Das antagonistische Verhältnis von weiblicher Kultur und beruflich organisierter Arbeit


Bachelorarbeit, 2002
40 Seiten, Note: 2,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Die Ausrichtung der Geschlechter auf die Berufe
2.1 Die berufliche Sozialisation im weiblichen Lebensverlauf
2.1.1 Die weiblichen Berufsinteressen
2.1.2 Chancengleichheit auf dem Lehrstellenmarkt
2.1.2.1 Weibliche Jugendliche mit 10-klassigem Schulabschluss im dualen System der Berufsausbildung
2.1.2.2 Weibliche Studienberechtigte (Sekundarstufe II) im dualen System der Berufsausbildung
2.1.3 Die schulische Berufsausbildung von jungen Frauen
2.2 Die Erwerbstätigkeit im weiblichen Lebensverlauf
2.2.1 Der berufliche Aufstieg der Frau
2.2.2 Schichtspezifische Spannungen

3 Typische Strukturmerkmale von Frauenberufen
3.1 Das Verhältnis von geschlechtlicher Arbeitsteilung
3.1.1 Allgemeine Definition von Beruf
3.1.2 Die Frauenkarriere
3.2 Schlechtere Arbeitsbedingungen und geringere Löhne in Frauenberufen

4 Die Veränderung der beruflichen Strukturmerkmale
4.1 Die Veränderung der Berufsinhalte
4.2 Die Änderung des Sozialstatus
4.3 Der Geschlechtswandel und die Folgen für die Berufsin- halte

5 Die Weiterbildung von Frauen
5.1 Die Weiterbildungsteilnahme von Frauen
5.2 Die gesetzlichen Regelungen zur Gleichstellung von Mann und Frau
5.3 Die berufliche Weiterbildung von Frauen
5.3.1 Die betriebliche Weiterbildung von Frauen in Facharbeiterberufen
5.3.2 Die geförderte Weiterbildung nach SGB III
5.3.3 Die geförderte Weiterbildung nach Aufstiegsfort- bildungsförderungsgesetz
5.4 Die Teilnahme von Frauen am Fernunterricht
5.5 Die Teilnahme von Frauen an formalisierter Weiterbildung
5.6 Fazit zur berufliche Weiterbildung der Frauen

6 Zusammenfassende Schlussbemerkungen

Abbildungsverzeichnis

Diagramm 1 Prozentuale Beteiligung nach Geschlecht und Berufs- gruppen

Diagramm 2 Anzahl der Frauen an Fortbildungsprüfungen

Diagramm 3 Prozentualer Anteil der Umschulungsteilnehmer nach Berufsgruppen (BBB 2002)

Diagramm 4 Prozentualer Anteil der weiblichen Umschulungsteilnehmer nach Berufsgruppen (BBB 2002)

Diagramm 5 Weiterbildungsprüfungen der Kammern im Jahr 2000

Diagramm 6 Teilnehmer/-innen an Fernunterricht nach Themenbereichen und Geschlecht in Prozent

Tabelle 1 Berufsausbildung von Realschülern

Tabelle 2 Weiterbildungsteilnahmen nach Anzahl und Bereichen

Tabelle 3 Prozentuale Weiterbildungsteilnahme nach Altersgruppen und Jahr

Literaturverzeichnis

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Lemmermöhle-Thüsing, Doris: „Meine Zukunft? Naja, heiraten, Kinder haben und trotzdem berufstätig bleiben. Aber das ist ja fast unmöglich“. Über die Notwendigkeit, die Geschlechterverhältnisse in der Schule zu thematisieren: das Beispiel Berufsorientierung. In: Rabe-Kleberg, Ursula (1990): Besser gebildet und doch nicht gleich. Bielefeld: Kleine Verlag.

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Rabe-Kleberg, Ursula (1990): Besser gebildet und doch nicht gleich. Kleine Verlag: Bielefeld.

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Rabe-Kleberg, Ursula (1993): Verantwortlichkeit und Macht. Ein Beitrag zum Verhältnis von Geschlecht und Beruf angesichts der Krise traditioneller Frauenberufe. Kleine Verlag: Bielefeld.

Schiersmann, Christiane (1987): Berufsbezogene Weiterbildung und weiblicher Lebenszusammenhang. Zur Theorie eines integrierten Bildungskonzepts. Kleine Verlag: Bielefeld.

