Die Arbeit analysiert drei unterschiedlichen Geschoßwohnungsbauten hinsichtlich ihrer Erschließung (äußere und innere) und versucht ihren Wandel bzw. ihre Entwicklung den Bauphasen und ihren Ideologien gegenüberzustellen.
Eingangssituationen sind einem stetigen Wandel unterlaufen. Zu- und Eingänge von
Siedlungsbauten weisen untereinander Ähnlichkeiten auf, entwickeln sich aber,
aufgrund neuer Nutzungsmöglichkeiten und architektonischer Ausdifferenzierungen,
weiter. Durch ihre Gestaltungen entstehen unterschiedliche äußere Eindrücke, die
wiederum den Zeitgeist, in der die Siedlung entstand, einfängt und zum Ausdruck bringt.
Kompakte Wohnsiedlungen, die aufgrund ihrer gleichförmigen Architektur als
Einheit gesehen werden, vermitteln durch ausgeprägte Wege- und
Erschließungsformen unterschiedliche Raumeindrücke.
Diese sind, je nach
Entstehungszeit, von den damals vorherrschenden Bauideologien geprägt. Der Karl-
Marx-Hof drückt mit seinen Eingängen das propagandarisierte Wehrhafte der damaligen
Zeit aus, während die Nachkriegsjahre und die Zeit des Wiederaufbaues von
standardisierten Gemeindebauten wie der Weinberg-Görgensiedlung geprägt waren.
Die zeitgenössische Architektur am Beispiel der Gartensiedlung Ottakring hingegen
bringt durch ihre vielseitige reihenhausähnliche Bauweise wiederum neue Typen der
Erschließung hervor.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
1.1 Zielsetzung und Forschungsfragen
1.2 Methoden
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Eingänge als Raumbildner
2.1 Raum begreifen – Der Raumbegriff
2.2 Der WegRaum als Zugang zum Eingang
2.3 Die EingangsSchwelle
3. Eingangssituationen im Wohnbau
3.1 Bedeutung und Funktion von Zu- und Eingängen
3.2 RaumErschließung - Analyse der Geschosswohnungsbauten
3.2.1 Der Karl-Marx-Hof der 1920er Jahre
3.2.2 Siedlung Görgengasse 26/Weinberggasse 46 aus den 1960er Jahren
3.2.3 Gartensiedlung Ottakring aus den Jahren 1999/2000
4. Ergebnisse und Diskussion
5. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung, Funktion und architektonische Entwicklung von Eingangssituationen im Wiener Geschosswohnungsbau des 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Siedlungsbeispiele aus unterschiedlichen Epochen nachzuvollziehen, wie sich die Schnittstelle zwischen Innen- und Außenraum baulich und funktional verändert hat und wie diese Gestaltung die Identifikation der BewohnerInnen beeinflusst.
- Architektonische Raumbildung und die Rolle der Erschließung
- Die psychologische Dimension von Schwellensituationen
- Vergleichende Analyse von Erschließungssystemen (Karl-Marx-Hof, Weinberg-Görgengasse, Gartensiedlung Ottakring)
- Identifikationspotenzial und Orientierung durch Freiraumgestaltung
- Der Wandel der Eingangstypologie im historischen Kontext
Auszug aus dem Buch
Die EingangsSchwelle
Die Begriffsverwendung der „Schwelle“ ist – wie auch beim Raum – eine sehr vielseitige. In den unterschiedlichsten Disziplinen wird dieser Ausdruck anders gedeutet. Aus der Psychologie kennt man die „Reiz- und Hemmschwelle“, aus der Wirtschaft die sog. „Schwellenländer“ und in der Metaphysik stellt die Schwelle den Übergang von Leben zum Tod dar. Diese Beispiele, um nur einige zu nennen, zeigen, dass der Begriff selbst vorwiegend symbolisch/psychologischer Natur ist, aber auch häufig als Metapher benutzt wird. Es gibt auch Fachrichtungen, die den Ausdruck für konkrete Dinge bzw. für Bauteile verwenden. Im Eisenbahnbau stellen Schwellen die Holzlatten zwischen den Schienen dar; in der Architektur den untersten Teil eines Türrahmens. Allen Verwendungen gemeinsam ist aber die Beschreibung eines Verlaufes – eines Übergehens von einem Zustand in einen anderen. Die Schwelle stellt mathematisch gesehen einen Grenzwert dar, an dem ein bestimmter Zustand in einen anderen übergeht. Man spricht daher auch von einem Moment des „Umkippens“ (Krämer, 1983, 205).
