Johannesevangelium 6,16-21, Jesu Gang auf dem Wasser


Seminararbeit, 2006

30 Seiten, Note: 1,7

Julia Wiedmann (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis.

I.1 Johannesevangelium 6, 16 – 21 Jesu Gang auf dem Wasser
I.2 Übersetzung
I.3 Textkritik

II.1.1. Kontextanalyse
II.1.2. Zur Rolle der Seewandelerzählung
II.1.3 Untergliederung des Textes
II.1.4 Sprachliche Analyse
II.2 Literarkritik
II.3. Formgeschichte
II.4 Überlieferungsgeschichte
II.5. Begriffs- und Motivgeschichte
II.6 Religionsgeschichte
II.7 Redaktionsgeschichte

III.1 Einzelexegese
III.2 Gesamtinterpretation

IV. Anhang

V. Abkürzungsverzeichnis

VI. Literaturverzeichnis

I.1 Johannesevangelium 6, 16 – 21 Jesu Gang auf dem Wasser

16 Ὡς δὲ ὀψία ἐγένετο κατέβησαν οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ ἐπὶ τὴν θάλασσαν 17 καὶ ἐμβάντες εἰς Þ πλοῖον ἤρχοντο πέραν τῆς θαλάσσης εἰς Καφαρναούμ.

ä καὶ σκoτία ἤδη ἐγεγόνει å καὶ æ οὔπω ἐληλύθει πρὸς αὐτοὺς ὁ Ἰησοῦς ç,

18 ἥ τε θάλασσα ἀνέμου μεγάλου πνέοντος διεγείρετο. 19 ἐληλακότες οὖν ὡς Ý σταδίους εἴκοσι πέντε ἢ τριάκοντα θεωροῦσιν τὸν Ἰησοῦν περιπατοῦντα ἐπὶ ä τῆς θαλάσσης å καὶ ἐγγὺς τοῦ πλοίου γινόμενον, καὶ ἐφοβήθησαν. 20 ὁ δὲ λέγει αὐτοῖς · ἐγώ εἰμι · è μὴ φοβεῖσθε.é 21 ἤθελον οὖν λαβεῖν αὐτὸν εἰς τὸ πλοῖον, καὶ εὐθέως â ἐγένετο τὸ πλοῖον á ἐπὶ ä τῆς γῆς å εἰς ἣν ὑπῆγον.“[1]

I.2 Übersetzung

Als es aber Abend geworden war, gingen seine Jünger zum See hinab, stiegen in ein Boot und fuhren über den See auf Kafarnaum (Kapernaum) zu. Und es war schon finster geworden und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen, da wurde der See durch einen heftigen Sturm aufgepeitscht. Als sie nun ungefähr fünfundzwanzig oder dreißig Stadien gerudert waren, sahen sie, wie Jesus auf dem See ging (wandelte) und wie er nahe auf das Boot zu kam und sie fürchteten sich. Er aber sprach: „Ich bin es. Fürchtet euch nicht!“ Da wollten sie ihn in das Boot nehmen, aber sogleich war das Boot an Land, auf welches sie sich begaben.

Anmerkungen zur Übersetzung:

Ἤρχοντο in Vers 17 ist Imperfekt von ἔρχομαι und könnte als solches an dieser Stelle auch konativ aufgefasst werden, also in der Bedeutung „sie wollten fahren“. Da aber im weiteren Textverlauf deutlich wird, dass die Jünger auch tatsächlich losgefahren sind, habe ich mich in meiner Übersetzung gegen diese Nuance entschieden.

Der Genitivus absolutus ἀνέμου μεγάλου πνέοντος in Vers 18 kann instrumental verstanden werden („durch/von einem heftig wehenden Wind“), das Partizip πνέοντος ist dann allerdings im Deutschen nur schwierig wiederzugeben bzw. überflüssig.

Die Form θεωροῦσιν in Vers 19 ist historisches Präsens und als solches eine Vergangenheitsform. Gleiches gilt für λέγει in Vers 20. Ὑπῆγον ist Imperfekt, auch hier besteht wieder die Möglichkeit ein konatives Imperfekt zu übersetzen, wählt man die Bedeutung „hinfahren“, muss man sogar konativ übersetzen um den Sinn zu wahren, für die Bedeutung „sich begeben“ erschien mir jedoch die Notwendigkeit nicht.

