Fußball ist mehr als nur ein Spiel – Fußball ist Kommunikation. Ob am Arbeitsplatz, im Freundeskreis oder in den Medien - Sport und besonders „König Fußball“ ist der „Super-Diskurs unserer Zeit“. Wer mitreden oder zumindest verstehen will, der muss die Regeln und die Sprache dieser Sportart beherrschen. So hatte die Bundesregierung eigens für die WM 2006 einen „Fußball-Sprachkurs für Anfänger“ im Internet angeboten. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Terminus Fußballsprache? Wie sieht der Wortschatz aus und ist dieser statisch oder veränderbar? – Genau mit diesem Thema beschäftigt sich die Diplomarbeit „Wörter und Phraseologismen der Fußballreportage im Hörfunk – Ein diachroner Vergleich“. Stefanie Dietsch zeigt in Ihrer Arbeit auf, wie sich die Fußballsprache in den vergangenen 50 Jahren verändert hat und warum.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Das Korpus
2.2 Was ist eine Reportage?
2.3 Die Reportage als journalistisches Genre
2.3.1 Formen und Aufbau der Reportage im Hörfunk
2.3.2 Die Fußballreportage
2.4 Die Geschichte der Fußballreportage im Hörfunk
2.4.1 Die Anfänge der Sportübertragung
2.4.2 Der Beginn der Übertragung von Fußballspielen im Hörfunk
2.4.3 Die Entwicklung der Fußballreportage von 1945 bis heute
2.5 Die Fußballsprache – eine Fach- oder Sondersprache?
3. Analyse: Wörter und Phraseologismen der Fußballreportage im Hörfunk – ein diachroner Vergleich
3.1 Das WM-Spiel 1954: Deutschland gegen Ungarn
3.1.1 Die Wörter der Fußballreportage
3.1.1.1 Substantive
3.1.1.2 Verben
3.1.1.3 Adjektive
3.1.1.4 Herkunft der Fachwörter
3.1.1.4.1 Fremdwörter, Lehnwörter und hybride Zusammensetzungen
3.1.1.4.2 Lehnübersetzungen bzw. –übertragungen und deutsche Bildungen
3.1.1.4.3 Übernahmen aus anderen Fach- bzw. Sondersprachen oder der Gemeinsprache
3.1.2 Die Phraseologismen der Fußballreportage
3.2 Das WM-Spiel 2006: Deutschland gegen Portugal – Ein Vergleich
3.2.1 Die Wörter der Fußballreportage
3.2.1.1 Substantive
3.2.1.2 Verben
3.2.1.3 Adjektive
3.2.1.4 Herkunft der Fachwörter
3.2.2 Die Phraseologismen der Fußballreportage
4. Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den Wortschatz und die Phraseologismen der Fußballreportage im Hörfunk diachron zu untersuchen, um Veränderungen der Fußballsprache über einen Zeitraum von 50 Jahren zu identifizieren und zu analysieren.
- Historische Entwicklung der Fußballreportage im Hörfunk.
- Linguistische Analyse der Fußballsprache (Fachsprache vs. Sondersprache).
- Vergleichende Untersuchung von Wortarten (Substantive, Verben, Adjektive) in den Reportagen von 1954 und 2006.
- Untersuchung der Herkunft von Fachwörtern und deren Integration.
- Analyse der Phraseologismen und deren Wandel oder Persistenz.
Auszug aus dem Buch
3.1.1.1 Substantive
Das untersuchte Korpus besteht aus 4.140 Substantiven, das macht ca. 28,1% der analysierten Reportage aus. Unter den verwendeten Substantiven befinden sich neben Fachwörtern auch Lexeme, die keinen direkten Bezug zum Fußball bzw. zum Spiel aufweisen. Folgende Beispiele sollen dies illustrieren:
„Der Regen prasselt unaufhörlich hernieder.“ (Bern, 1016)
„Hier sind alle Sender in der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin angeschlossen.“ (Bern, 1)
Diese Wörter zählen laut Definition nicht zur Fußballsprache (vgl. 2.5 Die Fußballsprache – eine Fach- oder Sondersprache?) und sollen deshalb bei der Analyse nur am Rande erwähnt werden. Die Substantive der Fachsprache werden in fünf Hauptgruppen eingeteilt, die nach semantischen Kriterien gegliedert sind:
1. Spielaktionen
2. Teilnehmer
3. Spielfeldbereiche
4. Gegenstände
5. Wettbewerbsangaben
Die Substantive Abschlag, Abspiel, Abstoß oder auch Abpfiff, die Tätigkeiten der Aktanten beschreiben, zählen zu den ‚Spielaktionen’. Bei einem Abschlag „stößt“ der Torwart den Ball „aus der Hand ab, ohne dabei die Strafraumgrenze überschreiten zu dürfen“. Das Abspiel ist ebenfalls ein Weiterleiten des Balles, welches allerdings im gesamten Spielfeld und von allen Spielern ausgeführt werden kann. Der Ball wird von einem Fußballer zu seinem Mitspieler gespielt, „um rascher vorstoßen“ zu können und um „leichter Angriffen der Gegner“ auszuweichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die emotionale Bedeutung des Fußballs in der Gesellschaft und begründet die Relevanz der Fußballsprache als Forschungsgegenstand, insbesondere im Kontext der Hörfunkreportage.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Reportage und Fußballsprache, erläutert die verschiedenen Formen der Sportberichterstattung und gibt einen Abriss über die Geschichte der Fußballreportage im deutschen Hörfunk.
