Sportbezogene Ausgaben älterer Menschen

Eine Untersuchung aus soziologischer und ökonomischer Perspektive


Diplomarbeit, 2009
151 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Demographischer Wandel
2.1 Bevölkerungsstand
2.2 Bevölkerungsentwicklung
2.2.1 Sinkende Geburtenrate
2.2.2 Steigende Lebenserwartung
2.3 Bevölkerungsvorausberechnung
2.4 Wirtschaftliche Relevanz
2.4.1 Konsumenten
2.4.2 Produkte und Dienstleistungen
2.4.3 Beschäftigung
2.4.4 Globalisierungstendenzen

3 Definitionen und Betrachtungsweisen des Alters
3.1 Physische Perspektive
3.2 Psychische Perspektive
3.3 Sozio-ökonomische Perspektive
3.4 Perspektive des Marktes

4 Merkmale der „neuen“ Alten
4.1 Sozio-demographische Merkmale
4.1.1 Alter und Geschlecht
4.1.2 Gesundheit und Wohlbefinden
4.1.3 (Aus-)Bildung
4.1.4 Lebenseinstellung und Verhaltensmuster
4.2 Ökonomische Merkmale
4.2.1 Einkommen
4.2.2 Vermögen
4.2.3 Konsumverhalten
4.3 Sportbezogene Merkmale
4.3.1 Sportengagement
4.3.2 Sportarten und Motive zum Sporttreiben
4.3.3 Wahl der Sportanbieter
4.3.4 Nachfrage von Sportangeboten
4.3.5 Ausgaben im sportbezogenen Kontext

Exkurs: Sportengagement im Lebenslauf - Besonderheiten und Schwierigkeiten der Lebensspannenforschung

5 Theoretische Grundlagen
5.1 Ökonomische Nachfragetheorie
5.1.1 Theoretische Ansätze zur Erklärung der individuellen Nachfrage
5.1.2 Besonderheiten im Sport
5.2 Alter und Geschlecht als Einflussfaktoren auf die ökonomische Nachfrage im Sport - eine konstruktivistische Perspektive
5.2.1 Konstruktion von Alter
5.2.2 Konstruktion von Geschlecht
5.2.3 Konstruktion von Alter und Geschlecht im Sport

6 Zielsetzung und Fragestellung

7 Methodik
7.1 Auswahl der Untersuchungsgruppe
7.2 Datenerhebungstechnik
7.3 Fragebogenkonstruktion
7.3.1 Erste Überlegungen
7.3.2 Aufbau
7.3.3 Layout
7.3.4 Prüfung
7.4 Datenerhebung
7.5 Datenerfassung und -analyse
7.5.1 Zusammenfassung und Neubildung von Variablen
7.5.2 Inferenzstatistische Auswertung

8 Beschreibung der Stichprobe
8.1 Sozio-demographische Daten der befragten Personen
8.2 Sportengagement und Einstellung zum Sport im Alter

9 Prüfung der Forschungsfragen
9.1 Forschungsfrage I
9.2 Forschungsfrage II
9.3 Forschungsfrage III

10 Interpretation der Ergebnisse im theoretischen Kontext

11 Resümee

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhangsverzeichnis

Tabelle 1 Vergleich des kalendarischen Alters älterer Menschen in Köln mit dem körperlich und geistig gefühlten Alter, differenziert nach Geschlecht (N=559)

Tabelle 2 Persönliche Einschätzung des allgemeinen Gesundheitszustands älterer Menschen in Köln, differenziert nach Alter (N=556)

Tabelle 3 Durchschnittliches Haushalts-Nettoeinkommen älterer Menschen in Köln, differenziert nach Geschlecht (N=197)

Tabelle 4 Motive zum Sporttreiben älterer Menschen, differenziert nach Geschlecht (N=362)

Tabelle 5 Altersstruktur der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=315)

Tabelle 6 Haushaltsgröße der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=317)

Tabelle 7 Familienstand der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=315)

Tabelle 8 Familienstand der Stichprobe, differenziert nach Alter und Geschlecht (N=312)

Tabelle 9 Schulbildung der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=306)

Tabelle 10 Schulbildung der Stichprobe, differenziert nach Alter (N=300)

Tabelle 11 Akademische Ausbildung der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=108)

Tabelle 12 Berufliche Ausbildung der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=180)

Tabelle 13 Kaufkrafttypen der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=198) .

Tabelle 14 Berufstätigkeit der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=310).

Tabelle 15 Berufstätigkeit der Stichprobe, differenziert nach Alter (N=307)

Tabelle 16 Vermögensbesitz der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=161)

Tabelle 17 Am häufigsten betriebene Sportarten der Stichprobe (N=310)

Tabelle 18 Am häufigsten betriebene Sportarten der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=310)

Tabelle 19 Bevorzugte Organisationsformen der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=318)

Tabelle 20 Bevorzugte Organisationsformen der Stichprobe, differenziert nach Alter (N=315)

Tabelle 21 Sportintensität der Stichprobe, differenziert nach Alter (N=313) und Geschlecht (N=316)

Tabelle 22 Sportbiografie der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=317)

Tabelle 23 Einstellung zu Sport im Alter innerhalb der Stichprobe (N=313)

Tabelle 24 Überprüfung des Zusammenhangs zwischen den Einflussfaktoren Bildung und Einkommen (N=306)

Tabelle 25 Sportbezogene Gesamtausgaben der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=312)

Tabelle 26 Sportbezogene Gesamtausgaben der Stichprobe, differenziert nach Alter (N=309)

Tabelle 27 Sportbezogene Gesamtausgaben der Stichprobe, differenziert nach Alter und Geschlecht (N=309)

Tabelle 28 Sportbezogene Gesamtausgaben der Stichprobe, differenziert nach Kaufkraft (N=196)

Tabelle 29 Sportbezogene Gesamtausgaben der Stichprobe, differenziert nach Kaufkraft und Geschlecht (N=196)

Tabelle 30 Ausgaben für die Gesamtheit aller Sportgüter der Stichprobe, differenziert nach Organisationsform (nicht kommerziell vs. kommerziell) und Geschlecht (N=244)

Tabelle 31 Ausgaben für Sportgeräte und -ausstattung der Stichprobe, differenziert nach Organisationsform (nicht kommerziell vs. kommerziell) und Geschlecht (N=68)

Tabelle 32 Sportbezogene Ausgaben der Stichprobe, differenziert nach Sportbiografie (N=312)

Tabelle 33 Am häufigsten betriebene Sportarten der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=310)

Tabelle 34 Am häufigsten betriebene Sportarten der Stichprobe, differenziert nach Alter (N=310)

Tabelle 35 Am häufigsten betriebene Sportarten der Stichprobe, differenziert nach Kaufkraft (N=193)

Tabelle 36 Durchschnittliche Kosten für die jeweilige Organisationsform

Tabelle 37 Kaufkraftverteilung der Stichprobe, differenziert nach Organisationsform (nicht kommerziell vs. kommerziell) (N=175)

Tabelle 38 Intensität des Sportengagements der Stichprobe, differenziert nach Organisationsform (nicht kommerziell vs. kommerziell) (N=272)

Tabelle 39 Am häufigsten betriebene Sportarten der Stichprobe, differenziert nach Sportbiografie (N=310)

Fragebogen Seite 1

Fragebogen Seite 2

Fragebogen Seite 3

Fragebogen Seite 4

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Altersaufbau der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2006

Abb. 2 Bevölkerungsstand 2006 und Bevölkerungsentwicklung in Deutschland für die Jahre 2025 & 2050

Abb. 3 Konsumanteile der unter 50-Jährigen und über 50-Jährigen in 2005 & 2035

Abb. 4 Entwicklung des Jugend- und Altenquotienten von 1950 bis 2050

Abb. 5 Schulische Bildung von Frauen und Männern, differenziert nach Alter

Abb. 6 Durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen in Ein-Personen- Haushalten, differenziert nach Alter und Geschlecht (N=1.317)

Abb. 7 Geldvermögen der Privathaushalte, differenziert nach Alter

Abb. 8 Verwendung des verfügbaren Einkommens privater Haushalte im 1. Halbjahr 2003, differenziert nach dem Alter des/der Haupteinkommensbeziehers/-bezieherin

Abb. 9 Regelmäßiges Sportengagement von Frauen und Männern (mind. 1x/Woche Sport, differenziert nach Alter

Abb. 10 Veränderung des regelmäßigen Sportengagements von Frauen & Männern 1985 & 2005, differenziert nach Alter

Abb. 11 Käuferreichweite der Sportartikelnachfrage, differenziert nach Alter

Abb. 12 Familienstand älterer Menschen, differenziert nach Geschlecht (N=312)

Abb. 13 Anteil der jeweiligen Kaufkrafttypen, gesamt und differenziert nach Geschlecht (N=195) (p=0,003)

Abb. 14 Bevorzugte Organisationsformen älterer Menschen, differenziert nach Alter (N=315)

Abb. 15 Sportbiografie älterer Menschen, differenziert nach Geschlecht (N=317)

Abb. 16 Sportbezogene Gesamtausgaben im Vergleich zu Weber et al. (1995), differenziert nach Alter

Abb. 17 Sportbezogene Gesamtausgaben älterer Menschen, differenziert nach Geschlecht (p=0,006) und Alter (p=0,023) (N=309)

Abb. 18 Gesamtausgaben für Sportschuhe, -textilien und -geräte im Vergleich zu Breuer & Schlesinger (2007), differenziert nach Alter

Abb. 19 Sportbezogene Gesamtausgaben älterer Menschen, differenziert nach Sportbiografie (N=312)

Tabellenverzeichnis

Tab. 1 Schulbildung der Stichprobe, differenziert nach Alter und Geschlecht (N=303)

Tab. 2 Bevorzugte Organisationsformen (nicht kommerziell vs. kommerziell) der Stichprobe, differenziert nach Geschlecht (N=274) und Alter (N=271)

Tab. 3 Sportbezogene Ausgaben, differenziert nach Organisationsform (N=312)

„Jung zu bleiben und alt zu werden, ist das höchste Gut.“

(Deutsches Sprichwort)

1 Einleitung

Unsere Gesellschaft ist gezeichnet durch die Auswirkungen des demographischen Wandels. Hinter diesem Begriff steht jedoch nicht nur eine Verschiebung des Altersdurchschnitts nach oben. Vielmehr birgt die dahinter stehende Bevölkerungsentwicklung neben einschneidenden gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen auch einen komplexen Werte- und Lebenswandel der beteiligten Individuen in sich. Dass dem Sport innerhalb dieser Entwicklung eine zentrale Rolle zukommt, zeigt sich an dem wachsenden Gesundheits- und Fitnessbewusstsein der nachfolgenden (Senioren-)Ge- nerationen, die Gesundheit als einen Wert betrachten, für den der Sport einen großen Beitrag leisten kann (vgl. Cirkel et al., 2004, S. 58).

Doch trotz dieses als sicher geltenden Prozesses, werden in nahezu allen Marktbereichen die jungen Verbraucherinnen und Verbraucher nach wie vor als die zentrale Zielgruppe angesehen. Dabei verfügt die ältere Generation über eine sehr hohe Kaufkraft, die demografisch bedingt in den kommenden Jahren noch zunehmen wird (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 5). Daher gilt es, wie in allen Sektoren der Wirtschaft, auch für den Sport, die ökonomischen Potenziale der Älteren zu erkennen und den Markt für Produkte und Dienstleistungen im Alter weiter bzw. neu zu entwickeln.

Ziel und Methodik der Arbeit

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die sportbezogene Güternachfrage1 aktiver Menschen über 55 Jahren. Dabei ist als zentrale Thematik die Frage nach der tatsächlichen Ausgabenhöhe, die Ältere im Rahmen ihres Sportengagements zu verzeichnen haben, anzusehen. Weiterhin ist es von besonderem Interesse für welche Produkte und Dienstleistungen sie diese Ausgaben tätigen.