In der Raumwahrnehmung hat die Schwelle eine besonders interessante Stellung. Hier wird der Sachverhalt des Architektonischen mit dem der Psychologie verbunden, womit die Schwelle sowohl bauliches Element als auch unbewusst erlebbares Symbol wird, das auf das Verhalten des Menschen direkten Einfluss ausübt. In der Architektur findet die Schwelle unterschiedliche gestalterische Umsetzung: im einfachsten Fall dienen dazu eine Tür, ein Tor, ein Durchgang, Bogen sowie topografische Veränderungen, Verengungen/Ausweitungen u.ä. Die Übergänge werden je nach Gestaltung entweder scharf oder eher fließend (eine Art Schleuse) gezogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Hier wird die Relevanz von Eingängen als raumbildende und repräsentative Elemente dargelegt sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit definiert.
2. Eingänge als Raumbildner: Dieses Kapitel erörtert theoretische Grundlagen zu Raumbegriff, Wegführung und der psychologischen Bedeutung von Schwellen als architektonische Übergangszonen.
3. Eingangssituationen im Wohnbau: Der Hauptteil analysiert detailliert die Erschließungssysteme und Eingangssituationen von drei spezifischen Wiener Siedlungsbeispielen aus verschiedenen Epochen.
4. Ergebnisse und Diskussion: Die Ergebnisse aus den Fallstudien werden zusammengeführt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der baulichen Entwicklung sowie im sozialen Identitätsbezug der BewohnerInnen aufzuzeigen.
5. Schlussfolgerungen: Zusammenfassend wird betont, dass sich trotz formaler Wandelprozesse in der Architekturgeschichte logische Prinzipien der Erschließung bewährt haben und die Gestaltung von Eingängen essenziell für die Verbindung von Identität und Gemeinschaftsgefühl bleibt.
Schlüsselwörter
Eingangssituation, Wohnbau, Architektur, Raumbildung, Erschließungssysteme, Schwelle, Freiraum, Identifikation, Wien, Siedlungsbau, Wegraum, 20. Jahrhundert, Gemeindebau, Zeilenbau, Architekturpsychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der architektonischen und funktionalen Bedeutung von Zu- und Eingängen in Wiener Geschosswohnungsbauten des 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Gestaltung von Schwellensituationen, die Entwicklung von Erschließungssystemen und der Einfluss dieser architektonischen Elemente auf die Identifikation der BewohnerInnen mit ihrem Wohnumfeld.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, anhand von drei Fallbeispielen zu beschreiben, wie sich Eingangssituationen baulich und funktional gewandelt haben und wie sie heute als integrierter Bestandteil des Gesamtraumes wahrgenommen werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine umfassende Literaturrecherche mit einer strukturierten Vor-Ort-Analyse, bestehend aus städteplanerischen Untersuchungen, Begehungen und einer Fotodokumentation der ausgewählten Siedlungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung des Karl-Marx-Hofs (1920er Jahre), der Weinberg-Görgensiedlung (1960er Jahre) und der Gartensiedlung Ottakring (1999/2000) im Hinblick auf deren äußere und innere Erschließung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Eingangssituation, Wohnbau, Raumbildung, Schwelle, Erschließungssysteme und Identifikation.
Wie unterscheidet sich die Erschließung zwischen den untersuchten Bauzeiten?
Während der Karl-Marx-Hof auf monumentale Bögen und Gemeinschaftshöfe setzt, zeigen Siedlungen der 1960er Jahre eine stärkere Monotonisierung und orthogonale Schlichtheit, während moderne Siedlungen wie die Gartensiedlung Ottakring durch Transparenz und individuelle Farbgestaltung neue Orientierungspunkte setzen.
Welche Rolle spielt die Farbe bei der Eingangsbewertung?
Die Arbeit stellt fest, dass in moderneren Siedlungen die individuelle Farbgebung von Eingängen und Stiegenhäusern gezielt als Orientierungshilfe eingesetzt wird, um die Anonymität gleichförmiger Architektur zu durchbrechen.
- Quote paper
- Phillis Cichy (Author), 2007, Zu- und Eingänge im Wandel - Eine Analyse von Eingangssituationen anhand von drei Geschoßwohnungsbauten des 20. Jahrhunderts in Wien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142545