Die Baupolitik des Augustus

Das „Forum Romanum“ als Ausdruck der städtebaulichen Veränderung Roms unter Kaiser Augustus


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2009

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Marmor als Baumaterial im antiken Rom

3. Die Veränderung des Forum Romanums unter Augustus
a. Die Zeit des Triumvirats bis zum Sieg bei Actium
b. Vom actischen Sieg bis zum Tode Agrippas
c. Vom Tod des Agrippa bis zum Tod des Augustus
d. Grundriss des Forum Romanums nach dem Tod des Augustus

4. Fazit

5. Quellennachweise
a. Quellen
b. Forschungsliteratur
c. Bildquellenverzeichnis

1. Einleitung

Der römische Schriftsteller Sueton[1] äußerte sich in seiner Biographie über Augustus wie folgt über dessen städtebaulichen Errungenschaften:

„Die Stadt Rom, die nicht der Würde des Reiches entsprechend ausgebaut war und unter Überschwemmungen und Feuersbrünsten litt, hat er so sehr gefördert, dass er sich mit Recht rühmte, er hinterlasse die Stadt, die er als Lehmziegelstadt empfangen habe, als marmorne.“[2]

In dieser Ausarbeitung soll der Frage nachgegangen werden, ob Sueton mit seiner Einschätzung, Augustus habe Rom als Lehmziegelstadt vorgefunden und marmorn hinterlassen, Recht behält. In diesem Zusammenhang möchte ich anhand des Beispiels des Forum Romanums exemplarisch die grundlegenden Veränderungen des städtebaulichen Erscheinungsbildes Roms beleuchten.

Aufgrund der Vielfalt augusteischer Eingriffe in das Stadtbild Roms, werden z.B. Bauten wie das Forum Augustum mit dem Mars-Ultor Tempel, der Tempel des Apoll im Privathaus des Augustus auf dem Palatin oder das Mausoleum auf dem Marsfeld, für die allesamt Marmor in geraumen Mengen verwandt wurde, nicht betrachtet werden. Vielmehr soll das Forum Romanum, als eines der Zentren des öffentlichen Lebens des antiken Roms, als derjenige Platz verstanden werden, der den größten und zeitlich kontinuierlichsten Veränderungen unterzogen wurde. Daher kann es als Ausdruck dafür gelten, in welcher Weise Augustus das Gesicht der Stadt Rom veränderte.

Zunächst werde ich darüber Auskunft geben, was es mit dem Baumaterial Marmor im antiken Rom auf sich hatte, ehe ich die architektonische Veränderung des Forum Romanums unter Augustus in drei zeitlichen Etappen in den Blick nehme. Anschließend werde ich einen Grundriss des Forum Romanums präsentieren, aus dem der maßgebliche Einfluss des Augustus auf dessen Ausgestaltung deutlich wird, bevor ich ein abschließendes Fazit zur Baupolitik des Augustus gebe.

2. Marmor als Baumaterial im antiken Rom

Die Aussage Suetons, Augustus habe Rom als Lehmziegelstadt vorgefunden und als marmorne hinterlassen[3], lässt sich dahingegen interpretieren, dass in der Zeit vor Augustus Marmor als Baumaterial eine untergeordnete Rolle im Städtebild Roms spielte. Tatsächlich kann man Suetons Aussage klar vor dem Hintergrund der Republik Roms verstehen, in der Marmor nur in geringen Mengen Verwendung fand. Lediglich beim Tempel des Iuppiter Stator und der Iuno Regina auf dem Marsfeld, beim Rundtempel am Tiber, beim Tempel des Iuppitter Optimus auf dem Kapitol und in der durch Caesar begonnen Saepta wurde Marmor als Baumaterial vor Augustus verwendet[4]. Insgesamt blieb Marmor für Bauzwecke bei öffentlichen Gebäuden[5] während der Republikszeit unterrepräsentiert.

Unter Augustus begann die Skepsis gegenüber Marmor kontinuierlich zu schwinden. Sogar Bauherren mit weniger finanziellen Mitteln als Augustus bedienten sich dem zum Trend werdenden Material. Als „Trendsetter“ dienten in diesem Zusammenhang wohl Augustus Bauten auf dem Marsfeld (z.B. das Mausoleum), der Bau des Apoll- Tempels auf dem Palatin, und die restaurierte Kurie und der Tempel des Caesars, wobei die beiden letztgenannten auf dem Forum Romanum gelegen waren. Unter Augustus wandelte sich die Symbolwirkung des Marmors dahingehend, dass von einer Abkehr von rein privatem Luxus hin zu einer würdigen Repräsentation des Römischen Reiches, verkörpert durch die großen öffentlichen Bauten, gesprochen werden kann.[6] Dieses Motiv, nämlich die würdige Ausgestaltung der Stadt Rom als Repräsentant eines Weltreiches[7], benutzte auch Sueton in seinen Ausführungen. Man kann daher vermuten, dass einer der Gründe Augustus, Marmor zu verwenden, in der Abkehr von Althergebrachtem hin zu etwas Neuem zu sehen ist, sprich einer Hinwendung zu einem neuen politischen System. Die Stadt Rom in ihrer architektonischen Ausgestaltung sollte dem Anspruch des princeps an eine glanzvolle zukünftige Ära Genüge tun.