Um valide Aussagen über das Konsumverhalten2 dieser Menschen treffen zu können, müssen jedoch auch deren spezifischen Charakteristika berücksichtigt werden. Schließ- lich unterscheidet sich die Altersgruppe 55plus hinsichtlich ihrer Voraussetzungen, Ei- genschaften und dem daraus resultierenden Verhalten nicht nur deutlich von den ent- sprechenden Merkmalen anderer Zielgruppen. Darüber hinaus sind die Akteurinnen und Akteure auch innerhalb dieses Alterssegments als sehr heterogen zu bezeichnen.

Die Ursachen hierfür beruhen auf einer Vielzahl unterschiedlicher Determinanten so- ziologischer sowie ökonomischer Art. Im ersten Teil der Arbeit wird daher der aktuelle Forschungsstand auf dem Gebiet Alter und Altern vor dem Hintergrund dieser beiden wissenschaftlichen Disziplinen dargestellt. Weiterhin sollen aber auch die neu gewon- nen Erkenntnisse des empirischen Teils unter diesen Aspekten betrachtet werden. Zur Interpretation der Ergebnisse werden jeweils geeignete theoretische Modelle aus den beiden Fachrichtung herangezogen, die mögliche Erklärungsansätze für das konstatier- te Konsumverhalten bieten.

Aufbauend auf diesen grundsätzlichen Überlegungen werden im Laufe der Arbeit folgende Fragestellungen beantwortet:

1. Wie hoch sind die gesamten sportbezogenen Ausgaben aktiver älterer Menschen und für welche Produkte und Dienstleistungen tätigen sie diese Ausgaben im Sport?
2. Unterscheiden sich die Ausgaben älterer Menschen für Sport in Abhängigkeit von der Organisationsform, in der sie aktiv sind?
3. Hat der sportbiographische Hintergrund älterer Menschen Auswirkungen auf de- ren Konsumverhalten im Sport?

Zur Beantwortung dieser Fragen wurde im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit eine empirische Untersuchung in Form einer schriftlichen Befragung mit mehr als 300 Köl- nerinnen und Kölner über 55 Jahren durchgeführt, die in organisierter Form sportlich aktiv sind. Um ein möglichst breites Spektrum dieser Älteren abzudecken, wurden dazu verschiedene Institutionen ausgewählt, die Sportangebote für die Altersgruppe 55plus in ihrem Programm offerieren. In Anlehnung an die formulierten Forschungsfragen fand die anschließende Auswertung sowie die statistische Prüfung der dabei erhobe- nen Daten konsequent unter den Aspekten Geschlecht, Alter, Bildung und Einkommen statt. Diese Analyse wurde weiterhin auch für die Merkmale Organisationsform und Sportbiografie vorgenommen, die im Bereich Sport als spezifische Einflussfaktoren an- zusehen sind. Durch dieses Vorgehen sollte eine detaillierte Betrachtung der erhobe- nen Daten unter zentralen sozio-ökonomischen Gesichtspunkten gewährleistet werden.

Relevanz des Themas

Der demographische Wandel sowie die daraus resultierenden Folgen gehören zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu den wichtigsten Themen unserer Gesellschaft. Dabei stellt neben der „Bevölkerungsabnahme“ die „Alterung“ der Gesellschaft die zentralste Veränderung dieses Umbruchs in Deutschland dar (vgl. Hartmann, 2007, S. 1). Als Ursache dieser Entwicklung spricht die Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V. (2007, S. 10) von einer „dreifachen Alterung der Gesellschaft“: 1) der prozentuale Anteil der älteren Bevölkerung nimmt zu, 2) die Anzahl der älteren Menschen nimmt zu, 3) die Anzahl hochaltriger Menschen nimmt deutlich zu.

Das längere Leben ist nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit einer längeren Phase des Leidens an chronischen Erkrankungen und Funktionseinbußen. Der Kohorten- vergleich des Alterssurveys3 demonstriert, dass „nachfolgende Kohorten tatsächlich mit weniger Krankheiten ins Alter kommen als früher Geborene“ (vgl. BMFSFJ, 2005b, S. 5). Dieser Trend wird zusätzlich untermauert von den deutschen Kennzahlen der „Be- schwerdefreien Lebenserwartung in Europa“ die von der European Commission (2005, S. 18) veröffentlicht wurden. Demzufolge leben derzeit sowohl Männer als auch Frauen in Deutschland bis zu ihrem 65. Lebensjahr ohne größere körperliche Funktionsein- schränkungen oder Gebrechen. Neben diesem verbesserten Gesundheitszustand verfügt die Altersgruppe 55plus aber auch in anderen Bereichen über sehr gute Ressourcen. Zum einen steht ihnen durch den allmählichen Eintritt ins Rentenalter ein deutlich größeres Zeitkontingent zur Verfügung als es innerhalb der erwerbstätigen Bevölkerung der Fall ist. Zum anderen kann ihre finanzielle Lage durchaus als gut bezeichnet wer- den. So bewegt sich das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen für die Gesamtheit dieser Altersgruppe auf dem Niveau des Bundesdurchschnitts, bei den jüngeren Alten liegt es sogar deutlich über diesem Wert (vgl. BMFSFJ, 2005a, S. 1). Hinzu kommen beträchtliche Barvermögen, über die weit mehr als 80% aller Haushalte4 mit Älteren verfügen, sowie ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Immobilienbesitz (62%) (vgl. MGSFF NRW, 2002, S. 4). Für die Wirtschaft von besonderer Bedeutung werden diese Zahlen vor dem Hintergrund, dass parallel zu der zunehmend finanziell besseren Lage, eine abnehmende Sparquote älterer Haushalte zu erkennen ist. Aus diesem Trend kann somit geschlussfolgert werden, dass das „Mehr“ an finanziellen Mitteln überwie- gend für den Konsum von Gütern und Dienstleistungen verwendet wird (vgl. ebd., S. 20).

Dass diese Faktoren auch für den Konsum von Produkten und Dienstleistungen im Sport eine zentrale Rolle spielen, verdeutlichen die mit dem Alter steigenden Konsum- ausgaben für Freizeit (vgl. Cirkel et al, 2004, S. 23). Dabei nimmt sportliche Betäti- gung auch für die Menschen über 55 mittlerweile einen hohen Stellenwert ein, wenn es um die Gestaltung ihrer Freizeit geht. So stellt nach Breuer (2002, S. 62) „sportli- ches Engagement heute keineswegs mehr eine ausschließliche Beschäftigungsform junger Menschen dar“. Die klassische Altersnorm der Inaktivität verliert damit immer mehr an Handlungsrelevanz (vgl. ebd., S. 76f) und an ihre Stelle tritt zunehmend ein Bewusstsein des „Aktiven Alterns“ (vgl. Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Sozia- les des Landes NRW, 2007, S. 22).

Doch trotz dieser gesellschaftlichen und individuellen Entwicklungen richtet sich der überwiegende Teil der auf dem Markt angebotenen Produkte und Dienstleistungen noch immer vorrangig an junge Kunden (vgl. Reidl, 2007, S. 34, Cirkel et al., 2004, S. 49). Dass der Sportmarkt hier keine Ausnahme darstellt, spiegelt sich in der insgesamt wenig fortgeschrittenen Bezugnahme sportwissenschaftlicher Publikationen zu den Konsumausgaben dieser Altersgruppe wider. Dabei liegen gerade in den Bereichen, die für den Sportsektor von besonderer Relevanz sind - nämlich Gesundheit, Wellness und Fitness sowie in der aktiven Freizeitgestaltung - mitunter die größten, bislang noch ungenutzten wirtschaftlichen Chancen, die sich unserer Gesellschaft mit dem demo- graphischen Wandel bieten (vgl. Cirkel, 2004, S. 47; Reidl, 2007, S. 250f; Breuer, 2002, S. 68; Haimann, 2005, S. 26f; Erlinghagen, 2003, S. 5).

Aufbau der Arbeit

Um die Bedeutungsrelevanz der Altersgruppe 55plus für den Sport und die Wirtschaft sowie die Hintergründe dieser Thematik zu verstehen, sollen im Anschluss an dieses einleitende Kapitel zunächst die Kernelemente des demographischen Wandels, wie er sich für Deutschland darstellt, skizziert werden.

Teil drei dieser Arbeit widmet sich dann der begrifflichen Definition des Alters in Form einer Differenzierung der unterschiedlichen Betrachtungsweisen dieses Phänomens. Die Merkmale, welche die sogenannten „neuen“ Alten auszeichnet, werden im vierten Kapitel vorgestellt. Dabei soll der Blick auf diese vielfältigen Charakteristika nicht nur aus soziologischen Gesichtspunkten stattfinden sondern ebenfalls aus einer ökonomi- schen Perspektive erfolgen. Darüber hinaus geht dieser Teil auch auf die sportbezogenen Merkmale der untersuchten Gruppe älterer Menschen sowie die entsprechende Angebots- und Nachfragesituation auf dem Sportmarkt ein.

Die mehrdimensionale Herangehensweise an die Thematik dieser Arbeit erfordert auch für den theoretischen Hintergrund die Betrachtung aus diesen Perspektiven. So stehen sowohl in der Soziologie als auch in der Ökonomie jeweils grundlegende, theoretische Modelle zur Verfügung, die mögliche Ansätze zur Erklärung der sportbezogenen Nach- frage liefern. Sie sollen daher im folgenden fünften Kapitel ausführlich vorgestellt werden.

Den Übergang vom literarischen in den empirischen Teil dieser Arbeit bildet Kapitel sechs. Demnach werden hier zunächst die zentralen Fakten der Aufarbeitung des Forschungsstands zusammengefasst. Daraus resultierend und unter Bezugnahme der zuvor erläuterten theoretischen Konstrukte werden anschließend die zentralen Forschungsfragen für den weiteren Verlauf der Untersuchung formuliert.

Im siebten Kapitel erfolgt eine ausführliche Beschreibung des methodischen Vorge- hens der quantitativen Erhebung, die im Rahmen dieser Diplomarbeit durchgeführt wurde.

Die deskriptive Darstellung der Untersuchungsergebnisse erfolgt im achten Kapitel während sich das neunte Kapitel der deduktiv-statistischen Überprüfung der formulierten Forschungsfragen widmet.

Die daraus neu gewonnenen Ergebnisse werden im folgenden, interpretativen Teil der Diplomarbeit (Kapitel 10) unter Berücksichtigung der bestehenden Literatur diskutiert und auf die theoretischen Modelle aus Kapitel 5 übertragen.

Im abschließenden Resümee sollen noch einmal alle wesentlichen Aspekte zusammengefasst und in einem perspektivischen Überblick dargestellt werden.

2 Demographischer Wandel

Der in den vergangenen Jahren zunehmend thematisierte demographische Wandel be- schreibt die grundlegenden Veränderungen der gesellschaftlichen Struktur industriali- sierter Nationen. Als zentrale Aspekte dieses Umbruchs sind dabei in erster Linie die Verschiebung der altersmäßigen Zusammensetzung sowie ein genereller Rückgang der Bevölkerung auszumachen (vgl. Winkler, 2008, S. 6f). Auch für Deutschland stellt die- se Entwicklung eine als sicher anzunehmende Tatsache dar, die in den kommenden Jahren weitreichende Auswirkungen unter anderem auf die Wirtschaft haben wird. Als wesentliche Ursachen für diesen Prozess werden von Seiten der Forschung einheitlich zwei demographische Trends genannt: die stetig sinkende Geburtenrate - und damit auch Bevölkerungszahl - sowie die steigende Lebenserwartung der Menschen.

Im folgenden Kapitel soll daher zunächst die derzeitige Population der Bundesrepublik beschrieben werden. Darauf aufbauend werden die bisherigen sowie prognostizierten Entwicklungen der deutschen Bevölkerung ausführlich dargestellt und im Anschluss die damit verbundenen Folgen für den Wirtschaftssektor skizziert. Als verlässliche Quelle dient hierzu vor allem der „Datenreport 2008“ des Statistischen Bundesamtes (2008a), der mit seiner umfangreichen Datenbasis eine nahezu lückenlose Darstellung ermög- licht.

