Diese Hausarbeit beleuchtet die Überlebensstrategien eines Lehrers und SPD-Mitglieds während der Ära des Nationalsozialismus in Deutschland. Vor dem Hintergrund der Gleichschaltung unter der Herrschaft der NSDAP analysiert die Studie autobiografische Daten, um die individuellen Bewältigungsmechanismen in einer Zeit der existenziellen Bedrohung zu verstehen. Durch die Anwendung der Objektiven Hermeneutik als qualitative Forschungsmethode werden Protokolle aus Gruppeninterpretationen herangezogen, um Einblicke in die Herausforderungen und Strategien dieses Lehrers zu gewinnen. Die Arbeit wirft nicht nur Licht auf die Vergangenheit, sondern diskutiert auch, wie die gewonnenen Erkenntnisse dazu beitragen können, das Bewusstsein für die historischen Lehren des Nationalsozialismus in der pädagogischen Praxis zu verankern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodenbeschreibung
2.1. Qualitative Forschungsmethoden
2.2. Objektive Hermeneutik
2.2.1. Theorie der Lebenspraxis
2.2.2. Methodik
2.3. Begründung der Methodenwahl
3. Fallanalyse
3.1. Fallbeschreibung und Vorgehen
3.2. Interpretation des Materials
3.3. Auswertung
4. Diskussion
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
7. Anhang
7.1. Protokoll
7.2. Objektive Daten – Kromeyer
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, am Beispiel biographischer Daten eines Lehrers und SPD-Mitglieds zu rekonstruieren, welche Überlebensstrategien während der Zeit des Nationalsozialismus angewendet wurden, um das eigene Leben und eine berufliche Existenz unter dem Druck des Regimes zu wahren.
- Grundlagen der qualitativen Forschungsmethoden und der Objektiven Hermeneutik
- Theorie der Lebenspraxis nach Ulrich Oevermann
- Sequenzanalyse biographischer Daten eines Lehrers im NS-Regime
- Anwendung der Allegorie des Theaters (Goffman) zur Erklärung von Rollenverhalten
- Diskussion über pädagogische Möglichkeiten des biographischen Lernens
Auszug aus dem Buch
3.2. Interpretation des Materials
1. Sequenz: Ur-ur-ur-urgroßvater Gottfried Emanuel KROMEYER *14.10.1657 in Olbersleben, Thüringen, gest. 25.03.1725 in Reisdorf, Thüringen; oo 06.10.1690 Catharina Maria Müller Ur-ur-urgroßvater Christian Friedrich KROMEYER *30.10.1709 in Kapellendorf, Thüringen, gest. 26.11.1794 in Großobringen, Thüringen; oo 16.07.1743 Sophia Dorothea Gatzert Ur-urgroßvater Ludwig Gottlieb Wilhelm KROMEYER *24.10.1754 in Großobringen, Thüringen, gest. 03.04.1805 in Großobringen, Thüringen; oo 06.06.1790 Wilhelmine Ernestine Labes Urgroßvater August Hieronymus KROMEYER *24.09.1795 in Großobringen, Thüringen, gest. 11.05.1874 in Frauenprießnitz, Thüringen, Pfarrer; oo 22.05.1823 Friederika Juliana Eleonora [Nachname unklar] Großvater Franz Ludwig Kromeyer * 08.09.1827 in Ilmenau, Thüringen, gest. 22.05.1879 in Schwerstadt, Sachsen, Pfarrer; oo 06.07.1858 Lina Nanny Toelden Die biographischen Daten beginnen mit nicht mit der Indexperson selbst, sondern mit ihrer Vorfahr*innen. Der Ur-Großvater sowie der Großvater sind Pfarrer, und aufgrund der Tatsa che, dass sie verheiratet waren, ist anzunehmen, dass es sich um evangelische Geistliche handelt.
