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Eine Nation schreiben

Konstruktion nationaler Identität in der Zeitschrift 'Die Gartenlaube'

Title: Eine Nation schreiben

Term Paper , 2008 , 24 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anna Milena Jurca (Author)

Communications - Print Media, Press
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Die Vorstellung einer Nation von sich selbst, ihren Wesenszügen und ihrer Geschichte, kurzum ihrer Identität, verläuft nicht notwendigerweise entlang und kausal abhängig von tatsächlichen politischen Ereignissen, sondern wird u.a. durch (Massen-)Medien produziert, reproduziert und repräsentiert. Die Presse wird dabei als ein Medium der Bedeutungsdefinition und -übertragung betrachtet, und nicht als bloßer Spiegel der ‚Realität’.
In Deutschland im 19. Jahrhundert übernahm die Zeitschrift Die Gartenlaube eine bedeutende Rolle im Prozess der Vermittlung eines nationalen Bewusstseins und der Vorstellung politisch-kultureller Einheit. Im deutschen Sprachraum wurde durch die Zeitschrift (und – anders als in Großbritannien – nicht die Zeitung) die erste Form von Massenkommunikation etabliert. These der Arbeit ist, dass die Gartenlaube – obwohl sich als Familienblatt präsentierend – maßgeblich zur Vorstellung einer nationalen Gemeinschaft beitrug. Sie wirkte inkludierend, indem sie sich erstens an alle Familienmitglieder und verschiedene Schichten richtete und zweitens eine Vorstellung einer nationalen Gemeinschaft von Lesern erschuf.
Ausgehend von Theorie und Forschungsstand (II) wird eine politische und medienhistorische Kontextualisierung der Zeitschrift vorgenommen (III). Dabei sind einerseits politisch-historische Kontexte der Nationalstaatenbildung in Europa und national-politische Diskurse von Bedeutung, und andererseits auch die Entwicklung der Zeitschrift und ihrer zunehmenden Bedeutung in der Gesellschaft. In IV werden Mechanismen nationaler Identitätskonstruktion betrachtet, wobei ein Schwerpunkt auf der Vermittlungsrolle nationaler Bilder durch die moderne Massenpresse liegt.
Das der Arbeit zu Grunde liegende Erkenntnisinteresse sind sozio-politische und medien-historische Zusammenhänge und Konsequenzen des frühen Einsatzes des Massenmediums Zeitschrift zur Publikation, Verbreitung und Propagierung bürgerlich-liberaler Ideen. Allgemeiner geht es um die Frage, wo die Entwicklung der Massenmedien zur gegenwärtigen Stellung als Vierter Gewalt im Staat begann und wie die Anfänge einer Öffentlichkeit aussehen, die wie heute als legitimierend für eine Demokratie begreifen. Fokus dieser Untersuchung sind die Elemente und Themen, die die Vorstellung einer nationalen Gemeinschaft unterstützen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Methode und Forschungsstand

1. Theorie und Methode

2. Forschungsstand

III. Historische und thematische Kontextualisierung

1. Öffentlichkeit, nationale Identität und kollektives Bewusstsein

2. Die Gartenlaube: populäres Massenmedium und politisches Organ

IV. Die Konstruktion der Nation in der Gartenlaube

1. Die vorgestellte Gemeinschaft der Leser

2. Die Kategorien von Region und Nation

3. Grenzziehungen nach außen und antiaristokratische Tendenz

V. Schluss

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung, wie die Zeitschrift Die Gartenlaube im 19. Jahrhundert durch mediale Mechanismen maßgeblich zur Konstruktion einer nationalen Identität und einer vorgestellten Gemeinschaft beitrug. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Wechselwirkung zwischen dem Anspruch des bürgerlich-liberalen Publikums und der Rolle des Mediums als Instrument zur nationalen Selbstdefinition.

  • Konstruktivistische Perspektive auf Identität und Massenmedien
  • Die Rolle der Gartenlaube als populäres Familienblatt und politisches Organ
  • Mechanismen der Nationskonstruktion mittels Kultur- und Regionalsymbolik
  • Abgrenzungsprozesse gegenüber dem Adel und ausländischen Nationen
  • Die Entstehung einer bürgerlichen Öffentlichkeit

Auszug aus dem Buch

Die vorgestellte Gemeinschaft der Leser

Andersen zeichnet in seinem Buch Imagined Communities nach, wie die Verbindung technologischer Machbarkeit und kapitalistischer Interessen zur massenhaften Verbreitung von Drucksachen beitrug. Nachdem sich der Markt für lateinsprachige Druckerzeugnisse gesättigt hatte, wurde zunehmend und billig für breite Massen in den Volkssprachen gedruckt. Im Gegensatz zum Latein wurde Deutsch (im deutschen Sprachraum) von praktisch allen Einwohnern beherrscht und eröffnete damit für die Verbreitung von Drucksachen einen schier unerschöpflichen Markt. Unter diesen Bedingungen begann das Volk ein Volk von Lesern zu werden (vgl. Anderson 2000: 37-41).