2.1 Bevölkerungsstand

Im Jahr 2006 zählte die Bundesrepublik Deutschland 82,3 Millionen Einwohnerinnen (51%) und Einwohner (49%) (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008a, S. 11). Dabei stell- ten die Altersgruppen der Heranwachsenden (unter 20-Jahren) sowie die der Senioren (65-Jährige und Ältere) mit jeweils ca. 20% einen nahezu gleich großen Anteil der Ge- samtbevölkerung dar. Etwa zwei Drittel aller Deutschen gehörten dagegen der Bevölke- rung im erwerbsfähigen Alter an (20 bis unter 65 Jahre). Dieses Verhältnis wird auch in der sogenannten Alterspyramide deutlich (vgl. Abb. 1). Diese zur Veranschaulichung des Altersaufbaus eines Landes verwendete Darstellungsform schichtet die Bevölke- rungszahlen je Altersgruppe übereinander und ermöglicht dadurch eine ausführliche und dennoch übersichtliche Betrachtung der altersmäßigen Bevölkerungsverteilung. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch die idealtypische Pyramidenform mit einer breiten Basis in der Bevölkerungsstruktur vorherrschte, ist die demographische Trendwende bereits heute deutlich erkennbar. Die schmale Basis lässt eine geringere Zahl der Kinder und Jugendlichen erkennen, während sich die zahlenmäßig starken Jahrgänge in der Mitte der Pyramide (um das 50. Lebensjahr) befinden.

Abb. 1 Altersaufbau der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2006

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2006, 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung

2.2 Bevölkerungsentwicklung

Diese strukturellen Veränderungen, die sich in unserer Gesellschaft allmählich bemerk- bar machen, sind jedoch keineswegs neu. Es handelt sich dabei vielmehr um eine Ent- wicklung, deren Anfänge bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zu finden sind. Demnach ist man sich in der Literatur über zwei seither anhaltende Trends einig, die als Ursache dieser einschlägigen Veränderungen anzusehen sind: 1) die sinkende Zahl der Geburten in Verbindung mit 2) einer konsequent steigenden Le- benserwartung der Menschen (vgl. Deutscher Bundestag, 2002, S. 12; BMFSFJ, 2007b, S. 7; Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, 2007, S. 12f; Hartmann-Tews, 2008, S. 98; Winkler, 2008, S. 6f; Hartmann, 2007, S. 11).

2.2.1 Sinkende Geburtenrate

Während die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch durch die hohen Geburtenzahlen des sogenannten Baby-Booms geprägt waren, folgte ab Mitte der 60er Jahre ein rapi- der Geburtenrückgang. Dem Höchststand von 1,36 Millionen im Jahr 1964 standen 1975 nun mehr 782.000 Geburten gegenüber. Seit 1998 ist eine weitere Abnahme zu verzeichnen, die 2005 dazu führte, dass erstmals weniger als 700.000 Kinder geboren wurden (vgl. Statistisches Bundesamt, 2007, S. 14). Die aktuellsten Zahlen hierzu stammen aus dem Jahr 2007 und liegen bei 685.000 Neugeborenen. Durch diese kon- stant sinkenden Geburtenzahlen wurden in Deutschland seit 1972 stetig weniger Kin- der geboren als Menschen starben. Um die derzeitige Bevölkerungszahl langfristig zu erhalten, müsste jede Frau durchschnittlich 2,1 Kinder zur Welt bringen. Im Jahr 2006 lag dieser Wert jedoch nur bei 1,33 Kindern je Frau und somit deutlich unter der erforderlichen Zahl (vgl. ebd.; Hartmann, 2007, S. 45). Demnach werden bei gleichbleibender Geburtenrate die „zukünftigen Elterngenerationen immer um etwa 1/3 größer als die ihrer Kinder sein“ (Hartmann, 2007, S. 58).

2.2.2 Steigende Lebenserwartung

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in Deutschland hat in den letz- ten 100 Jahren eine konstant steigende Entwicklung zu verzeichnen. Allein zwischen den Jahren 1990 und 2006 ist die Lebenserwartung der Frauen bei Geburt um 3,2 Jah- re auf 82,1 Jahre und die der Männer um 4,4 Jahre auf 76,6 Jahre angestiegen (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008a, S. 21; Robert-Koch-Institut, 2006, S. 7). Die längere Lebenserwartung hat aber nicht nur Auswirkungen auf das Leben Neugeborener. Auch den Menschen, die sich bereits heute im höheren Alter befinden, steht ein längeres Leben bevor als dies noch im vergangenen Jahrhundert der Fall war. So ergibt sich beispielsweise für einen 60-Jährigen Mann nach der neuen Sterbetafel5 2004/2006 ei- ne fernere Lebenserwartung6 von durchschnittlich 20,6 Jahren, in der Sterbetafel 1994/1996 lag dieser Wert noch bei 18,3. Eine gleichaltrige Frau hatte statistisch ge- sehen im Jahr 2006 noch 24,5 Jahre zu leben, gegenüber durchschnittlich 22,7 Jahre nach der Sterbetafel eine Dekade zuvor (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008a, S. 22). Als Ursachen der kontinuierlich ansteigenden Lebenserwartung werden vielfältige Fak- toren zur Erklärung herangezogen. Haimann (2005, S. 17) nennt in diesem Kontext den allgemeinen Fortschritt. Hartmann-Tews (2008, S. 98) konkretisiert diese Aussage und führt die verbesserten Lebensbedingungen, ein erhöhtes Maß an gesundheitsför- dernden Lebensweisen sowie den medizinischen Fortschritt als Voraussetzungen dieser Entwicklung auf.

2.3 Bevölkerungsvorausberechnung

Vor dem Hintergrund eines weiteren Bevölkerungsrückgangs und einer anhaltenden Al- terung der Deutschen hat das Statistische Bundesamt 2006 die Ergebnisse der 11. ko-ordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für das Jahr 2050 vorgestellt7. Die Forscher gehen dabei konkret von folgenden demographischen Annahmen aus: 1) die Gebur- tenhäufigkeit bleibt annähernd konstant bei 1,4 Kindern je Frau, 2) die Lebenserwar- tung Neugeborener liegt im Jahr 2050 für Jungen bei 83,5 und für Mädchen bei 88,0 Jahren.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Bevölkerungsstand 2006 und Bevölkerungsentwicklung in Deutschland für die Jahre 2025 & 2050 Quelle: Statistisches Bundesamt, 2006, 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung

Demnach hat die deutsche Bevölkerung, ausgehend von 82,3 Millionen Menschen in 2006, bis zum Jahr 2025 einen Rückgang auf 78,8 Millionen (4,3%) und bis 2050 auf 68,7 Millionen (16,5%) zu erwarten. Dabei verschiebt sich die Altersstruktur bis 2025 um 5% zu Gunsten der 65-Jährigen und Älteren, so dass zu diesem Zeitpunkt deren Anteil bereits ein Viertel der Bevölkerung ausmacht (2006 lag dieser Wert noch bei 20%). 2050 bildet diese Altersgruppe schließlich 33% der deutschen Gesamtbevölke- rung. Mit 10,4 Millionen sind dann nur noch 15% der Deutschen unter 20 Jahren (2006: 20%), die Menschen im erwerbsfähigen Alter stellen entsprechend noch 52% der deutschen Population (2006: 60%). Priddat (2005) unterstreicht diese Zahlen ein- drucksvoll mit der Tatsache, dass Deutschland damit im Jahre 2050 „neben Japan und Italien das älteste Land der Welt“ sein wird (vgl. Deutscher Bundestag, 1998, S. 129). Verfolgt man diese Entwicklung in der Alterspyramide (vgl. Abb. 2), so schlägt sich die steigende Lebenserwartung „in einer Verbreiterung der Pyramidenspitze nieder, die rückläufige Fertilitätsrate in der schmaleren Basis der Pyramide“ (BMFSFJ, 2007b, S. 7; Kenntner et al., 2006, S. 10).

Auch die von der Forschungsgesellschaft für Gerontologie beschriebene „dreifache Alterung der Gesellschaft“ wird in dieser Darstellung deutlich: neben dem prozentualen Anteil der älteren Bevölkerung nimmt demnach auch die tatsächliche Zahl älterer Menschen sowie die Anzahl der hochaltrigen Menschen zu. Für letztere ist sogar festzustellen, dass sie den quantitativ größten Anstieg zu verzeichnen haben (vgl. FfG, 2007, S. 10). Die immer schmaler werdende Basis der Pyramide bis ins Jahr 2050 ist durch den weiteren Geburtenrückgang zu erklären und die damit verbundene sinkende Zahl potentieller Mütter (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008a, S. 22).

2.4 Wirtschaftliche Relevanz

Dass diese bisher in Kapitel 2 genannten, grundlegenden Veränderungen der gesellschaftlichen Struktur enorme Auswirkungen auf Wirtschaft, Politik und Sozialsysteme haben werden, gilt als unumstritten (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 12; BMFSFJ, 2007b, S. 1f, Cirkel et al., 2004, S. 3f). Da sich diese Arbeit vor dem Hintergrund der sportbezogenen Konsumausgaben älterer Menschen jedoch vornehmlich der ökonomischen Seite zuwendet, sollen an dieser Stelle speziell die wirtschaftlichen Konsequenzen des Alterungsprozesses in Deutschland noch konkreter skizziert werden.

2.4.1 Konsumenten

Bereits zum heutigen Zeitpunkt sind 40% aller Deutschen 50 Jahre oder älter. 2050 wird dies auf jeden zweiten Menschen (53%) in Deutschland zutreffen. Demgegenüber stehen derzeit 47% der Verbraucher, die der werberelevanten Kernzielgruppe - der 15- bis 49-Jährigen - entsprechen (vgl. Reidl, 2007, S. 34, Cirkel et al., 2004, S. 49; Wild- ner, 2006, S. 41) und deren Anteil an der deutschen Bevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 36% zurückgehen wird (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 13; BMFSFJ, 2007b, S. 1f; Statisti- sches Bundesamt, 2006, S. 39f, eigene Berechnung). Dennoch erkennen erst wenige Unternehmen den „Megatrend Alter“ (vgl. Reidl, 2007, S. 34, Cirkel et al., 2004, S. 49). Haimann (2005, S. 10) bringt dieses Phänomen humorvoll auf den Punkt: „König Kunde trägt inzwischen immer mehr graue Strähnen in seinem Haar - doch diese Tat- sache haben bisher nur die wenigsten Wirtschaftslenker zur Kenntnis genommen“.

Dieses Verhalten der Wirtschaftsakteure überrascht ebenfalls in Anbetracht der mitt- lerweile guten finanziellen Lage älterer Menschen in Deutschland, von der sogar aus- zugehen ist, dass sie sich in den nächsten Jahren auch noch weiter verbessern wird9 (vgl. ebd., S. 5; Winkler, 2008, S. 9; Forschungsgesellschaft für Gerontologie, 2007, S. 10; Federsel-Lieb, 1992, S. 5). Was jedoch für die Wirtschaft von noch größerem Inte- resse sein dürfte, sind die Veränderungen des Konsumverhaltens. „Lange Zeit als spar- sam und wenig ausgabefreudig bekannt“, ist bei den Älteren mittlerweile der Trend zu einem reduzierten Sparverhalten zu erkennen (FfG, 2007, S. 10). Gleichzeitig fielen die Konsumausgaben dieser Gruppe überdurchschnittlich hoch, bei den 50- bis 60- Jährigen sogar im Bundesdurchschnitt am höchsten aus (vgl. Reidl, 2007, S. 13).10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Konsumanteile der unter 50-Jährigen und über 50-Jährigen in 2005 & 2035 Quelle: BMFSFJ, 2007c, Wirtschaftsmotor Alter, Kurzfassung

2.4.2 Produkte und Dienstleistungen

Diese Konsumwerte der Menschen über 50 in Deutschland lassen nur erahnen, welche Potenziale in dem noch wenig erschlossenen „Altersmarkt“ stecken. Produkte und Dienstleistungen, die auf die speziellen Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind, stellen bereits zum heutigen Zeitpunkt eine Wachstumsbranche dar (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 13f). Unter ökonomischen Gesichtspunkten als besonders vielversprechend gelten dabei die Bereiche Tourismus, Wohnen, Finanzen, Mobilität, Bildung, Neue Me- dien und Kommunikation, Essen und Trinken sowie Beauty und Wellness (vgl. Cirkel et al., 2004, S. 51). Aber auch die Branchen rund um Sport und Fitness werden in diesem Kontext immer häufiger genannt (vgl. Reidl, 2007, S. 36; Cirkel et al., 2004, S. 51). Darüber hinaus können Produkte und Dienstleistungen aus diesen exemplarischen Ge-staltungsfeldern einen „bedeutenden Beitrag zur Sicherung und Steigerung der Lebensqualität im Alter leisten“ (Cirkel et al., 2004, S. 51).

