Die Frankfurter Buchmesse – Krabbelgruppe der Buchindustrie?

Eine Betrachtung der Buchindustrie und deren internationales Aushängeschild aus netzwerktheoretischer Perspektive


Seminararbeit, 2009

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Buchindustrie
2.1 Ein Überblick
2.2 Die herausragende Rolle des Herausgebers im editorial process.

3. Die Frankfurter Buchmesse - internationales Aushängeschild der Buch- industrie
3.1 Kurzbeschreibung
3.2 Informationsaustausch
3.3 Rechte- und Lizenzhandel

4. Analogienbildung zwischen der Frankfurter Buchmesse einer Krabbel- gruppe

5. Kritische Betrachtung

6. Fazit

Anhang

Literatur

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Publishing is a crazy business.“1 - Vor diesem Hintergrund sollte es nicht ver- wunderlich sein, dass neben der Buchindustrie an sich auch ihr internationales Aushängeschild, die Frankfurter Buchmesse, von Paradoxien und Phänomenen geprägt ist. Dennoch stellt sich die Frage, wieso ein solch enormer Ressour- cenaufwand für diese kurzzeitige physische Präsenz unternommen wird, ob- wohl zunehmend digitale Produkte dargeboten werden. Und warum folgt die Vergabe von Rechten und Lizenzen auf diesem Marktplatz der Extraklasse scheinbar Mustern, die so gar nicht marktwirtschaftlich geprägt sind?

Im Folgenden soll zunächst ein Überblick über die Buchindustrie sowie über den editorial process und der Rolle des Herausgebers darin, gegeben werden- Auf Basis dessen wird die Frankfurter Buchmesse unter netzwerktheoretischer Perspektive analysiert und der Versuch unternommen, eine Analogie mit einer Krabbelgruppe zu bilden. Im Anschluss sollen die Grenzen dieses zugegebe- nermaßen überspitzten Vergleichs aufgezeigt, sowie das bis dahin dargestellte Bild des Netzwerkes rund um die Frankfurter Buchmesse und der Buchindustrie kritisch hinterfragt werden.

2. Die Buchindustrie

2.1 Ein Überblick

Etwa 250.000 Neuveröffentlichungen im Jahr 2008 allein in den USA2 lassen die Größe und Komplexität des für den Außenstehenden im Hintergrund ablau- fenden Räderwerks der Buchindustrie erahnen. Dazu gehören insbesondere Autoren, Verlagshäuser und ihre Herausgeber, aber auch Illustratoren, Über- setzer, Drucker und Buchhändler, um nur einige Beteiligte zu nennen. Die Buchindustrie ist gemäß Coser, Kadushin und Powell (1982) weitestgehend durch informelle Netzwerkbeziehungen geprägt. Obwohl diese Beschreibung bereits einige Zeit zurückliegt, scheinen diese grundsätzlichen Strukturen auch heute noch Bestand zu haben. Dies belegen neuere Untersuchungen, wie etwa das Werk „The culture and commerce of publishing in the 21st century“ (2007) von Greco, Rodriguez und Wharton. So ist die Buchindustrie zwar ständigem Wandel unterworfen, generelle Strukturen wie die reziproke Ressourcenabhän- gigkeit der verschiedenen Parteien3, sowie die die Industrie prägenden Empfeh- lungs- und letztendlich Angebotsstrukturen besitzen jedoch weiterhin Aktualität.

Eine Betrachtung der Buchindustrie als eine einzige Einheit scheint dagegen der Realität nicht gerecht zu werden. Vielmehr hat sich im Laufe der Zeit eine Dezentralisierung und Fragmentierung der Gesamtindustrie herauskristallisiert:

„Book publishing as an industry is [mainly characterized by] its internal diversity and segregation into a number of distinct, separate worlds, marked by important cultural and organizational differences. […] Each sector of the book industry operates within a distinctive institutional environment, with dissimilar amounts of risk and uncertainty.”4

Zusammenhängend mit diesen Unterschieden konnten zudem signifikante Abweichungen im Bezug auf Rentabilität und Wettbewerbsintensität, aber auch auf Veröffentlichungschancen und nicht zuletzt die Bedeutung und Dichte von sektoralen (Sub-) Netzwerken festgestellt werden5. Als die von Powell genann- ten Sektoren lassen sich dabei im Wesentlichen das Verlagswesen für fiktiona- le Literatur, für Sachbücher und das akademische Verlagswesen nennen.

