Die letzten Meldungen lassen einen Blick in die Zukunft zu: Porsche wird auf lange
Zeit ein Teil der Volkswagen-Gruppe. Das ist das (traurige) Ergebnis der Übernahmeversuche
der Volkswagen AG durch die Porsche-Holding, die zu keinem unglücklicheren
Zeitpunkt hätten stattfinden können. Ein Wunder nur, dass es Schaeffler bislang
nicht ebenso ergangen ist.
Die Vorgänge um den Erwerb eines größeren Anteils der Continental AG durch den
Automobilzulieferer Schaeffler und VW-Anteilen durch Porsche sorgten vor einiger
Zeit für erhebliche Unruhe am Finanzmarkt und schreckten nicht nur Kleinaktionäre
und andere Investoren, sondern auch mittelständische und Großunternehmen aus
ihrem Dornröschchenschlaf. Kannte man bis dahin feindliche Übernahmen nur von
Einzelfällen und durch Berichte aus dem Ausland, holte dieses „Schreckgespenst“
nun auch deutsche Unternehmen ein.
Die Nachrichten führten zu verheerenden Auswirkungen auf den Finanzmarkt. Auslöser
für die Kurskapriolen waren eben diese überfallartigen Aktionen. Was sich bei
Porsche/VW noch über mehrere Stufen hinzog, wurde bei Schaeffler/Continental „in
einem Rutsch“ durchgezogen und kann ohne Einschränkung als Musterbeispiel einer
feindlichen Übernahme bezeichnet werden.
Im Zuge der Finanzkrise haben diese Übernahmen in der Öffentlichkeit einen bitteren
Beigeschmack erhalten und zu wilden Spekulationen geführt. Dabei handelt es sich
aber um Umstände, die, zugegebenermaßen, zu einem ungünstigen Zeitpunkt zusammentrafen,
aber nur zeitlich kausal sind, was an dieser Stelle erwähnt werden
soll.
Im nachfolgenden soll die Vorgehensweise des „Anschleichens“ näher dargestellt
werden, insbesondere innerhalb welcher rechtlicher Rahmenbedingungen dies möglich
ist, welche Chancen und Risiken damit verbunden sind und wie die derzeitige
Lage verbessert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition
3. Gesetzliche Grundlagen, die ein „Anschleichen“ ermöglichen
3.1 Besonderheit der cash-settled-swaps
4. Chancen & Risiken des Ausnutzens der Regelungslücken
4.1 Betriebswirtschaftliche Chancen und Risiken
4.2 Rechtliche Chancen und Risiken
4.3 Chancen und Risiken für den Kapitalmarkt und die beteiligten Banken
5. Verbesserungsvorschläge
6. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Praxis des „Anschleichens“ bei der Übernahme börsennotierter Unternehmen mittels cash-settled-equity-swaps, analysiert die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie deren Lücken und bewertet die damit verbundenen Chancen und Risiken für die beteiligten Unternehmen, Banken und den Kapitalmarkt.
- Analyse der Übernahmepraxis mittels cash-settled-swaps
- Untersuchung gesetzlicher Meldeschwellen und deren Umgehung
- Bewertung betriebswirtschaftlicher Synergieeffekte und Risiken
- Diskussion rechtlicher Konsequenzen und Zurechnungstatbestände
- Entwicklung von Verbesserungsvorschlägen für die Finanzmarktaufsicht
Auszug aus dem Buch
Besonderheit der cash-settled-swaps
Cash-settled-swaps unterliegen (zumindest früher, die heutige Rechtslage ist heillos umstritten) nicht der Mitteilungspflicht gemäß § 25 WpHG. Nach § 1 WpHG sind nur solche Finanzinstrumente davon mitumfasst, die ihrem Inhaber das Recht verleihen, einseitig im Rahmen einer rechtlich bindenden Vereinbarung mit Stimmrechten verbundene und bereits ausgegebene Aktien eines Emittenten zu erwerben. Genau darin liegt jedoch die Besonderheit des „cash-settlement“. Der Übernehmer erhält über die schuldrechtliche Vereinbarung lediglich einen Wertausgleich. Ihm steht im Rahmen dieser Vereinbarung, im Gegensatz zu den physically-settled-swaps, kein Anspruch auf die Aktien in natura zu. Daher unterliegt die rein schuldrechtliche Vereinbarung über einen garantierten Kaufpreis nicht der Zurechnung gemäß § 25 WpHG, sodass auch keine Zurechnung über § 22 WpHG stattfindet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik feindlicher Übernahmen am Beispiel von Porsche/VW und Schaeffler/Continental und führt in das Konzept des „Anschleichens“ ein.
