Die Wahl der Oberschule für ihr Kind ist für viele Berliner Eltern schon in der fünften Schul-klasse ein konkretes Thema. Trotz der teilweise sehr aufwendigen und gelungenen „Tage der offenen Tür“ an den Schulen und deren Selbstportraits im Internet auf deren Webseiten, füh-len sich viele Eltern unzureichend und manchmal sicherlich gar tendenziös beraten. Auch die vermeintlich unparteiischen Darstellungen der Schulen in den medienweiten „Schul-Checks“ z.B. in Zeitungen/Zeitschriften oder ebenso durch Bekannte, Verwandte etc. können das viel-farbige Mosaik einer Schule nicht immer zu einem transparenten Gesamtbild ergänzen. Der Vorteil der freien Schulwahl über die Oberschulempfehlung durch die Grundschule hinaus erscheint in diesem unübersichtlichen Moment sogar ein bisschen als Nachteil. Letztendlich entscheiden die Mehrzahl der Mütter und Väter wohl nach lokaler Schulnähe und nach der oben beschriebenen „Empfehlung für das/die Gymnasium/Realschule/Hauptschule oder die Gesamtschule“. Auch spielen hier ältere Geschwister oder Freunde der Schulwechsler, welche schon eine Oberschule besuchen, eine womöglich zu große Rolle.
Erfahrungsgemäß fällt auf, dass viele konservative Eltern die verhältnismäßig jungen Gesamt-schulen nicht so recht in die breit gefächerte Schullandschaft einordnen können oder diese gar stereotypisch ignorieren. Glücklicherweise können hier die meisten Grundschulklassenleh-rer/innen Auskunft geben, um aufzuklären, dass beispielsweise das Abitur auch an vielen Ge-samtschulen (41 von 63 in Berlin) absolviert werden kann (Wegweiser Oberschule 2003/2004, S. 12-14). Es erscheint zunächst als Vorteil, dass die Abiturzielvorgabe im Ver-laufe des genannten Schultyps entwickelt werden kann, jedoch nicht so sehr verpflichtet wie an einem Gymnasium. Des Weiteren unterrichtet und betreut die Gesamtschule Schüler unab-hängig von ihren Lernvoraussetzungen gemeinsam und führt sie so zu der Fähigkeit des ge-meinsamen Arbeitens und Zusammenlebens aller am gesellschaftlichen Leben Beteiligten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Schulportrait
1.2. Zielstellung
2. Schule in Theorie und Praxis
2.1. Schulkultur, pädagogische Kultur und Lernkultur
2.1.1. Dimensionierung von Schulkultur
2.1.2. Schulkultur an der K.-S.-Oberschule
2.2. Schulqualität
2.3. Welche Probleme gibt es?
2.3.1. Veränderung der Sozialisationsbedingungen
2.3.2. Bildungsanforderungen im Wandel
2.3.3. Probleme aus pädagogisch-psychologischer Sicht
2.3.4. Die Begegnung der Gesamtschule
3. Was leistet eigentlich Schulentwicklung?
3.1. Entwicklungsstand als Prozess
3.2. Abschließende Reflexion der K.-S.-Oberschule
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen praxisnahen Einblick in die Struktur und Schulkultur der K.-S.-Oberschule und untersucht, wie eine Bildungseinrichtung auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen sowie pädagogische Probleme reagieren kann. Ziel ist es, Konzepte der Schulentwicklung vor dem Hintergrund schultheoretischer Modelle zu reflektieren.
- Qualitative Untersuchung der Schulkultur
- Analyse von Schulqualität und Schulentwicklung
- Herausforderungen durch veränderte Sozialisationsbedingungen
- Pädagogisch-psychologische Diagnostik im Schulalltag
- Praxisbeispiele zur Gestaltung eines positiven Schullebens
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Schulkultur an der K.-S.-Oberschule
Schulkultur an einer einzelnen Schule festzumachen birgt zwar Schwierigkeiten, wird aber im Fall der K.-S.-Oberschule auch dankbar ersichtlich. Nach den vorangegangenen Punkten kann man wohl ohne alles im Detail aufzuzählen behaupten, dass die Schul- und Lernkultur an dieser Schule facettenreich ausgeprägt ist. Dies soll hier an Beispielen kurz demonstriert werden.
