Einstellung von Jugendlichen zu "fremden" TV-Moderatoren und "Fremden" im Alltag


Hausarbeit, 2008

38 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung
1.1 Themenaufriss zum Gegenstand der Arbeit
1.2 Einteilung der Kapitel

2. Derzeitiger Forschungsstand

3. Problemstellung und Fragestellung

4. Theoretischer Hintergrund

5. Begriffserklärung

6. Methodischer Vorgehensweise

7. Übersicht über die verwendeten Variablen
7.1 Einstellung zu TV−ModeratorInnen im Allgemeinen
7.2 Einstellung zu den ausgewählten TV−ModeratorInnen
7.3 Einstellung zu „Fremden” im Alltag
7.4 Soziodemographische Merkmale

8. Datenerhebung
8.1 Untersuchungszeitraum
8.2 Grundgesamtheit und Stichprobe
8.3 Erhebungsinstrument

9. Auswertung der Ergebnisse
9.1 Soziodemographische Daten
9.2 Einstellung zu TV−ModeratorInnen Semantisches Differential
9.3 Auswertung der offenen Frage
9.4 Einstellung zu „Fremden” im Alltag
9.5 Kontakt zu „Fremden”
9.6 Korrelationen

10. Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse

11. Literaturverzeichnis

12. Anhang − Fragebogen

Abstract

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Einstellungen von Jugendlichen gegeniiber dem „Fremden". Durchgefiihrt wurde die Evaluation an osterreichischen Jugendlichen zwischen 15 und 29 Jahren mittels Internetfragebogen. Im Zentrum stand dabei die Frage nach der Einstellung Jugendlicher zu „fremden" TV-Moderatorinnen und „Fremden" im Alltag und die Untersuchung einer Korrelation zwischen den beiden Einstellungen. Die Hypothese, Jugendliche, die viel fernsehen, seien „Fremden" positiver gegeniiber eingestellt, konnte nicht bestatigt werden. Es zeigt sich jedoch, dass Vielseherinnen weniger positiv eingestellt sind als Jugendliche, die nicht so oft fernsehen. Die Hypothese es gabe einen Zusammenhang zwischen der Einstellung der Befragten zu „Fremden" im Alltag und im TV konnte fiir diese Stichprobe signifikant verifiziert werden. Offen bleibt die Erforschung nach der Richtung der Kausalitat.

Keywords: TV-Moderatoren, Fremde; Fremdbild; ethnische Minderheiten; Einstellung; Jugendliche; parasoziale Kontakthypothese;

1. Einleitung

1.1 Themenaufriss zum Gegenstand der Arbeit

Seit langerem beschaftigt sich die deutsche Sozialwissenschaft mit der Untersuchung der Wirkung der Medien auf den Integrationsprozess von MigrantInnen, Asylsuchenden und Minderheiten in die Mehrheitsgesellschaft, der in den letzten Jahren immer notwendiger geworden ist. Was den Soziologen schon lange bekannt ist, wird schlieglich auch unseren PolitikerInnen und MedienmacherInnen bewusst: Massenmedien kannen den Integrationsprozess positiv und/oder negativ beeinflussen. Diese im offentlich-politischen Diskurs neuartige Erkenntnis wird nun aufgegriffen und sowohl im Bereich der Medieninhalte als auch hinsichtlich des Medienpersonals vermehrt miteinbezogen. Dass diese Magnahmen den Personen mit Migrationshintergrund sowie ethnischen Minoritaten helfen, sich besser in der Mehrheitsgesellschaft zurechtzufinden und sich zu integrieren, wurde bereits vielfach untersucht. (vgl. Geigler/Pottker; Butterwegge/Hentges; Bonfadelli/Moser; Weber-Menges; etc.) Ob jedoch die Darstellung von „Fremden" im TV auch auf die stereotypisierten Bilder der RezipientInnen der Mehrheitsgesellschaft Einfluss ausubt und damit eventuell zu einer positiveren Einstellung gegenuber EinwanderInnen, AuslanderInnen, Minderheiten, „Fremden" fuhrt, konnte noch nicht wirklich bewiesen werden.

Daher soll in meiner Untersuchung der Frage nach einem moglichen Zusammenhang von „Fremden" im TV und der von Stereotypen gepragten Einstellung der osterreichischen Jugendlichen gegenuber „Fremden" im Alltag, nachgegangen werden. Im Zuge der Arbeit werden osterreichische RezipientInnen zwischen 15 und 29 Jahren mittels Internet-fragebogen zu ihren Einstellungen gegenuber „fremden" TV-ModeratorInnen sowie gegenuber „Fremden" im alltaglichen Leben befragt, woraus ein moglicher Zusammenhang festgestellt werden soll.

