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Das Gottesurteil im Mittelalter und seine politische Einsatzmöglichkeit

Vergleich dreier Fallbeispiel

Title: Das Gottesurteil im  Mittelalter und seine  politische  Einsatzmöglichkeit

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 23 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Marc Drozella (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Einem modernen, rational denken Menschen dürfte die Praxis des Gottesurteils, wie sie im europäischen Mittelalter gelegentlich vollzogen wurde, befremdlich erscheinen. Man unterwirft sich ungern Zufällen, die das eigene Schicksal entscheiden sollen, sondern ist eher bestrebt, das eigene Glück in die eigenen Hände zu nehmen, nachdem man die Erfolgsaussichten basierend auf der Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten abgewägt hat.
Die Menschen des Mittelalters haben das etwas anders gesehen. Möglicherweise herrschte in einer Zeit, in der es für viele unerklärbare Vorgänge noch keine wissenschaftlichen Erklärungen gab, das Bedürfnis, hinter „Zufällen“ eine allwissende und allmächtige Macht zu sehen, die manipulierend eingreift und das Schicksal in seine vorherbestimmten Bahnen lenkt.
Generell gesehen dienen die Gottesurteile von ihrem Charakter her grundsätzlich erstmal der Wahrheitsfindung, soweit sind sich die Historiker, die sich mit den Quellen über die mittelal-terlichen Ordale beschäftigt haben, einig. Die Rechtstexte des Mittelalters, wie der Sachsenspiegel oder die Leges Salica, Burgundionum oder Thuringorum, sehen speziell geartete Rituale als Beweismittel oder zur Wahrheitsfindung vor, die heute unter dem Sammelbegriffen „Gottesurteil“ oder „Ordal“ gefasst werden. Im folgenden soll anhand von drei ausgewählten Fällen in mittelalterlichen historiografischen Quellen nachgeprüft werden, ob in diesen speziellen Fällen tatsächlich die Wahrheitsfindung im Vordergrund stand, oder ob das Ordal möglicherweise als politisches Machtmittel eingesetzt worden ist.
Der Umfang der Arbeit erfordert einige Einschränkungen. So handelt es sich bei den drei betrachteten Fällen um Ereignisse aus dem Frankenreich in der Zeit von 938 bis 1070.
Im einzelnen werden im zweiten Teil der Arbeit die folgenden Fälle betrachtet:

1. Ein im Mai 938 von Otto I angeordnetes Gottesurteil zwischen Eberhard von Fran-ken und Bruning von Sachsen, welches in Widukind von Corveys Sachsengeschichte beschrieben wird.
2. Das Gottesurteil zwischen Heinrich II und Hermann von Schwaben im Rahmen der Streitigkeiten um die Königswahl 1002, beschrieben in der Chronik des Thietmar von Merseburg.
3. Ein 1070 von König Heinrich IV angeordnetes Gottesurteil zwischen Otto von Nor-theim und Egino von Konradsburg, beschrieben in den Annalen des Abtes Lampert von Hersfeld.

Allen drei Ordalen ist gemein, dass es sich jeweils um Gottesurteile durch Zweikampf handelt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

DAS GOTTESURTEIL AN SICH

GRUNDLAGEN

FORMEN DES GOTTESURTEILS

SCHILDERUNG DREIER EXEMPLARISCHER FÄLLE

DAS GOTTESURTEIL BEIM HOFTAG ZU STEELE, MAI 938

DAS GOTTESURTEIL ZWISCHEN HEINRICH II UND HERMANN VON SCHWABEN 1002

DAS VERFAHREN GEGEN OTTO VON NORTHEIM 1070

ZUSAMMENFASSUNG

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die politische Einsatzmöglichkeit des Gottesurteils im hochmittelalterlichen Frankenreich anhand von drei konkreten Fallbeispielen, um zu prüfen, ob das Ordal neben der Wahrheitsfindung als Instrument zur Machtausübung genutzt wurde.

  • Praxis und geschichtliche Entwicklung des Gottesurteils
  • Konfliktlösung bei Erbrechtsfragen (Hoftag zu Steele 938)
  • Legitimation politischer Herrschaftsansprüche (Königswahl 1002)
  • Einsatz des Gottesurteils als politisches Machtinstrument (Verfahren gegen Otto von Northeim 1070)

Auszug aus dem Buch

Das Gottesurteil beim Hoftag zu Steele, Mai 938

Es ist anzunehmen, dass es schon seit langer Zeit im Frankenreich unter den Stammesfürsten Uneinigkeit über eine Frage des Erbrechts gab. Es ging darum, ob beim Tode eines Fürsten nur dessen noch lebenden Söhne ein Anrecht auf einen Erbteil hatten („Anwachsungsrecht“), oder ob auch die Söhne bereits vorher verstorbener Söhne des Erblassers Anspruch auf das Erbe ihres Vaters haben („Eintrittsrecht“). Zwar war schon in merowingischer Zeit unter Childebert II. festgestellt worden, dass die Enkelsöhne Anspruch auf den Erbteil ihres verstorbenen Vaters hatten, doch hat sich in der Praxis immer wieder gezeigt, dass dieser Grundsatz nicht durchgesetzt werden konnte.

Zahlreiche Kämpfe zwischen Onkel und Neffen zu merowingischer aber auch karolingischer Zeit geben davon Zeugnis. Otto I. macht die Frage nach einer einheitlichen und vor allem verbindlichen Regelung zu einem der Haupttagespunkte auf dem Hoftag zu Steele im Mai 938. Da diese Frage nur willkürlich hätte entschieden werden können – schließlich können die Fürsprecher beider Seiten stichhaltige Argumente ins Feld führen – entscheidet Otto, dass ein Gottesurteil durch Zweikampf in der Frage nach der Erbfolgeregelung eine Lösung bringen sollte.

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Einführung in die Thematik des Gottesurteils und Erläuterung der Fragestellung bezüglich einer möglichen politischen Instrumentalisierung.

DAS GOTTESURTEIL AN SICH: Grundlagen und verschiedene Formen des Gottesurteils, unterteilt in sanfte und harte Ordale sowie die Besonderheit des Zweikampfes.

SCHILDERUNG DREIER EXEMPLARISCHER FÄLLE: Detaillierte Untersuchung dreier historischer Beispielfälle zur Anwendung des Gottesurteils im 10. und 11. Jahrhundert.

ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Ergebnisse, die das Potenzial des Gottesurteils als politisches Instrument zur Konfliktlösung und Herrschaftslegitimation unterstreicht.

Schlüsselwörter

Gottesurteil, Ordal, Mittelalter, Zweikampf, Wahrheitsfindung, Politische Macht, Rechtspraxis, Otto I., Heinrich II., Otto von Northeim, Legitimationsbeweis, Frankenreich, Konfliktlösung, Herrschaftsanspruch, Historische Quellen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Funktion und die politische Bedeutung von Gottesurteilen im europäischen Mittelalter anhand von drei spezifischen Fällen aus dem hochmittelalterlichen Frankenreich.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Neben der allgemeinen Praxis des Gottesurteils liegt der Schwerpunkt auf der Untersuchung von Machtinteressen, Rechtsnormen und der politischen Instrumentalisierung religiöser Rituale.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll nachgeprüft werden, ob das Gottesurteil in den behandelten Fällen tatsächlich der Wahrheitsfindung diente oder gezielt als politisches Machtmittel eingesetzt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert auf der Analyse zeitgenössischer historiografischer Quellen, die im Vergleich ausgewertet werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen des Gottesurteils sowie eine eingehende Betrachtung dreier Fallbeispiele aus den Jahren 938, 1002 und 1070.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Gottesurteil, Ordal, politische Instrumentalisierung, Legitimation, Konfliktlösung und historische Rechtsgeschichte.

Welche Rolle spielt der Zweikampf in der Arbeit?

Der Zweikampf wird als eine spezifische Form des Gottesurteils hervorgehoben, die durch ihre zweiseitige Natur und aktive Auffassung göttlichen Wirkens besonders zur Entscheidung von Streitfragen zwischen Parteien geeignet war.

Warum wurde das Verfahren gegen Otto von Northeim 1070 als Fallbeispiel gewählt?

Dieser Fall illustriert besonders deutlich, wie ein Gottesurteil als Schauprozess zur Ausschaltung eines politischen Gegners inszeniert wurde, ohne dass eine korrekte Durchführung intendiert war.

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Details

Title
Das Gottesurteil im Mittelalter und seine politische Einsatzmöglichkeit
Subtitle
Vergleich dreier Fallbeispiel
College
University of Hamburg  (Fachbereich Geschichte)
Course
Gewalt im frühen Mittelalter
Grade
2,0
Author
Marc Drozella (Author)
Publication Year
2007
Pages
23
Catalog Number
V142349
ISBN (eBook)
9783640514694
ISBN (Book)
9783640515264
Language
German
Tags
Mittelalter Ordal Heinrich II. Gewalt Gottesurteil
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marc Drozella (Author), 2007, Das Gottesurteil im Mittelalter und seine politische Einsatzmöglichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142349
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