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Stiegler, Barbara (1994): Berufe brauchen kein Geschlecht. www.fes.de/fulltest/asfo/ 00545toc.thm (Stand 01.06.2002)

Das antagonistische Verhältnis von „weiblicher Kultur“ und beruflich organisierter Arbeit

- Die typische inhaltliche Ausrichtung und soziale Ausstattung von Frauen-berufen, deren Aus- und Weiterbildung und der Widerspruch zur doppelten Sozialisation -

1 Einleitung

Der Wandel in der Frauenerwerbstätigkeit, in Bildung und Ausbildung, in den familialen Lebensformen und vor allem in Orientierungen der Frauen selbst wird allgemein als Hinweis dafür gewertet, dass auch Frauen vom Prozess der Individualisierung erfasst werden. Das Muster der weiblichen Normalbiografie löst sich auf. Eine größere Vielfalt von Lebensformen werden Frauen zugänglich. Die Lebensführung der Frauen wird stärker bestimmt und abhängig von der Erwerbstätigkeit. Gleichzeitig aber bleibt der entscheidende Aspekt ihrer Lebens-lage, die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, unangetastet.

Berufstätigkeit und Elternschaft sind entwicklungsbedeutsame Lebensthemen. Für Frauen ist es heute noch keine Selbstverständlichkeit, Berufstätigkeit und Mutter-schaft gleichermaßen als Entwicklungspotenzial zu nutzen. Im Gegenteil: Man muss davon ausgehen, dass Frauen in ihrer Entwicklung eingeschränkt und behin-dert werden. Für die Mehrzahl der Männer steht außer Frage, beide Entwick-lungen miteinander verbinden zu können.

Wenn man das Verhältnis „Frau - Beruf“ untersucht, erhält man Einblick in eine besondere Komplexität und Gegensätzlichkeit zwischen den Anforderungen an berufliche Arbeit und den biografisch erworbenen Dispositionen des weiblichen Arbeitsvermögens und den damit ständig verbundenen Aufgaben im familiären Reproduktionsbereich.

In der vorliegenden Arbeit sollen Aufstiegschancen und -hindernisse von Frauen auf Facharbeiterebene differenzierter diskutiert werden. Dabei sollen Wider-sprüchlichkeiten bei der Lebens- und Berufsplanung und der beruflichen Tätigkeit aufgezeigt werden. Besonders berücksichtigt werden Berufe von Frauen, ihre Berufsausübung und Weiterbildung. Außerdem werden Barrieren aufgezeigt, die es den Frauen systematisch erschweren, beruflich aufzusteigen.

2 Die Ausrichtung der Geschlechter auf die Berufe

Unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten teilt man Berufe in Frauenberufe und Männerberufe ein. Frauenberufe sind solche Berufe, für die Frauen in beson-derer Weise geeignet sind bzw. solche, die für Frauen in besonderer Weise geeig-net sind (vgl. Rabe-Kleberg 1992, 91). Typische Frauenberufe zeichnen sich da-durch aus, dass die Grenze zwischen berufsfachlichem und allgemeinem Wissen verwischt ist und dass die konkreten Arbeitsaufgaben äußerst diffus bleiben. Im Prozess der Verberuflichung sozialer Arbeit fehlte dieser Arbeit der Charakter der Lohnarbeit, weshalb sie auch heute noch nicht im Verhältnis steht zu tariflich bezahlter Arbeit und zu männlichen Berufen mit vergleichbarem Qualifika­tionsniveau und vergleichbarer Qualifikationsdauer. Die Kontrollfunktionen über diese Arbeiten liegen eher bei den Männern und die Arbeitsphilosophie ist eher mit Wertvorstellungen verknüpft, die in privaten Lebensformen und in religiösen Kontexten verankert sind (vgl. Stiegler 1994, 16). Zu den Frauenberufen zählen die weiblich dominierenden Ausbildungsberufe. 80 – 100 % der weiblichen Aus­zu­bildenden erlernen diese Berufe und machen sie damit zu „typischen Frauenberufen“. Beispiele mit entsprechender prozentualer Beteiligung von Frau­en und Männern in den entsprechenden Berufsgruppen werden im Diagramm 1 gezeigt. Die Aufstellung erfolgte nach den neuesten Grund- und Strukturdaten 2000/2001 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (Bmbf).

Frauenberufe haben in der Regel mehrere Benachteiligungsfaktoren. Hierzu zäh-len eng begrenzte Ausbildungsinhalte und eine kurze Ausbildungsdauer, um dem Arbeitsmarkt als vollwertige Arbeitskraft möglichst frühzeitig zur Verfügung zu stehen. Folgen dieser Berufsausbildung sind ein hohes Arbeitsplatzrisiko und schlechte Weiterbildungschancen.

