In einer Zeit, die durch eine Individualisierung und Enttraditionalisierung der klassischen Lebensmuster geprägt ist, wird biographisches Lernen zur Schlüsselqualifikation für ein gelingendes Leben. Die Institution Schule eröffnet neue Chancen, wird aber gleichzeitig oft selbst zum Grund für biographische Brüche. Im Zentrum der Betrachtung steht das Handlungsfeld des Religionsunterrichts: Thematisiert werden die religionsdidaktischen Aspekte des biographischen Lernens, die biographische Entwicklung und Rolle von Religionslehrern und -lehrerinnen sowie das Potential, das sich für Schülerinnen und Schüler durch das Lernen an der eigenen bzw. fremden Biographie eröffnet.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1 Orientierung
1.1 Warum Biographien?
1.2 Was ist eine Biographie?
1.2.1 Von der »Normalbiographie«…
1.2.2 … zur Lebensaufgabe
2 Schule und Biographie
3 Biographisches Lernen in religionsdidaktischer Perspektive: Herausforderung und Potential
3.1 Die (neue) Rolle des Religionsunterrichts
3.2 Das Prinzip des biographischen Lernens in der Religionsdidaktik
3.3 Lernen – aber woran?
3.3.1 Vorbild oder Modell?
3.3.2 Eigene oder fremde Biographie?
3.4 Die Rolle der ReligionslehrerInnen
3.4.1 Religiöse Sozialisation in Kindheit, Jugend und Studium
3.4.2 »Be a hero, be a teacher!« – Lehrkräfte als Vorbilder
4 Fazit: Chancen, Grenzen und Konsequenzen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potential des biographischen Lernens für den Religionsunterricht und analysiert, wie Schüler dabei unterstützt werden können, ihre eigene Lebensgeschichte als einen von Gott begleiteten Prozess zu verstehen.
- Bedeutung des Biographiebegriffs in einer enttraditionalisierten Gesellschaft
- Die Rolle der Schule als Ort biographischer Lernprozesse
- Differenzierung zwischen Vorbild- und Modelllernen in der Religionsdidaktik
- Religiöse Sozialisation und die Vorbildfunktion von Lehrkräften
Auszug aus dem Buch
Vorbild oder Modell?
Die Begriffe »Vorbild« und »Modell« werden in der Alltagssprache fast synonym verwendet. Um auf die unterschiedlichen lernpsychologischen und didaktischen Implikationen eingehen zu können, die sich aus deren Verständnis ableiten, ist deshalb eine kurze Unterscheidung notwendig:
»Vorbilder« sind Personen, »die wegen ihrer besonderen Eigenschaften oder moralischer Handlungen zum persönlichen Leitbild erwählt« werden und »zur Nachahmung und Identifikation« anregen. Das Spektrum an Vorbildern reicht dabei von Personen aus dem näheren Umfeld (Familienmitglieder, LehrerInnen, Priester, TrainerInnen etc.) bis hin zu berühmten Persönlichkeiten. Problematisch bei Letzteren ist, dass ihr Leben oft bis zur Unerreichbarkeit überhöht wird, was eine echte biographische Auseinandersetzung unmöglich macht.
Um sich gerade von dieser Unreflektiertheit zu distanzieren, wählt die Lernpsychologie den Terminus »Modell«. Hier ist es nicht das »Gesamtkonzept«, das zählt, sondern »ausgewählte Konflikt- und Entscheidungssituationen«, durch deren kritische Betrachtung die Lernenden Handlungsfähigkeit für vergleichbare Situationen im eigenen Leben erhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung erläutert die Entstehung der Arbeit und gliedert die Untersuchung in mediale, schulische und religionsdidaktische Perspektiven.
1 Orientierung: Dieses Kapitel thematisiert den aktuellen gesellschaftlichen Wandel vom kollektiven zum individuellen Biographieverständnis und die damit verbundene Herausforderung für das Individuum.
2 Schule und Biographie: Das Kapitel beleuchtet die Schule als ambivalenten Ort, der einerseits biographische Brüche verursachen, andererseits bei der Subjektwerdung unterstützen kann.
3 Biographisches Lernen in religionsdidaktischer Perspektive: Herausforderung und Potential: Hier wird die fachspezifische Relevanz des biographischen Lernens für den Religionsunterricht untersucht, inklusive der didaktischen Unterscheidung zwischen Vorbild und Modell.
4 Fazit: Chancen, Grenzen und Konsequenzen: Das Kapitel fasst die Möglichkeiten des biographischen Lernens zusammen und betont die Rolle der Lehrkraft als transparenter Glaubenszeuge.
Schlüsselwörter
Biographisches Lernen, Religionsdidaktik, Subjektwerdung, Vorbildlernen, Modelllernen, religiöse Sozialisation, Lebensgeschichte, Enttraditionalisierung, Identitätsbildung, Handlungsfähigkeit, Glaubensbiographie, Lebenswissen, Transitorisches Lernen, Lehrerrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie biographisches Lernen im Religionsunterricht eingesetzt werden kann, um Schülern bei der Orientierung in ihrem eigenen Lebenslauf zu helfen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der Wandel des Biographiebegriffs, die Rolle der Schule für die Identitätsbildung sowie die religionspädagogische Bedeutung von Vorbildern und Modellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, grundlegende Aspekte des biographischen Lernens auf ihr religionsdidaktisches Potential hin zu prüfen und konkrete Ansätze für die Unterrichtspraxis zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten religionsdidaktischen Theorieanalyse, ergänzt durch Bezüge zur Lernpsychologie und Sozialisationsforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Rolle des Religionsunterrichts in einer enttraditionalisierten Gesellschaft und der speziellen Funktion von Lehrkräften als Mittler im biographischen Lernprozess.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Biographisches Lernen, Subjektwerdung, Religionsdidaktik, Vorbild, Modell und religiöse Sozialisation.
Warum unterscheidet der Autor zwischen Vorbild und Modell?
Der Autor unterscheidet diese Begriffe, um eine unreflektierte Nachahmung von Heiligen oder Helden (Vorbild) von einer kritischen, situativen Auseinandersetzung mit Entscheidungssituationen (Modell) abzugrenzen.
Welche Bedeutung kommt dem Religionslehrer bei diesem Lernprozess zu?
Der Religionslehrer dient als Mittler, der durch sein eigenes transparentes Glaubenszeugnis den Schülern hilft, eigene Positionen in ambivalenter Weise zu finden.
- Quote paper
- Andreas Barthel (Author), 2009, Biographisches Lernen - Herausforderung und Chance für den Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142035