Das Tätigkeitsfeld der Berufsschullehrkraft ist vielfältig und anspruchsvoll, doch reichen diese Merkmale zur Profession? Dieser Frage stellt sich diese Arbeit. Dabei werden das Tätigkeitsfeld der Berufsschullehrkraft und die Abgrenzung verschiedener Typen von Erwerbsarbeit beleuchtet.
Die Relevanz der Einordnung ergibt sich durch die damit einhergehende Sicht auf den Beruf per se. Eine Profession birgt besondere Pflichten und unterliegt spezifischen Ansprüchen, zugleich verleiht sie Privilegien. Die Bewusstmachung dieses Umstandes für eine Berufsgruppe beinhaltet den Anspruch, diesem gerecht zu werden. Im Rahmen dieser Ausarbeitung beschränkt sich der Autor hauptsächlich auf die Untersuchung des Berufes "Berufsschullehrer bzw. -lehrerin" hinsichtlich der Zuordnung zur Profession. Zur Hervorhebung besonderer Merkmale kann der Vergleich zur Lehre an allgemeinbildenden Schulen erfolgen.
Es fällt nicht schwer, bei einer ersten explorativen Literaturanalyse Ausarbeitungen über die Frage der Profession des Lehrberufes im Allgemeinen bzw. an allgemeinbildenden Schulen zu finden. Die Rolle der Lehrkraft an beruflichen Schulen hingegen, insbesondere der Berufsschule, wird hier nicht explizit ausgeschlossen, ebenso wenig explizit genannt. Aus dem Kontext ließe sich meist eher auf ein unbewusstes außer Acht lassen schließen, denn auf ein selbstverständliches inkludieren.
Dabei gibt es eine große Schnittmenge zwischen der Lehrtätigkeit an einer allgemeinbildenden Schule und einer Berufsschule, genannte Abhandlung um Letzteres zu erweitern, wäre demnach durchaus plausibel. Allerdings gibt es solche Unterschiede, dass eine besondere Untersuchung gerechtfertigt, wenn nicht notwendig ist. Anders formuliert: Sollte das Eine als Profession begründbar sein, lässt das nicht zwangsläufig dieselbe Schlussfolgerung für das Andere zu.
Für die strukturierte Untersuchung werden zunächst die Berufsschullehrtätigkeit sowie einschlägige Merkmale tiefergehend erläutert. Es folgt die Abgrenzung und Unterteilung von Erwerbstätigkeiten, ebenfalls die Extrahierung besonderer Merkmale und darauf aufbauend die Betrachtung der Rolle der Berufsschullehrkraft aus berufssoziologischer Sicht. Fazit und Ausblick bilden das Ende der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. BERUFSSCHULLEHRKRAFT – VERKANNTE PROFESSION?
2. BERUFSSCHULLEHRKRAFT: ANFORDERUNGEN, PRIVILEGIEN UND QUALIFIKATION
2.1. Anforderungen an die Berufsschullehrkraft
2.2. Qualifikationsmöglichkeiten zur Berufsschullehrkraft
3. BERUF UND PROFESSION – DEFINITIONSANSÄTZE UND MERKMALE
3.1. Definitionsansatz und Abgrenzung
3.2. Merkmale und Eigenschaften eines Berufes
3.3. Merkmale und Eigenschaften einer Profession
3.4. Vergleichende Betrachtung von Beruf und Profession
4. BERUFSSCHULLEHRERIN UND BERUFSCHULLEHRER – BERUF ODER PROFESSION?
4.1. Untersuchungsmethode
4.2. Betrachtung als Beruf und als Profession
4.3. Abstrahierte Gegenüberstellung
5. ZUSAMMENFASSENDE, ZUKUNFTSORIENTIERTE BETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Tätigkeitsfeld von Berufsschullehrkräften im berufssoziologischen Kontext, um die Forschungsfrage zu beantworten, ob die Tätigkeit als Profession oder lediglich als Beruf im engeren Sinne klassifiziert werden kann.
- Abgrenzung der Begriffe „Beruf“ und „Profession“
- Analyse der spezifischen Qualifikations- und Anforderungsprofile
- Vergleichende Untersuchung zur Lehrtätigkeit an allgemeinbildenden Schulen
- Identifikation professionstypischer Merkmale wie Expertise, Autonomie und Ethos
- Zukunftsperspektiven und gesellschaftliche Bedeutung der Berufsschullehrkraft
Auszug aus dem Buch
4.2. Betrachtung als Beruf und als Profession
Die meisten eingangs erläuterten Qualifikationen zur Berufsschullehrkraft beinhalten eine akademische Ausbildung. Damit ist eine grundlegende Voraussetzung für eine Profession gegeben. Hinzu kommt, dass diese akademische Ausbildung grundsätzlich durch Bachelor, Master, Staatsexamen sowie Vorbereitungsdienst erfolgt und damit mehrstufig und in Theorie und Praxis aufgeteilt ist. Die Ausbildung erstreckt sich über einen langen Zeitraum, zeichnet sich durch einen hohen Grad an theoretischer Fundierung aus und wird durch die Prüfung staatlicher Stellen legitimiert. Für gewöhnlich ist zudem eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein mindestens einjähriges Betriebspraktikum als Zugangsvoraussetzung Pflicht.