Ausgehend von der parasozialen Kontakthypothese (Schiappa/Gregg/Hewes 2005), welche besagt, dass parasozialer Kontakt unter bestimmten Bedingungen zur Einstellungs-veranderung fuhrt (vgl. ebd.), kann angenommen werden, dass TV-ModeratorInnen durchaus einen positiven oder negativen Einfluss auf ihre RezipientInnen ausuben kannen.

Inwiefern sich dies bewahrheitet ist schwer zu untersuchen, da fur eine solche Untersuchung ein Feldexperiment notig ware, ein einfacher Fragebogen reicht dazu nicht aus.

Einige deutsche WissenschaftlerInnen (vlg. Dorer/Marschik; Henning/Spitzner/Reich; Jager; Wassermann; Ruhrmann/Sommer/Klietsch/Niezel) beschaftigten sich bereits mit der Untersuchung der Darstellung von „Fremden" im Fernsehen und des Phanomens der Beeinflussung der RezipientInnen durch „fremde" TV-Personen. Bisher konnte jedoch kein eindeutiges signifikantes Ergebnis, welches einen positiven Einfluss auf die Veranderung von verfestigten, stereotypisierten Einstellungen gegenuber „Fremden" bei RezipientInnen bestatigt, erzielt werden. (vlg. ebd.) Es ist daher auf alle Falle relevant noch weitere sozialwissenschaftliche Studien zum Thema durchzuf-hren um zu zeigen, dass der Einsatz von Personen, die die Mehrheitsgesellschaft als „fremd" ansieht, im Medienbereich wichtig ist und in jeder Form unterstatzt werden sollte.

Die Relevanz dieses Themas und seine Aktualitat zeigen sich fortwahrend in verschiedenen Zeitschriften, Tageszeitungen, im Internet und anderen Massenmedien. So stolpert man immer wieder Ober Statements von PolitikerInnen, Integrationsbeauftragten und JournalistInnen, die zum vermehrten Einsatz von TV-JournalistInnen und TV-ModeratorInnen mit Migrationshintergrund, mit anderen ethnischen Hintergrunden oder „fremdem" Aussehen aufriefen. (vlg. Bohmer; Schauble; Addy; Jungk; u.a.) Denn — so die Argumentation — das fordere die positive Darstellung eines friedlichen, „normalen" Zusammenlebens verschiedener Ethnien. Maria Bohmer (CDU), Integrationsbeauftragte der deutschen Bundesregierung, erwahnte gegenuber der Bild-Zeitung: „ Wir brauchen die tOrkisch-stammige Nachrichtensprecherin als Normalfall" (Bild Zeitung 2006) und fordert die Verdeutlichung der Normalitat des Zusammenlebens zwischen Deutschen und Zugewanderten in den Medien. (vgl. Fischer 2007) Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schauble (CDU) meint im Spiegel: „ Wir mussen in den Alltagsmedien starker die Vielfalt des Lebens darstellen" (ebd.).

Ebenfalls sehr stark setzt sich die wochentliche Zeitung „DIE ZEIT" ein, in welcher JournalistInnen schon vor Jahren dazu auffordern „Einwanderer in die Medien!" (Addy 1995) zu lassen. Hilal Sezgin, Schriftstellerin und freie Journalistin, meinte dazu:

Vielleicht hat ja kein Fernsehsender mehr fur die Wohngemeinschaft Deutschland getan als ProSieben — nicht mit seiner verruckt-verrutschten tOrkischen Hochzeit, sondern als man fur das Magazin Galileo den Moderator

Aiman Abdallah einstellte [...]. Uber Multikulti hat er nichts zu berichten, sein Name suggeriert einen muslimischen Hintergrund, dieser wird aber weder auf seiner eigenen Homepage noch auf der von ProSieben aufgeklart. Woher Aiman Abdallahs Eltern irgendwann einmal kamen, ist offenbar vollig unwichtig. Und genau das ist fiir Integration auf Dauer wichtig, im Fernsehen wie im richtigen Leben. (Sezgin 2007)

