„Jedes 4. Kind auffällig aggressiv“, „Elfjähriger Junge erpresst Mitschüler“, „Aggression im Kindergarten: Erzieherinnen in Not“, „Massenschlägerei in Hauptschule“. Solche und ähnliche Schlagzeilen zur Kinder- und Jugendgewalt finden sich immer wieder in verschiedenen Zeitungen. Auch selbst gedrehte Filmchen mit Gewaltszenen auf dem Schulhof kursieren vermehrt im Internet oder werden unter den Kindern und Jugendlichen getauscht und als eine Art „Trophäe“ in der Clique stolz herumgezeigt. Die Aggressionsbereitschaft unter Kindern und Jugendlichen scheint höher zu sein denn je. Aber inwieweit beeinflussen Gesellschaft, Medien, Familie, Schule und Peer-Groups die Entstehung von aggressivem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen? Um diese Frage adäquat beantworten zu können, werden zunächst grundlegende Theorien zur Entstehung von Aggressionen vorgestellt, anschließend folgt eine ausführliche Darstellung der Risikofaktoren und damit der Kernteil dieser Hausarbeit. Abschließend möchte ich diverse Interventions- und Präventionsmöglichkeiten aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Aggression bei Kindern und Jugendlichen
1. Definition und Aggressionstheorien
1.1 Die Aggressions-Trieb-Theorie (Sigmund Freud, Konrad Lorenz)
1.2 Die Frustrations-Aggressions-Theorie (John Dollard)
1.3 Die Lerntheorie
1.3.1 Lernen am Erfolg/Misserfolg (Edward Lee Thorndike,Burhuss Frederic Skinner)
1.3.2 Lernen am Modell (Albert Bandura)
2. Risikofaktoren
2.1 Gesellschaft
2.2 Medien
2.3 Peer-Groups
2.4 Familie
2.5 Schule
2.6 Persönlichkeitsmerkmale
3. Interventions- und Präventionsmöglichkeiten
3.1 Psychologische Intervention
3.1.1 Familienbezoger Ansatz („Parental Management Training“, kurz: PMT)
3.1.2 Der kognitiv-behaviorale Ansatz
3.1.3 Grenzen der bestehenden Behandlungsansätze
3.2 Psychologische Prävention (am Beispiel „FAUSTLOS“)
3.3 Präventionsmöglichkeiten in der Schule
C. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Ursachen von aggressivem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen vor dem Hintergrund familiärer, schulischer und gesellschaftlicher Einflüsse, um daraus effektive Interventions- und Präventionsstrategien abzuleiten.
- Psychologische Aggressionstheorien und deren wissenschaftliche Einordnung.
- Analyse der zentralen Risikofaktoren (Gesellschaft, Medien, Familie, Schule, Peer-Groups).
- Evaluation von Interventionsmethoden wie dem Parental Management Training (PMT).
- Darstellung kognitiv-behavioraler Ansätze zur Förderung sozialer Kompetenzen.
- Vorstellung von Präventionsprogrammen am Beispiel von "FAUSTLOS".
Auszug aus dem Buch
2.2 Medien
„[…] Ein heutiger junger Mensch, so haben die Medienforscher ermittelt, hat in den ersten 15 Jahren seines Lebens rund 16.000 Stunden ferngesehen; sich pro TV-Stunde mindestens drei Gewaltdarstellungen angeschaut […].“ 11 Dieses Zitat von dem deutschen Schulpädagogen Rainer Winkel bringt das Ausmaß des Fernsehkonsums unserer heutigen Gesellschaft ziemlich genau auf den Punkt. Im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen aggressivem Verhalten und dem Fernsehkonsum mit gewalttätigen Inhalten haben die Medienforscher Dieter Kübler und Gerd Würzberg vier, zum Teil konträre Hypothesen aufgestellt:
Der Katharsishypothese nach wird durch das Anschauen von Gewaltdarstellungen die eigene Aggressivität abgebaut, d.h. die im Film dargestellte Gewalt fungiert als Ventil für die angestauten Aggressionen des Rezipienten.
