Impression Management (IM) befasst sich mit der bewussten Manipulation des Eindrucks, den Personen ihren Interaktionspartnern von sich vermitteln. In der
vorliegenden Arbeit werden zunächst die Grundthesen beschrieben, die zur Entwicklung der IM-Theorie geführt haben und daran anschließend, die in Einstellungsinterviews genutzten IM-Taktiken erläutert. Die Forschungsinhalte, - ergebnisse und Betrachtungsebenen einzelner Studien zu IM in
Einstellungsinterviews werden anhand eines integrativen Strukturmodells dargestellt, diskutiert und gegenübergestellt. Dabei wurden eine Reihe möglicher situationaler und interindividueller Faktoren identifiziert, die sich in unterschiedlicher Weise auf die Intervierwerbeurteilung auswirken können. Beim Vergleich der verschiedenen Studien zeigen sich daher, neben konvergenten, auch einige
diskrepante Ergebnisse, welche möglicherweise auf die unterschiedlichen Operationalisierungen, Betrachtungsebenen und Definitionen von IM in Einstellungsinterviewsituationen zurückzuführen sind.
Inhaltsverzeichnis
Impression Management in Einstellungsinterviews
1 Die Impression Management Theorie
2 Die Impression Management Taktiken
3 Impression Management in Einstellungsinterviews
3.1 Das Einstellungsinterview
3.2 Diskursanalyse zu IM in Interviews
3.2.1 Personenvariablen des Bewerbers
3.2.2 Direkte und indirekte Instruktionen zur Nutzung von IM-Taktiken
3.2.3 Einfluss von Interviewformaten auf IM-Taktiken
3.2.4 Genutzte IM-Taktiken
3.2.5 Einfluss auf die Wahrnehmung des Interviewers
3.2.6 Einfluss auf die reale Arbeitsleistung und den Berufserfolg
4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit hat zum Ziel, einen systematischen Überblick über die Erforschung des Impression Managements (IM) in Einstellungsinterviews zu geben, die verschiedenen IM-Taktiken zu erläutern und deren Einfluss auf die Interviewerbeurteilung sowie den Berufserfolg anhand eines integrativen Strukturmodells kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen und theoretische Fundierung der Impression Management Theorie
- Taxonomie und Anwendung verbaler sowie non-verbaler IM-Taktiken im Auswahlprozess
- Einfluss individueller Personenvariablen und situativer Kontextfaktoren auf den IM-Gebrauch
- Wirkungsmechanismen von IM-Taktiken auf die wahrgenommene Kompetenz und Attraktivität
- Verhältnis zwischen IM, Arbeitsleistung und längerfristigem beruflichen Erfolg
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Personenvariablen des Bewerbers
Welche IM-Taktiken in einer bestimmten Situation genutzt werden, hängt von unterschiedlichen Kontextfaktoren und individuellen Differenzen ab (Higgins et al., 2003). Dabei sind bzgl. der Kontextfaktoren insbesondere die unterschiedlichen Interviewformate zu nennen. Daneben unterscheiden sich verschiedene Studien darin, wodrauf sie die individuellen Differenzen im Gebrauch verschiedener IM-Taktiken in einer bestimmten Situation zurückführen (Peeters & Lievens, 2006). Auch über die Frage wie IM intrapsychisch zu erklären ist, scheint heute wie damals noch keine wirkliche Einigkeit zu herrschen (vgl. Tetlock & Manstead, 1985).
