Am 1. August 2006 trat die neue Ausbildungsordnung für Kaufleute für Versicherungen und Finanzen in Kraft. Hierdurch wurden Erkenntnisse aus der Bestandsaufnahme der bisherigen Ausbildung sowie der Früherkennung des künftigen Qualifikationsbedarfs,
die durch die Zukunftswerkstatt Versicherungen des BWV, einer KWB-Studie als auch einer BIBB-Evaluation erhoben wurden, umgesetzt.
Noch als sich die neue AO im Beschlussverfahren befand, wurden schon negative Szenarien für die Berufsausbildung in der Versicherungswirtschaft ausgemalt. Viele sprachen als Folge der neuen AO davon, dass einige Ausbildende der Versicherungswirtschaft dadurch nicht mehr ausbildungsfähig blieben. Andere behaupteten, es handele sich lediglich um ‚alten Wein in neuen Schläuchen’. Derartige und andere Prophezeiungen
trugen unter den Ausbildern zu einer gewissen Verunsicherung bei. Chancen, die diese neue AO hinsichtlich lern- und kompetenzförderlicher Ausbildungsgestaltung bietet, wurde von Seiten der Verantwortlich kommuniziert, was aber insgesamt auf
taube Ohren zu stoßen schien. Ob nun diese Chancen, knapp drei Jahre nach Inkrafttreten der neuen AO, dennoch ergriffen
wurden bzw. welchen Einfluss sie de facto auf eine lern- und kompetenzförderliche Ausbildungsgestaltung haben, gilt es in dieser Arbeit zu untersuchen. Dabei soll aus Rücksicht auf den Umfang dieser Arbeit der Fokus auf die Ausbildungsmethoden
bzw. Lernformen gerichtet werden. Dafür wird zunächst der Begriff der Ausbildung näher beleuchtet sowie Möglichkeiten zur lern- und kompetenzförderlichen Ausbildungsgestaltung vorgestellt und anschließend ein Abgleich zwischen alten und neuen Rahmenbedingungen auf Basis der Ausbildungsordnungen
Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen (neu) und Versicherungskaufmann/-frau (alt) aufgezeigt. Danach widmet sich diese Arbeit den Effekten, die die Wahlmodule auf die Ausbildungsgestaltung und die Rolle des Ausbilders haben. Insbesondere für diesen Teil wurde eine kleine, selbst entwickelte empirische Befragung durchgeführt. Letztlich bietet die Schlussbetrachtung eine Zusammenfassung im Hinblick auf das Ziel der zugrunde liegenden Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung mit Problemstellung
2. Grundlagen der Untersuchung
2.1 Berufsausbildung im System der Betrieblichen Bildungsarbeit
2.2 Lern- und kompetenzförderliche Ausbildungsgestaltung
2.3 Änderung der Ausbildungsbedingungen durch die Wahlmodule
3. Effekte der Wahlmodule
3.1 Chancen einer lern- und kompetenzförderlichen Ausbildungsgestaltung
3.2 Auswirkungen auf die Rolle des Ausbilders
3.3 Änderungen in der Empirie
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Einführung der Wahlmodule in der Ausbildungsordnung für Kaufleute für Versicherungen und Finanzen die Möglichkeiten für eine lern- und kompetenzförderliche Ausbildungsgestaltung in der Praxis tatsächlich verbessert hat und welchen Einfluss dies auf die Rolle des Ausbilders ausübt.
- Analyse der Rahmenbedingungen für eine lern- und kompetenzförderliche Ausbildung.
- Vergleich der neuen Ausbildungsordnung mit den alten Vorgaben für Versicherungskaufleute.
- Untersuchung der Auswirkungen auf Ausbildungsmethoden und Lernformen.
- Bewertung der veränderten Rolle des Ausbilders vom Inhaltsvermittler zum Coach.
- Empirische Erhebung unter Versicherungsunternehmen zu den Effekten der Wahlmodule.
Auszug aus dem Buch
Lern- und kompetenzförderliche Ausbildungsgestaltung
Bevor Möglichkeiten zur lern- und kompetenzförderlichen Ausbildungsgestaltung näher betrachtet werden, erscheint es sinnvoll, zunächst einige Begrifflichkeiten zu bestimmen, da diese in der Literatur unterschiedlich verwendet werden und kein allgemeiner Konsens dazu besteht, welche Begriffserklärungen zugrunde zu legen sind. (vgl. Dehnbostel/Lindemann 2007, 180) Nachfolgend werden aus Rücksicht auf den Umfang dieser Arbeit geeignet erscheinende Begriffsdefinitionen getroffen, ohne einen erschöpfenden Diskrus hierzu darzubieten.