Das beginnende Zeitalter der Massenmedien war jedoch nicht nur ein theoretisches Konzept, mit dem sich die Transformation von Nicht-Lesern zu Lesern beschreiben ließe. Es schlug sich auch konkret in den durch das Massenmedium Zeitschrift veränderten Kommunikationsstrukturen und Wahrnehmungen nieder und formte eine Vorstellung von einer geographische Grenzen und Klassenschranken überschreitende Gemeinschaft von Lesern, die so vorher nie existiert hatte (vgl. Belgum 1998: 17).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die These auf, dass die Gartenlaube als erstes deutsches Massenmedium maßgeblich zur Etablierung eines nationalen Bewusstseins beitrug, indem sie eine nationale Gemeinschaft von Lesern schuf.

II. Methode und Forschungsstand: Hier werden die konstruktivistische theoretische Basis der Arbeit dargelegt und der aktuelle Forschungsdiskurs zur Rolle von Massenmedien bei der Nationsbildung aufgearbeitet.

III. Historische und thematische Kontextualisierung: Dieses Kapitel analysiert das Entstehen einer bürgerlichen Öffentlichkeit und positioniert die Gartenlaube als ein populäres, politisch wirksames Organ, das moralische Bildungsansprüche unter dem Deckmantel der Unterhaltung vermittelte.

IV. Die Konstruktion der Nation in der Gartenlaube: Der Hauptteil untersucht detailliert die Mechanismen der Identitätsstiftung, insbesondere durch die Ansprache der Leserschaft, die Aufwertung regionaler Identitäten und die bewusste Abgrenzung nach außen.

V. Schluss: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und bestätigen, dass die Gartenlaube nicht nur bürgerlich-liberale Ideen verbreitete, sondern als konstitutives Forum für die Identitätsfindung der deutschen Nation fungierte.

Schlüsselwörter

Gartenlaube, Nation, Identität, Nationalismus, Bürgertum, Massenmedium, Öffentlichkeit, Kulturnation, Imagined Community, Liberalismus, Identitätskonstruktion, Familienblatt, Deutschland, Nation-Building, 19. Jahrhundert

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Rolle der Zeitschrift Die Gartenlaube als Massenmedium bei der Herausbildung eines deutschen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Kernbereichen gehören die Konstruktion einer "vorgestellten Gemeinschaft" (imagined community), das Verhältnis von bürgerlicher Moral und Politik sowie die Abgrenzung gegenüber dem Adel und ausländischen Nationen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, inwiefern Die Gartenlaube durch ihre Struktur und ihre inhaltliche Ausrichtung als ein wesentlicher Akteur bei der Konstruktion nationaler Identität fungierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit folgt einer konstruktivistischen Perspektive und nutzt ein qualitatives Verfahren zur medienhistorischen Kontextualisierung ausgewählter Textbeispiele aus der Zeitschrift.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Leseranbindung, die symbolische Verknüpfung von Regionen und Nation sowie die expliziten Abgrenzungsstrategien gegenüber aristokratischen und ausländischen Einflüssen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Identitätskonstruktion, Massenmedium, bürgerliche Öffentlichkeit, Nation-Building und Kulturnation.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen "Region" und "Nation" eine so große Rolle?

Die Gartenlaube versuchte, die partikularen Interessen der deutschen Fürstentümer zu überwinden und durch die Visualisierung regionaler Besonderheiten ein einheitliches Bild einer deutschen Nation zu schaffen.

Welchen Einfluss hatte der "Deckmantel der Familienunterhaltung"?

Die Zeitschrift nutzte Unterhaltung als Instrument, um liberale politische Werte und nationale Ideen in einem breiten Publikum zu verbreiten, das durch explizit politische Schriften aufgrund von Zensur schwerer zu erreichen gewesen wäre.

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Details

Title
Eine Nation schreiben
Subtitle
Konstruktion nationaler Identität in der Zeitschrift 'Die Gartenlaube'
College
University of Trier  (Medienwissenschaft)
Course
Geschichte der Zeitschrift
Grade
1,7
Author
Anna Milena Jurca (Author)
Publication Year
2008
Pages
24
Catalog Number
V142748
ISBN (eBook)
9783640519408
ISBN (Book)
9783640520893
Language
German
Tags
Eine Nation Konstruktion Identität Zeitschrift Gartenlaube
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna Milena Jurca (Author), 2008, Eine Nation schreiben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142748
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