Mitgestalten eins individuellen Geräteparcours nach dem Vorbild von "Le Parkour"

Grundbewegungen in Kombination üben und durch Partnerrückmeldung die individuelle Bewegungsausführung verbessern


Unterrichtsentwurf, 2009

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. Bedingungsanalyse

Der Sportunterricht der neunten Jahrgangsstufe Gymnasium der Schule findet einmal pro Woche als Doppelstunde statt. Die Klasse G9c hat dieses Schuljahr die alte Sporthalle der Schule und die angren- zende Gymnastikhalle für den Sportunterricht in der siebten und achten Stunde jeden Donnerstag zur Verfügung. Vor allem die Nutzung der angrenzenden Gymnastikhalle bietet sich für die Unterrichtseinheit „Le Parkour“ besonders gut an, da zwischen ihr und der Sporthalle ein Höhenunterschied von etwa 1,20m besteht, der gut in den Parkoursport integriert werden kann.

Ich kenne die Schülerinnen und Schüler1schon seit dem letzten Schuljahr, unterrichte sie aber erst seit Beginn des Schuljahres 2009/2010 im Fach Sport.

Durch die Sportlehrerin des vorangegangenen Schuljahres konnte ich erfahren, dass die Lerngruppe als recht sportlich und motiviert eingeschätzt wird. Diese Informationen decken sich auch mit meinen bisherigen Erfahrungen mit der Klasse. Viele der Schüler sind Mitglied in einem Sportverein und bringen dadurch unterschiedliche Vorerfahrungen mit, welche von mir im Unterricht als Expertenwissen genutzt werden.

Da ich die Lerngruppe schon recht lang kenne und wir gut miteinander auskommen, ist der Unterricht durch Offenheit und Respekt geprägt. Die positive Grundhaltung zum Fach Sport wird dadurch verstärkt, dass die Unterrichtsinhalte gemeinsam mit den Schülern nach deren Interessen ausgerichtet und an die Lehrplanvorgaben angepasst werden. Somit kann eine hohe Motivation in der Lerngruppe aufrechterhalten werden und führt für alle Schüler zu einer Zieltransparenz der Unterrichtseinheiten und -stunden.

Auch der Zusammenhalt innerhalb der Klasse ist sehr gut ausgeprägt, was besonders an der schnellen Integration der drei neuen Schüler, zu bemerken war. Diese gute soziale Kompetenz möchte ich für meinen Unterricht nutzen und bei sportpraktischen Aufgaben integrieren, wie bspw. in Form von Partnerdiagnose und -rückmeldung. Daher war die Entscheidung für die Arbeit mit Beobachtungsbögen in Lerntrios nicht schwierig, auch wenn die Lerngruppe das erste Mal in dieser Unterrichtseinheit mit Partnerdiagnosebögen arbeitet (siehe me- thodische Überlegung).

Nicht nur für die Arbeit mit Beobachtungsbögen, sondern auch im Hinblick auf das Unterrichtsthema „Le Parkour“ ist es wichtig, dass die Lerngruppe verantwortungsvoll, kooperativ und rücksichtsvoll miteinander agieren kann. Da diese Voraussetzungen in der Klasse G9c vorhanden sind, beeinflusste das auch die Entscheidung positiv, die Trendsportart „Le Parkour“ im Sportunterricht zu behandeln. Natürlich wurde die Klasse sensibilisiert, was die Ge- fahren und die Individualität des Parkoursports angeht. Besonders die notwendige individuelle Herangehensweise (siehe Sachanalyse und didaktische Überlegung), die abhängig von konditionellen und koordinativen Fähigkeiten sowie des eigenen Wagemutes ist, wurde im Plenum thematisiert. Durch das Bewusstmachen der Philosophie des Parkoursport ist eine Voraussetzung für die sichere und verletzungsfreie Durchführung dieser Sportart im Unterricht gegeben.

