„Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.“
Antoine de Saint Exupery
Dieses Zitat schrieben sich scheinbar die Betriebsprüfer im Januar des Jahres 2000 auf ihre Fahnen, als sie hinter die Machenschaften der Manager der Ettlinger Unternehmensgruppe FlowTex kamen. Das Hoch- und Tiefbauunternehmen finanzierte und verkaufte vorwiegend Bohrsysteme, welche sich durch ein besonderes patentrechtlich geschütztes Tiefbohrverfahren auszeichneten. Neben Steuerhinterziehung ermittelte die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Kapitalanlagebetrug, worauf das zuständige Amtsgericht das Insolvenzverfahren eröffnete. Die FlowTex – Gruppe hatte Leasingverträge über ca. 3.500 Bohrsysteme geschlossen, tatsächlich existierten jedoch nur 270 Kontrakte, wodurch ein strafrechtlicher Schaden von ca. 4 Mrd. DM bzw., nach Verwertung der vorhandenen Vermögenswerte, ein realer Schaden von 2,7 Mrd. DM entstand. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG widerrief daraufhin bereits erteilte Testate und zahlte eine Summe von 100 Mio. DM, um die entstandenen Schäden auf Seiten der Gläubiger zu mildern. Neben diesem großen Bilanzskandal gab es in Deutschland noch den der Philip Holzmann AG und den der Hypovereinsbank. Es stellt sich nun die Frage, wie solche Machenschaften bzw. solcher Kapitalanlagebetrug verhindert werden kann. Die Antwort liefern die Inhalte der Corporate Governance (im Folgenden kurz: CG), was im Folgenden näher erläutert wird. Nach einem statistischen und geschichtlichen Abriss werden die Grundlagen, die gegenwärtige Situation in Deutschland, existierende Konflikte, den Deutschen Corporate Governance Kodex (im folgenden kurz: DCGK) sowie Kritik am DCGK vorstellen, um schließlich zukunftsorientierte Betrachtungen im Hinblick auf mögliche Maßnahmen, wie die Scorecard oder die Einführung einer europäischen Börsenaufsicht, zu beschreiben.
Fraglich bleibt, was regelt die CG im Unternehmen? Zur CG zählen viele Einzelkomponenten aus dem Gesellschafts- und Kapitalrecht zur Optimierung der Unternehmensleitung und -kontrolle. Insbesondere die Investor Relations und die Beziehungen zu den Stakeholdern stehen im Vordergrund, welche durch die bereits beschriebene Effizienzsteigerung der Leitungs- und Überwachungsorgane sowie durch eine transparente und prospektive Informationspolitik herbeigeführt werden soll. Ursächlich dafür sind die gestiegenen Shareholder – Value – Interessen der Groß- und Kleinanleger.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Vergangenheit der Corporate Governance
- 3. Grundlagen zum Verständnis von CG
- 3.1. Unterschiede zwischen Deutschland und den USA
- 3.2. Konflikte in Verbindung mit der CG
- 3.3. Corporate Governance und deren Umsetzung in die Praxis
- 4. Die Situation in Deutschland
- 4.1. Das Two-Tier - Modell der Aktiengesellschaft
- 4.1.1. Die Rolle des Vorstandes
- 4.1.2. Die Rolle des Aufsichtsrates
- 4.2. Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht – die Grundlage der deutschen CG
- 4.2.1. Das KonTraG
- 4.2.1.1. Änderungen hinsichtlich des Aufsichtsrates
- 4.2.1.2. Änderungen hinsichtlich des Vorstandes
- 4.2.1.3. Änderungen hinsichtlich der Hauptversammlung
- 4.2.1.4. Änderungen hinsichtlich des Jahresabschlusses
- 4.2.2. Das TransPuG
- 4.2.2.1. Interne Corporate Governance
- 4.2.2.2. Externe Corporate Governance
- 4.2.3. Das 4. Finanzmarktförderungsgesetz
- 5. Der Deutsche Corporate Governance Kodex
- 5.1. Regelungsinhalte des DCGK
- 5.2. Kritik am DCGK
- 6. Zukünftige Entwicklung und Schlussbemerkungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem Begriff, der Bedeutung und der Umsetzung von Corporate Governance (CG) in Deutschland. Dabei wird insbesondere auf das Zusammenwirken von Abschlussprüfung, Aufsichtsrat und Interner Revision eingegangen.
- Die Entwicklung und Geschichte von CG
- Die Unterschiede zwischen CG in Deutschland und den USA
- Die rechtlichen Grundlagen von CG in Deutschland
- Die Rolle des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK)
- Zukünftige Herausforderungen und Entwicklungen von CG
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel der Arbeit gibt eine Einleitung und führt den Leser in das Thema Corporate Governance ein, indem es auf einen Bilanzskandal der FlowTex-Gruppe verweist. Die folgenden Kapitel widmen sich der Vergangenheit von CG, den Grundlagen zum Verständnis von CG, der Situation in Deutschland mit den verschiedenen Gesetzen und Regelungen, dem Deutschen Corporate Governance Kodex und seiner Kritik, sowie zukünftigen Entwicklungen und Schlussbemerkungen.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, CG, Deutscher Corporate Governance Kodex, DCGK, Abschlussprüfung, Aufsichtsrat, Interner Revision, KonTraG, TransPuG, Finanzmarktförderungsgesetz, Deutschland, USA
- Citation du texte
- Dipl. Betriebswirt (FH) Torsten Montag (Auteur), 2003, Corporate Governance Begriff Bedeutung und Umsetzung in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung des Zusammenwirkens von Abschlussprüfung Aufsichtsrat und Interner Revision, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14285