Laut dem Institut fiir Medienforschung (MMB) besitzt nur jede/r fiinfzigste Journalistln in Deutschland einen Migrationshintergrund, was in Relation mit den Zahlen der Einwanderinnen (etwa ein Fiinftel der deutschen Bevolkerung) sehr wenig ist. (vgl. Oulios 2007; Geigler 2007) „Fremde" Journalistlnnen sind also deutlich unterreprasentiert im deutsch-osterreichischen Rundfunk. Da dies nicht nur fiir Deutschland und Osterreich sondern fiir die meisten EU-Lander gilt, rief die EU-Kommission die grenziibergreifende Netzwerkorganisation PBME ins Leben, welche sich fiir eine starkere Partizipation ethnischer Minderheiten in offentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einsetzt. (vlg. Kretschmar 2002: 152f) Die PBME, die STOA, eine niederlandische Organisation, das Adolf Grimme Institut und weitere Organisationen aus verschiedenen europaischen Landern arbeiten unter dem Netzwerknamen „More Colour in the Media" zusammen und fordern den Zugang ethnischer Minderheiten zu Medien. (vlg. ebd.)

Die Auseinandersetzung mit dem Thema der Representation und Partizipation von fremden Kulturen in Medien ist in einer globalisierten Welt wie heute sehr aktuell und wird es auch in den zukiinftigen Jahren bleiben. Es ist daher wichtig dariiber zu forschen und die Problematik des Umgangs der Medien mit „Fremden" zum offentlichen Diskurs zu machen.

1.2 Einteilung der Kapitel

Zu Beginn der Arbeit wird der derzeitige Forschungsstand zum Thema beschrieben. Besonders eingegangen wird dabei auf zwei Studien. Zum Einen die sehr aktuelle Studie von Ruhrmann et al. aus dem Jahr 2007. Die Sozialwissenschaftlerinnen versuchten mittels Vorher-Nachher-Experiment, sowie der Inhaltsanalyse von TV-Programmen die Darstellung von Migrantlnnen im Fernsehen analytisch aufzuzeigen und die Wirkung dieser Darstellung auf die Rezipientlnnen zu untersuchen. Die zweite wichtige Studie zum Thema ist ein Projekt von mehreren Studentlnnen (Henning/Spitzner/Reich 2007) unter dem Namen „integraTV". Die Studentlnnen untersuchten mittels Experiment den Einfluss der Darstellung von TiirkInnen im Fernsehen auf die Rezipientlnnen. Ebenfalls erstellten sie mittels quantitativer

Inhaltsanalyse und Fragebogen eine Liste von Stereotypen der Deutschen gegenuber TOrkInnen und umgekehrt.

Im anschliegenden Kapitel wird auf die Problemstellung und die Forschungsfragen eingegangen. Die Frage nach der Einstellung osterreichischer Jugendlicher gegenuber „Fremden" — sei es nun im TV oder im Alltag — steht im Zentrum der Untersuchung. Darauf bezogen interessieren mich die Unterschiede zwischen Geschlechtern, zwischen Alter und vor allem zwischen Viel- und WenigseherInnen.

In Kapitel 4 werden die beiden theoretischen Konzepte, denen die Arbeit unterliegt, dargestellt und erortert. Es handelt sich um die Kontakthypothese nach Allport (1954) und die parasoziale Interaktion (Horton/Wohl 2002; Hippel 1992). Diese beiden theoretischen Konzepte werden von Schiappa, Gregg und Hewes (2005) zu einem einzigen theoretischen Ansatz, namlich der „parasozialen Kontakthypothese" zusammengefuhrt. Diese besagt, dass Vorurteile und Einstellungen nicht nur durch den direkten Kontakt zwischen Personen, sondern auch Ober den indirekten Ober Medien vermittelten Kontakt verworfen bzw. verandert werden kannen. (vgl. ebd.) Im folgenden Kapitel werden die wichtigsten Begriffe, wie „fremd", „Einstellung", „Vorurteil" und „Stereotyp" diskutiert und fur diese Arbeit entsprechend definiert. Anschliegend im 6. Kapitel geht es um die methodische Vorgehensweise. Es wird erklart wieso die Untersuchung mittels Fragebogen durchgefuhrt und wie dabei genau vorgegangen wurde um die aufgestellten Hypothesen zu verwerfen bzw. bestatigen. Danach wird auf die Operationalisierung der Begriffe und die im Fragebogen daf& verwendeten Variablen eingegangen. Im Kapitel 8 erklare ich den Datenerhebungsvorgang und beschreibe Grundgesamtheit, Stichprobe und Erhebungs-instrument. Daran anschliegend wird die Datenauswertung mit den Ergebnissen prasentiert und schlieglich zusammengefasst und diskutiert.