Besonders geeignet scheinen Frauenberufe für die weibliche Lebensplanung, die Familiengründung und das „Dazu-Verdienen“ zu sein.

Unter Männerberufen sind Ausbildungsberufe zu verstehen, die von weniger als 20 % der Frauen als Berufsbildungsziel ausgewählt werden. Typische Männer-berufe sind gewerblich-technische Berufe. So ist im Berufsbildungsbericht (BBB) 2002 deutlich ablesbar, dass Metallberufe, Elektroberufe und Bauberufe von weiblichen Auszubildenden mit weniger als 20 % angestrebt werden. Gründe für die geringen Belegungszahlen der Frauen in männlichen Berufsgruppen sollen in den persönlichen Veranlagungen der Frauen liegen, die durch vorberufliche Sozialisation geprägt werden.

2.1 Die berufliche Sozialisation im weiblichen Lebensverlauf

2.1.1 Die weiblichen Berufsinteressen

Die Vorstellung vom „weiblichen Arbeitsvermögen“, die Ilona Ostner und Elisabeth Beck-Gernsheim (1979) als idealtypische Konstruktion entwickelt haben, um den Charakter familialer Arbeit gegen Arbeitsverhältnisse im Berufs­system abzugrenzen, hat sich in der Frauenforschung inzwischen zu einem We­sensmerkmal von Frauen verselbstständigt (vgl. Krüger in: Rabe-Kleberg 1990, 142). Sie haben das Besondere des familialen Arbeitsbereichs herausgearbeitet und festgestellt, dass die Prägungen des Sozialisationsprozesses, welche beim Mädchen primär Fähigkeiten und Interessen fördern, der familiär-reproduk­tions­bezogenen Arbeit entsprechen. Sie sind es, die die weibliche Kultur beeinflussen und bestimmen. Sie sind entscheidend für die berufliche Situation im ersten Stadium der Berufswahl. Durch elterliche Erwartungen und Ermahnungen werden diese Positionen bereits früh beim Mädchen angelegt. Die Situation der Mädchen ist dann bei der Berufswahl von zwei Seiten bestimmt: Einerseits sind Interessen und Orientierungen mehr familiär-reproduktionsbezogen, d. h. pflegerisch, erzie­herisch, hauswirtschaftlich; andererseits ist es heute unter den gesellschaftlichen Bedingungen selbstverständlich, einen Beruf, wenn auch nur zeitweise, auszu­üben. Im Ergebnis heißt das, dass junge Frauen versuchen, einen Beruf zu wählen, der weitgehend ihrer „weiblichen Kultur“ entspricht, wie Hegen, Pflegen, Schmücken und Schönmachen.

Diese Fähigkeiten kennzeichnen das weibliche Arbeitsvermögen, insbesondere die Vermischung aller dieser Tätigkeiten miteinander. Ebenso gehören geduldiges Abwarten, eine gewisse Gebrauchswertorientierung und die besondere Eignung für gerade diese Tätigkeiten dazu. Junge Frauen wählen gerade deshalb Berufe wie Friseuse, Arzthelferin, Hotelfachfrau, Floristin oder Hauswirtschafterin vorrangig, weil diese am ehesten ihren subjektiven Dispositionen, die nicht angeboren, sondern sozial vermittelt sind, den weiblichen Orientierungen und Interessen entsprechen.

Kritisch zu betrachten am Konzept des weiblichen Arbeitsvermögens ist, dass es auf einem differenztheoretisch orientierten Ansatz basiert, dass zur Beschreibung überhaupt die Kategorie Geschlecht benutzt wird, um menschliches Arbeitsver­mögen begreifbar zu machen und dass die Kategorie so übernommen wurde, wie sie in der symbolischen Geschlechterordnung verankert ist (vgl. Stiegler1994, 15). Beck-Gernsheim und Ostner trennten schon im Ausgangspunkt ihrer Betrach­tungen Privat- und Familienarbeit sowie Öffentlichkeit und Berufsarbeit. Sie kamen dadurch zu bestimmt definierten Anforderungsstrukturen an die Arbeits­kraft: Berufsarbeit ist instrumentell, Privatarbeit eher einfühlsam. Betrachtet man die Fähigkeiten und Kompetenzen der Geschlechter analog, so kommt man zum Konstrukt des „weiblichen Arbeitsvermögens“ (vgl. Stiegler 1994, 16).

