,,Ausgebrannte“ Lehrerinnen und Lehrer

Eine kritische Analyse


Essay, 2009

9 Seiten, Note: 2


Leseprobe

In der heutigen Zeit spricht man oft vom Burnout-Syndrom, wenn sich Menschen ausgebrannt und erschöpft fühlen, sodass sie ihrer Tätigkeit nicht mehr nachgehen können und sich in ärztliche Behandlung begeben müssen.

Zur Zeit gibt es jedoch noch kein einheitliches Krankheitsbild des Burnout-Syndroms, was eine Diagnose für mögliche Patienten erschweren kann. Das Burnout-Syndrom enthält aber klinische Symptome, die sich in einer psychosomatischen oder psychischen Krankheit manifestieren und langfristig zur Arbeitsunfähigkeit führen können[1]. Weitere Anzeichen und Symptome für einen möglichen Burnout wären u.a. Depressionen und Ängste, oder körperliche Beschwerden, wie Magen-Darm- und Kreislaufprobleme sowie chronische Schmerzen z.B. Tinitus[2].

Die Entwicklung von Symptomen zum Burnout-Syndrom lässt sich in drei Stufen einteilen.

- Die erste Stufe ist die emotionale Erschöpfung, die sich in subjektivem Erleben von Kraftlosigkeit, Ohnmacht, dem Gefühl nicht verstanden zu werden und am Ende zu sein äußert.
- Die zweite Stufe ist der Zynismus, der eine gefühllose, abgestumpfte Reaktion gegenüber den Schülern hervorruft.
- Die dritte Stufe ist eine reduzierte Leistungsfähigkeit, die sich in Leistungsunzufriedenheit, Antriebsverlust und mangelnder Tatkraft äußert.[3]

Lehrer/innen, die Anzeichen oder Symptome eines Burnout-Syndroms zeigen, gehen meistens mit starken Ängsten in die Schule oder bekommen Schweißausbrüche, Bluthochdruck oder müssen sich übergeben.

Ich denke, dass das keine guten Vorrausetzungen sind, um den Schultag zu beginnen, ihn ordentlich und strukturiert zu leiten oder Schüler zu motivieren. Zur Motivation sind diese Lehrer dann meistens nicht mehr in der Lage, weil sie sich in einer Schutzhaltung befinden und nichts mehr an sich heran lassen.

Mehr als erschreckend sind die in der Vorlesung genannten Zahlen, dass rund 90% der Lehrerinnen und Lehrer teilweise zehn Jahre vor Erreichen des Renten/Pensionsalters dienstunfähig werden. Frauen sollen vom Burnout-Syndrom stärker betroffen sein als Männer, was durch ihre Doppelfunktion in Familie und Beruf begründet wird[4].Die Zahlen sind alarmierend und zeigen, dass sich sowohl im Lehramtsstudium, wie auch in der Schule an sich, im Kollegium und in der politischen und öffentlichen Meinung gegenüber Lehrer/innen etwas verändern muss.

Ich bin der Meinung, dass es zu Beginn des Lehramtsstudiums einen Eignungstest geben sollte, der gezielt nach den Fähigkeiten und Vorstellungen fragt, aber vor allem auch nach den Motivationsgründen für dieses Studium. In einer Studie von Udo Rauin von der Goethe-Universität kam heraus, dass jeder vierte Studienanfänger nie Lehrer werden wollte, sondern das Studium nur wählten, um im Heimatort zu bleiben, einen sicheren und familienfreundlichen Arbeitsplatz zu haben oder ein überschaubares Studium.[5] Ich halte es für fragwürdig, ob das Lehramtsstudium aufgrund dieser Entscheidungen die richtige Wahl ist, denn als angehender Lehrer/in sollten Eigenschaften wie Kontaktfreude, Lebensfreude, ein ,,Händchen“ für den Umgang mit Menschen, Liebe zu Kindern und Jugendlichen, sowie ein gewisser Sinn für Humor gegeben sein[6] und im Vordergrund stehen. Durch einen Selbsteinschätzungs-Fragebogen[7], könnte man zusätzlich überprüfen, ob man die richtige Studienrichtung getroffen hat.

Viele Lehrkräfte sind offensichtlich der Auffassung, sich für ihren Beruf ,,aufopfern” und das Risiko von Beeinträchtigungen des Wohlbefindens oder Erkrankungen wissentlich ,,in Kauf nehmen“ zu müssen. Aber ,,ausgebrannte Lehrkräfte“, die sich nur noch mit der Erfüllung ihrer Aufgaben und Verpflichtungen abquälen, gefährden nicht nur die eigene Gesundheit, sonder übertragen dieses Leiden auf Schulklassen, auf Kollegien und das Schulklima[8].

Hier liegt eine große Gefahr der Bildung, denn der Lehrer/in muss die Schüler begeistern, ihre Neugier und ihren Tatendrang für das zu erlernende Thema wecken. Das schafft ein ,,ausgebrannter“ Lehrer, der den Sinn seiner Arbeit aus den Augen verloren hat natürlich nicht. Denn somit sind die Schüler gelangweilt, fangen an zu stören und die Lehrkraft fühlt sich wieder als wäre sie gescheitert, was eine Depression oder ein Burnout weiter fördert oder verstärkt.

[...]


[1] 1 Dr. rer. nat. Reingard Seibt Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin der TU Dresden; ProPhil

3/2006 S.14

[2] http://www.focus.de/schule/lehrerzimmer/schulpraxis/lehrer-burn-out _aid_232766.html

[3] Dr. rer. nat. Reingard Seibt Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin der TU Dresden; ProPhil

3/2006 S.15

[4] 4 vergl. 3

[5] http://www.focus.de/schule/lehrerzimmer/schulpraxis/lehrer-burn-out _aid_232766.html

[6] Joachim Bauer: ,,Lob der Schule”3.Auflage 2007;Hoffmann und Campe; Hamburg S. 76

[7] Fragebogen von Prof. Uwe Schaarschmidt, Institut für Psychologie, Universität Potsdam

[8] Dr. rer. nat. Reingard Seibt Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin der TU Dresden; ProPhil

3/2006 S.15

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
,,Ausgebrannte“ Lehrerinnen und Lehrer
Untertitel
Eine kritische Analyse
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
9
Katalognummer
V142293
ISBN (eBook)
9783640515943
ISBN (Buch)
9783640515905
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Burnout, Lehrer, ausgebrannt, lehrerinnen
Arbeit zitieren
Daniel Rahn (Autor), 2009, ,,Ausgebrannte“ Lehrerinnen und Lehrer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142293

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