Die Routine von Plenumsphasen ist bei der Lerngruppe noch zu verstärken. Dennoch äußern die Schüler ihre Erfah- rungen und Ideen gerne und ungehemmt, was dem Unterrichtsklima und dem Austausch untereinander sehr zuträg- lich ist. Lediglich die Art der Rückmeldungen sollten hinsichtlich ihrer Konstruktivität und Präzision noch weiter geschult werden.

Die spezifischen Vorerfahrungen zum Thema „Le Parkour“, aber auch die anderen sportartspezifischen Vorerfah- rungen, bspw. aus der Leichtathletik, verdeutlichen die Heterogenität der Lerngruppe (siehe methodische Überle- gung). Auch hinsichtlich der körperlichen Entwicklung sind große Unterschiede sichtbar, auf die beim Aufbau der Geräte Rücksicht genommen werden muss. Denn ist mit über 1,85m der Größte der Klasse, wohingegen die Kleinsten, wie circa 1,60m messen.

Leistungsstarke Schüler sind vor allem die aber auch ab und zu daran erinnert werden müs- sen, dass sie das Verbot, Drehungen um die Körperbreitenachse durchzuführen, auch einhalten. Sehr positiv ist mir vor allem aufgefallen, die sehr zierlich und klein ist, aber alles mutig ausprobiert und dabei auch durchweg erfolgreich die gestellten Aufgaben bewältigt. Ähnliches ist auch über zu berich- ten.

Zurückhaltung beim Ausprobieren der Übungen ist vorwiegend von zu verzeichnen. Bei ist eine alte Verletzung am Knie der Hauptgrund für ihre Zurückhaltung. Diesen Schülern gebe ich häufig zusätzliche Hinweise, wie sie die Bewältigung der verschiedenen Aufgaben erleichtern bzw. vereinfachen können, und versuche sie dadurch zum Ausprobieren zu motivieren.

Abschließend lässt sich sagen, dass mir das Unterrichten in dieser Klasse, vor allem durch deren Begeisterung am Fach Sport, sehr viel Freude bereitet.

2. Sachanalyse

„Le Parkour ist eine Sportart zur schnellen und effizienten Fortbewegung ohne Hilfsmittel. Dabei bewegt [...] sich [der Traceur[2]] mit Eleganz, effizient durch den urbanen und natürlichen Raum. [Die Frage, wie man die Hindernisse, die man auf dem Weg von A nach B überwinden muss, bewältigt], entspringen den eigenen Ideen, vorhandenen Möglichkeiten und dem eigenen Können. Le Parkour setzt Kreativität voraus und sucht sein Ziel in der Perfektion [...]“ (INTERNET 1).

Diese Trendsportart, die sich aus einer militärischen Trainingsform des Franzosen G. HÉBERT Anfang des 20. Jahr- hunderts gebildet hat (HEINLIN 2008:25), begeistert seit etwa zwei Jahren vor allem Jugendliche und junge Erwach- sene durch die Bewältigung selbst gewählter Hindernisse. Le Parkour beansprucht sowohl die Ausdauer und Kraft als auch die Beweglichkeit und Koordination. Aber auch geistige Fähigkeiten werden fordert, durch das Abschätzen der Hindernisse und der entsprechenden Wahl der Überwindung. Diese Trendsportart ist demzufolge als Ganzkörperschulung anzusehen.

