Der „Knigge“: In Deutschland ist er für weite Teile der Bevölkerung eine bekannte Größe und gleichzeitig Synonym einer ganzen Gattung, der der Benimmbücher. Seinen Namen verdankt er seinem Verfasser: Adolph Freiherr Knigge, dessen Schrift Über den Umgang mit Menschen (1788) zwar im eigentlichen Sinn kein Buch über gute Manieren und das richtige Verhalten bei Tisch ist; sondern vielmehr ein sozio-psychologisches Panorama seiner Zeit darstellt . Nichtsdestoweniger verwenden wir den Namen „Knigge“ seit mehr als zwei Jahrhunderten im Zusammenhang mit Werken, die belehren, erziehen oder umerziehen wollen, und deren Popularität in regelmäßigen Abständen ansteigt, um sich dann genau so schnell wieder zu verflüchtigen. Dabei ist es interessant zu beobachten das es sich dabei selten um das „klassische“ Buch, das über besser Tischmanieren belehren möchte, handelt, sondern heutzutage eher der „Internet-Knigge“ oder der „Wie-verhalte-ich-mich-meinem-ausländischem-Geschäftspartner-gegenüber-richtig-Knigge“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Giovanni Della Casas „Galateo overo de' costumi“
2.1 Zum Leben des Giovanni Della Casa
2.1.1 Die Reformation und ihre Gefahren
2.2 Il Galateo overo de' costumi
2.2.1 Das Benimmbuch
2.2.1.1 Eine kleine Anekdote (4. Kapitel)
2.2.2 Die andere Seite des „Galateo“
3. Fazit
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk "Galateo overo de' costumi" von Giovanni Della Casa und hinterfragt dessen Rolle als reines Benimmbuch, indem sie die Intention des Autors sowie historisch-politische Kontexte, wie die Gegenreformation, analysiert.
- Historischer Hintergrund: Della Casas Leben und die Einflüsse der Reformation
- Strukturelle Analyse: Aufbau und Zielsetzung des "Galateo"
- Kommunikationstheoretische Aspekte: Höflichkeit als Mittel der Freiheit und Gegenseitigkeit
- Interpretationsansätze: Spannungsfeld zwischen Konformismus und zwischenmenschlicher Freiheit
Auszug aus dem Buch
2.2.1.1 Eine kleine Anekdote (4. Kapitel)
(…) Giovanni Matteo Giberti [il Vescovo, Anm. SF], il quale fra gli altri suoi laudevoli costumi si fu cortese e liberale assai a' nobili gentiluomini che andavano e venivano a lui (…). Avenne che, passando in quel tempo di là un nobile uomo, nomato Conte Ricciardo (…). E percioché gentilissimo cavaliere parea loro e di bellissime maniere, (…); se non che un picciolo difetto avea ne' suoi modi; del quale essendosi il Vescovo – che intendente signore era – avveduto et avutone consiglio con alcuno de' suoi più domestichi, proposero che fosse da farne aveduto il Conte, comeché temessero di fargliene noia. Per la qual cosa, (…), il Vescovo, chiamato un suo discreto famigliare, gli impose che, montato a cavallo col Conte, (...); e, quando tempo gli paresse, per dolce modo gli venisse dicendo quello che essi aveano proposto tra loro. (…). [Q]uando tempo gli parve di dover verso Verona tornarsi, pregandonelo il Conte et accommiatandolo, con lieto viso gli venne dolcemente così dicendo: – Signor mio, il Vescovo mio signore rende a V(ostra) S(ignoria) infinite grazie dell'onore che egli ha da voi ricevuto; (...). Voi siete il più leggiadro et il più costumato gentiluomo che mai paresse al Vescovo di vedere; per la qual cosa, avendo egli attentamente risguardato alle vostre maniere et essaminatole partitamente, niuna ne ha tra loro trovata che non sia sommamente piacevole e commendabile, fuori solamente un atto difforme che voi fate con le labra e con la bocca, masticando alla mensa con un nuovo strepito molto spiacevole ad udire.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Gattung der Benimmbücher ein und stellt die Forschungsfrage, ob Della Casas Werk lediglich ein Etiketteratgeber ist oder tiefere philosophische und historische Hintergründe verbirgt.
