Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Psychology - Consulting and Therapy

Herausforderungen für die Mediation. Deformationen, Machtungleichheiten und Paarkonflikte

Title: Herausforderungen für die Mediation. Deformationen, Machtungleichheiten und Paarkonflikte

Term Paper (Advanced seminar) , 2022 , 21 Pages , Grade: 95,00

Autor:in: Anna Grinberg (Author)

Psychology - Consulting and Therapy
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Diese Arbeit behandelt die typischen Herausforderungen der Mediation: durch den Konflikt verursachte seelische Effekte ("Deformationen"), Umgang mit Machtungleichgewicht sowie Mediation bei Paarkonflikten mit Gewalthintergrund.

Konflikte bedeuten grundsätzlich eine Stresssituation für die Kontrahenten, sie stellen eine besonders unverlässliche Umgebung für diese dar. Um sich in einer solchen Situation abzusichern und zu stabilisieren, reduzieren Konfliktbeteiligte unbewusst sowohl ihr eigenes Selbst als auch das der Gegenpartei in vielfacher Weise. Dabei legen sie eine Rigidität im Sinne von einer Kohärenz an den Tag, d.h. die Kontrahenten versteifen sich auf jeweils eine einzige Version hinsichtlich ihrer Handlungen, Absichten, Werte. Solche durch Reduktion und Rigidität bestimmte Deformationen der seelischen Funktionen können als überwältigend empfunden werden und sehr destruktiv sein. Ballreich und Glasl unterscheiden Deformationen auf folgenden vier Ebenen: Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Wollen.

Die Konfliktparteien können Menschen und Ereignisse in ihrer Umwelt nicht mehr so klar wahrnehmen, wie vor der Konfliktsituation. Vielmehr wird ihre Wahrnehmung selektiv und gleicht einer Art Tunnelblick, wobei eine Reduktion der Aufmerksamkeit auf das „Wesentliche“ unter Ausblendung der anderen, als zu komplex empfundenen Umweltreize erfolgt. Dabei wird das, was subjektiv als wesentlich gesehen wird, in der Stresssituation des Konflikts weitestgehend vom Gefühl der Unsicherheit und des Bedroht-Seins bestimmt. Als Folge blenden die Streitenden alles Positive und Hilfreiche in der Gegenpartei aus, und suchen ihre Umwelt nach potenziellen Gefahrenquellen ab.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Konflike

Deformationen des Wahrnehmens

Deformationen des Denkens

Deformationen des Fühlens

Deformationen des Wollens

Machtungleichheiten

Beachtung von Machtungleichgewichten vor Beginn einer Mediation

Prüfung der Falleignung

Methoden zur Diagnose von Machtgefällen

Methoden zur Beeinflussung von Machtgefällen

Strukturierung des Verfahrens

Kontrolle der Kommunikation

Kontrolle des Settings

Festlegung von Terminen und Fristen

Kontrolle des Informationsflusses

Entscheidung über die Teilnahme von Außenstehenden

Beteiligung von Experten

Einsatz institutioneller oder legitimer Macht

Anknüpfen an typische Verhaltensmuster

Einsatz von Zweifeln

Freundschaft mit der Mediatorin

Drohung

Identifikation mit der Person, die angegriffen wird

Ein Thema „verbieten“

Kontrolle der Kommunikation

Paarkonflikte und Beziehungsgewalt

Besondere Verfahrensanforderungen

Besondere Anforderungen an die Mediatorin

Falleignung

Personeneignung der Mediandinnen

Persönliche Eignung als Mediatorin

Zielsetzung & Themen

Das Ziel der Arbeit ist es, den Umgang mit Machtungleichgewichten sowie die besonderen Herausforderungen durch Beziehungsgewalt im Mediationsprozess zu analysieren und Kriterien für die Falleignung sowie die professionelle Haltung der Mediatorin zu definieren.

  • Psychologische Mechanismen von Konflikten und Deformationen
  • Analyse und Diagnose von Machtungleichgewichten
  • Methoden zur Einflussnahme und Strukturierung des Mediationsverfahrens
  • Spezifische Anforderungen bei Fällen von Beziehungsgewalt
  • Abgrenzung zwischen professioneller Neutralität und ethischer Vertretbarkeit

Auszug aus dem Buch

Deformationen des Wahrnehmens

Die Konfliktparteien können Menschen und Ereignisse in ihrer Umwelt nicht mehr so klar wahrnehmen, wie vor der Konfliktsituation. Vielmehr wird ihre Wahrnehmung selektiv und gleicht einer Art Tunnelblick, wobei eine Reduktion der Aufmerksamkeit auf das „Wesentliche“ unter Ausblendung der anderen, als zu komplex empfundenen Umweltreize erfolgt. Dabei wird das, was subjektiv als wesentlich gesehen wird, in der Stresssituation des Konflikts weitestgehend vom Gefühl der Unsicherheit und des Bedroht-Sein bestimmt. Als Folge blenden die Streitenden alles Positive und Hilfreiche in der Gegenpartei aus, und suchen ihre Umwelt nach potenziellen Gefahrenquellen ab. Sich selbst nehmen die Konfliktparteien indes auch vereinfacht und einseitig wahr, aber von der positiven Seite. Somit wird die Raumperspektive der Parteien im Konflikt stressbedingt reduziert: sie werden einerseits auf dem positiven Auge ihrem Kontrahenten gegenüber zunehmend blind, und richten andererseits ihr Augenmerk wachsam und konzentriert auf ihre Umwelt, um gegen etwaige Angriffe gewappnet zu sein.