Die soziokulturelle Ebene ist sicherlich die offensichtliche. Hier gibt es künstlerische und andere Projekte, denen man auf vielerlei Art „begegnet“. B. ist eine 1997 ins Leben gerufene Trommelgruppe, welche auf roten, ausgedienten Stahlfässern beispielsweise afrikanische Rhythmen und Stücke der französischen Gruppe „Les Tambours de Bronx“ spielen. Die Tradition der Gruppe wird von den älteren Schülern zu den jüngeren weitergereicht. Das Talent der Musiker ist weit über die K.-S.-Oberschule bekannt, denn es gab bisher schon viele Auftritte auf Festivals (z.B. Karneval der Kulturen) oder öffentlichen Schulveranstaltungen.
In der Schule wird Darstellendes Spiel als Unterrichtsfach angeboten. Dabei erlernen die Schüler neben dem Schauspiel auch Kulissenbau, Kostümdesign und Beleuchtung. In regelmäßigen Abständen werden verschiedenste Stücke von Goethe über Auster bis zum Mauerfall zu gegebenen Anlässen aufgeführt.
Die Schülerwerkstätten der Schule, wie Textil-, Papier-, Malerei-, Keramik- und Metallwerkstatt, Medienstudios und eine Lehrküche, erweitern das Bild schöpferischen Schaffens innerhalb eines Kultursystems. Die 1998 gegründete Schülerfirma „S. Art“ vermarktet sogar die Kunstprodukte und schafft damit eine zusätzlich lohnenswerte Konnexion zur Außenwelt. Diese Beispiele machen eine Reflexion von Schulkultur in künstlerischer soziokultureller Dimension nach innen und vor allem auch nach außen möglich, so dass die Kultur der Schule hier sicherlich sichtbar und berührbar wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Herausforderungen der Berliner Eltern bei der Oberschulwahl und stellt die K.-S.-Oberschule als eine Gesamtschule vor, die durch vielfältige Förderangebote ein breites Spektrum an Lernmöglichkeiten bietet.
2. Schule in Theorie und Praxis: Dieses Kapitel erläutert schultheoretische Begriffe wie Schulkultur, Lernkultur und Schulqualität, analysiert die K.-S.-Oberschule anhand dieser Dimensionen und beleuchtet pädagogische Herausforderungen im Kontext veränderter Sozialisationsbedingungen.
3. Was leistet eigentlich Schulentwicklung?: Das Kapitel beschreibt Schulentwicklung als einen ständigen, unfertigen Prozess, der auf Schulentwicklungsschritten basiert, und schließt mit einer persönlichen Reflexion der Autoren über ihre Erfahrungen am Praktikumsort.
Schlüsselwörter
Schulkultur, Lernkultur, Schulentwicklung, Gesamtschule, Schulqualität, Pädagogik, Sozialisation, Schulprofil, Schulmanagement, Schulpraxis, Bildungspolitik, Orientierungspraktikum, Schulleben, Förderkonzepte, Schulpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist ein Bericht zum Orientierungspraktikum an der K.-S.-Oberschule und dient als qualitatives Schulportrait.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Dimensionen der Schulkultur, der Begriff der Schulqualität sowie die Herausforderungen durch den sozialen Wandel und pädagogisch-psychologische Probleme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen möglichst wertfreien Einblick in die Konzepte und Programme der K.-S.-Oberschule zu geben und die Wirksamkeit von Schulentwicklung zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen Hospitationen, Gespräche mit Lehrern, Schülern und Sozialpädagogen sowie die Auseinandersetzung mit einschlägiger Fachliteratur und Schultheorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Schulkultur und Schulqualität sowie deren Anwendung auf die konkrete Situation der K.-S.-Oberschule, inklusive der Reflexion von Entwicklungsprozessen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Schulkultur, Lernkultur, Schulentwicklung, Sozialisation und Schulqualität.
Wie definiert die Schule ihre Rolle in Bezug auf soziale Probleme?
Die Schule agiert nicht als reine Bildungsanstalt, sondern reagiert auf soziale Problemlagen im Einzugsgebiet durch Projekte, Ganztagsangebote und soziale Betreuung.
Welche Bedeutung hat das „Frankreich-Haus“ für die Schule?
Es dient als kulturell übergreifendes Projekt, das Schülern Arbeits- und Entfaltungsmöglichkeiten bietet und die Kultur der Schule nach außen hin repräsentiert.
Wie reflektieren die Autoren ihre Zeit als Praktikanten?
Sie beschreiben die Zeit als wertvolle Episode, in der sie aus der Perspektive zwischen Schüler und Lehrer Einblicke in den Lehrerberuf gewinnen konnten.
- Quote paper
- Robert Leuck (Author), Simon Odermatt (Author), 2005, Bericht zum Orientierungspraktikum an der K.-S.-Oberschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142261