Auch zu der Entwicklung und Verbesserung dieser Angebote können diese älteren Nachfrager beitragen. Einige Unternehmen haben diese Chance bereits erkannt und integrieren bewusst Zugehörige ihrer Zielgruppe in den gesamten Produktionsprozess. So agieren Ältere beispielsweise als Berater oder bieten gar selbst entsprechende Dienstleistungen und auch Produkte an. Auf diesem Weg können sie nicht nur ihr Wissen, das sie sich in vielen Jahren angeeignet haben, einbringen sondern gleichzeitig die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Generation an die relevanten Produzenten und Hersteller weitergeben (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 14).

2.4.3 Beschäftigung

In den kommenden Jahren und Jahrzehnten werden mehr Menschen das Rentenalter erreichen als junge Menschen mit erfolgreichem Schul- oder Hochschulabschluss in das Berufsleben nachrücken. Ab dem Jahr 2015 ist daher ein kontinuierlicher Rückgang der erwerbstätigen Bevölkerung in Deutschland zu erwarten (vgl. Statistisches Bundesamt, 2006, S. 40f; Haimann, 2005, S. 17).

Um das, insbesondere aus sozialstaatlicher Sicht wichtige, Verhältnis dieser Alters- gruppen zueinander auszudrücken, greift man auf den sogenannten Jugend- und Al- tenquotienten zurück. Der Jugendquotient setzt dabei die Zahl der Heranwachsenden (unter 20-Jährigen) ins Verhältnis zu der erwerbstätigen Bevölkerung zwischen 20 und 65 Jahren. Der Altenquotient bezieht dagegen die Zahl derer, die bereits aus dem Be- rufsleben ausgeschieden sind (die 65-Jährigen und älteren) ins Verhältnis zu den 20- bis 65-Jährigen. Im Jahr 2006 waren beide Quotienten mit einem Wert von 33 gleich hoch (vgl. ebd., S. 13; Hartmann, 2007, S. 63). Die Folgen der zuvor beschriebenen Entwicklung werden in dieser Darstellung (vgl. Abb. 4) eindrucksvoll veranschaulicht. Die Verschiebung der Altersstruktur Deutschlands von Jung nach Alt wirkt sich ent- sprechend auch auf das durchschnittliche Erwerbsalter aus. So bildete 2006 die Gruppe der 30- bis 49-Jährigen mit 50% noch unangefochten den größten Anteil aller Er- werbstätigen, vor den Personen zwischen 50 und 65 Jahren, die 30% dieser Statistik ausmachten. Bereits 2020 wird sich jedoch die Altersverschiebung weitaus deutlicher bemerkbar machen. Zu diesem Zeitpunkt wird die Gruppe der 50- bis unter 65-Jährigen mit 40% fast genauso stark sein wie die Altersgruppe zwischen 30 und 50 Jahren, de- ren Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung dann nur noch 42% betragen wird. Diese Entwicklungen verdeutlichen, die zunehmende Bedeutung der Einbindung ältere Ar- beitskräfte (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 12).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Entwicklung des Jugend- und Altenquotienten von 1950 bis 2050

Jugendquotient Altenquotient

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2006, 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, eigene Berech- nung

2.4.4 Globalisierungstendenzen

Die so oft als problematisch dargestellten Herausforderungen, denen wir uns im Zuge des demographischen Wandels langfristig stellen müssen, könnten sich dabei gerade für Deutschland als eine nicht zu unterschätzende, wirtschaftliche Chance erweisen. Mehr als die Hälfte aller EU-Länder sieht sich mit einem zunehmenden Alterungspro- zess der Bevölkerung konfrontiert (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 11; Statistisches Bundes- amt, 2006, S. 31f). Betrachtet man die Situation in Ländern außerhalb Europas wird die Entwicklung gesellschaftlicher Alterung sogar zum globalen Phänomen. Der derzei- tige Zuwachs der Weltbevölkerung wird bald erlahmen, denn selbst zahlreiche Entwick- lungsländer der Erde haben mittlerweile sinkende Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung zu verzeichnen. Langfristig werden die Populationszahlen deshalb in nahezu allen Ländern zurückgehen (vgl. Hartmann, 2007, S. 31ff; Schulz, 2000, S. 267ff zit. n. Hartmann; Haimann, 2005, S.17).

Als eine der „am frühesten alternden Gesellschaften Europas“ bietet sich jedoch für die in der Bundesrepublik angesiedelten (Export-)Unternehmen eine „aussichtsreiche Startposition im internationalen Handel“ (BMFSFJ, 2007b, S. 4; Statistisches Bundes- amt, 2003, S. 12). Dieser, als First-Mover-Advantage bezeichnete, Vorteil besteht in einem Wissens- und Imagevorsprung, der von konkurrierenden Unternehmen nur mit großem Aufwand einzuholen ist (vgl. DB Research, 2003, S. 14; Haimann, 2005, S. 17f).

Für die wirtschaftliche Relevanz, die der demographische Wandel in sich birgt, kann zusammenfassend gesagt werden, dass die damit einhergehenden Veränderungen für Hersteller und Anbieter von Produkten und Dienstleistungen in Deutschland eine gro- ße Herausforderung darstellen. Für Unternehmen, die die Entwicklungen rechtzeitig erkennen und annehmen, ist dieser Prozess jedoch gleichzeitig auch als eine einmali- ge Chance anzusehen. Es gilt also, sich frühzeitig auf die „bedeutendste Konsumen- tengruppe des 21. Jahrhunderts“ (Haimann, 2005, S. 17) einzustellen und auf dem „Zukunftsmarkt Senioren“ mit geeigneten Produkten und Dienstleistungen zu etablie- ren (vgl. Bruns & Böhme, 2007, S. 192; Cirkel et al., 2004, S. 47; Reidl, 2007, S. 34; Haimann, 2005, S. 11; Federsel-Lieb, 1992, S. 5; Winkler, 2008, S. 9; Meyer-Hentschel- Mangement-Consulting, 2000, S. 11).

3 Definitionen und Betrachtungsweisen des Alters

Bereits anhand der unterschiedlich angesetzten Altersgrenzen im bisherigen Verlauf dieser Arbeit wird erkennbar: eine verbindliche und einheitliche Vorstellung davon, ab wann ein Mensch alt ist, existiert nicht. Verschiedenste Fachdisziplinen befassen sich mit dem Alter und jede von ihnen bezieht sich auf eine andere Definition. Zu vielfältig sind die Perspektiven der Betrachtung sowie die unterschiedlichen Lebensbedingungen und Verhaltensweisen älterer Menschen, so dass auch der Blick in die Literatur keine eindeutige Festlegung des Begriffs Alter ermöglicht (vgl. Meyer-Hentschel, 1985, S. 436).

"Vielmehr steht das Alter als Hilfsvariable für die Gesamtheit aller möglichen Einflüsse auf die körperliche Aktivität. Dabei können vier Altersfaktoren körperlicher Aktivität unter- schieden werden: physische […], psychische […], soziale [...] und ökonomische. [...].“ (S. 89)

Diese Definition beleuchtet die zentralen Aspekte und Veränderungen der Lebensphase Alter deren Kernelemente gleichzeitig von großer Relevanz für die sportliche Aktivität - und damit auch für die in dieser Arbeit untersuchten sportbezogenen Konsumausga- ben - älterer Menschen sind. Die in dieser Arbeit grundlegende Auffassung des Alters findet sich in der interdisziplinären Betrachtungsweise dieser Definition wider. In Anlehnung an diese Anschauung sollen daher nachfolgend die differenzierten Vor- stellungen über das Alter konkretisiert werden. Dabei werden die vier Kernelemente dieser Definition unter Verwendung einer angepassten Terminologie aufgegriffen.

3.1 Physische Perspektive

Der Alterungsprozess des Menschen ist ein komplexer biologischer Vorgang. Beginnend mit der Geburt und erst zum Zeitpunkt des Todes beendet, streckt er sich über das ganze Leben hinweg. Dabei entwickelt sich die allgemeine und körperliche Leistungs- fähigkeit des Menschen vergleichbar mit der Form einer Parabel: nach der Geburt nimmt sie kontinuierliche zu, erreicht zum Ende der Jugend und Beginn des Erwachse- nenlebens ihren Höhepunkt, bevor sie danach wieder stetig absinkt (vgl. Rulofs et al., 2001, S. 43).

Über die genauen Vorgänge innerhalb des menschlichen Körpers, welche dem Alte- rungsprozess zu Grunde liegen, existiert bis heute kein gesichertes Wissen. Aus diesem Grund bestehen derzeit auch verschiedene Theorien und Hypothesen, die parallel ver-suchen dieses Phänomen zu erklären (vgl. Vömel, 1991, S. 47, zit. nach Backes & Clemens, 1998, S. 93).11

So unsicher man sich über die Ursachen des Alterungsprozesses ist, so offensichtlich sind die Folgen dieses Phänomens: Eigenschaften, Funktionen und die Funktionsfähig- keiten einzelner Gewebe, Organe und Organsysteme verändern sich nach und nach, was enorme Auswirkungen auf den gesamten menschlichen Organismus hat (vgl. BMFSFJ, 2005a, S. 1). Einige wesentliche Bereiche, die dies betrifft, sind zum Beispiel die Sinnesorgane, die Nieren, die Elastizität des Bindegewebes, der Hormonhaushalt, die Nervenfunktion, das Immunsystem sowie die verringerte Anpassungsfähigkeit an äußere Einflüsse.

Bedingt durch diese biologischen Abbauprozesse des Körpers, ist das menschliche Le- ben zeitlich begrenzt. Im Jahr 2006 lag beispielsweise die Lebenserwartung einer in Deutschland lebenden Frau bei 82,1 Jahren, die eines Mannes bei 76,6 Jahren (vgl. Robert-Koch-Institut, 2006, S. 7). Wenn auch letztendlich nicht abwendbar, scheint dieser Endzeitpunkt des menschlichen Lebens dennoch sehr wohl in gewissem Maße beeinflussbar zu sein. Dies verdeutlicht die Entwicklung der Lebenserwartung in den letzten 100 Jahren eindrucksvoll. Wurden vor 100 Jahren noch 5% der männlichen und 7% der weiblichen Bevölkerung 80 Jahre alt, erreichen heute ca. 41% der männlichen und 62% der weiblichen Bevölkerung dieses Alter (vgl. Statistisches Bundesamt, 2002, S. 72). Diese Entwicklung, die ausführlicher bereits in Kapitel 2.2.2 beschrieben wur- de, ist aber nicht nur für Neugeborene festzustellen. Auch die fernere Lebenserwar- tung, also die noch zu erwartenden Jahre im höheren Alter, ist beträchtlich gestiegen (vgl. Backes & Clemens, 2005, S. 108). Als besonders positiv einzuschätzen ist diese längere Lebensdauer jedoch vor dem Hintergrund, dass sie einhergeht mit einem ver- besserten Gesundheitszustand12. Die Forschungsgesellschaft für Gerontologie (2007, S. 5) konkretisiert diese Entwicklung: „Sicherlich sind bestimmte körperliche altersbedingte Einschränkungen nicht zu leugnen, dennoch geht es den älteren Menschen heute gesundheitlich deutlich besser als noch vor 30 Jahren".

Dass in diesem Zusammenhang auch sportliche Aktivität einen erheblichen Einfluss auf den körperlichen Abbauprozess nehmen kann, bestätigen Wissenschaftler immer wie- der. Demnach sind nicht nur positive gesundheitliche Effekte auf Organe sowie den Halte- und Bewegungsapparat zu verzeichnen (vgl. Fuchs, 2003, S. 84; Eichberg, 2003, S. 155). So konnte nachgewiesen werden, dass sportliche Aktivität sogar ein Aufschie- ben des komplexen Alterungsprozesses ermöglicht (vgl. Bös & Brehm, 2003, S. 158; RKI, 2006a, S. 103; John, 2003, S. 25; Roessler, 2006, S. 24f; Mechling, 2005, S. 899f).