3. Die Veränderung des Forum Romanums unter Augustus

Bei der Umgestaltung des republikanischen Forums stand Augustus vor der Aufgabe die Würde und Ehrwürdigkeit dieses Ortes nach außen hin zu respektieren, aber gleichzeitig das Forum Romanum durch gezielte Umgestaltungen an die Bedürfnissen des neuen politischen Systems anzugleichen. Eine gravierende und radikale Umstrukturierung des Forums kam nicht in Frage, da dies als ein zu jäher Bruch mit den republikanischen Traditionen durch die Öffentlichkeit hätte gewertet werden können. So ging Augustus behutsam im Bezug auf Veränderungen des Forums vor, und agierte Schritt für Schritt.[8] Diese jahrzehntelange Schrittfolge soll im Folgenden skizziert werden.

a. Die Zeit des Triumvirats bis zum Sieg bei Actium

In Zeiten des Triumvirats zusammen mit Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus[9] zwischen 43 bis 31 v. Chr. hatte es Octavian[10] durch diese Konkurrenten nicht leicht durch öffentliche Bauten herauszuragen. Außerdem durften solche Bauten nicht zu üppig ausfallen, wie das mahnende Beispiel seines Adoptivvaters Caesar, der den größten Tempel der Welt bauen wollte und noch nicht einmal sein Forum fertigstellen konnte, zeigte. So fokussierte Octavian in seinen Bautätigkeiten drei zentrale Orte des römischen Stadtgebietes, nämlich den Palatin, das Marsfeld und das Forum Romanum.[11] Diese drei Areale sollten auch nach der Triumviratszeit das Hauptaugenmerk der Bautätigkeit des Augustus ausmachen.

In diese Zeit fallen zumindest zwei Bauwerke auf dem Forum, die direkt mit Octavian in Verbindung gebracht werden können. Ich beziehe mich hierbei auf den Bau des Tempels des vergöttlichten Caesars und die Restaurierung der Kurie[12]. Indirekt kann der Neubau des Tempels des Saturnus und der Bau der Regia mit Octavian verknüpft werden.

[...]


[1] Gaius Suetonius Tranquillus lebte vermutlich zwischen 70 und 140 n. Chr. Bekanntheit erlangte er durch seine Kaiserbiographien, in denen er das Leben der römischen Kaiser von Caesar bis Domitian niederschrieb.

[2] Sueton, Aug. 28.

[3] Vgl. Sueton, Aug. 28.

[4] Hesberg, Erscheinungsbild Roms unter Augustus, S. 94

[5] Für private Wohnbauten wurde durchaus kostbarer Marmor als Material verwendet. Hier galt dieser als Ausdruck eines aufkommenden östlichen Luxus.

[6] Hesberg, Erscheinungsbild Roms unter Augustus, S. 95

[7] Vgl. Sueton, Aug. 28.

[8] P. Gros, G. Sauron, Das politische Programm der öffentlichen Bauten, S. 63

[9] Durch die Seeschlacht bei Actium 31 v. Chr. gelang es Octavian seine Vormachtstellung im Römischen Reich endgültig gegenüber seinem Widersacher Marcus Antonius zu behaupten.

[10] Augustus hieß er erst ab 27 v. Chr. durch Verleihung dieses Ehrennamens durch den Senat.

[11] Hesberg, Erscheinungsbild Roms unter Augustus, S. 98

[12] Tagungsstätte des Senats

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Baupolitik des Augustus
Untertitel
Das „Forum Romanum“ als Ausdruck der städtebaulichen Veränderung Roms unter Kaiser Augustus
Hochschule
Universität Siegen  (Fachbereich 1 - Geschichte)
Veranstaltung
Quellenzeugnisse zur Geschichte Roms
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V142254
ISBN (eBook)
9783640514496
ISBN (Buch)
9783640511587
Dateigröße
639 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
keine
Schlagworte
Baupolitik, Augustus, Romanum“, Ausdruck, Veränderung, Roms, Kaiser
Arbeit zitieren
Mario Kulbach (Autor), 2009, Die Baupolitik des Augustus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142254

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