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Der bayerische Kapitalmarkt 1789 - 1868

Title: Der bayerische Kapitalmarkt 1789 - 1868

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 26 Pages , Grade: 1

Autor:in: Christian Schroth (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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„Geld regiert die Welt“ – diese Aussage ist nicht universell, sondern ein modernes Urteil über die Machtverschiebung in modernen Gesellschaften. Auch schon in vorkapitalistischen Zeiten spielte Geld im Zusammenhang mit Herrschaftsausübung eine wichtige Rolle. Mit Geld konnten Soldaten und Ämter gekauft werden, Kriege geführt oder Friedensschlüsse gekauft werden, Produkte aus anderen Staaten importiert werden, Residenzen gebaut werden, usw. Grundlage für Herrschaft und Stellung der Eliten bildeten aber generell die eingerichteten feudalen Herrschaftsverhältnisse, die den Eliten ihren Lebensunterhalt und Einfluss sicherten. Geld war ein nützliches Mittel für bestimmte Zwecke der Eliten und der politischen Führung.

Es gab in Bayern zahlreiche Institutionen, die über größere Geldmittel verfügten. Damit diese Geldmittel aber als „Kapital“ im modernen Sinn fungieren konnten, also Produktionen zu finanzieren, die freigesetzte Bevölkerung aus der Landwirtschaft oder dem Handwerk in großer Zahl beschäftigen konnten und deren Produkte auf dem Markt gewinnbringend verkaufen konnten, waren tief greifende gesellschaftliche Veränderungen notwendig, um die Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen: Säkularisierung der Kirchengüter, Mediatisierung des Adels, Liberalisierung des Handels, also Abbau von Zollschranken etc., Zentralisierung der Staatsverwaltung, Standortpolitik des Staates, Infrastrukturmaßnahmen, usw.

In Hinblick auf das Thema „Kapitalmarkt in Bayern von 1789 bis 1868“ will ich mich der Beantwortung folgender Fragen widmen: Welche Personen und Institutionen verfügten über Geldmittel in einem Maß, dass es als Kapital investiert werden konnte? Welche Personen und Institutionen waren bereit, ihre Vermögen in eine industrielle Produktion zu investieren? Wie stellte sich der Staat zur aufkommenden Industrialisierung? Welche Rolle spielten die alten Eliten in der Phase der Frühindustrialisierung und welche neuen Eliten entstanden? Welche neuen Institutionen entstanden im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Veränderungen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Traditionelle Akteure und Institutionen der Geldwirtschaft in Bayern

2.1 Der bayerische Staat

2.2 Der Adel

2.3 Private Bankhäuser und Handelskapital

2.4 Kirche und Klöster

2.5 Die Juden

3. Die neue Rolle des Staats als Standortverwalter

4. Neue Eliten in der Phase der Frühindustrialisierung

5. Neue Eliten brauchten neue Kapitalmärkte - Entstehung neuer Institutionen

5.1 Aktiengesellschaften

5.2 Sparkassen

5.3 Bayerische Hypotheken- und Wechselbank

5.4. Rentenbanken

6. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht den Wandel des bayerischen Kapitalmarkts zwischen 1789 und 1868. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Akteure über Kapital verfügten, inwieweit diese bereit waren, in die industrielle Entwicklung zu investieren, und wie der Staat sowie neu entstehende Institutionen diesen Transformationsprozess beeinflussten.

  • Transformation von traditionellen Geldmärkten (Kirche, Adel, lokale jüdische Verleiher) zur modernen Industriefinanzierung.
  • Die Rolle des bayerischen Staates als „Standortverwalter“ und Gesetzgeber im Prozess der Industrialisierung.
  • Der Aufstieg neuer wirtschaftlicher Eliten und deren Beitrag zur Kapitalmobilisierung.
  • Die Entstehung und Bedeutung neuer Finanzinstitutionen wie Aktiengesellschaften, Sparkassen und Hypothekenbanken.
  • Der Einfluss gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und konfessioneller Aspekte auf das Investitionsverhalten.

Auszug aus dem Buch

Johann Wilhelm Späth (1786 – 1854)

Geboren in Ismannsdorf machte er eine Müllerlehre und arbeitete anschließend als Mühlbursche. Auf langen Wanderungen durch Deutschland lernte er schon früh englische Maschinen kennen. Zurück in Franken arbeitete er zunächst als Maschinenmeister in einer Schwabacher Tuchfabrik, anschließend als „Mühlenarzt“ in Nürnberg. 1822 eröffnete er in Nürnberg-Wöhrd eine Mechanikerwerkstatt, die rasch expandierte. Gemeinsam mit seinem Bruder kaufte er 1825 das Mühlenhammerwerk am Dutzendteich und baute es nach amerikanischem Vorbild um und es entstand die „Erste Bayerische Maschinenfabrik“ mit einer Dreherei, Schmiede, Schlosserei und Schreinerei. In dieser Fabrik wurde auch die erste deutsche Eisenbahn, der Adler, später zusammengesetzt. Bis zu seinem Tod 1854 arbeiteten 140 Menschen in den Späth’schen Werkshallen.

Grundlage für die Finanzierung der Unternehmung war einerseits die Zurückbehaltung von Gewinnen, also die Innenfinanzierung, andererseits natürlich Kredite. Banken spielten zu Lebzeiten Späths bei der Unternehmensfinanzierung faktisch keine Rolle. Private Kreditgeber waren der Finanzrat Manz, die Hopfenhandlung Lödel und die Familie Merkel. In wirtschaftlich mageren Zeiten stieß diese Art der Unternehmensfinanzierung an ihre Grenzen, zumal Späth auch erkannte, dass sein Betrieb langfristig nur durch die Einrichtung von Massenproduktion und starke Expansion überleben werde können. Zwei Kreditgesuche in der Höhe von 30 000 fl. im Jahr 1850 bzw. 40 000 fl. im Jahr 1853 an die bayerische Regierung wurden abgelehnt. Der Mangel an Kapital ließ die Firma in der Folge nur langsam wachsen, kam über rund 400 Arbeiter kaum hinaus und wurde von den Mitwerbern schließlich vom Markt gedrängt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Geld in vorkapitalistischen Gesellschaften und führt in die spezifischen Herausforderungen der bayerischen Industrialisierung ein, die im europäischen Vergleich als verspätet gilt.

2. Traditionelle Akteure und Institutionen der Geldwirtschaft in Bayern: Dieses Kapitel analysiert die Finanzstrukturen des alten Bayern, insbesondere die Rolle des Staates, des Adels, der privaten Bankhäuser, der Kirche und der jüdischen Familien.

3. Die neue Rolle des Staats als Standortverwalter: Es wird untersucht, wie sich der bayerische Staat von der bloßen Herrschaft zum Administrator wandelte, um durch Infrastrukturmaßnahmen und rechtliche Reformen die Industrialisierung zu fördern.

4. Neue Eliten in der Phase der Frühindustrialisierung: Hier wird der Aufstieg eines neuen Wirtschaftsbürgertums betrachtet, wobei am Beispiel bedeutender Unternehmer wie Späth, Klett und Zeltner deren Finanzierungswege und gesellschaftlicher Aufstieg aufgezeigt werden.

5. Neue Eliten brauchten neue Kapitalmärkte - Entstehung neuer Institutionen: Dieses Kapitel behandelt den notwendigen Aufbau moderner Finanzinstitutionen wie Aktiengesellschaften, Sparkassen und Hypothekenbanken, um den Kapitalhunger der aufstrebenden Industrie zu stillen.

6. Fazit: Das Fazit fasst den Strukturwandel des Kapitalmarkts zusammen und betont das Spannungsfeld zwischen konservativem Widerstand und den notwendigen liberalen Reformen für die wirtschaftliche Entwicklung Bayerns.

Schlüsselwörter

Bayern, Kapitalmarkt, Industrialisierung, Frühindustrialisierung, Wirtschaftsgeschichte, Bankwesen, Aktiengesellschaften, Sparkassen, Kapitalmobilisierung, Finanzierung, Wirtschaftsbürgertum, Staatliche Standortpolitik, Montgelas, Maschinenbau, Investitionen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entwicklung und Transformation des bayerischen Kapitalmarkts zwischen 1789 und 1868, einer entscheidenden Phase des wirtschaftlichen Umbruchs.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen den Wandel von feudalen zu modernen Wirtschaftsstrukturen, die Rolle staatlicher Politik, die Finanzierungsmodelle frühindustrieller Unternehmen sowie den Aufstieg neuer ökonomischer Eliten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Akteure, Institutionen und die zugrunde liegenden Mechanismen der Kapitalbereitstellung in einer Zeit zu identifizieren, in der Bayern den Anschluss an das industrielle Zeitalter suchte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen und wirtschaftshistorischer Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung traditioneller Akteure, der neuen Rolle des Staates, der Entstehung neuer unternehmerischer Eliten und der Etablierung moderner Finanzinstitutionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Kapitalmarkt, Industrialisierung, Bayern, Wirtschaftsbürgertum und Finanzinstitutionen.

Warum war der Kapitalmangel für frühe Industrielle so gravierend?

Das Kapital war zwar vorhanden, jedoch in traditionellen „Horten“ (Klöster, Grundherren) gebunden und aufgrund mangelnder Markttransparenz und fehlender Vernetzung nicht für industrielle Investitionen verfügbar.

Welche Rolle spielte die Konfession für den Erfolg der neuen Eliten?

Die Arbeit deutet an, dass die protestantische Ethik und die damit verbundene moralische Beurteilung von Kredit und wirtschaftlichem Handeln einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der traditionell skeptischen katholischen Sichtweise auf Schulden darstellen konnte.

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Details

Title
Der bayerische Kapitalmarkt 1789 - 1868
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Lehrstuhl für bayerische und fränkische Landesgeschichte)
Course
Eliten in Bayern von der Französischen Revolution bis zur Reichsgründung
Grade
1
Author
Christian Schroth (Author)
Publication Year
2009
Pages
26
Catalog Number
V141985
ISBN (eBook)
9783640496037
ISBN (Book)
9783640495962
Language
German
Tags
Industrialisierung Bayern Unternehmer Banken
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Schroth (Author), 2009, Der bayerische Kapitalmarkt 1789 - 1868, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141985
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