Le Parkour kommt mit etwa 14 Grundbewegungen aus (siehe Tabelle 1 im Anhang), die Techniken aus der Leicht- athletik (Springen, Laufen) oder dem Turnen (Rollen, Kehren, Wenden, Kippen, Stützen) ähnlich sind. Durch diese Vielfältigkeit an Bewegungen können die Schüler ihre unterschiedliche Vorerfahrungen nutzen (siehe Bedingungs- analyse) und ihren ganz persönlichen Zugang zu dieser Sportart finden (siehe didaktische Überlegung). Mithilfe dieser Grundbewegungen, die abgewandelt werden können, kann man fast jedes Hindernis überwinden. Dabei wird bei der Bewegungsausführung darauf abgezielt einen Flow in die eigenen Bewegungen zu bringen, das heißt, die Bewegungen fließend und locker aussehen zu lassen. Die Abwandlungen der Grundbewegungen sind notwendig, damit jeder Traceur, entsprechend seines Könnens und Wagemutes als auch seiner sportlichen Fähigkei- ten, sicher das Hindernis überqueren kann und dennoch diesen Flow erreicht. Jeder Traceur entscheidet selbststän- dig, wie er das Hindernis überquert, welche Grundbewegung er nutzen will und ob er diese abwandelt. Akrobatische Elemente, sowie „zeitliche [oder technische] Überbietungsaspekte“ (HEINLIN 2008:26) sollen unberücksichtigt blei- ben. Die Läufer liefern sich keinen Wettkampf, sondern geben sich vielmehr Tipps (Rückmeldung) um Bewegun- gen noch effizienter und flüssiger durchführen zu können.

Besonders die mögliche und sogar geforderte Individualität aber auch die soziale Komponente dieses Sports macht ihn umso attraktiver für den Sportunterricht (siehe didaktische Überlegung).

Schwierig ist allerdings die Gewährleistung der Sicherheit bei dieser Sportart, die in der methodischen Überlegung näher betrachtet wird.

3. Didaktische Überlegung

Der hessische Lehrplan sieht für das Fach Sport in der neunten Jahrgangsstufe Gymnasium (G 8-Lehrplan) unter anderem (G9.2) das Entwerfen und Gestalten einer Gerätekombination bzw. Gerätebahn vor (HKM 2005: 68). Dabei stehen der Lehrkraft verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Zum einen kann sie die Thematik und die Vorerfahrungen der Schüler im Bereich Turnen aufgreifen und diese Aufgabe mithilfe des normgebundenen Tur- nens (HKM 2005:9) realisieren. Oder die Lehrkraft entscheidet sich für das nicht normgebundene, freie Turnen (HKM 2005:9), welches bspw. durch die Trendsportart „Le Parkour“ ermöglicht werden kann. Ich habe mich für die zweite Variante, das freie Turnen entschieden. Dies liegt an der motivationalen Grundhaltung, die für das norm- gebundene Turnen bei dieser Lerngruppe eher mäßig ausgeprägt ist. Um aber dennoch das Turnen oder turnerische Elemente bzw. Turnen an Geräten nicht zu vernachlässigen, ist die Integration der recht neuen Trendsportart „Le Parkour“ eine gute Alternative, die auch von der Lerngruppe dankend angenommen wurde (siehe Bedingungsana- lyse). Die Schüler können bei dieser Variante ihre Vorerfahrungen, nicht nur aus dem Bereich Turnen (siehe Sach- und Bedingungsanalyse), nutzen. Vorteil dabei ist, dass die erlernten Fertigkeiten, im Gegensatz zum traditionellen Gerätturnen, nicht in der Turnhalle bleiben, sondern auch außerhalb der Turnhalle angewandt werden können (LAßLEBEN 2007:42). Damit erfüllt der Sportunterricht auch seine Aufgabe „Sport als Teil gesellschaftlicher Wirk- lichkeit“ (HKM 2005:18) aufzugreifen, ausprobieren zu können und für sich selbst zu reflektieren. Die Grundbewegungen, wie sie in der Sachanalyse beschrieben wurden, sind keine dogmatischen Vorgaben, son- dern können abgewandelt werden, womit die Kreativität bzw. gestalterische Fähigkeit (HKM 2005:21) gefördert wird. Der Parkour bzw. die Gerätebahn konnte nicht ausschließlich durch die Schüler gestaltet werden, da die räum- lichen und ausstattungstechnischen Gegebenheiten der Schule dem Grenzen gesetzt haben. Auch die Kompetenz der Schüler, was die Organisation und den sinnvollen Aufbau eines solchen Runs abgeht, erreichte hier ihre Grenze. Daher entwickelte ich drei unterschiedliche Run-Abfolgen, bei denen die Schüler sich mit ihren selbst gewählten Grundbewegungen wiederfinden konnten. In diesen Vorgaben findet sich auch die notwendige Binnendifferenzie- rung (siehe Bedingungsanalyse), die in dieser Unterrichteinheit nur z.T. durch den Lehrer vorgegeben, zum anderen von den Schülern selbstständig realisiert wird. Denn es entscheiden die Schüler, was sie sich zutrauen, besonders im Hinblick auf ihre eigenen konditionellen und koordinativen Fähigkeiten. Sie werden also durch diese Gestaltungsof- fenheit „Arrangeure ihres eigenen Sports“ (LAßLEBEN 2007:42) und können ihre Selbstständigkeit weiterentwickeln (LAßLEBEN 2007:42). Die dadurch angesprochenen pädagogischen Perspektiven sind demnach, und entsprechend der Philosophie des Parkoursports, die Förderung der Kooperation untereinander (siehe methodische Überlegung), die Schulung der Bewegungsgestaltung und die Auseinandersetzung mit wagnisreichen Bewegungen (HKM 2005:5).