Nach Higgins und Judge (2004) handelt es sich bei der Personenvariable “Selbstkontrolle“ zwar um ein viel diskutiertes aber wenig erforschtes Konstrukt, das jedoch für die Erklärung individueller Unterschiede im Ausdruck von IM-Taktiken entscheidend ist. Dabei sollen Individuen mit einer hohen Selbstkontrolle, dazu in der Lage sein, die Umgebung nach relevanten cues (Abbildung 1; Nr. 4) abzusuchen, die auf das gewünschte Verhalten hindeuten, um als Folge davon in einer bestimmten Situation das erfolgsversprechendste Verhalten zu zeigen (Ferris, Fedor & King, 1994). In diesem Zusammenhang konnte gezeigt werden, dass Selbstkontrolle ein signifikanter Prädiktor für ingratiation und self-promotion ist, deren Einsatz wiederum eine positivere Interviewerbewertung zur Folge haben (Higgins & Judge, 2004; Peeters & Lievens, 2006; Turnley & Bolino, 2001) und zu einer höheren Kompetenzbewertung führen (Levine & Feldman, 2002). Demgegenüber zeigten frühere Studien, dass Selbstkontrolle nur moderat mit der Interviewerbeurteilung korreliert ist (Anderson, Silvester, Cunningham-Snell & Haddleton, 1999).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Impression Management Theorie: Das Kapitel erläutert die Grundlagen des Impression Managements, indem es den theoretischen Bezug zum symbolischen Interaktionismus herstellt und Goffmans Konzept des „Theater-Spiels“ als Ausgangspunkt für die bewusste Steuerung sozialer Eindrücke beschreibt.
2 Die Impression Management Taktiken: Dieses Kapitel differenziert zwischen assertiven und defensiven Taktiken und führt eine Taxonomie für verbale IM-Taktiken in Einstellungsinterviews ein, während es gleichzeitig die Herausforderungen bei der Definition non-verbaler Verhaltensweisen thematisiert.
3 Impression Management in Einstellungsinterviews: Das Hauptkapitel untersucht die Einbettung von IM in verschiedene Interviewformate (z.B. BDI, SI) und analysiert systematisch, wie Personenvariablen, Instruktionen und spezifische Taktiken die Wahrnehmung des Interviewers und damit verbundene Einstellungsentscheidungen beeinflussen.
4 Resümee: Das Resümee fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen, identifiziert Forschungsdefizite – insbesondere den Mangel an Feldstudien – und gibt einen Ausblick auf notwendige zukünftige methodische Weiterentwicklungen in diesem Bereich.
Schlüsselwörter
Impression Management, Einstellungsinterview, Personalauswahl, Self-promotion, Ingratiation, Interviewerbeurteilung, Attributionstheorie, Selbstkontrolle, Personenvariablen, Interviewformate, Berufserfolg, Arbeitsleistung, soziale Interaktion, Bewerberverhalten, Validität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss von Impression Management – der bewussten Manipulation des eigenen Eindrucks – durch Bewerber im Kontext von Einstellungsinterviews.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen des IM, die Kategorisierung von IM-Taktiken, der Einfluss von Interviewstrukturen und die Wirkung dieser Taktiken auf die Bewertung durch Interviewer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über den Stand der Forschung zu IM in Bewerbungsgesprächen zu geben und durch ein integratives Strukturmodell die Zusammenhänge zwischen Bewerberverhalten und Auswahlentscheidung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturarbeit (Diskursanalyse), bei der bestehende Studien zu IM in Einstellungsinterviews zusammengetragen, gegenübergestellt und in einem Modell strukturiert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der verschiedenen Interviewformate, den Einfluss von Personenvariablen wie Selbstkontrolle, den Einsatz verbaler und non-verbaler Taktiken sowie deren Wirkung auf die Wahrnehmung und den beruflichen Erfolg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Begriffe sind Impression Management, Self-promotion, Ingratiation, Personalauswahl, Interviewvalidität und Attributionstheorie.
Wie wirkt sich Selbstkontrolle auf das Bewerberverhalten aus?
Personen mit hoher Selbstkontrolle können laut Arbeit situative Hinweise besser deuten und gezielter assertive Taktiken wie Self-promotion einsetzen, was häufig zu einer positiveren Bewertung führt.
Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Anwendung von IM-Taktiken?
Ja, laut der zitierten Literatur tendieren Männer eher zu dominanten, assertiven Taktiken, während Frauen häufiger zu defensiven oder anderen, rollenkonformen Taktiken greifen.
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- Bachelor of Science Said Giancoli (Author), 2009, Impression Management in Einstellungsinterviews, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142087