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Sonderrechte der sorbischen Minderheit in Deutschland aus kommunitaristischer Perspektive

Title: Sonderrechte der sorbischen Minderheit in Deutschland aus kommunitaristischer Perspektive

Essay , 2008 , 11 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Andre Hellstab (Author)

Politics - Miscellaneous
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Dieses Essay untersucht anhand der kommunitaristischen Position von Charles Taylor die Situation der als nationale Minderheit anerkannten Sorben in Deutschland. In seinem Essay „Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung“ bietet er eine kommunitaristische Analyse an, die nicht nur zur Untersuchung der Situation einer definierten nationalen Minderheit und deren Anerkennungsproblematik geeignet ist, sondern auch einen wichtigen Anteil zur grundlegenden Diskussion über den Umgang mit nationalen Minderheiten und deren Anerkennung darstellt. Als Analyserahmen zur Untersuchung von Taylors Entwurf eines Rechtsstaates, der einerseits die Bedürfnisse nach Anerkennung und andererseits das Verhältnis von rechtlicher Gleichwertigkeit und kultureller Differenz erfüllen kann, wird hier das politischen System Deutschlands und die Sonderrechte für die sorbische Minderheit herangezogen. Charles Taylors Position anerkennt, dass die nationale Minderheit grundsätzlich, und demzufolge auch die Sorben, sich durch das Selbstverständnis als kulturellen Gemeinschaft kennzeichnen. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft teilen eine gemeinsame Geschichte, pflegen gemeinsame Traditionen, eine gemeinsame religiöse Überzeugungen und sprechen eine gemeinsame Sprache. Sie sind einander also in diesen Hinsichten ähnlich, von denen Taylor annimmt, dass sie für die Identitätsbildung von Personen und ihre Vorstellung vom ‚guten Leben’ von Bedeutung sind. Woher man kommt, woran man glaubt und in welcher Sprache diese Bindungen postuliert werden, macht in wesentlicher Hinsicht das Selbstverständnis einer kulturellen Gruppe und seiner Individuen aus.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Anerkennungspolitik in Deutschland

Sprachliche Sonderregelungen

Institutionelle Anerkennung

Partizipationsrechte

Nichtanerkennung als deformiertes Dasein

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Situation der sorbischen Minderheit in Deutschland unter Anwendung der kommunitaristischen Theorie von Charles Taylor, insbesondere seines Konzepts der "Politik der Anerkennung". Dabei wird analysiert, inwieweit das deutsche Rechtssystem und spezifische Sonderrechte den Anforderungen einer Minderheit an kulturelle Identitätsbildung und Anerkennung gerecht werden, um eine schleichende Assimilation zu vermeiden.

  • Analyse der kommunitaristischen Identitätstheorie nach Charles Taylor.
  • Gegenüberstellung von Politik des Universalismus und Politik der Differenz.
  • Untersuchung verfassungsrechtlicher und einfachgesetzlicher Schutzinstrumente für die Sorben.
  • Bewertung von sprachlichen Sonderregeln und institutioneller Förderung.
  • Diskussion politischer Partizipationsrechte und der Problematik der 5-Prozent-Hürde.

Auszug aus dem Buch

Anerkennungspolitik in Deutschland

Zwei Möglichkeiten wie mit der Anerkennung umgegangen wird, leiten sich aus Taylors Analyse ab: Einerseits die Politik des Universalismus und der Menschenrechte und andererseits die Politik der Differenz. Beide Anerkennungspolitiken haben wesentliche Forderungen gemeinsam: einerseits die Forderung nach gleicher Achtung für alle und zweitens die Forderung nach wertneutraler Respektierung für verschiedene Kulturen. Hier sieht man den entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Politiken, der sich ja auch schon im Namen entdecken lässt: Einerseits die Betonung des Universalismus, also der Gemeinsamkeiten und andererseits die Differenz, die Betonung der Unterschiede.

Die Politik des Universalismus will dies auf Grundlage der allen Menschen gemeinsamen Eigenschaften erreichen, die Politik der Differenz durch die Anerkennung der Unterschiede zwischen den Menschen. „Wir können das, was universell vorhanden ist –jeder Mensch hat eine Identität- nur anerkennen, indem wir auch dem, was jedem Einzelnen eigentümlich ist, anerkennen. Die aufs Allgemeine gerichtete Forderung wird zur Triebkraft der Anerkennung des Besonderen.“ Dieser Umgang mit den Besonderheiten der Menschen und deren Individualität beschreibt die Kontroverse dieser beiden Politiken.