I.3 Textkritik

Zuordnung der Handschriften nach Codex, Alter und Kategorie erfolgt nach Aland/Aland: Der Text des Neuen Testaments. Einführung in die wissenschaftlichen Ausgaben sowie in Theorie und Praxis der modernen Textkritik, S. 106-164.

Vers 17 a : Die Lesart bezeugen:

Das Papyrus î 75 (3.Jhdt., Kat. I), die Majuskeln a 01 (Codex Sinaiticus, 4. Jhdt., Kat I), B 03 (Codex Vaticanus, 4. Jhdt., Kat. I), L 019 (Codex Regius, 8. Jhdt., Kat. II), Δ 037 (Codex Sangallensis, 9.Jhdt, Kat. III), die Minuskeln 33(9.Jhdt., Kat. II), 579 (13. Jhdt., Kat.II), 700 (11. Jhdt. Kat III), 892 (9. Jhdt. Kat. II), 1241 (12. Jhdt., Kat. III) und andere, außerdem die mittelägyptisch-faijumische und die protobohairische Überlieferung.

Die varia lectio ( Þ = Einfügung an dieser Stelle):

Den Artikel τό fügen ein:

Die Majuskeln A 02 (Codex Alexandrinus, 5. Jhdt., Kat. III), D 05 (Codex Bezae Cantabrigiensis, 5. Jhdt., Kat. IV), W 032 (Codex Freerianus, 5. Jhdt., Kat. III), Θ 038 (Codex Coridethianus, 9. Jhdt., Kat. II), Ψ 044 (Codex Athous Laurensis, 8./9. Jhdt., Kat. III), die Minuskelfamilie f1 (12. Jhdt., Kat. III), die Minuskelfamilie f13 (13. Jhdt., Kat III), der Mehrheitstext Û (byzantinischer Reichstext / Koine- Griechisch, Kat. V), sowie die sahidische, die subachmimische und die bohairische Überlieferung.

Bewertung der äußeren Kriterien:

Die varia lectio findet sich zwar in einer größeren Quellenanzahl, aber ältere und gewichtigere Quellen sprechen für die Lesart von Nestle-Aland als die ursprünglichere.

Bewertung der inneren Kriterien:

Durch die Hinzufügung des bestimmten Artikels τό findet eine Verdeutlichung statt, dass es sich um das eine Schiff handelt, mit dem die Jünger und Jesu zuvor gekommen waren und es dient evtl. als Hinweis, dass es auch das einzige an diesem Ufer ist. Zusammen mit der Regel lectio brevior potior ergibt sich auch für die inneren Kriterien, dass die Lesart Nestle-Alands wohl die ursprünglichere ist.

Gesamtbewertung:

Aus den Ergebnissen beider Kriterien ergibt sich die Lesart von Nestle-Aland als die ursprünglichere.

Vers 17 b: Nestle-Aland führt hier nur den negativen Apparat auf.

Die varia lectio ( ä å = andere Lesart für diese Wörter):

Es bezeugen κατέλαβεν δὲ αὐτοὺς ἥ σκοτία:

Die Majuskel a 01 (Codex Sinaiticus, 4. Jhdt., Kat. I) und die Majuskel D 05 (Codex Bezae Cantabrigiensis, 5. Jhdt., Kat IV).

Bewertung der äußeren Kriterien:

Die beiden Majuskeln sind zwar ständige Zeugen erster Ordnung, denen für die Textkonstitution große Bedeutung zukommt, aber ob nur zwei Quellen für die varia lectio als die ursprünglichere Lesart genügen, darf bezweifelt werden.

Bewertung der inneren Kriterien:

Durch die varia lectio werden die Jünger in eine passive, gleichsam wehrlose Lage versetzt, das dramatische Moment wird dadurch betont. Dieser Effekt könnte Intention eines Redaktors gewesen sein, vielleicht um die Seewandelerzählung des Johannesevangeliums an die parallelen Erzählungen bei Matthäus und Markus anzugleichen, in welchen die Gefahrensituation der Jünger auf See mehr beschrieben wird.

Die Regel lectio brevior potior greift hier nicht, da diese Lesart minimal länger ist, auch ist die varia lectio nicht deutlich schwieriger.

Gesamtbewertung:

Aufgrund der geringen Quellen, die die varia lectio bezeugen, und da die inneren Kriterien eine Veränderung eines Urtextes sehr wahrscheinlich machen, ist die Lesart von Nestle-Aland wohl vorzuziehen.

