Unterrichtsstunde: Friedenssicherung am Beispiel Afghanistan


Unterrichtsentwurf, 2009

11 Seiten


Leseprobe

1. Die Lerngruppe

Ich hospitiere seit Anfang Mai in dieser Lerngruppe. Die Lerngruppe umfasst 9 Schüler und 11 Schülerinnen[1]. Unter der pädagogischen Anleitung von Herrn Nitsche übernehme ich Unterrichtsstunden, die wir anschließend gemeinsam reflektieren. Ich unterrichte gerne in dieser Lerngruppe, dabei bin ich mir bewusst, dass ich von der Leitung des Fachlehrers profitiere. In der Klasse herrscht eine positive Lernatmosphäre, die durch die ruhige Arbeitsweise der Schüler unterstützt wird. Einige der Schüler arbeiten sehr gut mit, wobei sich die Jungen merklich stärker für politische Themen interessieren als die Mehrheit der Mädchen. Einige Schüler der Klasse beteiligen sich zwar regelmäßig am Unterrichtsgespräch, dennoch wird der Unterricht oft von drei bis vier Schülern geprägt, die aktiv sind und gute Beiträge leisten. Da die Beteiligung am Unterricht nicht immer von den gleichen Schülern zu bestreiten ist, müssen die stilleren zur Mitarbeit ermuntert und aufgerufen werden.

Die Schüler haben in Begleitung von Herrn Nitsche und Herrn Schröder[2] in der vorletzten Woche an einem Polis-Projekt der Bundeswehr teilgenommen. Dies scheint mir nennenswert zu sein, da sie dadurch für die Probleme und die Interessen eines Landes sensibilisiert wurden.

friedenspflicht
wir
müssen unseren Kindern
den frieden erklären
damit sie
nie anderen
den krieg erklären

[Volker Erhardt]

2. Didaktische Überlegungen

Die geplante Unterrichtseinheit Friedenssicherung am Beispiel von Afghanistan ist Bestandteil des im Lehrplan als verbindlich genannten Themas „ Internationale Zusammenarbeit und Friedenssicherung[3]. Laut Lehrplan sollen die Schüler „ Möglichkeiten und Schwierigkeiten erkennen und einschätzen lernen, nationale und internationale Konflikte durch internationale Zusammenarbeit und zwischenstaatliche Organisationen zu verhindern bzw. zu bewältigen.“ Ich habe mich nicht nur aus persönlichen Gründen für das Thema Afghanistan entschieden.[4] Mich faszinieren am Beispiel Afghanistan immer wieder die Auswirkungen des Wandels ausländischer Interessen.[5]

In den vorhergehenden Stunden wurden die Elemente eines umfassenden Friedensverständnisses erarbeitet und zwischen positiven und negativen Frieden unterschieden. Die Schüler haben die politischen Hintergründe für die langanhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen anhand eines von mir erstellten Textes erarbeitet.

Im Falle von Afghanistan handelt es sich nicht um einen Krieg, sondern um viele verschiedene kriegerische Auseinandersetzungen. Die politischen Hintergründe für diese Auseinandersetzungen haben sich zudem im Laufe der Zeit gewandelt:

Der Einmarsch der Sowjetunion fand im Dezember 1979 statt. Während der Besatzungszeit kamen ca. 1,5 Millionen Menschen ums Leben und viele sind geflohen.[6]

Michael Pohly spricht von dem letzten Stellvertreterkrieg der Großmächte.[7] Die USA hatten schon sechs Monate vor dem Einmarsch der Sowjetunion angefangen die Modjaheddin (Widerstandskämpfer) militärisch aufzurüsten. Amerika wollte die anti-kommunisitische Haltung der Modjaheddin unterstützen. Es war der Regierung gleichgültig, wen sie damit stärkten. (Nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.) Dass sie sich mit dieser Einmischung auch selbst Schaden zufügen könnten, hatten sie nicht bedacht.