2. Definition: In diesem Kapitel wird der Begriff des „kreativen Anschleichens“ als unbemerkter Anteilerwerb zur späteren Unternehmenskontrolle unter Umgehung von Meldepflichten definiert.
3. Gesetzliche Grundlagen, die ein „Anschleichen“ ermöglichen: Hier werden die gesetzlichen Meldeschwellen nach WpHG und WpÜG erläutert und aufgezeigt, wie diese durch Derivategeschäfte umgangen werden können.
3.1 Besonderheit der cash-settled-swaps: Das Kapitel detailliert die Funktionsweise von cash-settled-swaps und warum diese aufgrund ihrer rein schuldrechtlichen Natur oft nicht unter die bestehenden Meldepflichten fallen.
4. Chancen & Risiken des Ausnutzens der Regelungslücken: Eine Gegenüberstellung der strategischen Vorteile für Investoren gegenüber den Risiken für die Zielgesellschaft, Arbeitnehmer und den Finanzmarkt.
4.1 Betriebswirtschaftliche Chancen und Risiken: Dieses Kapitel analysiert Synergieeffekte und Technologietransfer als Chancen sowie die Gefahr der finanziellen Aushöhlung durch hohe Schuldenlasten.
4.2 Rechtliche Chancen und Risiken: Es wird erörtert, welche Bußgeldrisiken bei Umgehungsgeschäften bestehen und welche zivilrechtlichen Haftungsrisiken für den Übernehmer drohen.
4.3 Chancen und Risiken für den Kapitalmarkt und die beteiligten Banken: Eine Betrachtung der Auswirkungen auf die Marktliquidität, das Stabilitätsrisiko und die Rolle der Banken als Dienstleister bei solchen Transaktionen.
5. Verbesserungsvorschläge: Es werden konkrete Forderungen zur Verschärfung der Transparenzregeln, zur Zurechnung bei acting in concert und zur Stärkung der Aktionärsrechte formuliert.
6. Schluss: Das Fazit stellt fest, dass der deutsche Markt auch ohne übermäßige Regulierung funktioniert und mahnt vor aktionistischer Gesetzgebung, die Investoren abschrecken könnte.
Schlüsselwörter
Feindliche Übernahme, Anschleichen, cash-settled-swaps, WpHG, WpÜG, Finanzmarktaufsicht, BaFin, Meldeschwellen, acting in concert, Risikobegrenzungsgesetz, Unternehmensübernahme, Anteilerwerb, Aktionärsrechte, Kapitalmarkt, Finanzinstrumente
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Taktik des „Anschleichens“ bei der Übernahme von börsennotierten Unternehmen in Deutschland, insbesondere unter Ausnutzung von Regelungslücken bei Derivategeschäften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die rechtlichen Rahmenbedingungen des Wertpapierhandels, die Funktionsweise von cash-settled-equity-swaps, die ökonomischen Motive hinter Übernahmen sowie die Rolle staatlicher Aufsichtsinstitutionen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Investoren durch spezifische Finanzinstrumente Meldepflichten umgehen können, und daraus Handlungsempfehlungen für eine effektivere Regulierung abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten juristischen und betriebswirtschaftlichen Analyse bestehender Gesetze (WpHG, WpÜG) sowie der Interpretation aktueller Marktpraktiken und Präzedenzfälle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der „Anschleich“-Techniken, die Analyse der rechtlichen und wirtschaftlichen Vor- und Nachteile sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Gesetzgebung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Fachbegriffe wie Meldeschwellen, Stimmrechtsanteile, Zurechnungstatbestände und derivatebasierte Übernahmestrategien.
Warum ist das "cash-settlement" so entscheidend für diese Übernahmestrategie?
Da beim cash-settlement keine Aktien physisch übereignet werden, sondern nur ein Wertausgleich stattfindet, greifen die klassischen Meldepflichten für den Erwerb von Stimmrechten rechtlich schwerer, was das "Anschleichen" verdeckt ermöglicht.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Finanzmarktaufsicht?
Der Autor kritisiert die BaFin als teilweise ineffektiv und fordert eine personelle sowie rechtliche Stärkung, um die Aufsicht über den deutschen Finanzmarkt nachhaltig zu verbessern.
- Citation du texte
- Sebastian Ochs (Auteur), 2009, Übernahme börsennotierter Unternehmen mittels swaps, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142479