Ziel der Arbeit ist es herauszufinden, inwiefern TV und die Prasenz von „Fremden" im TV die Einstellung Jugendlicher auf Basis der parasozialen Kontakthypothese beeinflussen kann.

2. Derzeitiger Forschungsstand

Zum Thema Massenmedien und Integration gibt es einen Uberfluss an bereits vorhandenen wissenschaftlichen Arbeiten. Der Frage nach der Wirkung der Massenmedien auf RezipientInnen wurde von vielen WissenschaftlerInnen verfolgt und schlieglich mit dem Ergebnis, dass Massenmedien neben den bereits bekannten Informations-, Orientierungs- und Sozialisationsfunktionen auch eine soziale Integrationsfunktion haben, beantwortet (vgl. Burkart 2002; Geigler/Pottker 2006; u.a.)

Auch die vorliegende Arbeit soll sich mit dem Thema Integration und Medien auseinandersetzen. Allerdings von einer unterschiedlichen Betrachtungsperspektive aus. Das Interesse gilt weder der Darstellung von „Fremden" in Mainstream- oder Ethnomedien, noch den „fremden" RezipientInnen selbst. Vielmehr soll auf die inlandischen RezipientInnen eingegangen werden um zu untersuchen, welche personliche Einstellung sie gegenijber „fremden" TV-ModeratorInnen haben. Darauf aufbauend soll uberlegt werden, ob es einen eventuellen Zusammenhang zwischen der Einstellung Jugendlicher gegenijber „fremden" TV-ModeratorInnen im deutsch-osterreichischen TV und gegenijber „Fremden", Personen mit Migrationshintergrund und ethnischen Minderheiten im alltaglichen Leben, gibt.

Eine ahnliche Studie wurde 2006/07 von mehreren StudentInnen (Henning/Spitzner/Reich 2007) an der Universitat Erfurt unter dem Namen „IntegraTV" durchgefuhrt. Das Projekt beschaftige sich mit der Untersuchung der Ethno-Soap des deutschen Fernsehsenders ARD „T-rkisch fur Anfanger" und deren Einfluss auf die RezipientInnen. Im Zentrum der Untersuchung stand die Frage nach der Darstellung von deutschen und turkischen Charakteren und inwiefern die Serie und ihre DarstellerInnen Einfluss auf die gegenseitigen Vorurteile und Stereotype der RezipientInnen ausijben. (vgl. ebd.). Es wurden sowohl durch eine quantitative Inhaltsanalyse als auch durch ein Feldexperiment von 84 ProbandInnen Stereotypen und Vorurteile der Deutschen gegenijber Personen turkischer Herkunft und umgekehrt ermittelt. Die Studie basiert auf der Verknupfung von zwei theoretischen Ansatzen: der Kontakthypothese und dem Konstrukt der parasozialen Interaktion. Die Kontakthypothese, ursprunglich von Allport (1954) aufgestellt, besagt, dass unter bestimmten Bedingungen der interpersonelle Kontakt der effektivste Weg sei um Vorurteile und stereotype Einstellungen zwischen Mehrheiten und Minderheiten zu vermindern. (vgl. Schiappa/Gregg/Hewes 2005) Das Konstrukt der parasozialen Interaktion (nach Horton und Wohl 1956) geht davon aus, dass Personen mit den am Bildschirm gezeigten AkteurInnen interagieren, sich mit ihnen identifizieren und eine Art face-to-face-Kommunikation fuhren. Die Verknupfung der beiden theoretischen Ansatze wurde von Schiappa, Gregg und Hewes weiterentwickelt und als „parasoziale Kontakthypothese" bezeichnet. Diese besagt, dass Vorurteile gegenijber Minderheiten nicht nur durch interpersonellen Kontakt, sondern auch durch parasozialen Kontakt Ober ein Massenmedium abgebaut werden können.

Obwohl die Hypothese, dass Deutsche und oder TiirkInnen ihre Stereotypen und Vorurteile signifikant abbauen, nicht bestatigt werden konnte, so konnte dennoch gezeigt werden, dass der Einfluss der Medien und der Medienakteurinnen in Hinblick auf Integration von Migrantlnnen durchaus vergrogert werden kann. (vgl. ebd.)

