Die Bachelorarbeit befasst sich mit unterrichtsinternen Modifikationen, die Lehrpersonen einsetzen können, um (hoch)begabten Schülern präventiv, als auch interventiv entgegenzukommen. Der Fokus liegt auf den intrapersonalen und interpersonellen Faktoren, die zur Entwicklung von Minderleistungen bei (hoch)begabten Under-Achievern beitragen.
Trotz der seit Jahrzehnten den schulischen Leistungsschwächen (Minderleistungen) hochbegabter Schüler gewidmeten Beachtung, mangelt es noch immer an Bewusstsein, Fürsorge, sowie systematischen Vorkehrungen für hochbegabte Underachiever.
In Deutschland werden die Ursprünge des Unterachievements Hochbegabter grundsätzlich in der Person angenommen, sodass sich danach der Forschungsfokus richtet, In englischsprachigen Ländern hingegen, wird das Minderleistungsverhalten in einem bildungspolitischen Kontext diskutiert und nach Ursachen vor allem im schulischen System gesucht. Schulische, sowie außerschulische Variablen wurden hinsichtlich ihres Einflusses auf das Minderleistungsverhalten untersucht und diskutiert. Eine Reihe unterschiedlicher Gründe führt dazu, dass hochbegabte Schüler schulische Leistungsdefizite aufweisen, sodass die Notwendigkeit, Strategien zur Förderung der minderleistenden Schüler zu entwickeln, betont wird. Die Untersuchung der Problematik ist insofern relevant, da viele Lehrkräfte sich des Einflusses ihrer Unterrichtsgestaltung und ihres Lehrstils hinsichtlich der Leistungsperformanz und akademischen Erfolge ihrer Schüler, nicht bewusst sind. Wenn hochbegabte Schüler ihr Potenzial nicht ausschöpfen, stellt das nicht nur für das persönliche und soziale Wohlbefinden der Betroffenen selbst ein Problem dar, sondern ist ein tragischer Verlust für die Gesellschaft, da diese auf die Leistungsexzellenz Hochbegabter hinsichtlich neuer Innovationen und Führungspositionen angewiesen ist.
Trotz der Durchführung vielzähliger Studien, bestehen noch immer Unvollkommenheiten innerhalb der Beantwortung folgender Fragen: Welche konkreten Gründe bewegen hochbegabte Schüler zur Erbringung akademischer Minderleistungen, wenn sie über das Potenzial für hohe Leistungen verfügen? Und inwiefern können Informationen über die Ursachen Lehrkräften dabei helfen, effektive Maßnahmen zu ergreifen? Zudem waren die bisherigen Maßnahmen, die darauf abzielen, das leistungsschwache Verhalten begabter Schüler umzukehren, bislang uneinheitlich und nicht schlüssig.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemaufriss und Zielstellungen
2. Theoretische Grundlagen zur Hochbegabung
2.1 Vergleich des Hochbegabungs- und Begabungsbegriffes
2.2 Vergleich des Verständnisses zweier Hochbegabungsdefinitionen
2.2.1 Performanzdefinition
2.2.2 Kompetenzdefinition
2.3 Das differenzierte Hochbegabungsmodell nach GAGNÉ (2000)
3. Theoretische Grundlagen zum Underachievement
3.1 Begriffsklärung
3.2 Entstehung des Underachievements
4. Einflussfaktoren auf das Minderleistungsverhalten
4.1 Interpersonelle Faktoren
4.1.1 Schule als Institution
4.1.2 Unterforderung und Lehrstil
4.1.3 Boreout
4.1.4 Schüler-Lehrer-Beziehung
4.2 Intrapersonale Faktoren
4.2.1 Motivation und Desinteresse
4.2.2 Mangelnde Arbeits- und Lernstrategien (Skills)
4.2.3 Ängstlichkeit
4.2.4 Selbstregulierung
4.2.5 Selbstkonzept
4.2.6 Zielbewertung/ Zielsetzung
5. Minderleistung – Ein „Problem“ das behoben werden kann?
6. Modifizierende Maßnahmen im Unterricht
6.1 Das „Trifocal-Model“ nach RIMM (1995)
6.1.1 Fordernde Lernumgebung und motivierende Unterrichtsgestaltung
6.1.2 Individuelle Bedürfnisse im Kooperationsklassenverband (Innere Differenzierung)
6.1.3 Enrichment und sukzessive Annäherung
6.1.4 Positive Affirmationen zur Unterstützung positiven Denkens
6.1.5 Erfolgsorientiertes verantwortungsbewusstes Lernen
6.1.6 Angemessene Selbstauskunft und Lehrerwirksamkeit
6.1.7 Feedbackverhalten
6.1.8 Konkrete Zielsetzung
6.2 Der richtige Zeitpunkt, Maßnahmen einzusetzen
6.3 Erfolgsquote unterrichtsinterner Interventionen
7. Beantwortung der Forschungsfrage und Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwiefern intrapersonale und interpersonelle Faktoren die Entstehung von Minderleistungsverhalten (Underachievement) bei hochbegabten Schüler:innen beeinflussen und wie unterrichtsinterne Modifikationen durch Lehrpersonen effektiv eingesetzt werden können, um diesem Phänomen entgegenzuwirken.
- Analyse der theoretischen Grundlagen von Hochbegabung und Underachievement.
- Untersuchung der Bedeutung von Schule, Lehrstil und pädagogischen Beziehungen.
- Betrachtung individueller psychologischer Einflussfaktoren wie Motivation, Selbstkonzept und Lernstrategien.
- Evaluation unterrichtsinterner Interventionsmöglichkeiten anhand des "Trifocal-Models".
