,2 Prozent bedeutet. Laut OECD Prognosen droht bis zum Jahr 2030 ein weiterer Rückgang der Naturwaldflächen von bis zu 13 Prozent. Die Gründe der Entwaldung sind vielschichtig; der Hauptgrund liegt in der wachsenden Weltbevölkerung und der damit verbundenen gestiegenen Nachfrage nach Holz.
Unter Entwaldung versteht man, im Umkehrschluss zur Definition der Aufforstung des IPCC, die durch den Menschen direkt verursachte Veränderung der Nutzung einer Bodenfläche durch Wald zur anderweitigen Nutzung. Wälder sind auf Grund ihrer vielfältigen Funktionen, z.B. für den Schutz der Böden und des Grundwassers, als CO2-Speicher, als Lebensgrundlage oder als erneuerbare Rohstoffquelle ein unverzichtbarer Bestandteil der Lebensgrundlage der Erde. Auf Grund dessen muss es eines der dringendsten Ziele der globalen Umwelt- und Klimapolitik sein, die Entwaldung zu stoppen und die Wälder wieder aufzuforsten.
Das nachfolgende Kapitel zeigt die völkerrechtlichen Grund-lagen der Staatengemeinschaften gegen die Entwaldung bzw. für den Schutz der Wälder auf. Da es bisher an einem internationalen rechtsverbindlichen Instrument, wie einer Waldkonvention, fehlt, wird lediglich auf die wichtigsten völkerrechtliche Verträge, Beschlüsse und Resolutionen internationaler Organisationen sowie auf regionale Initiativen und Programme eingegangen. Diese werden dabei chronologisch nach ihrem Abschlussdatum dargestellt.
Am 02.02.1971 wurde in Ramsar, Iran, das Übereinkommen über Feuchtgebiete, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel, von internationaler Bedeutung geschlossen. Es stellt das erste internationale Übereinkommen dar, welches bestimmte Ökosysteme auf globaler Ebene schützt. Dies geschieht allerdings nur indirekt durch Art. 1, wonach sich unter den Begriff Feuchtgebiet auch einige Waldökosysteme wie die Mangrovenwälder subsumieren lassen. Aktuell (Stand: Mai 2009) haben 159 Staaten das Übereinkommen unterzeichnet, wodurch 1847 Feuchtgebiete mit einer Gesamtgröße von ca. 181 Mio. Hektar geschützt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Teil: Einleitung
2. Teil: Der Schutz der Wälder
A. Begriffsdefinitionen und Gründe der Entwaldung
B. Völkerrechtliche Grundlagen für den Schutz der Wälder
I. Die Ramsar-Konvention
II. Die UNO-Weltkonferenz in Stockholm
III. Das ASEAN-Abkommen
IV. Das PP-G7-Vorhaben
V. Die Rio-Konferenz
1. Die Waldgrundsatzerklärung
2. Die Agenda 21
3. Die Rio-Deklaration
4. Die Biodiversitätenkonvention
5. Die Klimarahmenkonvention
6. Zwischenergebnis
VI. Das Kyoto-Protokoll
3. Teil: Die Bekämpfung der Wüstenbildung
A. Begriffsdefinitionen und Gründe der Wüstenbildung
B. Völkerrechtliche Grundlagen für die Bekämpfung der Wüstenbildung
I. Die United Nations Conference on Desertification in Nairobi
II. Die Wüstenkonvention
4. Teil: Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die völkerrechtlichen Grundlagen zum Schutz von Wäldern und zur Bekämpfung der Wüstenbildung (Desertifikation) als wesentliche Beiträge zum globalen Klimaschutz. Dabei wird analysiert, inwieweit bestehende internationale Abkommen und Instrumente ausreichen, um diesen ökologischen Herausforderungen wirksam zu begegnen, und wo Defizite in der völkerrechtlichen Verbindlichkeit und Umsetzung bestehen.
- Analyse völkerrechtlicher Instrumente zum Waldschutz (z.B. Ramsar, Rio-Konferenz).
- Untersuchung der Maßnahmen zur Bekämpfung der Desertifikation.
- Bewertung der Wirksamkeit globaler Abkommen im Hinblick auf den Klimaschutz.
- Erörterung der Defizite hinsichtlich Sanktionsmechanismen und verbindlicher Ziele.
- Diskussion des Nord-Süd-Konflikts bei der Umsetzung internationaler Umweltschutzvorgaben.
Auszug aus dem Buch
II. Die UNO-Weltkonferenz in Stockholm
Vom 5.-16. Juni 1972 fand im schwedischen Stockholm die erste Umweltkonferenz der Vereinten Nationen, die United Nations Conference on the Human Environment, statt, auf der die Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Menschheit verabschiedet sowie das bedeutende UNEP gegründet wurde28. Die Konvention enthält einen Teil mit 26 Prinzipien und einen weiteren Teil mit 106 Handlungsempfehlungen zur Umsetzung dieser Prinzipien sowie einen dazugehörigen Aktionsplan29. Ziel dieser Konvention ist der Schutz bestimmter Projekte des Naturerbes sowie einzelner, für den Erhalt der Menschheit bedeutender, Kulturstätten30. Viele dieser Gebiete enthalten auch Waldgebiete, so dass im Jahre 1996 61 Waldgebiete mit einer Größe von über 50 Mio. Hektar geschützt waren31.