2. Sequenz: Vater Anton Johann KROMEYER *23.02.1862 in Madelungen, Thüringen, Kaufmann; oo 04.01.1900 mit Johanna, geb. Friedrich *9.12.1870 in Freiberg, Sachsen Die biographischen Daten zeigen, dass der Vater der Indexperson Kaufmann war. Man hätte vorher annehmen können, dass auch er den Beruf des Pfarrers wie die zwei Generatio nen vor ihm ausüben würde. Basierend auf Max Webers religionssoziologischen Studien ist dies jedoch kein überraschender Bruch in der Familientradition, da laut Weber die protestan tische Ethik eng mit wirtschaftlichem Handeln verknüpft ist und sich im wirtschaftlichen Erfolg Gottgefälligkeit ausdrücke und Erfolg des Erfolgs willens gutgeheißen würde (vgl. Wernet 2021, S. 128).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung konturiert die historische Dringlichkeit der Untersuchung und formuliert die Forschungsfrage zur Überlebensstrategie des Lehrers Kromeyer mittels Objektiver Hermeneutik.
2. Methodenbeschreibung: Dieses Kapitel verortet das methodische Vorgehen innerhalb der qualitativen Forschung und erläutert die theoretischen sowie methodischen Konzepte der Objektiven Hermeneutik.
3. Fallanalyse: Hier findet die detaillierte sequenzielle Auswertung der biographischen Daten statt, die als Grundlage für die Rekonstruktion individueller Handlungsoptionen im NS-Staat dient.
4. Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Analyse und diskutiert deren Bedeutung für die erziehungswissenschaftliche Praxis und die Bedeutung des biographischen Zugangs heute.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zur Überlebensstrategie des Probanden zusammen und würdigt die gewählte Methode kritisch.
Schlüsselwörter
Objektive Hermeneutik, Nationalsozialismus, Biographieforschung, Überlebensstrategie, Lehrer, Lebenspraxis, Sequenzanalyse, Erziehungswissenschaft, Fallrekonstruktion, SPD, Widerstand, Anpassung, Berufsbiographie, Rollenverhalten, qualitativ.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht anhand der biographischen Daten eines Lehrers und SPD-Mitglieds, welche Strategien Einzelpersonen anwandten, um im Nationalsozialismus zu überleben, ohne selbst Teil des NS-Systems zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die rekonstruktive Biographieforschung, die Lebenspraxis im Nationalsozialismus sowie die Anwendung der Methode der Objektiven Hermeneutik auf lebensgeschichtliche Dokumente.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die spezifischen Entscheidungs- und Handlungszwänge zu identifizieren, die den Protagonisten dazu brachten, sich zwischen aktivem Ausscheiden aus dem Staatsdienst, Anpassung oder Emigration zu bewegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Objektiven Hermeneutik nach Ulrich Oevermann, insbesondere die sequenzielle Interpretation biographischer Daten, um latente Sinnstrukturen offenzulegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgen die theoretische Einbettung, die Fallvorstellung und die detaillierte, sequenzielle Interpretation der übermittelten Lebensdaten, gefolgt von einer analytischen Auswertung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Objektive Hermeneutik, die Lebenspraxis, die Fallrekonstruktion, das Rollenverhalten nach Goffman und der Kontext der nationalsozialistischen Diktatur.
Inwiefern hilft die „Theorie der Lebenspraxis“ beim Verständnis des Falls Kromeyer?
Die Theorie hilft zu verstehen, wie der Mensch in einer Abfolge von Krisen und Routinen agiert und dass jede Entscheidung neue Handlungsoptionen eröffnet, während sie gleichzeitig andere dauerhaft verschließt.
Welche Bedeutung kommt der „Allegorie des Theaters“ im Fazit der Arbeit zu?
Sie illustriert, dass der Proband seine Überlebensstrategie wie ein Theaterschauspieler gestaltete, der je nach gesellschaftlichem Umfeld unterschiedliche Rollen einnahm, um sich und seine Integrität in Zeiten existenzieller Bedrohung zu schützen.
- Arbeit zitieren
- Janina Schulte (Autor:in), 2023, Die Überlebensstrategie eines Lehrers im Nationalsozialismus. Eine Fallrekonstruktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1426094