Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Miscellaneous

Reformator oder Abschreiber

Zum Einfluss der augustinischen Lehren auf die Regel des heiligen Benedikt

Title: Reformator oder Abschreiber

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Conny Wienhold (Author)

German Studies - Miscellaneous
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Regula Benedicti wurde im 6. Jahrhundert von Benedikt von Nursia in Anlehnung an die Regula magistri, deren Autor unbekannt ist, verfasst. Ursprünglich sollte es eine verbindliche Klosterregel für sein neu gegründetes Kloster Monte Cassino sein, aber sie verbreitete sich schnell in Mitteleuropa und gab dem abendländischen Mönchtum seine Form. Die Regel verpflichtet die Mitglieder zu lebenslanger Verbundenheit an einen Ort, zum Gehorsam gegenüber dem Abt, zum Eigentums- und Eheverzicht, zum Gebet, zur Handarbeit und zur Askese.
Benedikts Regel war in der Entwicklung des Mönchtums allerdings nicht die erste Regel, die für das klösterliche Leben geschaffen wurde. Eine Reihe von Klostervätern schrieb Regeln für das gemeinsame Zusammenleben. Benedikt machte sich mit all diesen Schriften vertraut, wodurch er seine Regel in dieser Art, wie sie uns überliefert wurde, verfassen konnte. Er nahm Bezug auf die Schriften seiner Vorgänger, vor allem die Heilige Schrift, die Regeln des Pachomius und Basilius, die Schriften des Kassian, die Apophthegmata und die Schriften des heiligen Augustinus. Die Schriften, Auffassungen und vor allem die Klosterregel des Letzteren sollen in dieser Arbeit zum Vergleich herangezogen werden, um zu zeigen, inwieweit Benedikt anderes Gedankengut übernommen oder verändert hat.
Der heilige Benedikt kannte und nutzte alle vor ihm entstandenen Schriften und Regeln. Dennoch war keine der Regeln derartig ausgefeilt, um im Endeffekt ein genaues Gesetz für das Zusammenleben zu geben. Der Kirchenvater verwendet die Regel des heiligen Augustinus und seine Briefe und Schriften, änderte diese aber ab. Beide ähneln sich im Gedankengut und in ihren Auffassungen, doch Benedikt reformierte die Regeln zu einem Gesetz. Augustinus wendet sich schon gegen die alten Traditionen, aber nicht in dem Maße, wie Benedikt dies 100 Jahre später macht. Augustinus Ideen schaffen eine Brücke zwischen den alten Traditionen und den neuen Lehren und geben eine Vorlage für Neuerungen, die Benedikt nutzt.
Es wird vor allem auf die augustinische und die benediktinische Regel eingegangen und beide werden verglichen, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Regeln aufzuzeigen. Weiterhin werden einige andere Werke des Augustinus zu Rate gezogen, um seine Vorstellung einer klösterlichen Gemeinschaft verständlicher darzustellen, da Benedikt Ansichten in seine Regel einbezieht, die Augustinus in anderen Werken eindeutiger dargestellt hat als in seiner Klosterregel.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leben in der Gemeinschaft zum Zweck der Vollendung

2.1 Gesetze zum gemeinschaftlichen Zusammenleben und die soziale Strukturierung

2.1.1 Regelungen für den Eintritt in das benediktinische Kloster

2.1.2 Hierarchie in der Gemeinde

2.1.3 Kleidung und Schlaf

2.1.4 Speisen und Getränke

2.1.5 Verhältnis von Arbeit, Studium und Gebet/wirtschaftliche Struktur

2.1.6 Der Strafkodex

2.2 Gesetze zur Regelung der inneren Haltung

2.2.1 Die Zwölf Stufen der Demut als Grundlage der inneren Haltung

2.2.2 Der Gehorsam

2.2.3 Die caritas-perfecto

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der augustinischen Lehren auf die Regula Benedicti, um zu klären, inwieweit Benedikt von Nursia bestehendes Gedankengut übernommen, reformiert oder verändert hat, um ein verbindliches Gesetzbuch für das mönchische Zusammenleben zu schaffen.

  • Vergleich der augustinischen und benediktinischen Klosterregeln
  • Analyse der sozialen Strukturierung und Hierarchie im Kloster
  • Untersuchung von Armutsideal, Gehorsam und Demut als zentrale Säulen
  • Bewertung der Rolle von Arbeit, Gebet und Lesung im Tagesablauf
  • Herausarbeitung der reformatorischen Leistung Benedikts gegenüber den Traditionen

Auszug aus dem Buch

2.1.2 Hierarchie in der Gemeinde

Im Mittelpunkt der gesamten klösterlichen Gemeinde steht der Abt, da er im Kloster die Stelle Christi vertritt. Er leitet die Abtei und führt jeden einzelnen Mönch. In erster Linie ist er der Vater und die Mönche seine Söhne, da er als „abbas“ bezeichnet wird. Damit kann man ihn dem paterfamilias gleich setzen, denn er besitzt alle Rechte eines Vaters gegenüber seiner Familie. Er ist der Hausvater, der Hausherr, der Eigentümer und Besitzer des Klosters. Dennoch muss er sich dieser Aufgabe bewusst sein und darf seine Stellung nicht ausnutzen. Er ist zwar den Mönchen übergeordnet, aber dem Herrn untergeordnet. Um der Situation auszuweichen, dass ein Abt sein Amt ausnutzt, hat Benedikt in seiner Regel beschrieben, wie ein Abt sein muss, um sich des Amtes würdig zu erweisen.