Die Bedeutung der Konferenz von Stockholm für den Schutz der Wälder und als Beitrag zum Klimaschutz ist nicht zu vernachlässigen, da das Interesse der Weltöffentlichkeit auf dieses Problem gelenkt wurde32. Insgesamt sind vom weltweiten Waldbestand von ca. 4 Milliarden Hektar, von dem lediglich 10 Prozent gesetzlich geschützt sind (Im Falle des tropischen Regenwaldes noch weniger), immerhin ca. 50 Mio. Hektar durch die Konvention von Stockholm geschützt. Des Weiteren muss erwähnt werden, dass die Handlungsempfehlungen und der Aktionsplan maßgeblich zur Weiterentwicklung des Umweltvölkerrechts beigetragen haben, obwohl sie für die beteiligten Staaten keine völkerrechtlichen Bindungen erzeugen konnten33.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Teil: Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Klimawandels ein und legt den Gegenstand der Untersuchung fest: die völkerrechtlichen Grundlagen zum Schutz der Wälder und zur Bekämpfung der Wüstenbildung.
2. Teil: Der Schutz der Wälder: Dieses Kapitel erläutert die Ursachen der Entwaldung und analysiert verschiedene internationale Abkommen wie die Ramsar-Konvention oder das Kyoto-Protokoll auf ihre Wirksamkeit zum Schutz der Waldökosysteme.
3. Teil: Die Bekämpfung der Wüstenbildung: Hier werden Definitionen und Ursachen der Desertifikation geklärt sowie internationale Bemühungen wie die Wüstenkonvention kritisch beleuchtet.
4. Teil: Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die bisherigen internationalen Bemühungen nicht ausreichen, und fordert völkerrechtlich bindende Verträge mit klaren Sanktionsmechanismen sowie die Beilegung des Nord-Süd-Konflikts.
Schlüsselwörter
Klimaschutz, Völkerrecht, Wälder, Entwaldung, Wüstenbildung, Desertifikation, Rio-Konferenz, Nachhaltige Entwicklung, Kyoto-Protokoll, Umweltvölkerrecht, Waldkonvention, Umweltschutz, Internationale Abkommen, Biodiversität, Klimawandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den völkerrechtlichen Rahmenbedingungen für zwei zentrale Bereiche des Umweltschutzes: den Schutz der Wälder und die Bekämpfung der Wüstenbildung, jeweils unter dem Aspekt ihres Beitrags zum globalen Klimaschutz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Ursachen und Auswirkungen von Entwaldung und Desertifikation sowie die Analyse völkerrechtlicher Instrumente und Konventionen, die versuchen, diese ökologischen Probleme zu regulieren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den aktuellen Stand und die Wirksamkeit internationaler völkerrechtlicher Vereinbarungen zu bewerten und aufzuzeigen, dass bisherige Ansätze aufgrund mangelnder Verbindlichkeit oft unzureichend sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer rechtlichen Analyse der bestehenden internationalen Konventionen, Dokumente und Soft-law-Instrumente, die in eine chronologische Darstellung eingebettet ist.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Blöcke: Erstens die Analyse verschiedener Abkommen zum Schutz der Wälder (von der Ramsar-Konvention bis zum Kyoto-Protokoll) und zweitens die Untersuchung der Ansätze zur Bekämpfung der Wüstenbildung, insbesondere durch die Wüstenkonvention.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Völkerrecht, Klimaschutz, Waldschutz, Desertifikation, Nachhaltigkeit und das Spannungsfeld zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
Wie bewertet der Autor den Beitrag der Ramsar-Konvention zum Waldschutz?
Der Beitrag wird als eher gering eingestuft, da das Abkommen rechtlich unverbindlich ist und nur bestimmte Waldtypen, wie Mangrovenwälder, indirekt unter den Schutzstatus von Feuchtgebieten fallen.
Warum ist laut der Arbeit eine internationale Institution für den Schutz der Wälder notwendig?
Der Autor argumentiert, dass ohne eine internationale Institution, die Befugnisse zur Kontrolle der Umsetzung und zur Festlegung rechtsverbindlicher Sanktionen hat, der notwendige Zwang zur Einhaltung von Schutzmaßnahmen fehlt.
- Quote paper
- Danijel Lazar (Author), 2009, Die völkerrechtlichen Grundlagen für den Schutz der Wälder und die Bekämpfung der Wüstenbildung als Beitrag zum Klimaschutz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141766