Die vorliegende Diskursanalyse zielt darauf ab, die Dynamik der politischen Reden im schulischen Kontext in dieser Zeit zu untersuchen und dabei konkreten zu beleuchten, welche stilistischen Aspekte der Propaganda und Sozialfürsorge betont werden.
Zunächst werden in dieser Ausarbeitung die theoretischen Grundlagen dargestellt, bevor anschließend das Korpus vorgestellt. Im Folgenden wird dann die Diskursanalyse. Dabei werden zunächst induktiv verstehend verschiedene Kategorien und Subkategorien abgleitet, die nach dem Korpus einzeln mit Ankerbeispielen vorgestellt werden. Diese Diskursanalyse zielt zudem darauf ab, die Struktur, Stilistik und vorherrschenden Diskursmuster in der Rede zu untersuchen und zu interpretieren, was in der Analyse der einzelnen Reden erfolgt.
Die politischen Reden, die in den Schulen Berlins während des Schuljahres 1914 bis 1915 gehalten wurden, nehmen durchaus eine entscheidende Rolle im Kontext der Propaganda und Sozialfürsorge während des Ersten Weltkriegs ein. Dieser Zeitraum war geprägt von einem starken Bedürfnis der politischen Führung, die öffentliche Meinung zu lenken, um den Kriegsverlauf positiv zu beeinflussen und die Mobilisierung der Bevölkerung zu unterstützen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1) Theoretische Grundlagen
2) Vorstellung des Korpus
3) Kategorien der Analyse
4) Analyse
5) Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert mittels einer Diskursanalyse die rhetorischen Strategien und religiösen Motive in politischen Reden an Berliner Schulen während des Ersten Weltkriegs (1914/15), um aufzuzeigen, wie diese zur Mobilisierung der Schülerschaft und zur Festigung nationaler Identität eingesetzt wurden.
- Untersuchung der nationalen Indoktrination im schulischen Kontext des Deutschen Kaiserreichs.
- Analyse der rhetorischen Instrumentalisierung von Religion und Kriegspropaganda.
- Identifikation von Diskursmustern wie dem Verteidigungskrieg und dem Einkreisungstopos.
- Interpretaion des Zusammenspiels von Heimat, Front und dem Konzept des "deutschen Wesens".
Auszug aus dem Buch
3) Kategorien der Analyse
Bei der Diskursanalyse von Reden an Berliner Schulen im Schuljahr 1914 bis 1915 lassen sich verschiedene Kategorien und Subkategorien identifizieren, die die dominierenden Themen und Motive dieser Reden, aber auch der damaligen Zeit widerspiegeln. Im Folgenden werden die genannten Kategorien und Subkategorien vorgestellt und es werden Ankerbeispiele zu den einzelnen Motiven genannt:
1. Kriegsgrund
Die erste Kategorie ist der Kriegsgrund, bei dem es um die Begründungen und Narrative geht, die den Ausbruch des Krieges beschrieben und rechtfertigen sollen.
a. Verteidigungskrieg
Die Darstellung eines Verteidigungskrieges beruht auf der Annahme, dass Deutschland sich im Kriegszustand befindet, um sich gegen feindliche Angriffe zu verteidigen. Demnach befindet sich Deutschland nur im Krieg, um das Vaterland vor äußeren Bedrohungen zu schützen. Die Feinde wollen durch „Neid und Mißgunst, brutale Eroberungssucht, Treulosigkeit und Falschheit“ (Trendelenburg, 1915, S.11, Z.40) das Vaterland einnehmen und die Deutschen ziehen nur in den Krieg, um „zur Verteidigung des Vaterlandes, zum Schutz von Haus und Hof, von Weib und Kind“ (Mertens, 1915, S.14, Z.18f.) zu kämpfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext der Schulerziehung im Kaiserreich und die Rolle von Propaganda während des Ersten Weltkriegs.
2) Vorstellung des Korpus: Hier werden die untersuchten Schuljahresberichte zweier Berliner Gymnasien aus dem Jahr 1914/15 kurz porträtiert.
3) Kategorien der Analyse: In diesem Kapitel werden die für die Diskursanalyse zentralen Motive, wie der Verteidigungskrieg oder der "Gott-mit-uns"-Topos, methodisch hergeleitet und definiert.
4) Analyse: Der Hauptteil untersucht detailliert zwei ausgewählte Reden auf ihre rhetorischen Strukturen, religiösen Einschübe und ihre Funktion als Propagandamittel.
5) Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Bedeutung der religiös geprägten Kriegsrhetorik für die damalige gesellschaftliche Mobilisierung.
Schlüsselwörter
Diskursanalyse, Erster Weltkrieg, Kriegspropaganda, Schule, Preußen, Religion, Verteidigungskrieg, Gott-mit-uns-Topos, Nationalismus, Schulleben, Mobilisierung, Feindbild, Vaterlandstreue, Erziehung, Rhetorik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die propagandistischen Strategien und die politische Rhetorik in Reden, die während des Ersten Weltkriegs (1914/15) in Berliner Schulen an Schüler gerichtet wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Indoktrination zum Patriotismus, die ideologische Verknüpfung von kriegerischer Pflicht mit religiösen Motiven sowie die Rolle der Schule bei der Mobilisierung für den Krieg.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diskursive Muster wie das Feindbild und der Verteidigungskrieg genutzt wurden, um eine kollektive nationale Identität zu formen und den Kriegseinsatz ethisch und religiös zu rechtfertigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Methode der Diskursanalyse, um in einem induktiven Vorgehen Kategorien aus dem Quellmaterial (Schuljahresberichte) abzuleiten und diese in den Reden zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert zwei spezifische Reden (von Professor Müller und Professor Kinzel) hinsichtlich ihrer Rhetorik, ihrer Einordnung in den Heilsplan Gottes und ihrer Wirkung auf die Schülerschaft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Kriegspropaganda, Gott-mit-uns-Topos, Verteidigungskrieg, nationale Identität und religiöse Kriegserziehung.
Warum spielt das Thema "Religion" eine so große Rolle in den untersuchten Reden?
Religion diente im Ersten Weltkrieg als machtvolles Instrument, um politisches Handeln zu legitimieren; durch die Einbindung Gottes wurde der Krieg zu einer spirituellen Prüfung umgedeutet.
Welchen Einfluss hatte der "Burgfrieden" konkret auf das Schulleben dieser Zeit?
Der Burgfrieden manifestierte sich in der Schule durch die Einheit unterschiedlicher Konfessionen und sozialer Schichten, die im gemeinsamen Dienst für Kaiser und Vaterland aufgehen sollten.
Warum wird im Dokument explizit auf den "Einkreisungstopos" eingegangen?
Dieser Topos war entscheidend, um den Krieg als notwendige Verteidigungsmaßnahme gegen ein feindliches, "neidisches" Ausland darzustellen und somit die Bevölkerung psychologisch zu einen.
- Arbeit zitieren
- Luisa Rode (Autor:in), 2023, Diskursanalyse von Reden an Berliner Schulen im Jahre 1914/15, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1422514