Augustinus erklärt ebenfalls, dass die Mönche dem Vorgesetzten gehorchen müssen wie einem Vater, wobei in der Regel nicht das Wort „abbas“ verwendet wird, sondern „praepositus“. Er wird hier mit einem allgemeinen Begriff gekennzeichnet, was keine weiteren Pflichten einbezieht, außer Vorgesetzter zu sein. Daher schreibt Augustinus auch, dass er wie ein Vater sein muss, aber der Begriff bezieht die Vaterfigur nicht mit ein. Bei Benedikt schließt man aus dem „abbas“, dass er zuallererst nicht Vorgesetzter, sondern Vater ist, was die familiäre Gemeinschaft deutlicher unterstreicht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Regula Benedicti in den Kontext ihrer Vorgängerregeln und legt die Forschungsfrage dar, ob und wie Benedikt augustinisches Gedankengut für seine Klostergesetzgebung adaptiert und reformiert hat.

2. Leben in der Gemeinschaft zum Zweck der Vollendung: Dieses Kapitel analysiert die konkreten sozialen, organisatorischen und wirtschaftlichen Strukturen sowie die Gesetze zur inneren Haltung, die das klösterliche Leben zur Erlangung der Vollendung regeln.

3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Benedikt die augustinischen Ansätze durch eine detailliertere Gesetzesgrundlage verfeinerte und reformierte, womit er die entscheidende Brücke zur Vollendung des abendländischen Mönchtums schlug.

Schlüsselwörter

Regula Benedicti, Augustinus, Klosterregel, Mönchtum, Gehorsam, Demut, Abt, Gemeinschaft, Armutsideal, ora et labora, Askese, monastische Ordnung, Vollendung, caritas, Klosterleben.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis und den Einfluss der Schriften und Lehren des heiligen Augustinus auf die Regel des heiligen Benedikt, um die Weiterentwicklung klösterlicher Ordnungen nachzuvollziehen.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung gliedert sich primär in äußere Ordnungsstrukturen (wie Hierarchie, Tagesablauf, Kleidung) und innere Haltungen (Demut, Gehorsam, Liebe).

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist herauszuarbeiten, inwieweit Benedikt bei der Abfassung seiner Regel lediglich abschrieb oder ob er augustinisches Gedankengut durch Reformen und eigene Gesetzesformulierungen entscheidend weiterentwickelt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um einen vergleichenden textanalytischen Ansatz, bei dem die Regel des heiligen Benedikt und die augustinischen Schriften gegenübergestellt werden, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die gesetzlichen Regelungen zum klösterlichen Eintritt, zur Gemeinschaftshierarchie, zur materiellen Lebensführung sowie die spirituellen Konzepte wie die Zwölf Stufen der Demut.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Regula Benedicti, Augustinus, Klosterregel, Mönchtum, Gehorsam und Demut beschreiben.

Welche besondere Bedeutung hat der Begriff des "Abbas" im Vergleich zur augustinischen Sicht?

Benedikt verwendet den Begriff "Abbas" (Vater), um ein familiäres Verhältnis zu unterstreichen, während Augustinus eher allgemeine Begriffe für einen Vorgesetzten nutzt, was die benediktinische Gemeinschaft deutlich väterlicher strukturiert.

Wie unterscheidet sich der Ansatz zum Thema Arbeit bei Benedikt und Augustinus?

Beide lehnen Arbeitsscheu ab, doch Benedikt transformiert die Idee des "ora et labora" in ein detailliertes gesetzliches System, das Arbeit, Studium und Gebet strikt voneinander trennt und zeitlich genau regelt.

Was ist die zentrale Schlussfolgerung in Bezug auf Benedikts reformatorische Leistung?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Benedikt zwar auf augustinischem Gedankengut aufbaute, dieses jedoch durch die Schaffung einer präzisen, allgemeingültigen Gesetzesgrundlage verfeinerte und erst dadurch zu seiner abendländischen Vollendung führte.

Excerpt out of 25 pages  - scroll top

Details

Title
Reformator oder Abschreiber
Subtitle
Zum Einfluss der augustinischen Lehren auf die Regel des heiligen Benedikt
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für germanistische Sprachwissenschaft)
Course
die großen althochdeutschen Textdenkmäler
Grade
1,0
Author
Conny Wienhold (Author)
Publication Year
2009
Pages
25
Catalog Number
V142587
ISBN (eBook)
9783640535446
ISBN (Book)
9783640535699
Language
German
Tags
Reformator Abschreiber Einfluss Lehren Regel Benedikt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Conny Wienhold (Author), 2009, Reformator oder Abschreiber, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142587
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  25  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint