Stoffgeschichte und literarischer Anspielungshorizont im 'Willehalm' von Wolfram von Eschenbach

Die literarischen Anspielungen des 'Willehalm' auf den 'Parzival'-Roman


Referat (Ausarbeitung), 2007

9 Seiten, Note: 2,0

Kevin Kappel (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Prolog (1,1-5,14)

3. Besprechung der einzelnen Stellen
3.1 Literarische Anspielungen auf die Figur des Feirefiz
3.2 Literarische Anspielungen auf die Figur des Anfortas
3.3 Literarische Anspielungen auf die Figur des Parzival
3.4 Sonstige literarische Anspielungen auf Figuren, Motive und Themen aus dem `Parzival`-Roman

4. Schluss: Das Konzept der literarischen Bezüglichkeit im `Willehalm`

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die hier vorliegende Arbeit stellt eine Ausarbeitung des Referats „Stoffgeschichte und literarischer Anspielungshorizont“ dar und ist im Rahmen des Seminars „Wolframs von Eschenbach `Willehalm`“ entstanden. Sie beschäftigt sich mit den literarischen Anspielungen auf den `Parzival`-Roman, die Wolfram in seine `Willehalm`-Erzählung hat einfließen lassen.

Im Folgenden wird zunächst der Prolog des `Willehalm` näher beleuchtet werden. Hiernach stehen die einzelnen Textstellen, die einen literarischen Bezug auf den `Parzival`-Roman erkennen lassen, im Fokus dieser Ausarbeitung. Vor diesem Hintergrund soll schließlich die Frage geklärt werden, welches Konzept von Bezüglichkeit der `Willehalm` in Bezug auf den `Parzival´ aufweist.

2. Der Prolog (1,1-5,14)

Im Prolog des `Willehalm` stellt Wolfram von Eschenbach sich als der `Parzival`-Dichter vor: swaz ich von Parzivâl gesprach (4,20). Er verweist auf sein früher entstandenes Werk, welches nicht nur Lob, sondern auch Kritik erntete: „Manch einer hat es gelobt; es gab auch viele, die es getadelt haben“ (estlîch man das prîste – ir was ouch vil die`z smaethen 4,22-23).

Mit den unterschiedlichen Reaktionen auf sein früheres Werk geht Wolfram jedoch „souverän und ohne Schärfe um, den Blick auf das neue dichterische Unternehmen gerichtet.“[1] Willehalm bleibt zunächst einmal durch seinen ritterlichen Auszug, der durch dessen Enterbung veranlasst wird, den Figuren Parzival und Gahmuret verbunden. Doch bereits der Prolog macht Unterschiede im strukturellen Aufbau des `Willehalm` im Vergleich zum `Parzival` deutlich, da in der Figur des heiligen Willehalms schon von vornherein Zielerfüllung gewiss ist. Zudem steht Willehalms Stellung innerhalb der Gesellschaft durch den Einsatzpunkt der Erzählung schon von Anfang an fest. Diese strukturellen Differenzen im Vergleich zum `Parzival` führen dazu, dass Vorbildlichkeit des Helden nicht mehr erreicht, sondern lediglich als Problem thematisiert werden kann.[2]

Auch die Beschaffenheit der erzählten Welt im `Willehalm` weist Unterschiede zum `Parzival`-Roman auf. So erscheinen nun die Grundvoraussetzungen höfisch-ritterlicher und insbesondere artus-ritterlicher Verhaltensweisen (wie zum Beispiel die Verschonung des im Kampf Unterlegenen) in Zweifel gezogen, so dass der Konflikt zwischen Christen und Heiden gekennzeichnet ist durch Erbarmungslosigkeit und dem Zwang zur Vernichtung:[3]

da wart sölhiu riterschaft getan,

sol man ir geben rehtez wort,

diu mac vür war wol heizen mort.

swa man slouc od stach,

swaz ich e da von gesprach,

daz wart naher wol gelendet

denne mit dem tode gendet:

diz engiltet niht wan sterben

und an vreuden verderben.

man nam da wenic sicherheit (10,18-27).

3. Besprechung der einzelnen Stellen

Ungeachtet der im Kapitel zuvor aufgezeigten strukturellen Unterschiede ist im `Willehalm` der Bezug zum `Parzival´-Roman unverkennbar. So finden viele Personen aus dem `Parzival`-Roman im `Willehalm` namentlich Erwähnung, wie zum Beispiel Gahmuret, Gawan, Feirefiz, Artus, Anfortas, Sekundille, Karnahkarnaz und Parzival. Die meisten literarischen Anspielungen beziehen sich dabei auf die Figuren des Feirefiz, des leidenden Anfortas und der Sekundille.[4] Durch diese literarischen Anspielungen bleibt das ältere Werk im jüngeren präsent und fordert einen Vergleich beider Werke heraus. Die gleiche Funktion erfüllen Motive und Themen, die Wolfram bereits im `Parzival` verwendete und im `Willehalm` erneut aufgreift. So zum Beispiel die Enterbung, der Brudermord oder die Beraubung eines Toten.[5] Vor allem die Orient-Motive des `Parzival´ finden im `Willehalm` erneut Verwendung. Beispielsweise sind die Ländernamen, die den Königen der Heiden zugeordnet sind, oft dem `Parzival´ entnommen und verweisen auf bereits bekannte Umstände. Der Heide Noupatris etwa wird als König von Oraste Gentesin vorgestellt. Dieses Land zeichnet sich im `Parzival` besonders durch seine hervorragenden Lanzenschäfte aus Bambus (rœrine schefte; Pz. 335,21ff.), ein Umstand, der in der Beschreibung des Heiden im `Willehalm` ebenfalls kurz Erwähnung findet: sin schaft was rœrin ime sper (23,22). Kiening weist jedoch darauf hin, dass sich oft „nur ein scheinbar vertrautes Terrain“[6] eröffnet. So werden die Länder im `Willehalm` nun von anderen Fürsten beherrscht und ehemalige Personennamen zu Herkunftsbezeichnungen umfunktioniert.[7]

[...]


[1] Christian Kiening: Reflexion-Narration. Wege zum `Willehalm` Wolframs von Eschenbach. Tübingen 1991, S. 94, siehe auch Christopher Young: Narrativische Perspektiven in Wolframs `Willehalm`. Tübingen 2000, S. 108.

[2] Vgl. Kiening (1991), S. 94.

[3] Vgl. Kiening (1991), S. 94.

[4] Vgl. John Greenfield/ Lydia Miklautsch: Der `Willehalm` Wolframs von Eschenbach. Eine Einführung. Berlin/ New York 1998, S. 56 und vgl. Joachim Bumke: Wolfram von Eschenbach. 8., völlig neu bearbeitete Auflage, Stuttgart/ Weimar 2004, S. 361.

[5] Vgl. Bumke (2004), S. 361.

[6] Kiening (1991), S. 95.

[7] Vgl. Elisabeth Schmid: Semantische Illusionen. Zu einigen Namen bei Wolfram von Eschenbach, in: Germanisch-romanische Monatsschrift 28 (1978), S. 291-309, hier S.304f. und vgl. Kiening (1991), S. 95.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Stoffgeschichte und literarischer Anspielungshorizont im 'Willehalm' von Wolfram von Eschenbach
Untertitel
Die literarischen Anspielungen des 'Willehalm' auf den 'Parzival'-Roman
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
9
Katalognummer
V142361
ISBN (eBook)
9783640535293
ISBN (Buch)
9783640535262
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Willehalm, Wolfram von Eschenbach
Arbeit zitieren
Kevin Kappel (Autor:in), 2007, Stoffgeschichte und literarischer Anspielungshorizont im 'Willehalm' von Wolfram von Eschenbach, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142361

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