Eine weitere Studie zum Thema, die im Jahr 2007 von Georg Ruhrmann, Denise Sommer, Kathrin Klietsch und Peggy Niezel veroffentlicht wurde, beschaftigt sich mit der Wirkung der Darstellung von Migrantlnnen auf In- und Auslanderinnen in Deutschland. Neu dabei ist der Rezeptionsvergleich zwischen Personen mit deutschen und „fremden" Wurzeln. Erhoben wurden die Daten mittels Befragung sowie mit einem Experiment, bei welchem Deutsche und Migrantlnnen vor und nach dem Ansehen von verschiedenen Fernsehbeitragen untersucht wurden. Die Studie basiert auf den kommunikationswissenschaftlichen Konzepten des Framing und der Kontakthypothese. Es zeigte sich dabei wiederholt, dass die Einstellungen gegeniiber Migrantlnnen durch einen direkten oder indirekten (z.B. iiber Medien) Kontakt beeinflusst, sowie eine eventuelle Fremdenfeindlichkeit reduziert werden kannen.

Resiimierend kann ein im Fernsehen dargestellter Kontakt zwischen der eigenen und einer fremden Gruppe durchaus einen stellvertretenden Effekt haben und zu einer positiveren oder differenzierteren Wahrnehmung der Fremdgruppe fiihren OPQ. Jedoch geschieht dies nur unter spezifischen Bedingungen, die sowohl vom Beitragsthema als auch von den Rezipientengruppen mitbestimmt werden. (Ruhrmann et al. 2007: 102)

Ausgehend von diesen beiden Studien sollte auch die vorliegende Arbeit aufbauen und dementsprechend konzipiert werden. Zwar ist es im Zuge einer Proseminararbeit nicht moglich ein Experiment durchzufiihren, da der Aufwand zu grog und die Mittel zu gering waren, trotzdem soll mittels Fragebogen die Einstellung osterreichischer Rezipientlnnen gegeniiber „fremden" TV-Moderatorinnen ermittelt und analysiert werden.

3. Problemstellung und Fragestellung

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht nun die Frage, welche Einstellung osterreichische Jugendliche gegeniiber „fremden" TV-Moderatorinnen haben. Lasst sich eine positive oder negative Tendenz feststellen und gibt es eventuell Unterschiede zwischen Personen, die viel fernsehen und welchen, die wenig einschalten? Weiters stellt sich die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der Einstellung gegeniiber „Fremden" im TV und der Einstellung gegenuber „Fremden" im alltaglichen Leben gibt. Kann es sein, dass Jugendliche, die sich „fremden" TV-ModeratorInnen gegenuber positiv eingestellt zeigen, auch „Fremden" in ihrer Umgebung positiv gesinnt sind?

Und schlieglich: kann der parasoziale Kontakt zwischen den jugendlichen RezipientInnen und den „fremden" ModeratorInnen zu einer Veranderung der von Stereotypen gepragten Einstellung gegenuber ethnischen Minderheiten, MigrantInnen, AuslanderInnen — „Fremden" fuhren?

4. Theoretischer Hintergrund

Um meine Forschungsfrage beantworten zu kannen, mochte ich mich zum Einen an der Einstellungsforschung nach Triandis (1975) orientieren und zum Anderen mithilfe von Theorien zur Einstellungsanderung (Allport; Triandis; Schiappa/Gregg/Hewes; Fishbein; u.a.) wie etwa der parasozialen Interaktion, der Kontakthypothese, oder der parasozialen Kontakthypothese, argumentieren.

Die Einstellungsforschung beschaftigt sich mit der Messung von personlichen Einstellungen zu verschiedenen (sozialen) Objekten. Es gibt bereits zu sehr vielen Objekten vorgefertigte, standardisierte Fragebogen, die fur Untersuchungen verwendet werden kannen. Diese bestehen aus so genannten Items, das sind Aussagen, die Ober ein bestimmtes (soziales) Objekt gemacht werden kannen. Solche Statements werden haufig aus Zeitungsartikel, Zeitschriften, Bucher entnommen oder von personlichen Aussagen verschiedener Personen abgeleitet. (vgl. Triandis 1975, S.55ff) Beantwortet bzw. beurteilt werden die Items mit Kategorien von „ich stimme voll zu" bis „ich stimme gar nicht zu" und geben somit Auskunft Ober die Einstellung der Befragten gegenuber dem Objekt. Die verwendeten Items meines Fragebogens werden im Kapitel zu der Methodik dargestellt.