3.2 Psychische Perspektive

Betrachtet man die seelischen Veränderungen, die der Alterungsprozess mit sich bringt, stellen sich die sogenannten kritischen Lebensereignisse als zentrale Problema- tik dar. Hierunter verstehen Backes & Clemens (2005, S. 173) jene „Ereignisse im Le- bensverlauf von Menschen, die zentrale Veränderungen hervorrufen und psychosoziale Anpassungs- und Bewältigungsleistungen erforderlich machen“. Gerade bei älteren Menschen können diese beispielsweise der Verlust der Partnerin oder des Partners, das Ausscheiden aus dem Arbeitsleben sein oder aber auch das Ausziehen der Kinder. Häu- fig gerät durch Geschehnisse dieser Art das Gleichgewicht der Menschen, die sich in solch einer Situation befinden, durcheinander. Ein neues Gleichgewicht muss herge- stellt werden (vgl. ebd.). Die für den Menschen zur Verfügung stehenden Strategien zur Anpassung an diese veränderten Lebensumstände sind im Alter allerdings nicht mehr in gleichem Maße vorhanden wie es in jüngeren Jahren noch der Fall ist. Daher stellen sich solch einschneidende Veränderung für ältere Menschen oftmals als eine Stress erzeugende Aufgabe heraus, die nicht selten zu enormer psychischer Anspan- nung bis hin zu Depressionen führen kann (vgl. ebd., S. 102; BMFSFJ, 2005a, S. 1).

Auch in Bezug auf die hier beschriebenen psychischen Einflussfaktoren auf die Lebens- situation älterer Menschen wird in der Literatur zunehmend von einem positiven Ein- fluss des Sports gesprochen (vgl. Bös & Brehm, 2003, S. 160f). Demnach erwähnen Wagner & Brehm (1998) in dem „Handbuch Gesundheitssport“ einen wissenschaftli- chen Grundtenor, „dass sich kausal interpretierbare generelle Zusammenhänge zwischen sportlicher Aktivi- tät und psychischer Gesundheit nicht finden lassen, wohl aber Zusammenhänge zwischen sportlicher Aktivität und spezifischen Parametern psychischer Gesundheit (z.B. Angst, Spannungszustände, Stimmung, Körperkonzept)“ (Wagner & Brehm, 1998, S. 103).

Roessler (2006, S. 36) wird mit Verweisen auf anerkannte Forschungsergebnisse dabei noch konkreter: „Physische Aktivität reduziert Angst, vermindert moderate Depressionen, vermindert Stresssymptome und steigert das Selbstwertgefühl. Es geht einem psychisch besser, wenn man sich bewegt“.

3.3 Sozio-ökonomische Perspektive

Eine unter sozialstrukturellen Gesichtspunkten wichtige Veränderung im Lebensverlauf stellt in kapitalistischen Arbeitsgesellschaften wie der unseren die Einteilung des Le- bensverlaufs in drei Phasen dar: die Vorbereitungsphase (Kindheit und Jugend), Er- werbsphase („aktives“ Erwachsenenalter) und Ruhestandsphase (Alter) (vgl. Kohli, 2000, S. 11f; MAGS des Landes NRW, 2007, S. 8; Backes & Clemens, 2005, S. 56). Zwar ist die Institutionalisierung des sozial gesicherten Ruhestands historisch gesehen noch verhältnismäßig jung (vgl. Bruns & Böhme, 2007, S. 30f; Backes & Clemens, 2003, S. 56), dennoch gründet sich offensichtlich unsere heutige Vorstellung von Alter hauptsächlich auf der Tatsache, aus dem Erwerbsleben ausgetreten zu sein und sich im Ruhestand zu befinden (vgl. Winkler, 2008, S. 5).

Bedingt durch den Frühverrentungstrend, der seit Ende der 70er Jahre zu einem Sin- ken des Renteneintrittsalters „auf durchschnittlich unter 60 Jahre“ geführt hat (Ba- ckes & Clemens, 2005, S. 57) und die bereits in Kapitel 2.2.2 ausführlich besprochene längere Lebenserwartung, weist dieser Lebensabschnitt mittlerweile ein Zeitspektrum von mehr als 25 Jahren auf (vgl. Combrink et al., 2007b, S. 53; Cirkel et al, 2004, S. 8). Gewonnene Jahre, die einhergehen mit einem guten körperlichen Gesundheitszustand (vgl. Kapitel 4.1.2; FfG, 2007, S. 5; BMFSFJ, 2005, S. 5). Diese Situation, die als „historisch jung und bisher einmalig“ anzusehen ist, begründet eine weitere Differenzierung oder vielmehr eine grundlegende Neuordnung der bisher in der Gesellschaft akzeptierten Altersphasen: die Menschen, die heute den Ruhestand erreichen, sind fit, müssen keinen sozialen Pflichten mehr nachkommen, sind materiell gut gestellt und verfügen über viel Zeit (vgl. Combrink et al., 2007b, S. 52; Druyen, 2007, S. 7; Hartmann-Tews, 2008, S. 99; Tews, 1989, S. 129).

Aus diesem Grund nahm Laslett (1999) eine Unterteilung des Lebensabschnitts Alter in ein „drittes“ (oder junges Alter) und „viertes“ Alter (oder Hochaltrigkeit) vor, der sich auch Combrink et al. (2007b, S. 53) im Rahmen ihres Projekts „Sportlich aktives Alter(n) - eine Frage des Geschlechts?“ anschließen. Die Forschungsgesellschaft für Gerontologie (2007, S. 10) macht indes sogar „mindestens drei Generationen“ des Al- ters aus: die Jungsenioren (ab ca. 55 Jahren), die Senioren im mittleren Alter (ab dem ca. 60 Lebensjahr) und die hochaltrigen Senioren (ab ca. 80 Jahre). Die gleiche Ein- teilung nimmt auch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW in dem 2007 veröffentlichten vierten Band der Gesundheitsberichte Spezial vor und ordnet dabei die Hochaltrigen in die vierte Lebensphase ein (vgl. S. 8).

Diese Entwicklungsprozesse der nachberuflichen Lebensphase nehmen vor dem Hinter- grund sportlicher Aktivität im Alter einen besonderen Stellenwert ein. In diesem Kontext wären vornehmlich zeitliche Restriktionen zu nennen, die nach Beendigung der Erwerbstätigkeit und der damit gewonnenen (Frei-)Zeit nahezu wegfallen (vgl. Breuer & Wicker, 2007, S. 89f).

3.4 Perspektive des Marktes

Senioren waren gestern. Mit zunehmendem Einfluss des demographischen Wandels auf den Wirtschaftssektor wächst die Vielfalt neuer Mode-Schlagworte zur Beschreibung älterer Menschen. Junge Alte, 50plus, Best Ager, Master Consumers, Generation Gold oder gänzlich neue Wortschöpfungen wie Selpies (second life people), Woopies (well- off older people), Senior Dinkis (senior double income, no kids) oder Yollies (young old leisure living people) sind hier nur einige Beispiele (vgl. Krieb & Reidl, 1999, S. 78). Allen gemein ist das veränderte, das neue Altersbild, für das sie stehen: In bester gesundheitlicher Verfassung, über reichlich Vermögen verfügend und „wild entbrannt […], das Bruttosozialprodukt durch eifrige Käufe in die Höhe zu treiben“ (Haimann, 2005, S. 116).

Dieser Einfallsreichtum der Marketingverantwortlichen, mit dem versucht wird die Ziel- gruppe ab 50 zu betiteln, zeigt, dass dieses Alterssegment ganz offensichtlich zuneh- mend in den Fokus der strategischen Überlegungen rückt. Diese Bezeichnungsvielfalt verdeutlicht dabei, dass nicht (mehr) von dem „typischen Alter“ oder „typisch alten Menschen“ gesprochen werden kann. Die Forschungsgesellschaft für Gerontologie (2007, S. 11) hat die Folgen dieser Heterogenität vor dem ökonomischen Hintergrund daher wie folgt erklärt:

„Die Vielfalt der Menschen und der Biografien zieht sich wie ein roter Faden durch die Seniorenwirtschaft - und wirkt sich unterschiedlich auf die Einkommenssituation, das Konsumverhalten, das Freizeitverhalten, die Wohnsituation und vieles andere aus."

Die Abgrenzungsproblematik des Seniorensegments vom Gesamtmarkt erkannte Federsel-Lieb (1992, S. 10ff) bereits 15 Jahre zuvor. Und auch sie machte als Ursache für die Schwierigkeit bei der Festlegung eines Eintrittszeitpunkts in das Seniorenalter die Diversität des Alternsvorgangs und die damit verbundene Verschiedenartigkeit der Charaktere und Verhaltensweisen bei älter werdenden Menschen aus.

Aus diesem Grund soll das folgende Kapitel einer ausführlichen Darstellung dieser viel- fältigen gesellschaftlichen sowie ökonomischen Merkmale der „neuen“ Alten dienen.

4 Merkmale der „neuen“ Alten

Im vorherigen Kapitel wurde bereits dargestellt, dass sich die älteren Menschen in vielerlei Hinsicht von den Jüngeren unterscheiden. Doch auch innerhalb ihrer Altersgruppe sind sie als äußerst heterogen anzusehen. Die folgenden Seiten widmen sich daher ausschließlich den sogenannten „neuen“ Alten, deren vielfältige Hintergründe und Eigenschaften im Folgenden vorgestellt werden sollen. Dabei erfolgt die Betrachtung dieser Merkmale jeweils auch aus einer soziologischen (in diesem speziellen Fall soziodemographischen) sowie ökonomischen Perspektive. Darüber hinaus soll in diesem Kapitel zusätzlich dargelegt werden, welche Funktion und Wichtigkeit dem Sport im Rahmen dieser zentralen Aspekte mittlerweile zukommt.

4.1 Sozio-demographische Merkmale

4.1.1 Alter und Geschlecht

Männer werden statistisch gesehen nicht so alt wie Frauen. Diese Tatsache lässt sich anhand der durchschnittlichen Lebenserwartung beider Geschlechter nachweisen (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008a, S. 13f). So lag im Jahr 2006 die Lebenserwartung ei- nes in Deutschland geborenen Mädchens mit 81,2 Jahren genau 5,8 Jahre über der ei- nes im gleichen Jahr geborenen Jungens. Bemerkbar macht sich diese Differenz der geschlechterspezifischen Bevölkerungsverteilung etwa ab dem 50. Lebensjahr. Wäh- rend die Anteile der Männer und Frauen zwischen 50 und 59 Jahren noch ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis vorweisen, liegt die Zahl der weiblichen Bevölkerung mit zunehmendem Alter immer deutlicher über der der Männer. Bei den 60- bis 69- Jährigen ist mit einem Frauenanteil von 52% erst eine geringe Mehrheit auszumachen, dieser Wert steigt jedoch im weiteren Altersverlauf kontinuierlich an. Demnach neh- men bei den 70- bis unter 80-Jährigen die Frauen bereits 58% ein, in der Altersgruppe über 80 Jahren liegt der Frauenanteil sogar bei fast 72% (vgl. Statistisches Bundes- amt, 2008a, S. 13f). Als Ursache für diese „Feminisierung“ der älteren Bevölkerung (Hartmann-Tews et al., 2008, S. 32) sind neben der kürzeren Lebenserwartung der Männer auch die Verluste durch den Zweiten Weltkrieg zu sehen. Letztere machen sich gerade im höheren Alter durch einen offensichtlichen Frauenüberschuss vor allem ab dem 70. Lebensjahr deutlich bemerkbar13 (vgl. Kenntner et al., 2006, S. 11; Statistisches Bundesamt, 2008a, S. 13f).