Vers 17 c: Diese Lesart bezeugen:

Die Majuskeln L 019 (Codex Regius, 8. Jhdt., Kat. II) (in kleiner Abweichung), W 032 (Codex Freerianus, 5. Jhdt., Kat. III), die Minuskel 33 (9. Jhdt., Kat. II), die Minuskelfamilie f13 (13. Jhdt., Kat. III) (mit der Hinzufügung εἰς τὸ πλοῖον) und wenige weitere, außerdem mehrere altlateinische Handschriften, sowie die protobohairische und die bohairische Überlieferung.

Die variae lectiones ( æ ç = für diese Wörter eine andere Lesart):

1. varia lectio:

Die Stellung οὒπω ἐληλύθει ὁ Ἰησοῦς πρὸς αὐτούς bezeugen:

Die Majuskeln a 01 (Codex Sinaiticus, 4. Jhdt., Kat. I) (der Artikel ὁ wird hier aber weggelassen) und D 05 (Codex Bezae Cantabrigiensis, 5. Jhdt., Kat. IV), außerdem eine einzelne altlateinische Übersetzung.

2. varia lectio:

Die Stellung οὒπω πρὸς αὐτοὺς ἐληλύθει ὁ Ἰησοῦς bezeugen:

Das Papyrus î 75 (3. Jhdt., Kat. I) (allerdings ist hier das Verb ἐληλύθει ersetzt durch ἐγεγόνει) und das Papyrus î 28 (3. Jhdt., Kat. I) (allerdings ist hier nicht mit letzter Sicherheit zu entscheiden, welche Lesart es bezeugt), die Majuskeln B 03 (Codex Vaticanus, 4. Jhdt., Kat. I) , N 022 (Codex Petropolitanus Purpureus, 6. Jhdt., Kat. V), Ψ 044 (Codex Athous Laurensis, 8./9. Jhdt., Kat. III), sowie die Minuskel 579 (13. Jhdt., Kat.II) und wenige weitere.

3. varia lectio:

in folgenden Handschriften findet zwar keine Umstellung statt, jedoch wird hier das οὒπω durch ein einfaches οὐκ ersetzt:

In den Majuskeln A 02 (Codex Alexandrinus, 5. Jhdt., Kat. III), Θ 038 (Codex Coridethianus, 9. Jhdt., Kat. II), in K 017 (Codex Cyprius, 9. Jhdt., Kat. V) und wenigen weiteren findet eine Abweichung von Û statt durch die Zufügung εἰς τὸ πλοῖον, in der Minuskelfamilie f 1 (c.a. 12. Jhdt., Kat. III), ansonsten im Mehrheitstext Û ( byzantinische Reichstext/ Koine-Griechisch, Kat. V), sowie in altlateinischen und Vulgata – Handschriften, in der gesamten syrischen Überlieferung und der sahidischen und subachmimischen Übersetzung.

Bewertung der äußeren Kriterien:

Die erste Umstellungsvariante ist bis auf eine gewichtige Majuskel sehr dürftig bezeugt. Die zweite varia lectio hat zwar mehr gewichtige Quellen, allerdings gibt es hier Veränderungen und Unsicherheiten.

Aber auch bei der Bezeugung der Nestle- Aland – Lesart gibt es Veränderungen. Eine Entscheidung bleibt zunächst schwierig.

Eine dritte Lesart bezeugt οὐκ anstatt οὒπω in einigen wichtigen Handschriften, da aber sowohl die Nestle-Aland –Lesart wie die vorangegangenen variae lectiones das οὒπω stehen haben, teils in sehr gewichtigen Quellen, ist οὒπω die deutlich wahrscheinlichere Lesart.

Die Ergänzung von εἰς τὸ πλοῖον findet lediglich in der Minuskelfamilie f13 und in der Majuskel K statt, deren Bedeutung wohl anderen Handschriften unterzuordnen ist, so dass auch hier die Lesart von Nestle-Aland als die ursprünglichere angesehen werden darf.

Bewertung der inneren Kriterien:

Bei Lesarten mit der Ergänzung εἰς τὸ πλοῖον kann eine spätere Zufügung zum einem aus der Intention der Verdeutlichung des Sachverhalts erklärt werden, zum anderen gilt hier die Regel lectio brevior potior. In diesem Fall ist Nestle-Alands Lesart wohl die ursprünglichere.

Wie sich mit der Zeit οὒπω in οὐκ verwandelt haben kann, ist sehr gut durch Abschreib- oder Lesefehler zu erklären. Außerdem sind auch absichtliche Korrekturen möglich, deren Anliegen es ist, die beklemmende Situation der Jünger besser darzustellen, da durch ein einfaches „nicht“ (im Gegensatz zu „noch nicht“) nicht impliziert ist, dass Jesus noch kommen wird. So erscheint anhand dieser beiden inneren Kriterien die Lesart von Nestle- Aland als die ursprünglichere.

Vergleicht man alle Umstellungsvarianten, so ergibt sich nur für die Stellung des Nestle-Aland-Textes eine chiastische Stellung mit dem vorangegangen Satzteil b:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Stilmittel des Chiasmus ist zum einen typisch für den Verfasser des Johannesevangelium, zum anderen wird gerade in diesem Beispiel der für Johannes typische Dualismus ausgedrückt in dem Gegensatzpaar Dunkelheit – Jesus. Außerdem erzeugt das Nebeneinander der Satzteile πρὸς αὐτούς und ὁ Ἰησοῦς klangliche Eingänglichkeit beim Hörer. Die Lesart von Nestle-Aland ist insofern die textkohärenteste und damit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie dem ursprünglichen Text wohl am nächsten liegt.

Gesamtbewertung:

Für die Lesarten mit Zufügung ergeht wohl aus Betrachtung beider Kriterien, dass die Ergänzungen nachträglich sind, somit hat Nestle-Aland die ursprüngliche Lesart. Sowohl die Quellenlage als auch die inneren Kriterien sprechen sich gegen oὐk aus und damit für die Lesart von Nestle-Aland als die ursprüngliche.

Ist die Bezeugung der Stellung in der Nestle- Aland-Lesart in den Handschriften zunächst nicht eindeutiger gegenüber den anderen Lesarten, begründet die Textkohärenz aber die Entscheidung Nestle- Alands für seine Variante als die wohl ursprüngliche.

Vers 19a: Nestle-Aland-Ausgabe führt hier nur einen negativen Apparat:

Die varia lectio ( Ý = andere Lesart für dieses Wort):

Στάδια anstatt σταδίους lesen:

Die Majuskeln a 01 (Codex Sinaiticus, 4. Jhdt., Kat I) ( allerdings an Stellen mit Korrekturen), D 05 (Codex Bezae Cantabrigiensis, 5. Jhdt., Kat. IV) und wenige weitere.

Bewertung der äußeren Kriterien:

Es stehen keine ausreichend sicheren Quellen auf Seiten der varia lectio. Die Lesart von Nestle-Aland ergibt sich also als die ursprüngliche.

Bewertung der inneren Kriterien:

Das Wörterbuch zum Neuen Testament von W. Bauer gibt für den Plural des Neutrums τὸ στάδιον an, dass sowohl die Form τὰ στάδια als auch der Plural οἱ στάδιοι bereits attisch sind.[2] τὰ στάδια als Akkusativ Plural findet sich zum ersten und zum einzigen Mal im Neuen Testament nur an dieser Stelle im kritischen Apparat, während σταδίους immerhin dreimal im NT als Akkusativ Plural von τὸ στάδιον vorkommt.[3] Denkbar wäre eine regional unterschiedliche Benutzung des Plurals, dann wäre eine mögliche Intention der Veränderung eine Bestimmung des Textes für einen bestimmten Adressatenkreis.

Dass die varia lectio an dieser Stelle als die ursprüngliche Textform in Betracht kommt, könnte durch den Versuch einer Angleichung erklärt werden, da andere Parallelstellen hier auch den Plural οἱ στάδιοι verwenden.

Gesamtbewertung:

Die Quellenlage spricht wohl eher für die Lesart von Nestle-Aland, die inneren Kriterien lassen nur eine tendenzielle Entscheidung zu. Generell gibt diese grammatikalische Feinheit aber keinen Ausschlag in der Bedeutung und damit auch nicht im Verständnis des Textes.

Vers 19b: Nestle-Aland-Ausgabe führt hier nur einen negativen Apparat:

Die varia lectio ( ä å = andere Lesart für diese Wörter):

ἐπὶ τὴν θάλασσαν wird nur bezeugt:

In dem Papyrus î 75 (3. Jhdt., Kat. I)

Bewertung der äußeren Kriterien:

Das Papyrus î 75 ist gerade für Johannes eine sehr wichtige Handschrift, aufgrund der Quellenlage scheint es zunächst schwierig zu entscheiden.