Eine weitere These, die sogenannte Stimulationsthese besagt, dass gewalttätige Inhalte eine enthemmende Wirkung auf das menschliche Verhalten haben und somit zur Freisetzung aggressiver Energie beitragen. Im Gegensatz zur Stimulationsthese geht die Inhibitionsthese davon aus, dass das Betrachten von gewalthaltigen Filmen einen dämpfenden Effekt auf den Konsumenten ausübt und damit Aggressionen abgeschwächt werden.
Die sogenannte Habitualisierungsthese nimmt an, dass der regelmäßige Konsum von Fernsehgewalt beim Zuschauer kognitiv verankert wird (Modellernen), was zur Folge hat, dass sich bei diesem eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Aggressionsopfern einstellen kann und dieser ein falsches Bild von einem angemessenen Umgang mit Konfliktsituationen vermittelt bekommt. Anhand der dargebotenen Erklärungsmechanismen ist ersichtlich, dass das Massenmedium Fernsehen mit seinen Gewaltdarstellungen einen großen Einfluss auf die Zuschauer nimmt und einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Entstehung sowie zur Ausübung aggressiver Verhaltensweisen leistet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition und Aggressionstheorien: Dieser Abschnitt erläutert den wissenschaftlichen Aggressionsbegriff und stellt drei zentrale Theorien vor: die Aggressions-Trieb-Theorie, die Frustrations-Aggressions-Theorie und lerntheoretische Ansätze.
2. Risikofaktoren: Es werden sechs wesentliche Einflussgrößen identifiziert, die die Entstehung aggressiven Verhaltens begünstigen, darunter gesellschaftliche Bedingungen, Medienkonsum, Peer-Groups, Familie, Schule und Persönlichkeitsmerkmale.
3. Interventions- und Präventionsmöglichkeiten: Dieser Teil beleuchtet Behandlungsformen wie das Parental Management Training und kognitiv-behaviorale Ansätze sowie präventive Programme zur Förderung sozialer Kompetenzen, insbesondere am Beispiel von FAUSTLOS.
Schlüsselwörter
Aggression, Gewalt, Kinder, Jugendliche, Risikofaktoren, Sozialisation, Lerntheorie, Medienkonsum, Prävention, Intervention, Erziehungsstil, Peer-Groups, Schulalltag, Verhaltensstörungen, soziale Kompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entstehung von aggressivem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen und untersucht, wie dieses durch verschiedene soziale und psychologische Faktoren beeinflusst wird.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Schwerpunkten zählen theoretische Erklärungsmodelle für Aggression, die Analyse von Risikofaktoren in der Umwelt des Kindes sowie Methoden der Intervention und Prävention.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Komplexität der Entstehungsbedingungen von Aggression aufzuzeigen und Strategien zu diskutieren, wie diese durch gezielte Erziehung und pädagogische Maßnahmen abgemildert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturbasierte Arbeit, die verschiedene psychologische Theorien und Studien zusammenführt und kritisch analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung theoretischer Konzepte, die detaillierte Darstellung von Risikofaktoren (wie Familie und Schule) und die Erläuterung konkreter Trainings- und Präventionsprogramme.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Aggression, Prävention, Intervention, Sozialisation, Erziehungsstil und Verhaltensstörungen sind die zentralen Begriffe.
Was unterscheidet Intervention von Prävention laut dem Text?
Interventionen setzen bei bereits bestehenden Verhaltensproblemen an, während Präventionsprogramme vorbeugenden Charakter haben, um soziale Kompetenzen zu stärken und den Aufbau aggressiver Muster von vornherein zu verhindern.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Schule bei der Entstehung von Aggression?
Die Schule wird nicht nur als Lernort, sondern auch als Träger von Risikofaktoren gesehen, etwa durch Überforderung, Konkurrenzdruck oder ein spannungsgeladenes Lehrer-Schüler-Verhältnis.
- Citation du texte
- Anna Figas (Auteur), 2009, Aggression bei Kindern und Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142489