Zusammengenommen erstreckt sich die mögliche Ausbildungsdauer damit auf ca. 7,5 - 10 Jahre, abhängig von vorangegangener Berufsausbildung und Bundesland, in welchem das Staatsexamen erfolgt. Im Vergleich dazu ist ein Medizinstudium, wiederum vom Studienort abhängig, auf 5 - 6,5 Jahre ausgelegt. Allerdings erfolgt hier die weitere Ausbildung von Assistenzärztin, -arzt zu Fachärztin, -arzt nach Abschluss des Studiums, entsprechend dazu die Promotion oder Habilitation zur Privatdozententätigkeit oder Professur. Diese durch klar definierte Abstufungen weitere Ausbildung nach dem Abschluss des Masters bzw. Staatsexamens stellt einen hauptsächlichen Unterschied zur Berufsausbildung dar und kann in dieser Klarheit nicht in der Ausbildung zur Berufsschullehrkraft festgemacht werden. Was allerdings zu erwähnen und ggf. vergleichbar ist, sind die möglichen Qualifizierungen innerhalb der Schullaufbahn, wie z. B. der Posten der Abteilungsleitung, Tätigkeiten in der Organisation und Planung, Stellvertretung der Schulleitung oder die Schulleitung selbst. Diese auch finanziell honorierten Aufstiege müssen teils durch Qualifizierungen begründet werden und entsprechen dadurch eher einer Profession als den Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb eines Berufes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. BERUFSSCHULLEHRKRAFT – VERKANNTE PROFESSION?: Das Kapitel führt in die Problemstellung ein und hinterfragt, ob das vielfältige Tätigkeitsfeld von Berufsschullehrkräften die Kriterien einer Profession erfüllt.
2. BERUFSSCHULLEHRKRAFT: ANFORDERUNGEN, PRIVILEGIEN UND QUALIFIKATION: Es werden die verschiedenen Ausbildungswege und die fachlich-pädagogischen Kompetenzanforderungen an Lehrende an beruflichen Schulen dargelegt.
3. BERUF UND PROFESSION – DEFINITIONSANSÄTZE UND MERKMALE: Dieses Kapitel erarbeitet die theoretischen Grundlagen zur Abgrenzung der Begriffe Beruf und Profession sowie deren jeweilige Struktureigenschaften.
4. BERUFSSCHULLEHRERIN UND BERUFSCHULLEHRER – BERUF ODER PROFESSION?: Auf Basis der theoretischen Kriterien wird hier die Tätigkeit der Berufsschullehrkraft systematisch untersucht und mit klassischen Professionen verglichen.
5. ZUSAMMENFASSENDE, ZUKUNFTSORIENTIERTE BETRACHTUNG: Eine abschließende Synthese der Ergebnisse zeigt auf, dass der Anspruch auf Professionalität begründet ist, weist aber auch auf künftige Herausforderungen durch den Wandel in der Berufsbildung hin.
Schlüsselwörter
Berufsschullehrkraft, Profession, Beruf, Berufspädagogik, Didaktik, Lehrerbildung, KMK, Fachkompetenz, Berufssoziologie, Arbeitswelt, Berufsverband, Autonomie, Expertise, Lehramt, Qualifizierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der berufssoziologischen Einordnung des Tätigkeitsfeldes von Berufsschullehrkräften und prüft, inwieweit dieses mit den Merkmalen einer professionellen Tätigkeit korrespondiert.
Welche zentralen Themenfelder werden erörtert?
Im Zentrum stehen die Anforderungen an Lehrkräfte, die theoretische Definition von Beruf versus Profession sowie die spezifischen Qualifikationswege in der beruflichen Bildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis einer strukturierten Analyse zu klären, ob die Bezeichnung des Berufsschullehrberufs als Profession wissenschaftlich haltbar und gut begründbar ist.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Es wurde eine explorative Literaturanalyse in Kombination mit einer Gegenüberstellung von professionstheoretischen Kriterien angewendet, ergänzt durch eine abstrahierte tabellarische Analyse.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil besonders im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Beschreibung der fachlichen Herausforderungen, die Ausbildungssysteme – inklusive Quer- und Seiteneinstieg – sowie die Anwendung professionstheoretischer Merkmale auf das Berufsschulleheramt.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Aspekte wie Berufsbildung, Professionalisierung, pädagogische Souveränität, fachliche Kompetenz und die gesellschaftliche Rolle des Berufsschullehrers.
Wie unterscheidet sich die Ausbildung zur Berufsschullehrkraft von klassischen Professionen wie dem Mediziner?
Während klassische Professionen wie die Medizin oft durch sehr spezifische, nachgelagerte Karrierestufen (z.B. Facharzt) definiert sind, zeigt sich bei der Berufsschullehrkraft eine ähnlich akademische Fundierung, jedoch mit teilweise variierenden Zugangswegen durch Quereinstiege.
Warum spielt der "Berufskodex" bei der Argumentation eine Rolle?
Der Berufskodex dient als Indikator für die professionelle Selbstverwaltung und die ethische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, was ein wesentliches Merkmal für die Einstufung als Profession ist.
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- Anonym (Author), 2022, Berufsschullehrer:innen. Im Wirkungsbereich zwischen Beruf und Profession, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1426788