Auszug aus dem Buch
3.2 Entstehung des Underachievements
Der Recherche zufolge bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten darüber, welche Ursachen für Minderleistungen bei begabten Schüler:innen verantwortlich sind. Bereits Gallagher und Rogge (1966) äußern, dass noch nicht vollständig erforscht ist, wie es zur Entwicklung des Minderleistungsverhaltens kommt und wie dagegen vorgegangen werden kann (zit. nach Whitmore, 1980, S. 171). Auch bis heute ist nicht vollständig geklärt, wieso sich einige Hochbegabte zu Underachievern entwickeln (Alvarez, 2010, S. 112). Rutter (1974) stellt fest, dass niemals ein einziger Grund für die Minderleistung verantwortlich ist (zit. nach Chukwu-Etu, 2009, S. 95). Underachiever arbeiten somit aus unterschiedlichsten Gründen unterhalb ihres möglichen Niveaus (Heinbokel, 2001, S. 62).
Mehrere Studien weisen auf einen starken Zusammenhang zwischen sozial-emotionalen Faktoren und der schulischen Leistungen von minderleistenden Schüler:innen hin (Neihard et al., 2002; Rimm, 1995; Schunk, 1998 zit. nach Blaas, 2004, S. 246), sodass es sich beim Underachievement um ein komplexes Phänomen handelt, welches von intrapersonalen und interpersonellen Faktoren beeinflusst wird (Desmet, 2020, S. 85). Auch Stapf (2008) sieht die Problematik des Underachievements im komplexen Bedingungsgefüge von persönlichkeits- und umweltbezogener Variablen im Kontext der Schule (S. 210). Deshalb ist es wichtig, auf die intrapersonalen und interpersonellen Gründe gezielt separat einzugehen, um die im späteren Verlauf der Arbeit genannten Handlungsmöglichkeiten zur Prävention, als auch Intervention des Underachievements, auf ihre In-, beziehungsweise Kohärenz mit diesen zu untersuchen. Im Folgenden wird die Wechselbeziehung von minderleistendem Verhalten bei hochbegabten Schüler:innen und den intrapersonalen, als auch interpersonellen Faktoren erörtert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemaufriss und Zielstellungen: Einführung in die Thematik der unterdurchschnittlichen Leistung trotz Hochbegabung und Darstellung der Forschungsrelevanz.
2. Theoretische Grundlagen zur Hochbegabung: Klärung der Begrifflichkeiten und Vorstellung des differenzierten Hochbegabungsmodells nach GAGNÉ.
3. Theoretische Grundlagen zum Underachievement: Definition von Minderleistung und Analyse der Ursachen für die Entstehung von Underachievement.
4. Einflussfaktoren auf das Minderleistungsverhalten: Detaillierte Untersuchung von interpersonellen und intrapersonalen Faktoren, die Minderleistungen begünstigen.
5. Minderleistung – Ein „Problem“ das behoben werden kann?: Reflexion darüber, ob und wie Minderleistung durch gezielte schulische Maßnahmen beeinflussbar ist.
6. Modifizierende Maßnahmen im Unterricht: Präsentation konkreter Fördermöglichkeiten für Lehrpersonen mittels des „Trifocal-Models“.
7. Beantwortung der Forschungsfrage und Resümee: Synthese der Ergebnisse und Fazit zur Relevanz und Komplexität der Förderung von Underachievern.
Schlüsselwörter
Hochbegabung, Underachievement, Minderleistung, Fördermaßnahmen, Lehrstil, Motivation, Selbstkonzept, interpersonelle Faktoren, intrapersonelle Faktoren, Trifocal-Modell, Schulpädagogik, Leistungsentwicklung, Lernstrategien, schulische Identifikation, pädagogische Intervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik von hochbegabten Schüler:innen, die in der Schule Leistungen erbringen, die weit unter ihrem tatsächlichen intellektuellen Potenzial liegen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Hochbegabung, die Identifikation von Ursachen für Minderleistung und die Entwicklung wirksamer unterrichtsinterner Förderstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer durch spezifische Modifikationen in Unterricht und Interaktion das Potenzial von sogenannten Underachievern besser entfalten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der kritischen Auseinandersetzung mit bestehenden pädagogisch-psychologischen Modellen, insbesondere dem „Trifocal-Modell“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von interpersonellen Faktoren (wie Schule, Lehrstil, Beziehung) und intrapersonalen Faktoren (wie Motivation, Selbstbild, Lernstrategien) sowie die Vorstellung konkreter Interventionsmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hochbegabung, Minderleistung, Underachievement, motivationale Förderung und schulische Interventionsmöglichkeiten charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Performanzdefinition von der Kompetenzdefinition bei Hochbegabung?
Die Performanzdefinition setzt Hochbegabung mit sichtbar guten Schulleistungen gleich, während die Kompetenzdefinition Hochbegabung als ein latentes Potenzial versteht, das nicht zwingend in direkt beobachtbaren Ergebnissen münden muss.
Welche Rolle spielt die „Schüler-Lehrer-Beziehung“ bei der Entstehung von Minderleistung?
Eine negative Lehrer-Schüler-Beziehung kann zu einem Mangel an Motivation führen, da Schüler sich nicht wertgeschätzt fühlen und in der Folge eine feindselige oder passive Haltung gegenüber schulischen Anforderungen entwickeln.
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- Anonym (Autor), 2023, Der Einfluss intrapersonaler und interpersoneller Faktoren auf die Minderleistung (hoch)begabter Schüler. Effektivität unterrichtsinterner Modifikationen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1421990