Die Kombination, dass „tolle Tricks“ geübt werden können, aber auch einfache Bewegungen reizvoll sind oder, dass durch geschicktes Vorgehen auch das Erlernen schwieriger Bewegungen ermöglicht wird (LAßLEBEN 2007:42), führt dazu, dass alle Schüler individuelle Erfolgserlebnisse erfahren, da sowohl leistungsstarke Schüler gefordert werden können, ohne das leistungsschwächere überfordert werden.

Die didaktische Reduktion in dieser Einheit fand durch die Auswahl der Grundbewegungen (fett markierte Grund- bewegungen in Tabelle 1), durch die individuelle Gestaltung des Runs (Wahl des Runs und Integration der Abroll- technik) und der individuellen Abwandlungen der Grundbewegungen statt. Grundlage hierfür waren die Bewe- gungsbeschreibungen von ROCHHAUSEN (2009), die wie in jeder Stunde auch heute für die Schüler zum nochmali- gen Nachschauen bereitstehen. In der heutigen Stunde ist die didaktische Reduktion an den Kriterien für die Ge- samteinschätzung des Runs festzumachen, die von den Schülern zuvor selbstständig erarbeitet wurden (siehe .) und die entsprechend der Beobachtungsfähigkeit der Schüler auf eine angemessene Anzahl reduziert wurden. Schnellig- keit als eigenständiges Kriterium (PAPE-KRAMER 2007:170) wurde bewusst nicht berücksichtigt, um den Lei- stungsdruck auf die Schüler zu minimieren und so das Verletzungsrisiko zu vermindern. Außerdem ist in dem Krite- rium „Flüssigkeit“ die Perspektive Tempo ansatzweise, bezogen auf ein ausreichendes Grundtempo, enthalten.

[...]


1Im Folgenden geschlechtsneutral durch Schüler ersetzt

2Bezeichnung für den Läufer im Parkoursport

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Mitgestalten eins individuellen Geräteparcours nach dem Vorbild von "Le Parkour"
Untertitel
Grundbewegungen in Kombination üben und durch Partnerrückmeldung die individuelle Bewegungsausführung verbessern
Hochschule
Studienseminar in Bensheim Heppenheim
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V142542
ISBN (eBook)
9783640538690
ISBN (Buch)
9783640538485
Dateigröße
1341 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Examenslehrprobe
Schlagworte
Mitgestalten, Geräteparcours, Vorbild, Parkour, Grundbewegungen, Kombination, Partnerrückmeldung, Bewegungsausführung
Arbeit zitieren
Annegret Bäßler (Autor), 2009, Mitgestalten eins individuellen Geräteparcours nach dem Vorbild von "Le Parkour", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142542

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