Ein interessantes Merkmal stellt der Vergleich zwischen dem kalendarischen und dem gefühlten Alter älterer Menschen dar. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Sportlich aktives Alter(n) - eine Frage des Geschlechts?“, das seit 2006 fortlaufend von der Ab- teilung Geschlechterforschung der Sportsoziologie an der Deutschen Sporthochschule Köln durchgeführt wird, wurden die Probandinnen und Probanden gebeten, neben ih- rem kalendarischen Alter anzugeben, wie alt sie sich körperlich und geistig fühlen. Das Resultat war eine durchschnittliche Differenz zwischen kalendarischem und gefühltem körperlichem Alter von fast 8,5 Jahren, der Unterschied hinsichtlich des geistigen Al- ters betrug sogar über 11 Jahre. Die untersuchten Älteren fühlten sich also durchweg deutlich jünger als sie tatsächlich waren. Zwischen Frauen und Männern wies dieses Ergebnis keine signifikanten Unterschiede auf (vgl. Tabelle 1 im Anhang).

4.1.2 Gesundheit und Wohlbefinden

Der Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung kann erst als positive Entwicklung interpretiert werden, wenn sie einhergeht mit einem guten gesundheitlichen Zustand, in dem diese Menschen die Altersphase erreichen. Und tatsächlich kann mittlerweile anhand wissenschaftlicher Kohortenvergleiche gesagt werden, dass später nachrücken- de (Alters-) Generationen mit weniger Krankheiten und Beschwerden ins Alter kommen als dies bei vorherigen der Fall war (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 11; BMFSFJ, 2005b, S. 5). In Anbetracht der Tatsache, dass parallel zu dieser Entwicklung die Lebenserwartung ebenfalls ansteigt, liegt die Vermutung nahe, dass diese zusätzlichen Jahre nicht - wie so oft befürchtet - zu verstehen sind als eine längere Pflegephase, sondern durch- aus „bei guter Gesundheit, geistiger und körperlicher Fitness verbracht werden kön- nen." (BMFSFJ, 2007a, S. 11; FfG, 2007, S. 5; Kapitel 3.1). Bestätigt wird diese These durch die Kennzahlen der European Commission (2005, S. 19) bezogen auf die be- schwerdefreie Lebenserwartung14. Demnach standen im Jahr 2003 einem Mann in Deutschland nach seinem 65. Geburtstag noch 10,8 Jahre in gesunder körperlicher und geistiger Verfassung bevor. Eine Frau gleichen Alters durfte sich noch auf 9,2 Jahre ohne Funktionseinbußen freuen.15 Diese Daten, die eine positive Gesundheitsentwick- lung im Alter demonstrieren, werden weiterhin gestützt durch die Ergebnisse des re- präsentativen Projekts „Sportlich aktives Alter(n) - eine Frage des Geschlechts?“. Die Forschergruppe hat im Rahmen ihres Telefonsurveys abgefragt, wie die betroffenen Personen auf einer Skala von 1 bis 5 (1=sehr gut, 5=sehr schlecht) ihren eigenen Gesundheitszustand einschätzen würden. Demnach beschreiben insgesamt lediglich 10,1% der Interviewten ihre Gesundheit als eher schlecht oder sehr schlecht. 32,7% ordneten sie hingegen als zufriedenstellend ein. Mehr als die Hälfte, nämlich 57,2%, sagte dagegen aus, sich in einem guten oder sogar sehr guten Gesundheitszustand zu befinden. Dabei weisen die Aussagen derer, die sich zum Zeitpunkt der Umfrage zwi- schen dem 55. und dem 69. Lebensjahr befanden, keine signifikanten Abweichungen hinsichtlich dieses Ergebnisses auf. Lediglich die Gruppe der 70- bis 75-Jährigen un- terscheidet sich in der persönlichen Einschätzung der allgemeinen Gesundheit von den anderen drei Gruppen (vgl. Tabelle 2 im Anhang).

Doch auch diese Erkenntnis ist keineswegs neu. So zitiert Kenntner (2006, S. 22) die ehemalige Kultusministerin des Landes Baden-Württemberg, Frau Schulz-Hector, die bei einer Tagung zum Thema „Sport von Älteren“ bereits im Mai 1994 davon berichte- te, dass „neuesten Untersuchungen zufolge ältere Menschen heutzutage zunehmend aktiver, geistig und körperlich vitaler, gesundheitsbewusster und auch sozial engagier- ter sind.“

4.1.3 (Aus-)Bildung

„Der Anteil der Arbeiterschicht wird geringer, Bildungs- und Berufsqualifikationen stiegen und steigen weiter in den nachfolgenden Alterskohorten.“ Bereits vor 20 Jah- ren traf der Altersforscher Hans Peter Tews diese Aussage (1989, S. 135) und sie lässt sich heute anhand aktueller Daten aus dem Jahre 2008 untermauern. Während in der Altersgruppe der 65-Jährigen und Älteren noch 72,8% einen Abschluss an der Haupt- oder Volksschule und lediglich 11,8% die allgemeine oder Fachhoch- schulreife erlangt haben, verschiebt sich dieses Verhältnis mit den nachrückenden Ko- horten zusehends zu Gunsten des höheren Bildungsabschlusses. Demnach liegt bei den 55- bis 60-Jährigen der Anteil derer, die die Haupt- oder Volksschule absolviert haben, bereits nur noch bei 54,7%, wohingegen sich die Anzahl der Abiturientinnen und Abi- turienten mit 23,3% mehr als verdoppelt hat. Ein Blick auf die nachrückenden Altersgenerationen bestätigt das Fortlaufen dieses Trends. 39,5% der Menschen zwischen 45 und 50 Jahren haben als höchsten Schulabschluss den einer Haupt- oder Volksschule vorzuweisen, 30,2% dagegen die allgemeine oder Fachhochschulreife (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008b, S. 8, eigene Berechnungen).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 Schulische Bildung von Frauen und Männern, differenziert nach Alter

Quelle: Statistisches Bundesamt, Bildungsstand der Bevölkerung 2008b, eigene Berechnung

Diesen kontinuierlichen Anstieg des Bildungsniveaus beschreibt auch Federsel-Lieb, jedoch mit besonderem Hinweis auf die Entwicklung älterer Frauen, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts „nur unterdurchschnittliches Bildungsniveau erreichen“ konnten (1992, S. 21f). Auch dieser Trend, der sich hier bereits vor 16 Jahren ausmachen ließ, kann anhand aktueller Daten des Statistischen Bundesamtes belegt werden (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008b, S. 8f).

Die geschlechterspezifische Betrachtung dieser Werte verdeutlicht außerdem, dass die zuvor beschriebene positive Entwicklung des Bildungsniveaus bei den Frauen deutlich stärker ausgeprägt ist als bei den Männern (vgl. Abb. 5). Lag die Anzahl der 45- bis 50-jährigen Männer mit Haupt- oder Volksschulabschluss im Jahr 2008 bereits 26,1% unter der Anzahl der 65-Jährigen im Älteren, so beschreibt die gleiche Kennzahl bei den Frauen einen Rückgang um fast 40%. Parallel dazu besuchten bei den Männern der Altersgruppe 45 bis 50 Jahre 14,6% mehr das Gymnasium als in der Gruppe der über 65 Jahre alten Männer. Die entsprechende Veränderung bei den Frauen beträgt demgegenüber 20,4%.

Besondere Wichtigkeit erhält dieser Veränderungsprozess vor dem Hintergrund, dass die schulische Ausbildung einen erheblichen Einfluss auf das im späteren Arbeitsleben erzielte Einkommen hat16.

4.1.4 Lebenseinstellung und Verhaltensmuster

Parallel zu dem bisher in Kapitel 4 genannten Wandel der Lebensumstände hat sich im Bezug auf die in Deutschland lebenden älteren Menschen auch ein grundlegender Wer- tewandel vollzogen (vgl. Reidl, 2007, S. 83; FfG, 2007, S. 4). Wurden Alter und Ältere bis vor wenigen Jahren meist mit Negativattributen wie Gebrechlichkeit, Lebensüber- druss, Bitterkeit und Hilflosigkeit in Verbindung gebracht, wird die junge Altersgene- ration heute eher mit Schlagworten wie aktiv, gesund, selbstbewusst, unternehmungs- lustig, konsum- und genussfreudig, mobil, anspruchsvoll, weltoffen und innovativ, körper- und fitnessbewusst charakterisiert (vgl. Federsel-Lieb, 1992, S. 33; Reidl, 2007, S. 83; Wildner, 2006, S. 41). Dies äußert sich neben der Tatsache, dass ältere Menschen mittlerweile immer häufiger aktiv am Gesellschaftsleben teilnehmen, sich integrieren und engagieren beispielsweise auch an ihrem veränderten Konsumverhal- ten, auf das jedoch Kapitel 4.2.3 noch näher eingehen wird (vgl. BMFSFJ, 2007a, S. 13; Federsel-Lieb, 1992, S. 33; Reidl, 2007, S 83).

Wie aber kam es zu diesen weitreichenden Veränderungen? Wodurch wurden sie be- günstigt oder gar erst ermöglicht? Der Soziologe Tews (1989, S. 135f) nennt in diesem Kontext bereits 1988 auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gerontolo- gie drei Thesen zu einer Veränderung der Lebenseinstellung älterer Menschen:

a) Die Strukturthese schreibt die Veränderungen in Einstellungen und Verhalten strukturellen Wandlungen, wie die Berufsaufgabe oder Änderungen im familiären Umfeld zu.
b) Die Niveauthese besagt, dass Veränderungen sich meist „im Sinne des „mehr von“ bei nachfolgenden und neuen Alterskohorten“ feststellen lassen. Dies äu- ßert sich beispielhaft in der besseren finanziellen sowie materiellen Lage aber auch hinsichtlich der Bildungs- und Berufsqualifikation, die als grundlegende Voraussetzungen für eine „Erweiterung der Verhaltensmöglichkeiten“ anzusehen sind.
c) Die Minoritätsthese bezieht sich hingegen auf jene Menschen diesen Alters, die neu definieren, indem sie „auffällige Brüche in ihrem Verhalten zeigen“ oder „gänzlich Neues anfangen".

Neben diesen Theorien von Tews nennen andere Autoren auch noch weitere Gründe für die neueren Verhaltensmuster dieser und nachfolgenden Altersgenerationen. So sieht Federsel-Lieb (1992, S. 33) die deutlich verbesserte Lebensqualität der Senioren in den vergangenen Jahrzehnten ebenso als mögliche Ursache, während Reidl (2007, S. 83) in diesem Zusammenhang die mittlerweile äußerst positive Wahrnehmung des Alt- werdens vieler Älteren erwähnt. Die Bauer Verlagsgruppe (2007) sowie Otten (2008, S. 145) heben demgegenüber hervor, dass es sich bei der Lebenseinstellung der neuen Alten nicht um eine Veränderung, sondern vielmehr um ein Fortsetzen geübter Verhal- tensmuster handelt. "Die unterschiedlichen Erfahrungen und Einstellungen jeder Gene- ration beeinflussen somit auch im Alter noch maßgeblich das Denken und Tun“ (Bauer Verlagsgruppe, 2007, S. 14).

4.2 Ökonomische Merkmale

Durch die bereits erläuterten Entwicklungen hinsichtlich des frühen Renteneintrittsal- ters (vgl. Kapitel 3.3) und der steigenden Lebenserwartung (vgl. Kapitel 2.2.2) ergibt sich für die älteren Menschen in Deutschland ein relativ großes Zeitfenster, in dem sie über wenige gesellschaftliche Verpflichtungen, dafür aber viel freie Zeit verfügen. Um diese "gewonnenen Jahre" aktiv nutzen zu können, bedarf es aber auch entsprechen- der finanzieller Mitteln. Hier zeigen unterschiedliche Studien ein einheitliches Bild: Die Einkommens- und Vermögenssituation älterer Menschen hat sich in den letzten Jahren im Durchschnitt positiv entwickelt (vgl. FfG, 2007, S. 5; MGSFF NRW, 2002, S. 3). Die damit verbundene Erhöhung des disponiblen Einkommens17 eröffnet den Seniorinnen und Senioren sowie denjenigen, die sich gerade in der Übergangsphase zum Ruhestand befinden, vielfältige Verhaltens- und Handlungsmöglichkeiten, die sich auf dem Wirtschaftsmarkt auch bereits deutlich bemerkbar machen (vgl. MGSFF NRW, 2002, S. 3; FfG, 2007, S. 5).