Zu den inneren Kriterien:

ἐπί in Verbindung mit dem Genitiv hat die Bedeutung: auf, über, an. Mit dem Akkusativ die Bedeutungen: darüber hin, auf, zu. Sowohl der Genitiv als auch der Akkusativ stehen auf die Fragen „wo?“ oder „wohin?“, auch stehen beide Fälle nach der Präposition bei Verben der Bewegung.[4]

Vielleicht ist der Kasus, der auf die Präposition ἐπί folgt, einfach regionsabhängig. Dass beide Wendungen, also sowohl ἐπί mit Genitiv, als auch ἐπί mit Akkusativ, in diesem Fall gleichbedeutend sind, zeigt die Textanalyse.

Gesamtbewertung:

Beide Kriterien machen eine Entscheidung schwierig, aber wahrscheinlich hat sich Nestle-Aland aufgrund der zahlreicheren Bezeugung für seine Lesart als die ursprüngliche entschieden.

Vers 20: Auch hier führt Nestle-Aland nur den negativen Apparat auf.

Die varia lectio ( è é = für diese Wörter eine Auslassung):

Nur eine Überlieferung der Cureton-Syrer lässt die Aufforderung Jesus aus.

Bewertung der äußeren Kriterien:

Die Wertigkeit von Übersetzungen ist für die Forschung nach dem Urtext nicht sehr hoch. So ist von den Quellen her gesehen Nestle-Aland die ursprüngliche Lesart.

Bewertung der inneren Kriterien:

Man kann zwar oft davon ausgehen, dass im Laufe der Zeit eher Zufügungen geschehen sind, allerdings sind in vielen Fällen auch bewusste oder unbewusste Auslassungen beim Übertragen bzw. Übersetzen denkbar. Eine bewusste Auslassung würde hier erklärbar sein durch den Versuch, das ἐγώ εἰμι noch absoluter und wirkungsvoller erscheinen zu lassen.

Gesamtbewertung:

Beide Kriterien ergeben die Lesart von Nestle-Aland als die ursprüngliche.

Vers 21: Die Nestle Aland-Lesart mit der Stellung ἐγένετο τὸ πλοῖον wird bezeugt durch:

Das Papyrus î 75 (3. Jhdt., Kat. I); die Majuskeln A 02 (Codex Alexandrinus, 5. Jhdt., Kat. III), B 03 (Codex Vaticanus, 4. Jhdt., Kat. I), L 019 (Codex Regius, 8. Jhdt., Kat. II), N 022 ( Codex Petropolitanus Purpureus, 6. Jhdt., Kat. V), W 032 (Codex Freerianus, 5. Jhdt., Kat. III), Ψ 044 (Codex Athous Laurensis, 8./9. Jhdt., Kat. III); die Minuskelfamilie f13 (13. Jhdt., Kat. III); die Minuskeln 33 (9. Jhdt., Kat. II), 565 (9. Jhdt., Kat. III), 579 (13. Jhdt., Kat. II), 892 (9. Jhdt., Kat. II), 1241 (12. Jhdt., Kat.III), und noch einige weitere; außerdem in einigen altlateinischen Handschriften, sowie in den Vulgata- Ausgaben von Stuttgart und Wordsworth-White-Sparks.

[...]


[1] Nestle-Aland: Neues Testament

[2] Siehe Bauer/Aland, Wörterbuch zum Neuen Testament, Spalte 1525, Artikel στάδοιν.

[3] Vgl. Guillemette, Analyse des Griechischen Neuen Testaments, S. 366, Ziffern 18025 und 18026.

[4] Siehe Bauer/Aland: Wörterbuch zum Neuen Testament, Spalte 579 ff, Artikel ἐπί.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Johannesevangelium 6,16-21, Jesu Gang auf dem Wasser
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Proseminar Neues Testament
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
30
Katalognummer
V141877
ISBN (eBook)
9783640494392
ISBN (Buch)
9783640494071
Dateigröße
732 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Johannesevangelium, Jesu, Gang, Wasser
Arbeit zitieren
Julia Wiedmann (Autor), 2006, Johannesevangelium 6,16-21, Jesu Gang auf dem Wasser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141877

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