Lernen: ist „…eine relativ überdauernde Veränderung von Fähigkeiten und Fertigkeiten durch (Konfrontation mit) Erfahrung…“ (Becker 2005, 83; vgl. auch Mertens 2008, 102)
Kompetenzen: Hierunter „…sind Fähigkeiten, Methoden, Wissen, Einstellungen und Werte zu verstehen, deren Erwerb, Entwicklung und Verwendung sich auf die gesamte Lebenszeit eines Menschen bezieht. Sie sind an das Subjekt und seine Befähigung zu eigenverantwortlichen Handeln gebunden.“ (Gillen/Dehnbostel 2007, 460)
Berufliche Handlungskompetenz: stellt sich dar „…als Einheit aus den drei Hauptkompetenzen Fach-, Personal- und Sozialkompetenz, die als Voraussetzung für Methoden- und Lernkompetenz verstanden werden.“ (Thillosen 2005, 15; anders z. B.: s. Erpenbeck/Rosenstiel 2007, XXIV)
Reflexivität: „…meint … die bewusste, kritische und verantwortliche Einschätzung und Bewertung von Handlungen auf der Basis von Erfahrungen und Wissen.“ (Gillen/Dehnbostel 2007, 461)
Reflexive Handlungsfähigkeit: „…zeigt das Vermögen an, durch Reflexion vorgegebene Situationen, Anforderungen und Probleme aus einer gewissen Distanz zum unmittelbaren Arbeitsgeschehen zu erfassen, zu deuten und in handlungsorientierter Absicht zu bewerten.“ (Dehnbostel/Lindemann 2007, 182)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung mit Problemstellung: Die Arbeit führt in die neue Ausbildungsordnung für Kaufleute für Versicherungen und Finanzen ein und formuliert das Ziel, die Auswirkungen der Wahlmodule auf die Ausbildungsqualität empirisch zu untersuchen.
2. Grundlagen der Untersuchung: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Handlungskompetenz und lerntheoretische Ansätze, die als theoretisches Fundament für die Gestaltung moderner Ausbildung dienen.
3. Effekte der Wahlmodule: Der Hauptteil analysiert die Chancen der neuen Ordnung, beleuchtet die veränderte Ausbilderrolle und präsentiert die Ergebnisse der empirischen Befragung unter den Mitgliedsunternehmen.
4. Schlussbetrachtung: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei festgestellt wird, dass sich die befürchtete Ausbildungsunfähigkeit nicht bestätigt hat und die Unternehmen die neuen Anforderungen weitgehend konstruktiv umsetzen.
Schlüsselwörter
Wahlmodule, Ausbildungsordnung, Versicherungskaufmann, Handlungskompetenz, Ausbildungsgestaltung, Konstruktivismus, Lernprozessbegleiter, Coaching, Fallbezogenes Fachgespräch, Berufsbildung, Kompetenzentwicklung, Ausbildungsverordnung, Arbeits- und Lernaufgaben, Reflexivität, Betriebliche Bildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der neuen Ausbildungsordnung für Kaufleute für Versicherungen und Finanzen (KVF) von 2006 auf die betriebliche Ausbildungspraxis.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die lern- und kompetenzförderliche Ausbildungsgestaltung, die Anwendung von Wahlmodulen und die damit verbundene Veränderung der Anforderungen an Auszubildende und Ausbilder.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob die neuen Wahlmodule de facto zu einer stärkeren Kompetenzorientierung in der Ausbildung geführt haben und wie die Unternehmen diese Umstellung bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Der Autor hat neben einer Literaturanalyse eine eigene empirische Befragung mittels eines Fragebogens bei Mitgliedsunternehmen des Berufsbildungswerks der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Begründung konstruktivistischer Ausbildungsmethoden, der neuen Prüfungsform des Fallbezogenen Fachgesprächs und der Auswertung der Unternehmensbefragung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Wahlmodule, Handlungskompetenz, Ausbildungsmethoden, Ausbilderrolle und Kompetenzentwicklung beschreiben.
Wie bewerten die Unternehmen die Eignung des Fallbezogenen Fachgesprächs (FFG)?
Die befragten Unternehmen halten das FFG im Durchschnitt für geeignet, um die reflexive Handlungsfähigkeit zu prüfen, zeigen jedoch eine gewisse Uneinigkeit in der Bewertung.
Gab es Befürchtungen bezüglich der Einführung der Wahlmodule?
Ja, im Vorfeld gab es Sorgen, dass die neue Ordnung zu einer „Ausbildungsunfähigkeit“ in der Branche führen oder lediglich „alten Wein in neuen Schläuchen“ darstellen könnte, was sich in der Praxis jedoch nicht bewahrheitete.
- Citation du texte
- Sascha Fauler (Auteur), 2009, Wahlmodule der neuen Ausbildungsordnung für Kaufleute für Versicherungen und Finanzen als Chance für eine lern- und kompetenzförderliche Ausbildungsgestaltung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142891