Die aus der vorhandenen Literatur entnommenen Zahlen, bezogen auf das Einkommen älterer Menschen, sollten jedoch im folgenden Kapitel stets vor dem Hintergrund be- trachtet werden, dass diese Daten nicht ohne Weiteres übernommen oder verglichen werden können. Als eines der zentralen Probleme, die es in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen gilt, wäre hier das der unterschiedlich angesetzten Altersgrenzen zu nennen. So erfassen zahlreiche Untersuchungen das Einkommen erst ab dem gesetzli- chen Rentenalter von 65 Jahren. Dies ermöglicht zwar eine bessere Aussage über die Einnahmen, die sich ausschließlich aus Rentenbezügen ergeben, schließt aber gleich- zeitig die sogenannten „jungen Alten“, die bereits früher aus dem Berufsleben ausge- schieden sind, gänzlich aus. Bei Studien, die das Einkommen älterer Menschen bereits ab einem früheren Zeitpunkt erfassen, fließen andererseits sowohl Rentenbezüge als auch Einnahmen aus Erwerbsarbeit in die Daten mit ein. Da das Einkommen während der Erwerbstätigkeit jedoch, unabhängig von der beruflichen Position, zum Teil deut- lich über dem im Ruhestand liegt (vgl. MGSFF NRW, 2002, S. 20f), ist dabei eine Ver- zerrung der tatsächlichen Einkommenshöhe älterer Menschen nicht auszuschließen.

Ungeachtet dessen spielt die Gruppe der jungen Alten ab 55 Jahren vor dem Hintergrund des Sportengagements und der damit verbundenen Ausgaben eine sehr wichtige Rolle. Demnach werden für die Darstellung der finanziellen Situation in diesem Kapitel, entgegen der Kritik einer unterschiedlichen Einkommensherkunft, vorrangig solche Studien herangezogen, die auch jene älteren Menschen mit einbeziehen, die sich gerade in der Übergangsphase zum Ruhestand befinden.

Eine weitere, nicht minder zu berücksichtigende, Schwierigkeit stellt die Bezugsgröße der Datenerfassung dar. So handelt es sich bei den meisten Studien, die das Einkom- men älterer Menschen beinhalten, um Haushaltsbefragungen. Diese Untersuchungsme- thode wird häufig angewandt, da Menschen, die in einer häuslichen Gemeinschaft le- ben, meist auch gemeinsam wirtschaften und somit der Haushalt als Ganzes und nicht eine einzelne Person des Haushaltes als wirtschaftlicher Akteur angesehen wird (vgl. MGSFF NRW, 2002, S. 11). Sportbezogene Ausgaben für Ausrüstung (z.B. Sportbeklei- dung), Eintritte (z.B. Schwimmbäder) oder Gebühren (z.B. Vereins- oder Studiobeiträ- ge) werden jedoch meist nur von einer Person genutzt, womit sich die Methode der Haushaltsbefragung für diesen Zweck weniger gut eignet. Aus diesem Grund werden im Folgenden überwiegend Daten angebracht, die Pro-Kopf erfasst wurden. Zur Untermau- erung einzelner Fakten sollen jedoch auch solche Kennzahlen, die die Haushalte be- treffen, herangezogen werden.

4.2.1 Einkommen

Die Einkommenssituation der Menschen in der zweiten Lebenshälfte wird in aktuellen Studien, wie beispielsweise dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP)18 oder dem Alters- survey des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als gut bis sehr gut bezeichnet (vgl. BMFSFJ, 2005a, S. 1; MGSFF NRW, 2002, S. 3). Reidl (2007, S. 34) dokumentiert dies anhand der Pro-Kopf-Kaufkraft19 der deutschen Bevölkerung ab 50 Jahren, die mit 1.770€/Monat 175€ über dem Wert der am stärksten umworbe- nen Zielgruppe, nämlich der 14- bis 49-Jährigen, liegt. Die Forschungsgesellschaft für Gerontologie (2007, S. 10f) stellte auch für die Gruppe der 60- bis 65-Jährigen ein überdurchschnittlich hohes Einkommen verglichen mit der Gesamtbevölkerung Deutschlands fest. Bezogen auf das Haushaltsnettoeinkommen für Personen zwischen 65 und 85 Jahren nennen Motel-Klingebiel et al. (2004, S.4) einen Wert von 1.290€/Monat. Damit liegt selbst die offiziell aus dem Erwerbsleben ausgeschiedene Altersgruppe nur knapp 10% unter dem Bevölkerungsdurchschnitt und hat, bedingt durch die relativ geringen Fixausgaben, hinsichtlich des frei verfügbaren Einkommens sogar den höchsten Wert aller Bevölkerungsgruppen aufzuweisen (vgl. Winkler, 2008, S. 8).

„Hinzu kommt bei ihnen: Sie müssen nicht mehr in die Rentenkasse zahlen, brauchen kei- ne Berufsunfähigkeits- und keine Risiko- und Kapitallebensversicherung mehr zu unterhal- ten, haben zumeist keine Ausgaben mehr für Kinder, und fast jeder zweite Rentner wohnt mietfrei, da er über ein Eigenheim oder einen Eigentumswohnung verfügt."20 (Bruns & Böhme, 2007, S. 34)

Die somit als gut zu bezeichnende materielle Lage älterer Menschen in Deutschland drückt sich auch in einer insgesamt guten Beurteilung der eigenen Situation aus. Demnach schätzen die über 60-Jährigen ihre finanzielle Situation deutlich besser ein als die jüngeren Befragten zwischen 14 und 59 Jahren. Der Aussage, dass sie sich in keiner Weise einschränken müssen bzw. gut versorgt sind und sich einiges leisten können, stimmen 36% der Älteren zu, von den unter 60-Jährigen behaupten das nur 24% (vgl. Wildner, 2006, S. 46ff; BMFSFJ, 2005a, S. 4).

Da in der vorliegenden Arbeit die sportbezogenen Konsumausgaben am Beispiel der Kölnerinnen und Kölner ab 55 Jahren im Mittelpunkt stehen, bieten sich für die Dar- stellung der finanziellen Situation älterer Menschen besonders die Ergebnisse der Re- präsentativumfrage „Einkommen und Ausgaben älterer Menschen in Nordrhein- Westfalen“ an. Diese, vom Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW durchgeführte, Haushaltsbefragung stellt regional bezogene Daten zum Einkommen sowie zu den Ausgaben bereit und ermöglicht so auch eine bundes- landinterne Einordnung Kölns anhand dieser Kennzahlen21. Dieser Studie zu Folge liegt das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen in NRW bei 2.547€, wobei die ab 55- Jährigen Bewohnerinnen und Bewohner Kölns mit durchschnittlich 2.610€ Platz vier in der Rangfolge nordrhein-westfälischer Städte einnehmen. Bei der Betrachtung des frei verfügbaren Einkommens ergibt sich für alle in NRW lebenden Älteren ein Durchschnitt von 1.492€. Mit 1.615€ weisen die Kölner Haushalte in dieser Berechnung sogar den zweithöchsten Wert auf, lediglich in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis verfügen die Älte- ren über ein höheres frei verfügbares Einkommen je Haushalt (vgl. MGSFF NRW, 2002, S. 4).

Eine genauere Analyse dieser Daten trübt jedoch das äußerst positive Bild der materiellen Lage Älterer. Vor allem die geschlechterspezifische Differenzierung lässt hier erhebliche Unterschiede erkennen. Demnach erzielen Frauen in jedem Alter ein „deutlich geringeres Einkommen als Männer vergleichbaren Alters“ (MGSFF, 2002, S. 21; Cirkel et al., 2004, S. 10; FfG, 2007, S. 10). Zu diesem Ergebnis kam auch die empirische Untersuchung des Projekts „Sportlich aktives Alter(n) - eine Frage des Geschlechts?“. In Bezug auf das verfügbare Haushaltseinkommen bestätigten die Zahlen, dass in der aktuellen Generation der Älteren, Frauen ein deutlich geringeres Einkommen zur Verfügung haben als Männer (vgl. Tabelle 3 im Anhang).

Besonders deutlich wird die finanziell benachteiligte Position älterer Frauen bei Be- trachtung der Nettoeinkommen von Ein-Personen-Haushalten (vgl. Abb. 6). Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Bedeutung dieser Wohn- und Haushaltsform ab dem 55. Lebensjahr deutlich zunimmt. Vor allem für die Frauen in dieser Altersgruppe ist festzustellen, dass sie wesentlich häufiger allein leben (36%) als die gleichaltrigen Männern (17%). Darüber hinaus steigt der Anteil alleinlebender Frauen ab 55 Jahren sehr stark an, während diese Entwicklung bei den Männern erst ab einem Alter von ca. 75 Jahren zu beobachten ist (vgl. Statistisches Bundesamt, 2008c, S. 781; Backes & Clemens, 2003, S. 234).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6 Durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen in Ein-Personen-Haushalten, differenziert nach Alter und Geschlecht (N=1.317)

Quelle: MGFSS NRW, 2002, Einkommen und Ausgaben älterer Menschen in Nordrhein-Westfalen

Diese stark ausgebildete Einkommensdifferenz zwischen den Geschlechtern ist auf zwei Ursachen zurückzuführen: 1) Die ökonomische Forschung geht davon aus, dass mit ei- ner längeren Ausbildung (bedingt durch einen höheren Schulabschluss) das individuel- le Humankapital wächst. Wie bereits in Kapitel 4.1.3 beschrieben, haben Männer durchschnittlich ein höheres Bildungsniveau im Sinne einer höheren Schulausbildung vorzuweisen. Entsprechend der Humankapitaltheorie, die besagt „Je höher das Hu- mankapital, desto höher das Arbeitseinkommen“, ergibt sich demnach aus der höheren Schulbildung ein höheres Einkommen der Männer. Diese, das Bildungsniveau betref- fende, Diskrepanz zwischen den Geschlechtern baut sich jedoch kontinuierlich ab (vgl. Kapitel 4.1.3), eine Entwicklung die demzufolge auch für das Einkommen der Frauen nicht zu unterschätzen ist (vgl. Kuiper, 2008, S. 584).

2) Darüber hinaus verdienen Frauen jedoch auch absolut gesehen deutlich weniger als Männer. Dieser Umstand ist für weibliche und männliche Arbeitskräfte selbst dann festzustellen, wenn es sich um Personen gleichen Alters und mit gleicher Ausbildung bzw. gleichem Abschluss handelt, deren Tätigkeiten „auf gleicher Hierarchieebene, in derselben Branche, mit derselben Funktion“ anzutreffen sind (Notz, 2004, S. 425 zit. n. Bischoff, 1990, S. 31; Allmendinger & Hinz, 2007, S. 175). Als Ursachen hierfür nennt Notz (vgl. ebd.) eine nicht vorhandene Bewertung von Anforderungen, sowie die Tatsache, dass Zuschläge nicht oder in geringerem Umfang bezahlt werden. Wei- terhin erfolgt häufig eine niedrige Einstufung von „Frauenberufen“, auch wenn diese die gleichen Anforderungen erfüllen wie entsprechende männlich konnotierte Berufe. Darüber hinaus weisen Allmendinger & Hinz (2007, S. 175) in Anlehnung an Blau et al. (2002, S. 229) darauf hin, dass „Frauen eher in schlechter entlohnten Berufen beschäftigt sind“.

Die bereits einleitend in Kapitel 4.2 erwähnte Problematik einer Verzerrung des tat- sächlichen Einkommens bedingt durch die untere Altersgrenze von 55 Jahren erfordert an dieser Stelle eine weitere Differenzierung der Einkommensquellen von Senioren- haushalten. Für die älteren Bewohnerinnen und Bewohner des Landes Nordrhein- Westfalen stellt das MGFSS fest, dass mehr als 50% (51,1%) der Einkommen aus der monatlichen Rente stammen. Erwartungsgemäß steigt dieser Anteil mit zunehmendem Alter an. Renten und Pensionen bilden damit die „wichtigste Basis für das Konsumpo- tential der Älteren“ (MGFSS NRW, 2002, S. 3f). 26,6% der älteren Haushalte sind noch nicht (vollständig) in den Ruhestand eingetreten und erhalten Einkünfte aus Erwerbs- tätigkeit, was damit die zweitwichtigste Einnahmequelle darstellt. An dritter Stelle wären mit 5,2% Kapitalerträge wie Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, Le- bensversicherungen und ähnlichem zu nennen. Allen weiteren Einkommensquellen, so auch der Sozialhilfe oder dem Arbeitslosengeld, kommt lediglich eine nachrangige Be- deutung zu (vgl. ebd., S. 22f).