Ein weiterer Faktor für die instabile Lage des Landes waren die Interessen der regionalen Mächte: Pakistan, Indien, Iran, Usbekistan, Tadschikistan, Russland und Saudi-Arabien. Diese unterstützten jeweils diejenigen Widerstandsgruppierungen von denen sie sich am meisten versprachen.[8]

Nach Abzug der Russen 1989 verschwand das Thema Afghanistan aus dem Blickfeld der Medien bzw. der Öffentlichkeit. Das Morden und die Zerstörung gingen jedoch unter den verschiedenen Modjaheddingruppen weiter. 1993 versuchten die USA noch, die verschiedenen Modjaheddingruppen zu einer friedlichen Zusammenarbeit zu bewegen, denn Unocal, ein amerikanisch-saudisches Energiekonsortium, wollte eine Ölpipeline durch Afghanistan legen. Die Modjaheddingruppen verloren zunehmend ihre Unterstützung durch das Ausland, da die Taliban als Alternative auf den Plan traten (1994). Im anschließenden Unterricht wurde die Herkunft der Taliban sowie deren Extrempositionen und Vorstoß in Afghanistan erarbeitet. Die USA unterstützten einige Zeit dieses Regime, weil sie hofften, durch eine Befriedung des Landes, die Pipeline verlegen zu können.[9] Bis zum Jahr 2000 unterlagen 95% des Landes den Taliban. Das Leid der Zivilbevölkerung nahm kein Ende. Viele versuchten zu fliehen, die Selbstmordrate unter den Frauen stieg stark an.[10] Nach den Anschlägen in Kenia und Tansania auf US-amerikanische Einrichtungen wurden die Pipelineprojekte von Unocal „auf Eis gelegt“.[11] Dennoch wurde am 17.7.2001 den Taliban in Berlin ein erstaunliches Angebot gemacht: Ihnen sollte die internationale Anerkennung ihres Regimes in Aussicht gestellt werden, wenn sie bereit wären, Osama Bin Laden auszuliefern. Da die Taliban dieser Aufforderung nicht nachkamen, wurde Afghanistan als wichtiger „Terroristensumpf“[12] eingestuft. Nach dem Attentat vom 11. September 2001 auf das WTC blickte die ganze Welt gespannt nach Afghanistan. Die Bombardierung sollte zwar nicht den Afghanen selbst gelten, doch zivile Opfer wurden für die amerikanischen Vergeltungsschläge in Kauf genommen.

[...]


[1] Im Folgenden wird, aufgrund der besseren Lesbarkeit, der Begriff „ Schüler “ von mir geschlechtsunabhängig für alle zu Unterrichtenden der Klasse verwendet.

[2] Die Klassen G 10 B und G 10 D. Mir war es, zu meinem großen Bedauern, aus familiären Gründen leider nicht möglich, daran teilzunehmen.

[3] Hessisches Kultusministerium: Lehrplan Sozialkunde. Gymnasialer Bildungsgang, Wiesbaden 2002, S.21.

[4] Da ich mit einem Deutschen afghanischer Herkunft verheiratet bin, spielt natürlich die eigene Betroffenheit schon eine Rolle.

[5] Siehe Thema der Unterrichtseinheit

[6] laut offiziellen Angaben kamen 15051 sowjetische Soldaten ums Leben. Schrepfer-Proskurjakov, Alexander: Bilanz nach zehn Jahren Krieg, http://www.ifdt.de/0501/Artikel/sp.htm Es starben ca. 1,5 Mio Afghanen, in: http://www.politikforum.de/forum/archive/8/2003/06/1/31574

[7] Näheres hierzu siehe: Pohly, Michael: Nach den Taliban, a.a.O.

[8] Näheres hierzu siehe Halbach, Uwe: a.a.O.

[9] vgl. Baraki, Matin: Die Talibanisierung Afghanistans, a.a.O.

[10] ebda

[11] ebda

[12] ebda

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde: Friedenssicherung am Beispiel Afghanistan
Hochschule
Studienseminar für Gymnasien in Kassel
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V142135
ISBN (eBook)
9783640534807
ISBN (Buch)
9783640534647
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsstunde, Friedenssicherung, Beispiel, Afghanistan
Arbeit zitieren
Mathias Töpfer (Autor:in), 2009, Unterrichtsstunde: Friedenssicherung am Beispiel Afghanistan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142135

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