3. Analyse: Wörter und Phraseologismen der Fußballreportage im Hörfunk – ein diachroner Vergleich: Das Hauptkapitel nimmt eine detaillierte sprachwissenschaftliche Untersuchung und einen Vergleich der Wortschätze und Phraseologismen zwischen den Weltmeisterschaftsspielen von 1954 und 2006 vor.
4. Ergebnis: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass sich die Fußballsprache trotz der Beständigkeit vieler Fachbegriffe durch taktische Neuerungen und Internationalisierung stetig weiterentwickelt hat.
Schlüsselwörter
Fußballreportage, Hörfunk, Fußballsprache, Fachsprache, Sondersprache, Diachroner Vergleich, Wortschatzanalyse, Phraseologismen, Terminologie, Sprachwandel, Sportjournalismus, Fußballweltmeisterschaft, Spielsysteme, Sprachbilder, Metaphern.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Sprache der Fußballreportage im Hörfunk und analysiert, wie sich der verwendete Wortschatz sowie die festen Wendungen (Phraseologismen) im Laufe der Jahrzehnte zwischen den WM-Spielen 1954 und 2006 gewandelt haben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die journalistische Darstellungsform der Reportage, die historische Entwicklung der Sportübertragung im deutschen Hörfunk sowie die linguistische Einordnung der Fußballsprache als Fach- oder Sondersprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Fußballsprache über 50 Jahre verändert hat, welche Begriffe beständig geblieben sind und welche neuen Ausdrücke durch Veränderungen im Spielsystem oder durch internationale Einflüsse hinzugekommen sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Verfasserin nutzt eine korpusbasierte Analyse. Sie vergleicht die Transkripte von zwei Vollreportagen (Finale 1954 und Spiel um Platz drei 2006) unter Einbezug von Fachlexika und wissenschaftlicher Literatur zur Lexik der Fußballsprache.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Wortarten (Substantive, Verben, Adjektive) und deren Herkunft, sowie feste Redewendungen in beiden Reportagen, um Unterschiede in Ausdrucksweise und Wortwahl herauszuarbeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fußballsprache, diachroner Vergleich, Fachwortschatz, Phraseologismen, Sportberichterstattung und sprachliche Integration von Fremdwörtern.
Was hat sich nach Meinung der Autorin am stärksten verändert?
Besonders der Wandel der Spielsysteme hat zu vielen neuen Fachbezeichnungen geführt und alte Begriffe (z. B. "Läufer") verdrängt. Zudem ist eine Zunahme an fachsprachlichen Substitutionen und internationalen Lehnwörtern festzustellen.
Welche Rolle spielt das "Wunder von Bern" für die Analyse?
Die Reportage des Endspiels von 1954 dient als Basis-Korpus der Untersuchung. Es wird gezeigt, wie Herbert Zimmermanns Sprache das damalige Spielgeschehen prägte und welche Begriffe heute noch oder nicht mehr in Gebrauch sind.
Was versteht die Autorin unter "kriegerischen Metaphern" im Fußball?
Die Autorin erläutert, dass Begriffe aus dem Kriegswesen (wie "Angriff", "Zweikampf", "Bomber") Eingang in die Fußballsprache gefunden haben, da die Situation auf dem Fußballfeld als Entsprechung zum militärischen Kampf um ein Ziel gesehen wird.
Gibt es einen Einfluss neuer Medien auf die Sprache?
Ja, durch die zunehmende Internationalisierung des Fußballs (Champions League etc.) halten vermehrt englische Fachtermini Einzug in die deutsche Sprache, die oft nicht mehr übersetzt, sondern in der Originalsprache übernommen werden.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Dietsch (Autor:in), 2008, Wörter und Phraseologismen der Fußballreportage im Hörfunk - Ein diachroner Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142618