Rezension zu: Reinhart Koselleck – Vom Sinn und Unsinn der Geschichte


Rezension / Literaturbericht, 2008

6 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Der Aufsatz „Sinn und Unsinn der Geschichte“ von Reinhart Koselleck ist eine überarbeitete Nachschrift des mündlichen Vortrages beim Eröffnungskolloquium „Geschichte als Sinnproblem/What makes Sense in History? vom 04.10.1994 – 07.10.1994 der Forschungsgruppe „Historische Sinnbildung“ am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld.

Das Werk beschäftigt sich mit der Sinnfrage an Geschichte, der Differenzbestimmung der Geschichte und Folgelasten des neuzeitlichen Geschichtsbegriffs.

Im Folgenden werde ich die Einleitung sowie die drei Teile des Aufsatzes inhaltlich näher aufschlüsseln.

Die Einleitung dient dem Autor zur Definition von Begriffen und der Festlegung von inhaltlichen Rahmenbedingungen. Reinhart Koselleck erklärt dem Leser den Unterschied zwischen „Sinnlosigkeit“ und „Unsinn“ als Gegenbegriffe zum „Sinn“. Dabei wertet er die „Sinnlosigkeit“ als neutralen Begriff. „Unsinn“ bildet nur die Verneinung von „Sinn“ und basiert weiterhin auf „Sinnhaftigkeit“. Koselleck spricht sich daher eher für die Position der „Sinnlosigkeit“ aus, da diese Stellung es ermöglicht den „Sinn“ oder „Unsinn“ innerhalb der Geschichte zu suchen und aufzuzeigen.

Eine weitere Rahmenbedingung ist, dass nicht nach der Bedeutung der Historie als Wissenschaft gefragt werden soll.

Im ersten Teil des Aufsatzes zeigt Koselleck dem Leser anhand des Beispiels der „Stalingradschlacht“ die Auslegung von „Sinn“ oder „Sinnlosigkeit“ auf. Er beginnt seine Ausführungen mit einer „Briefsammlung von Soldaten aus Stalingrad, die dort umgekommen sind oder als vermisst gelten“. Nachdem jene Sammlung Deutschland erreicht hatte, wurde sie von Propagandaminister Goebbels zurückgehalten mit der Aussicht heldenhafte Briefe gefallener oder vermisster Soldaten herausbringen zu können. Diese Briefe zeigen viele Sichtweisen der eingeschlossen Soldaten in Stalingrad auf. Dem Leser begegnen Verzweiflung, Ironie, Lethargie, Demut und tiefe Frömmigkeit in diesen Briefen. Die eventuell vermuteten Bekenntnisse der Soldaten zum NS-System fehlen fast vollständig. Die Quellensammlung ist bedauerlicherweise größtenteils eine Inszenierung eines Propagandamannes unter Goebbels, der von den Briefen wusste. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass die Briefe welche veröffentlicht wurden, aus der Hand des Propagandamannes stammen. Das eigentliche Interessante an der Fälschung ist, das sie so großen Anklang fand. Diese Illusionierung der Briefe reichte um bei den Lesern Zustimmung zu finden, dass in Stalingrad „Sinnlosigkeit“ vorherrschte und auch so von den Soldaten empfunden wurde. Der Leserkreis teilt somit rückwirkend denselben Erfahrungshorizont wie der Fälscher. Den einzigen „Sinn“ der Stalingradschlacht erkennt Koselleck im rein militärgeschichtlichen Motiv. Die Einkesselung von Stalingrad und der daraus resultierende Untergang der sechsten Armee erlaubten den Entsatz der Truppen, welche im Kaukasus sich festgebissen hatten und sich über den Don zurückretten konnten. Die Schlacht um Stalingrad gilt als der Wendepunkt in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges, um den die Historiker sich dennoch streiten. Koselleck setzt den Wendepunkt jedoch schon vor den Kriegsausbruch 1939, da er argumentiert, „dass bereits in Anbetracht der politischen Weltkonstellation der Untergang schon im Anfang enthalten gewesen sei“. Die Frage nach der Sinnstiftung lässt sich überdies auch aus theologischer Deutung vornehmen. Reinhart Koselleck zeigt auf, dass „wenn ein Guter belohnt wird, es Gotteslohn sei. Wird ein Guter bestraft, so ist das eine Warnung. Wird der Böse belohnt, ist es ebenfalls eine Warnung oder wird der Böse bestraft, so ist es ausgleichende Gerechtigkeit.“ Der Autor kommt zum Fazit, das sich theologisch alles sinnvoll deuten lassen kann.

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Rezension zu: Reinhart Koselleck – Vom Sinn und Unsinn der Geschichte
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
6
Katalognummer
V141917
ISBN (eBook)
9783640514274
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sinnfrage der Geschichte, Differenzbestimmung, Geschichtswissenschaft, Bedeutung
Arbeit zitieren
Thomas Kreuder (Autor:in), 2008, Rezension zu: Reinhart Koselleck – Vom Sinn und Unsinn der Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141917

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