Die Politik der Differenz setzt sich zum Ziel, dass die bestehenden Unterschiede nicht geleugnet werden, sondern im Gegenteil zum wesentlichen Bestandteil einer differenzierten Politik werde und gleiches gleich und ungleiches ungleich zu behandeln ist. Die Lösung dieser Abhängigkeiten und die gegenseitige Anerkennung sieht Taylor unter den Bedingungen von Gleichheit und Gegenseitiger Wertschätzung in gemeinsamer Absicht verwirklicht. In einen Rechtsstaat wie dem der Bundesrepublik, der nur subjektive Rechte kennt und auf einen individuellen nicht auf einem kollektiven Freiheitsverständnis aufbaut, besteht aber ein Konflikt zwischen der Forderung nach gleichen Rechten für alle und der Sicherung kollektiver Rechte für Gruppen zur Sicherung der kollektiven Identität.

Zusammenfassung der Kapitel

Anerkennungspolitik in Deutschland: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Grundlagen der Politik des Universalismus und der Politik der Differenz ein und prüft deren Anwendbarkeit auf den deutschen Rechtsstaat.

Sprachliche Sonderregelungen: Hier wird analysiert, wie die Anerkennung der sorbischen Sprache als zentrales Identitätsmerkmal in der Bundesrepublik durch spezifische Sonderrechte gefördert wird.

Institutionelle Anerkennung: Der Abschnitt befasst sich mit der Rolle der Stiftung für das sorbische Volk (Domowina) als Interessenvertretung und deren Bedeutung für die Bewahrung der sorbischen Kultur.

Partizipationsrechte: Dieses Kapitel diskutiert die Möglichkeiten politischer Mitwirkung, insbesondere die Problematik der 5-Prozent-Hürde bei Wahlen für nationale Minderheiten.

Nichtanerkennung als deformiertes Dasein: Der abschließende Teil beleuchtet die Gefahren der Nichtanerkennung und der Assimilation sowie die Bedeutung des bewussten Festhaltens an der eigenen kulturellen Identität.

Schlüsselwörter

Sorbische Minderheit, Charles Taylor, Kommunitarismus, Anerkennungspolitik, Politik der Differenz, Politik des Universalismus, Identitätsbildung, Minderheitenschutz, Grundgesetz, Zweisprachigkeit, Domowina, Partizipationsrechte, Assimilation, Kollektive Identität, Kulturelle Integrität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die rechtliche und gesellschaftliche Situation der Sorben in Deutschland durch die Brille der kommunitaristischen Theorie von Charles Taylor.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf den Konzepten der Anerkennung, dem Minderheitenschutz im deutschen Rechtsstaat, sprachlichen Sonderrechten und politischen Partizipationsmöglichkeiten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu analysieren, ob der liberale deutsche Rechtsstaat durch seine Anerkennungspolitik in der Lage ist, die spezifische Identität der sorbischen Minderheit effektiv zu bewahren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Essay-Analyse, die zentrale Theorien von Charles Taylor als Analyserahmen für die deutsche Minderheitenpolitik nutzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Praxis der Anerkennung, von Sprachregelungen über institutionelle Förderungen bis hin zu den Möglichkeiten der politischen Teilhabe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Kommunitarismus, Anerkennung, Minderheitenrechte, kulturelle Identität und Politik der Differenz definieren.

Warum spielt das Konzept der "Horizontverschmelzung" eine wichtige Rolle für die Sorben?

Die Horizontverschmelzung nach Taylor fordert eine aktive Auseinandersetzung der Mehrheitsgesellschaft mit der Minderheitenkultur, was über die bloße Gewährung von Sonderrechten hinausgeht und den gesellschaftlichen Dialog fördert.

Welche Rolle spielt die 5-Prozent-Hürde im Kontext der sorbischen Minderheit?

Die 5-Prozent-Hürde erschwert die politische Vertretung der Sorben massiv, weshalb diskutiert wird, ob eine Ausnahme für Minderheitenparteien im Sinne der Politik der Differenz sinnvoll wäre.

Inwiefern ist der deutsche Rechtsstaat nach der Arbeit "nicht neutral"?

Der Rechtsstaat ist laut Analyse durch christliche Prägung und marktwirtschaftliche Bindungen nicht vollständig kulturell neutral, was jedoch im Hinblick auf den Minderheitenschutz durch entsprechende Sonderregelungen ausgeglichen wird.

Was passiert laut der Arbeit, wenn Anerkennung verweigert wird?

Eine fehlende Anerkennung oder der Entzug von Schutzinstrumenten kann zu einer schleichenden Assimilation und zu einem sogenannten "deformierten Dasein" der Minderheitenangehörigen führen.

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Details

Title
Sonderrechte der sorbischen Minderheit in Deutschland aus kommunitaristischer Perspektive
College
University of Augsburg  (Politikwissenschaft)
Course
Multinationale Demokratien
Grade
2,0
Author
Andre Hellstab (Author)
Publication Year
2008
Pages
11
Catalog Number
V142547
ISBN (eBook)
9783640523122
Language
German
Tags
sonderrechte minderheit deutschland perspektive
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andre Hellstab (Author), 2008, Sonderrechte der sorbischen Minderheit in Deutschland aus kommunitaristischer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142547
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