2.2 Die herausragende Rolle des Herausgebers im editorial process

Die beschriebenen sektoralen Unterschiede prägen in hohem Maße die meist spezialisierten Verlaghäuser und deren editorial process: derjenige Ablauf, der die einzelnen Schritte vom Schreiben, über die Akquise von Manuskripten und dem Editieren, bis hin zur Produktion, der Distribution und gegebenenfalls dem Bewerben der Publikation umfasst.6 Dieser Kernprozess wird außerdem von verlagsindividuellen Faktoren wie die Unternehmensform, Größe und geographische Lage, sowie die jeweilige Tradition des Hauses und ideosynkratisch herausgebildeten Mustern bestimmt.

Unabhängig von der jeweiligen konkreten Ausgestaltung editorial processes, kommt dem Herausgeber dabei gleich auch zweierlei Ebenen eine herausragende Rolle zu. Und dies, obwohl er formal keineswegs an der Spitze der Hierarchie zu finden ist. Zum einen wird ihm durch seine implizite Funktion als Beobachter von Trends im entsprechenden Sektor und im Rahmen des Abgleichs des Manuskriptsangebots mit der Identität des Verlags die Verantwortung eines boundary spanners zu Teil.7

Zum anderen werden die von ihm als relevant erachteten Manuskripte in das organisationale Umfeld des Verlags aufgenommen - sie werden laut Weick (1990) enacted - und durchlaufen im Normalfall die weiteren Schritte des edito- rial processes. Folglich wird die Umwelt vom Herausgeber nicht nur beobachtet und beurteilt, sondern durch ihn auch aktiv mitgestaltet, da er Grenzen zu ver- schieben bzw. das Einströmen von Manuskripten zu kontrollieren vermag. Diese zweite Schlüsselrolle, diejenige eines gatekeepers, äußert sich selbst dann, wenn ein Manuskript wider Erwarten von einem Vorgesetzten abgelehnt wird, denn der Herausgeber bestimmt, über was im weiteren Verlauf überhaupt bestimmt werden kann.8

Prinzipiell gibt es drei verschiedene Wege der Manuskriptakquise. Mit einer Veröffentlichungswahrscheinlichkeit von bis zu 180.000:1 sind dabei initiativen Einsendungen nahezu aussichtlose Chancen zuzuschreiben.9 Bestand jedoch bereits Kontakt zwischen dem Autor und dem Verlag oder wurde das Manu- skript dem Herausgeber persönlich zugetragen oder empfohlen, zeigt sich der gatekeeper am im wahrsten Sinne des Wortes weitaus aufgeschlossener.

[...]


1 Powell (1985), S.75.

2 Vgl. Greco/Rodriguez/Wharton (2007), S. 49.

3 Vgl. Powell (1985), S. 224.

4 Ebd., S. XX.

5 Vgl. Coser/Kadushin/Powell (1982), S. 78 ff.

6 Vgl. Coser/Kadushin/Powell (1982), S. 72f.

7 Vgl. Powell (1985), S. 126; Littmann & Jansen (2000), S. 126 f.

8 Vgl. Powell (1985), S. 78.

9 Vgl. Anand/Barnett/Carpenter (2004); in: Greco/Rodriguez/Wharton (2007), S.190.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Frankfurter Buchmesse – Krabbelgruppe der Buchindustrie?
Untertitel
Eine Betrachtung der Buchindustrie und deren internationales Aushängeschild aus netzwerktheoretischer Perspektive
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V142074
ISBN (eBook)
9783640498659
ISBN (Buch)
9783640498475
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Netzwerk, Netzwerktheorie, Buchhandel, Frankfurter Buchmesse
Arbeit zitieren
Isabella Aberle (Autor), 2009, Die Frankfurter Buchmesse – Krabbelgruppe der Buchindustrie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142074

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