Gleichzeitig verengt sich auch die Zeitperspektive im Konflikt insofern, als die Parteien die langfristigen Folgen ihres Handelns nicht mehr abschätzen und sich lediglich auf kurzfristige Auswirkungen konzentrieren können: eine „kognitive Kurzsichtigkeit“ kommt zu dem Tunnelblick hinzu. Ebenso werden die Informationen und Ereignisse nur reduziert aufgenommen und verarbeitet. Die Gegenseite wird im Konflikt zunehmend nicht nur verzerrt gesehen, sondern auch schlecht gehört – jede Konfliktpartei konzentriert sich immer mehr auf ihre eigenen Themen. Als Ergebnis derartiger Wahrnehmungsdeformationen entsteht ein extrem vereinfachtes und polarisierendes Bild von einem ausschließlich positiven rechthabenden Selbst und dem in jeder Hinsicht negativen Gegner.

Zusammenfassung der Kapitel

Konflike: Beschreibt die psychischen Stressreaktionen und Deformationen der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens und Wollens bei Konfliktbeteiligten.

Machtungleichheiten: Analysiert verschiedene Arten von Macht in der Mediation sowie diagnostische Methoden und Interventionsmöglichkeiten zur Herstellung eines Gleichgewichts.

Paarkonflikte und Beziehungsgewalt: Erörtert die ethischen und praktischen Herausforderungen, Mediation bei bestehender Gewalt durchzuführen, und definiert spezifische Voraussetzungen für Verfahren und Mediatiorinnen.

Schlüsselwörter

Mediation, Machtungleichgewicht, Beziehungsgewalt, Konfliktdiagnose, Allparteilichkeit, Neutralität, Verhandlungsführung, Mediationsverfahren, Intervision, Supervision, Empowerment, Selbstverantwortung, Eskalationsprozesse, Psychologische Deformierung, Gewaltthematik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem schwierigen Umgang mit Machtungleichgewichten in Mediationsverfahren, insbesondere unter dem Aspekt der Gewalt in Paarbeziehungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Felder sind die psychologische Deformation während Konflikten, Diagnostik von Machtverhältnissen, Interventionsmethoden für Mediatoren sowie die ethische Prüfung der Falleignung bei Gewalt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Mediatorinnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um Machtgefälle professionell zu adressieren und bei Beziehungsgewalt fundierte Entscheidungen über die Fortführung oder den Abbruch eines Mediationsverfahrens zu treffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Fundierung und praxisorientierte Analyse, die auf fachlicher Literatur sowie Skripten zur Mediation basiert und diese in den Kontext der Praxis überträgt.

Worum geht es im Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse seelischer Deformationen, Methoden der Machtbeeinflussung (Strukturierung, Kommunikation, Setting) und die spezifischen Anforderungen bei Fällen von Beziehungsgewalt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Mediation, Machtungleichgewicht, Beziehungsgewalt, Allparteilichkeit, Konfliktdiagnose und professionelle Eignung.

Warum ist das "Tanz auf dem Mienenfeld"-Bild für die Autorin so zentral?

Es versinnbildlicht die notwendige Flexibilität, Struktur und Vorsicht, die bei einer Mediation in einem gewalttätigen Umfeld erforderlich sind, um die Sicherheit der Beteiligten zu gewährleisten.

Welche Rolle spielt die Selbstreflexion bei der Arbeit?

Die Autorin betont, dass die persönliche Eignung und die Selbstwahrnehmung der Mediatorin entscheidend sind, um bei emotional belastenden Themen neutral zu bleiben und gegebenenfalls den Fall abzugeben.

Wann ist ein Abbruch der Mediation zwingend erforderlich?

Ein Abbruch wird empfohlen, wenn Machtungleichgewichte nicht mehr ausbalancierbar sind, die Freiwilligkeit des Gewaltopfers nicht gegeben ist oder die Sicherheit bzw. der neutrale Status der Mediatorin gefährdet ist.

Excerpt out of 21 pages  - scroll top

Details

Title
Herausforderungen für die Mediation. Deformationen, Machtungleichheiten und Paarkonflikte
College
University of Hagen  (Mediation)
Course
Modulabschlussarbeit
Grade
95,00
Author
Anna Grinberg (Author)
Publication Year
2022
Pages
21
Catalog Number
V1420389
ISBN (PDF)
9783346977274
ISBN (Book)
9783346977281
Language
German
Tags
Mediation Deformationen Machtungleichgewicht Paarmediation Gewalthintergrund Umgang mit Machtungleichgewicht seelische Effekte von Konflikten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna Grinberg (Author), 2022, Herausforderungen für die Mediation. Deformationen, Machtungleichheiten und Paarkonflikte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1420389
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  21  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint