Eine Stadt ist ein Raum mit hoher Bevölkerungsdichte, einer guten Binnenstruktur und der Handel, das Handwerk, die Dienstleistungen und die Verwaltung dominieren in diesem urbanen Raum. Eine Stadt ist außerdem gekennzeichnet durch Anonymität, Mobilität, Vielfalt, Heterogenität und stellt eine Form des modernen Lebens dar. Diese Vielfalt lässt sich nicht nur auf die verschiedenen Lebensformen beziehen, sondern auch auf eine Sprachenvielfalt. Da ein urbaner Raum viele Menschen miteinander verbindet, seien es Migranten oder Ureinwohner, kommt es auch zu vielen gegenseitigen sprachlichen Beeinflussungen. In Folge dessen findet man kaum eine Stadt, in der es nur „eine“ Sprache gibt. Dieses Phänomen ist natürlich für die Sprachwissenschaft sehr interessant. Demzufolge entwickelte sich aufgrund der Sozio- und Varietätenlinguistik die Stadtsprachenforschung, die sich mit den sprachlichen Einflüssen innerhalb eines urbanen Raumes befasst.
Die folgende Hausarbeit wird sich nun mit den sprachlichen Einflüssen in der südwestlichen französischen Stadt Biarritz befassen. Zunächst werden die geographische und die demographische Lage der Stadt vorgestellt. Hierbei wird auch auf die umliegenden Städte Bayonne und Anglet eingegangen. Des Weiteren wird ein Schwerpunkt auf die Sprachen der verschiedenen Kantone gelegt. Hinzu kommt noch die Vorstellung der geschichtlichen Entwicklung von Biarritz und die damalige und heutige Rolle des Tourismus.
In einem weiteren Block wird speziell auf die sprachlichen Einflüsse der Stadt Biarritz eingegangen. Hierbei wird zunächst die Sprachenpolitik im gesamten Baskenland vorgestellt. Da es einen französischen und spanischen Teil des Baskenlandes gibt, werden demzufolge die französische und die spanische Sprachenpolitik bzw. die Verfassungen erörtert.
In einem letzten Block werde ich meine eigne empirische Untersuchung, die sich auf die Rolle der Sprachen in Biarritz und in der spanischen Stadt Donostia - San Sebastián bezieht, vorstellen. Ziel der Untersuchung war die Korrelation der französischen und spanischen Sprachenpolitik im Baskenland in Bezug auf die heutige Rolle der Sprachen in den beiden Städten zu messen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Stadt Biarritz
3. Einflussfaktoren auf die Sprachen des Varietätenraums Biarritz
3.1 Die Sprachenpolitik im Baskenland
3.1.1 Die französische Sprachenpolitik
3.1.2 Die spanische Sprachenpolitik
3.2 Das Okzitanische
3.2.1 Das Gaskognische
3.2.2 Die Rolle des Gaskognischen in Biarritz
3.3 Das Baskische
3.3.1 Die Varietäten des Baskischen
3.3.2 Die Rolle des Baskischen in Biarritz
3.4 Die Rolle der Touristensprachen in Biarritz
4. Empirische Untersuchung
4.1 Aktueller Stellenwert der Sprachen in Biarritz
4.2 Aktueller Stellenwert der Sprachen in Donostia – San Sebastián
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Einflüsse in der südwestfranzösischen Stadt Biarritz unter Berücksichtigung historischer, soziolinguistischer und politischer Faktoren. Das Hauptziel der Forschung ist die Analyse der Korrelation zwischen der Sprachenpolitik im Baskenland und der tatsächlichen Rolle der Minderheitensprachen im städtischen Alltag, wobei die Ergebnisse durch eine empirische Untersuchung der Sprachkenntnisse in Biarritz und San Sebastián ergänzt werden.
- Historische und demographische Entwicklung von Biarritz
- Einfluss der französischen und spanischen Sprachenpolitik auf das Baskenland
- Sprachwissenschaftliche Untersuchung von Baskisch und Okzitanisch/Gaskognisch
- Die Rolle des Tourismus für die sprachliche Situation in Biarritz
- Komparative Analyse des Sprachstatus in Biarritz und San Sebastián
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die französische Sprachenpolitik
Wie bereits erwähnt unterstützte und unterstützt die französische Sprachenpolitik und demzufolge auch die französische Verfassung nicht die Minderheitensprachen sondern nur das Französische. Durch die französische Revolution und die strenge Politik der Académie francaise wurde seit Beginn des 18. Jahrhunderts immer wieder versucht die Minderheitensprachen zu verbieten und zu unterdrücken und das Französische zu verstärken. „Die Französisierung des Baskenlandes setzt nicht an der Sprachgrenze an, sondern geht von den Kleinstädten des Landesinneren aus, denn das kleinstädtische Bürgertum übernimmt bereitwillig die Idee der französischen Revolution und auch deren Sprache.“ (Haase 1992, S. 22)
Das französische Kultusministerium definiert drei große Ziele seiner heutigen Sprachenpolitik. Das erste Ziel lautet „assurer le rayonnement du francais, langue de la République. Mit „rayonnement“ ist hier die positive Ausstrahlung der Sprache auf die Franzosen zu verstehen. Das zweite Ziel lautet „conserver au francais son rôle de langue de communication internationale. Französisch soll also in Wissenschaft und Technik nicht hinter anderen Verkehrssprachen, wie zum Beispiel dem Englischen zurückbleiben. Das dritte Ziel lautet „respecter la diversité linguistique et culturelle et pormouvoir le plurilinguisme. Hier soll nicht von der sprachlichen Vielfalt, sondern von der der europäischen Union die Rede sein. „Das Hauptaugenmerk Frankreichs richtet sich dabei auf die Probleme der Normung und der Übersetzung in der modernen Informationsgesellschaft sowie auf den fremdsprachlichen Unterricht.“ (Stein 1998, S. 134f.).
Zwar deuten die Ziele auf eine liberalisierte Sprachenpolitik im Gegensatz zu früheren Zeiten hin, allerdings lassen sie nach wie vor die Minderheitensprachen außer acht. Dieses wird durch die französische Verfassung und den Satz „La langue de la République est le francais“ bestätigt. Damit hat das Baskische keinen offiziellen Status wie in Spanien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema der Stadtsprachenforschung und umreißt die Untersuchung der sprachlichen Situation in Biarritz im Kontext politischer und demographischer Rahmenbedingungen.
2. Die Stadt Biarritz: Dieses Kapitel stellt die geographische Lage, die historische Entwicklung vom Fischerdorf zum touristischen Zentrum sowie die administrative Gliederung der Stadt vor.
3. Einflussfaktoren auf die Sprachen des Varietätenraums Biarritz: Es werden die zentralen Faktoren analysiert, die die Sprachlandschaft prägen, darunter die Sprachenpolitik, das Okzitanische/Gaskognische, das Baskische und der Einfluss des Tourismus.
3.1 Die Sprachenpolitik im Baskenland: Dieses Kapitel beleuchtet die unterschiedlichen Ansätze der französischen und spanischen Verwaltungseinheiten bezüglich der Förderung oder Unterdrückung regionaler Sprachen.
3.1.1 Die französische Sprachenpolitik: Die Analyse der restriktiven Haltung Frankreichs gegenüber Minderheitensprachen und die Konzentration auf die Förderung des Französischen als Sprache der Republik.
3.1.2 Die spanische Sprachenpolitik: Untersuchung des offiziellen Status des Baskischen in Spanien nach dem Übergang in die Demokratie im Gegensatz zur Zeit unter Franco.
3.2 Das Okzitanische: Einführung in die historische Verbreitung der okzitanischen Sprache im Süden Frankreichs und deren Untergliederung in regionale Sprachräume.
3.2.1 Das Gaskognische: Beschreibung des Gaskognischen als galloromanische Sprache und der spezifischen Dialekte, die im baskisch-französischen Grenzraum entstanden sind.
3.2.2 Die Rolle des Gaskognischen in Biarritz: Darstellung des Prestigesverlusts des Gaskognischen durch den Aufstieg des Französischen und die touristische Prägung der Stadt.
3.3 Das Baskische: Definition des Baskischen als isolierte Sprache und Analyse ihrer morphologischen Besonderheiten, insbesondere der Ergativ-Struktur.