2. Giovanni Della Casas „Galateo overo de' costumi“: Das Hauptkapitel beleuchtet das Leben des Autors, den historischen Kontext der Gegenreformation und analysiert den inhaltlichen sowie gesellschaftlichen Anspruch des "Galateo".
2.1 Zum Leben des Giovanni Della Casa: Dieser Abschnitt skizziert den Werdegang Della Casas vom Kleriker zum Dichter und seine Verwicklung in die zeitgenössische Kirchenpolitik.
2.1.1 Die Reformation und ihre Gefahren: Hier wird der historische Kontext der Reformation und des Abendländischen Schismas erläutert, welche die katholische Kirche und deren Denker maßgeblich beeinflussten.
2.2 Il Galateo overo de' costumi: Dieser Abschnitt bietet einen allgemeinen Überblick über das Werk Della Casas, einschließlich dessen Aufbau und Entstehungsgeschichte.
2.2.1 Das Benimmbuch: Dieses Kapitel untersucht die didaktische Absicht des "Galateo" und die Art der Vermittlung von Anstandsregeln an den Leser.
2.2.1.1 Eine kleine Anekdote (4. Kapitel): Anhand einer konkreten Anekdote über Bischof Giberti und Graf Ricciardo wird die Methode der höflichen Kritik und das Ideal der "Unangestrengtheit" demonstriert.
2.2.2 Die andere Seite des „Galateo“: Diese Analyse setzt sich mit kritischen Stimmen auseinander, die das Werk als Anleitung zum Konformismus deuten, und stellt dem den Aspekt der individuellen Freiheit gegenüber.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Werk vielschichtig ist und sowohl als Benimmbuch als auch als Traktat über Freiheit und Konformität gelesen werden kann.
4. Literaturverzeichnis: Hier werden die primären und sekundären Quellen aufgeführt, die zur Erstellung der Arbeit herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Galateo, Giovanni Della Casa, Benimmbuch, Etikette, Höflichkeit, Gegenreformation, Konformismus, Freiheit, Renaissance, Kommunikation, soziale Reflexivität, Sprezzatura, Italienische Literatur, Umgangsformen, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert Giovanni Della Casas Werk "Galateo overo de' costumi" und hinterfragt, ob es sich lediglich um ein historisches Benimmbuch handelt oder ob tiefere Intentionen, wie etwa die Förderung von sozialem Konformismus oder individueller Freiheit, zugrunde liegen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Biografie des Autors, den historischen Kontext der Gegenreformation, die Bedeutung von Anstandsregeln im 16. Jahrhundert sowie kommunikationstheoretische Aspekte der Höflichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, das "Galateo" jenseits seines oberflächlichen Rufs als Etiketteratgeber zu beleuchten und verschiedene Deutungsebenen, insbesondere die Spannung zwischen Zwang und Freiheit, aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Quellentextes unter Einbeziehung historischer Kontexte und wissenschaftlicher Sekundärliteratur zu den Themen Renaissance, Gegenreformation und Zivilisationstheorie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie des Autors, die historische Einbettung in die Gegenreformation, die inhaltliche Analyse des "Galateo" anhand von Kapitelbeispielen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Forschungsmeinungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Galateo, Konformismus, Freiheit, Höflichkeit, Gegenreformation und Zivilisation charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Anekdote aus dem 4. Kapitel?
Die Anekdote dient als Kernstück des Werkes, um zu verdeutlichen, wie man gesellschaftliche Kritik bzw. Tadel so delikat und unaufdringlich äußert, dass soziale Spannungen vermieden werden.
Warum wird im Text ein Paradoxon im Zusammenhang mit Freiheit erwähnt?
Das Paradoxon beschreibt, dass die Wahrung der Freiheit des Gesprächspartners vom Einzelnen einen gewissen Spontaneitätsverzicht und soziale Zurückhaltung fordert, um die allgemeine Kommunikation harmonisch zu gestalten.
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- Stefanie Feller (Author), 2009, Über Della Casas "Galateo". Ein Benimmbuch?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141964