4.2.2 Vermögen

Die Konsumpotentiale älterer Menschen werden nicht nur durch deren regelmäßiges Einkommen bestimmt, sondern auch durch ihr Vermögen (vgl. Cirkel et al., 2004, S. 17). Da der Aufbau von Geld- und Sachvermögen im Laufe des gesamten Lebens erfolgt, überrascht es nicht, dass „tendenziell die höchsten Vermögen jeweils im höheren Lebensalter anzutreffen sind.“ (BMFSFJ, 2005c, S. 202). Die bedeutendsten Vermögensformen stellen dabei Kapitalbestände und Immobilien dar.

Kapitalbestand

In der Studie „Einkommen und Ausgaben älterer Menschen in NRW“ (vgl. MGSFF NRW, 2002, S. 4) wurde die Verteilung sowie die Höhe des Barvermögens ermittelt. Demnach sind fast ein Drittel (30%) der Haushalten, in denen mindestens eine Person zwischen 55 und 80 Jahren lebt, im Besitz von 12.750€ bis 51.000€. Eine, nach Altersgruppen differenzierte, Pro-Kopf-Betrachtung dieser älteren Bevölkerung erlaubt noch konkre- tere Aussagen. So beziffert Reidl (2007, S. 34), in Anlehnung an die Studie „Kauf- kraftatlas 50plus“ der GfK aus dem Jahr 2005, das Vermögen eines 55- bis 65-Jährigen mit durchschnittlich 48.000€. Der Vergleich mit der Gesamtbevölkerung ergibt, dass dieser Wert ein Drittel über dem Bundesdurchschnitt liegt. Für die Älteren zwischen 65 und 85 Jahren liegen keine konkreten Zahlen über die Höhe ihres Vermögens vor. Winkler (2008, S. 8) verweist jedoch auf Daten, die besagen, dass 78% dieser Alters- gruppe über Kapitalbestände verfügen, während dies für die Gesamtbevölkerung nur auf 73,4% zutrifft. Die Daten des Ministeriums für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie NRW für die Gesamtheit der 55 bis 80-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen belau- fen sich im gleichen Kontext sogar auf 87% (vgl. MGSFF NRW, 2002, S. 4). Cirkel et al. (2004, S. 18) stellten in einer Zusammenfassung aller Bundesbürgerinnen und Bun- desbürger darüber hinaus fest, dass 61% des gesamten deutschen Geldvermögens im Besitz der Frauen und Männer über 50 Jahren ist (vgl. Abb. 7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7 Geldvermögen der Privathaushalte, differenziert nach Alter

Quelle: Cirkel et al., 2004, Produkte und Dienstleistungen für mehr Lebensqualität im Alter

Immobilien

Neben dem Barvermögen bildet vor allem der Besitz an Immobilien für die Menschen in der zweiten Lebenshälfte die wichtigste Form des Vermögens. Über 62% der ent- sprechenden Haushalte in NRW verfügen über Haus-, Wohnungs- oder Grundstücksei- gentum. Nur für eine Minderheit stellt dieser Besitz jedoch eine zusätzliche Einnahmeq uelle dar. Die meisten von ihnen nutzen ihre Immobilie selbst, was sich für diese Älte- ren wiederum durch die Einsparung von Mietausgaben in geringeren Fixkosten darstellt (vgl. MGSFF NRW, 2002, S. 26; Bruns & Böhme, 2007, S. 34; Otten, 2008, S. 90). Für Deutschland beträgt der Anteil der über 60-Jährigen, die eine eigene Immobilie be- wohnen, 56% und liegt damit 10% über dem Wert der bis 60-Jährigen und mehr als 7% über dem Vergleichswert aller Deutschen im erwerbsfähigen Alter (vgl. Wildner, 2006, S. 42f).

[...]


1 Als wirtschaftliche Güter werden materielle und immaterielle Mittel zur Befriedigung von menschlichen Bedürfnissen bezeichnet (vgl. Hadeler, 2000, Bd. 3, S. 1367). Die Nachfrage beschreibt das “Streben der Wirtschaftssubjekte, Güter i.w.S. zu erwerben“ (vgl. Hadeler, 2000, Bd. 5, S. 2191).

2 Unter Konsum versteht man den „Verbrauch und/oder die Nutzung (Gebrauch) materieller und immaterieller Güter durch den Letztverwender“ (vgl. Hadeler, 2000, Bd. 4, S. 1797)

3 Der Alterssurvey wurde erstmals im Jahr 1996 in einer Zusammenarbeit der Freien Universität Berlin und der Katholischen Universität Nijmegen durchgeführt. Das Deutsche Zentrum für Altersfragen griff diesen Ansatz auf und führt seither mit Mitteln des BMFSFJ Untersuchung regelmäßig eine umfassende Untersuchung der Menschen im mittleren und höheren Erwachsenenalter durch (vgl. BMFSFJ, 2005d).

4 Ein Haushalt ist ein „soziales Gebilde, das ein oder mehrere Personen mit einheitlicher Willensbildung umfasst. Er stellt die Planungs- und Entscheidungseinheit beim Erwerb von Einkommen dar, und zwar als Anbieter der Faktorleistungen Arbeit, Kapital und Boden oder Unternehmensleistung.“ (vgl. Hadeler, 2000, Bd. 3, S. 1421) Ebenso obliegt ihm die Verwendung von Einkommen zum Kauf von Gütern (Konsum) sowie zur Vermögensbildung (Sparen)

5 Die amtlichen Sterbetafeln betrachten die Gestorbenen sowie die Durchschnittsbevölkerung der vorhergehenden drei Jahre. Demnach handelt es sich um eine Momentaufnahme der Sterblichkeitsverhältnisse der gesamten Bevölkerung in dem betrachteten Zeitraum (vgl. Statistisches Bundesamt, 2007).

6 Die durchschnittliche fernere Lebenserwartung gibt an, wie viele Lebensjahre die Menschen eines bestimmten Alters statistisch gesehen noch leben könnten. Als Berechnungsgrundlage dienen dabei die aktuell geltenden Sterblichkeitsverhältnissen in der jeweiligen Berichtsperiode (vgl. Statistisches Bundesamt, 2007).

7 Bei der 11. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung handelt es sich um eine Bevölkerungsprojektion, die auf den Daten des Bevölkerungsstands der Bundesrepublik Deutschlands vom 31.12.2005 basiert. Ausgehend von festgelegten Annahmen zu den relevanten demographischen Faktoren Fertilität, Mortalität und Migration soll sie alle wissenschaftlich denkbaren Entwicklungen bis zum Jahr 2050 in einem insgesamt neun Varianten umfassenden Modell widerspiegeln (vgl. Statistisches Bundesamt, 2006, S. 1; Hartmann, 2003, S. 54f).

8 Der Einfluss von Wanderungsbewegungen auf die Bevölkerungszahl soll in dieser Arbeit unberücksichtigt bleiben. Bzgl. der vorausberechneten Werte wird jedoch in Anlehnung an die 11. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes von einer Wanderungsbilanz ausgegangen, die jährlich bei +100.000 liegt (vgl. Statistisches Bundesamt, 2006, S. 30ff).

9 Die Einkommens- und Vermögenssituation der älteren Menschen in Deutschland wird in Kapitel 4.2 noch ausführlicher besprochen.

10 Auf die derzeitigen Erkenntnisse bzgl. des Einkommens und des Vermögens älterer Menschen sowie die absehbaren Entwicklungen dieser Faktoren wird in Kapitel 3.2 ausführlich eingegangen.

11 So geht eine Theorie beispielsweise von Verschleiß- und Vergiftungserscheinungen durch äußere Einflüsse auf

den Köper aus. Eine andere basiert auf der Annahme, dass Zell- und Gewebebestandteile im Laufe der Zeit an Funktionsfähigkeit einbüßen und es deshalb zur verringerten Belastbarkeit einzelner Gewebe und zu Beeinträchtigungen der Zellfunktion kommt. Als weitere Theorie existiert das Modell eines "genetischen Programms", das in jeder menschlichen Zelle fest verankert ist und das das Altern sowie letztendlich den Tod in festgelegter Weise ablaufen lässt (vgl. Backes & Clemens, 2005, S. 93ff).

12 Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierte im Jahr 1946 die Gesundheit als einen „Zustand vollständigen körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“ (vgl. Knörzer, 1994, S. 19).

13 Dieser Frauenüberschuss ist auch in der Bevölkerungspyramide sehr gut abzulesen, die in Kapitel 2.1 dargestellt ist.

14 Die sogenannte beschwerdefreie Lebenserwartung oder Healthy Life Years Expectancy (HLYE) ermöglicht eine Aussage über die verbleibenden Jahre, die ein Mensch in einem bestimmten Alter noch unter gesunden Bedingungen zu leben hat. Dabei ist der Ausdruck „unter gesunden Bedingungen“ definiert als die Abwesenheit von Funktionseinbußen (vgl. European Commission, 2005, S. 17).

15 Zum Vergleich liefert die European Commission für Männer eine tatsächliche Lebenserwartung bei Geburt von 75,4 Jahren und für Frauen eine Lebenserwartung von 81,2 Jahren. Diese Angaben beziehen sich dabei ausschließlich auf die deutsche Bevölkerung (vgl. European Commission, 2005, S. 16).

16 Auf die ökonomischen Besonderheiten älterer Frauen und Männer und in diesem Kontext auch auf das Einkommen soll in Kapitel 4.2 noch näher eingegangen werden.

17 Als verfügbares oder disponibles Einkommen wird das nach der Umverteilung empfangener und geleisteter Transfers den privaten Haushalten verbleibende Einkommen bezeichnet, das ihnen für Konsum oder Sparen zur Verfügung steht (vgl. Hadeler, 2000, Bd. 8, S. 3245).

18 Das Sozio-ökonomische Panel ist eine repräsentative Survey-Umfrage der privaten Haushalte in Deutschland, die seit 1984 im jährlichen Rhythmus herausgegeben wird. Die große Stichprobenanzahl von bis zu 23.000 befragten Personen pro Welle ermöglicht eine hohe Stabilität dieser sozial- und wirtschaftswissenschaftlich ausgerichteten Wiederholungsbefragung (vgl. DIW Berlin, 2009).

19 Die Kaufkraft entspricht der „Geldsumme, die einem Wirtschaftssubjekt real zur Verfügung steht“ (vgl. Hadeler, 2000, Bd. 4, S. 1717.

20 Auf dem Immobilieneigentum dieser Altersgruppe wird in Kapitel 4.2.2 noch ausführlich eingegangen.

21 Die Studie Einkommen und Ausgaben älterer Menschen in Nordrhein-Westfalen untersuchte im Jahr 2002 5.013 Haushalte in Nordrhein-Westfalen, in denen mindestens eine Person zwischen 55 und 80 Jahren lebt, in Form telefonischer Interviews.

Ende der Leseprobe aus 151 Seiten

Details

Titel
Sportbezogene Ausgaben älterer Menschen
Untertitel
Eine Untersuchung aus soziologischer und ökonomischer Perspektive
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln  (Institut für Sportsoziologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
151
Katalognummer
V141798
ISBN (eBook)
9783640514038
ISBN (Buch)
9783640515073
Dateigröße
2055 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alter, altern, Ältere, ältere Menschen, Sport, Aktivität, Fitness, Gesundheit, Ausgaben, Nachfrage, Konsum, Demographie, demographischer Wandel, Demografie, demografischer Wandel, Geschlecht, Frauen, Männer, ökonomisch, soziologisch, Statistik
Arbeit zitieren
Dipl.-Sportwissenschaftlerin Tanja Jost (Autor), 2009, Sportbezogene Ausgaben älterer Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141798

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