3.3.1 Die Varietäten des Baskischen: Übersicht über die sieben Hauptdialekte und den Prozess der Standardisierung des Baskischen zur „Euskara Batua“.
3.3.2 Die Rolle des Baskischen in Biarritz: Untersuchung der Präsenz des Baskischen in Biarritz, unterschieden nach Stadtvierteln und Altersgruppen der Bevölkerung.
3.4 Die Rolle der Touristensprachen in Biarritz: Diskussion der Bedeutung des Französischen als Kontaktsprache sowie des Einflusses von Englisch, Spanisch und weiteren Sprachen auf das Stadtbild.
4. Empirische Untersuchung: Darstellung und Auswertung der eigenen Befragung zum Sprachniveau von Einheimischen in Biarritz und San Sebastián.
4.1 Aktueller Stellenwert der Sprachen in Biarritz: Zusammenfassung der Beobachtung, dass Minderheitensprachen in Biarritz zunehmend zu touristischen Dekorationsartikeln werden.
4.2 Aktueller Stellenwert der Sprachen in Donostia – San Sebastián: Vergleich mit der starken Präsenz und dem aktiven Gebrauch der baskischen Sprache im spanischen San Sebastián.
5. Schlussbetrachtung: Fazit der Arbeit, das die Unterschiede zwischen der touristisch-französischen Sprachpraxis in Biarritz und der lebendigen baskischen Kultur in San Sebastián unterstreicht.
Schlüsselwörter
Stadtsprachenforschung, Biarritz, Baskenland, Französische Sprachenpolitik, Spanische Sprachenpolitik, Gaskognisch, Okzitanisch, Baskisch, Minderheitensprachen, Euskara Batua, Sprachkontakt, Sprachwandel, Soziolinguistik, Tourismus, San Sebastián
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der soziolinguistischen Situation in der Stadt Biarritz und untersucht die Faktoren, die zum Rückgang der regionalen Minderheitensprachen Baskisch und Gaskognisch beigetragen haben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Sprachenpolitik in Frankreich und Spanien, der historischen Entwicklung des Baskenlandes sowie der aktuellen Rolle von Touristen- und Minderheitensprachen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Korrelation zwischen der staatlichen Sprachenpolitik und der tatsächlichen Sprachverwendung in Biarritz im Vergleich zur spanischen Stadt San Sebastián empirisch aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Neben einer theoretischen Literaturanalyse der linguistischen Grundlagen und politischen Dokumente wird eine eigene empirische Untersuchung durchgeführt, bei der Sprachkenntnisse von Bürgern in zwei Städten abgefragt und statistisch ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Sprachenpolitik im Baskenland, eine linguistische Einführung in Gaskognisch und Baskisch, die Rolle des Tourismus und die Auswertung der selbst erhobenen Daten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Stadtsprachenforschung, Sprachkontakt, Minderheitensprachen, Sprachenpolitik, Baskisch und Soziolinguistik.
Wie wirkt sich der Tourismus konkret auf die Sprachen in Biarritz aus?
Der Tourismus fungiert als starker Katalysator für die Verbreitung des Französischen. Minderheitensprachen werden hingegen primär für touristische Vermarktungszwecke („Souvenircharakter“) genutzt, statt als aktive Kommunikationsmittel.
Warum gibt es einen so deutlichen Unterschied zwischen Biarritz und San Sebastián?
Die Arbeit stellt fest, dass das Nationalbewusstsein der Basken in Spanien durch einen offiziellen Status der Sprache und ein aktiveres politisches sowie gesellschaftliches Engagement deutlich ausgeprägter ist als im französischen Biarritz, wo die Minderheitensprachen zunehmend in den Hintergrund treten.
Was besagt die „Schleuseneffekt“-Theorie im Kontext der Arbeit?
Der Schleuseneffekt beschreibt, wie Elemente eines untergehenden Sprachsystems (hier das Gaskognische) als Bestandteile in die baskische Sprache einflossen, bevor die baskisch-gaskognische Zweisprachigkeit vollständig durch ein französisch-baskisches Modell ersetzt wurde.
- Citation du texte
- Dipl. Hdl. M. A. Juliane Müller (Auteur), 2008, Stadtsprachenforschung in Biarritz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141849