„Die ursprCingliche Idee der Kontakthypothese besagt, dass bestehende negative Einstellungen und Feindlichkeit gegenuber Fremdgruppen durch Kontakt reduziert werden kannen." (Allport 1945, zit. nach Ruhrmann/ Sommer 2007, S.17) Stereotype und Vorurteile, die sich durch mangelnden interpersonellen Kontakt mit „Fremden" entwickeln, kannen demnach durch Kontakt auch wieder abgebaut werden. Jahre spater wurde gezeigt, dass dieser Kontakt durchaus nicht immer direkt interpersonell sein muss, sondern auch durch den indirekten, stellvertretenden Kontakt (z.B. durch Medien) dieselbe Wirkung beobachtet werden kann. Dies wirde bedeuten, dass Personen, die mittels Medien haufigen, regelmagigen positiven Kontakt zu fremden Kulturen haben, auch im alltaglichen Leben eine positive Einstellung gegeniiber ihnen „Fremden" haben.

Das Modell der parasoziale Interaktion nach Hartmann, Schramm und Klimmt (2004) geht davon aus, dass „mediale Figuren auf der Wahrnehmungsebene ganz ahnliche kognitive und emotionale Prozesse auszulosen [scheinen] wie wirkliche Personen" (Hartmann/Schramm/ Klimmt 2004: 26). Dieses Konzept ist fiir meine Arbeit insofern wichtig, als es die Grundlage fiir den Beweis einer engen Bindung zwischen TV-Moderatorinnen und Rezipientlnnen darstellt. Es bestatigt zumindest rein theoretisch der Verdacht, dass „fremde" TV-Moderatorinnen die Einstellung der Zuseherinnen — positiv oder negativ — beeinflussen kannen.

Die parasoziale Kontakthypothese verbindet das Konzept der parasozialen Interaktion und die Kontakthypothese miteinander und geht davon aus, dass, wenn interpersoneller Kontakt einer der effektivsten Wege ist um Vorurteile zwischen Mehrheits- und Minderheitsgruppen zu reduzieren, (Schiappa/Gregg/Hewes 2005: 92) parasozialer, durch Medien iibertragener, Kontakt dieselbe Wirkung erzielen kannen muss. Und zwar deshalb, weil die neuen Massenmedien (Radio, TV, Filme, etc.) den Rezipientlnnen die Illusion einer „face-to-face-Beziehung" mit dem/r Medienakteur/in vortauschen. (vgl. Horton/Wohl 1956, zit. nach Schiappa et al. 2005: 93) Durch positiven Kontakt mit Mitgliedern einer speziellen Gruppe wird schlieglich eine gewisse Dissonanz erzeugt, welche wiederum zu einem „change of attitude" fiihrt. (vgl. ebd.: 94) Auch Conway und Rubin (1991) meinen, dass „just as people form positive or negative attitudes toward other people in 'real life', television viewers develop positive and negative attitudes about the characters they watch on television" (Conway/Rubin 1991, zit. nach Schiappa et al. 2005: 96)

Warum der/die TV-Moderator/in die ideale „Persona" darstellt und sich daher sehr gut zur Untersuchung von parasozialer Kontakthypothese eignet, erklart sich aus mehreren Aspekten. Zum Einen deshalb, weil TV-Moderatorinnen in Fernsehshows, Talkshows, Nachrichten, etc. standig present sind und die Zuseherinnen durchs Programm begleiten. Zum Anderen versuchen sie moglichst eine Atmosphere der Nahe, Freundlichkeit und Sympathie herzustellen und sprechen die Personen, manchmal sogar per „du", direkt an. (vgl. Effinger 2002: 53) Dadurch soll eine Kommunikationssituation entstehen, die dem/der Zuschauer/in den Eindruck vermittelt als gabe es keine Kamera oder Medium zwischen Moderator/in und Zuschauer/in.

[...]

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Einstellung von Jugendlichen zu "fremden" TV-Moderatoren und "Fremden" im Alltag
Hochschule
Universität Wien  (Publizistik und Kommunikationswissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
STEP 5
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
38
Katalognummer
V141800
ISBN (eBook)
9783640495894
ISBN (Buch)
9783640495948
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fremdbild, Einstellung, parasoziale Kontakthypothese, TV-Moderatoren, ethnische Minderheiten
Arbeit zitieren
Klaudia Bachinger (Autor), 2008, Einstellung von Jugendlichen zu "fremden" TV-Moderatoren und "Fremden" im Alltag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141800

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