Auch Männer haben entsprechende Fähigkeiten, haus- oder familienähnliche Ar-beiten zu leisten. Sie werden ausgeprägter, wenn sie von ihnen verlangt werden. Die Fähigkeitsentwicklung bindet sich also an die Anforderungsstruktur der Fami-lienarbeit, nicht an das Geschlecht (vgl. Krüger in: Rabe-Kleberg 1990, 143).

Männer wie Frauen entwickeln die gleichen Fähigkeiten, wenn die entsprechende Anforderungsstruktur und die soziale Situation es von ihnen verlangen. Was als „weibliches Arbeitsvermögen“ beschrieben worden ist, ist historisch zwar über-wiegend an die Frau als diejenige, die mit den entsprechenden Aufgaben betraut, belastet oder versehen wird, gebunden, jedoch hat das weibliche Arbeitsvermö-gen keinen anthropologisch-ontogenetischen Untergrund, sondern einen der ge-sellschaftlichen Organisation der Arbeit (vgl Krüger in: Rabe-Kleberg 1990, 143).

Beck-Gernsheim und Ostner erklärten die marginalen Beschäftigungssituationen von Frauen im kritischen Rückbezug auf Sozialisations- und Rollentheorie. Sie sahen geschlechtsspezifische Qualifikationen, das sog. weibliche Arbeitsvermö­gen, geschlechtsspezifische Berufswahlverhalten und Familienorientierung als Erklärungskomponenten für das Erwerbsverhalten von Frauen an, was wiederum konstitutiv sei für Frauenarbeitsbedingungen. Diese Ergebnisse sind zu relativie­ren. Eine absolute Eindeutigkeit im Bezug zwischen geschlechtshierarchischer Arbeitsteilung in der Familie und dem Erwerbsverhalten von Frauen gibt es nicht. Anstelle einer eindeutigen Familienorientierung von Frauen wird ambivalent versucht, Familie und Arbeit in Einklang zu bringen (vgl. Krüger in: Rabe-Kleberg 1990, 143).

Weiterhin kritisch zu bemerken am Konzept des weiblichen Arbeitsvermögens ist: „Das durch Sozialisation erworbene sog. weibliche Arbeitsvermögen beinhalte die Vorstellung einer stärkeren Gebrauchswertorientierung von Frauen (zugrunde-gelegt in der Hausarbeit), die zu geschlechtsspezifischen Qualifikationen und ge-schlechtsspezifischem Berufswahlverhalten führe. Hierdurch werde suggeriert, die Gebrauchswertorientierung spiegele sich an Frauenarbeitsplätzen wider. Als Ursache der Benachteiligung erscheine … das geschlechtsspezifisch geformte Qua­li­fi­kationsprofil und die Verhaltensdisposition von Frauen.“ (Aulenbacher 1991, 40)

2.1.2 Chancengleichheit auf dem Lehrstellenmarkt

Überall in der westlichen Welt sind Mädchen auf dem Vormarsch. Ihre schu-lischen Leistungen sind besser als je zuvor. Es gelingt immer mehr Mädchen, eine höhere Schule zu besuchen. Die Anzahl an qualifizierten Arbeitsstellen, auch für Frauen, wächst stetig. Junge Frauen identifizieren sich mit der Arbeit und sind dabei erfolgreich (vgl. Franks 2002, 21). Generell lässt sich eine starke Anglei­chung männlicher und weiblicher Bildungschancen feststellen, wenn auch noch geringfügige Unterschiede im Bereich schulischer und beruflicher Ausbildung be­stehen. Im Gegensatz zu früher stehen heutige Frauengenerationen ihren männ-lichen Kollegen bezüglich ihrer Ausbildung in fast nichts mehr nach (vgl. Moos-mann 1999, 65). Für die Frage der Bildung gilt die Angleichung von Mann und Frau als vollzogen. Für den Zusammenhang von Beruf und Geschlecht sind Be-nachteiligungen und Behinderung immer noch bekannt. Obwohl generell die Be-ziehung von Bildung/Bildungsabschluss und eigenem beruflichen Status enger ge-worden ist, ist die Statuskonsistenz bei Frauen größer als bei den Männern, d. h. Frauen sind kaum in der Lage, Bildungszuwächse in entsprechende Statusgewinne (in Form von beruflichem Prestige und Einkommen) umzusetzen. Frauen finden sich überproportional in den unteren Rängen der Berufshierarchie, haben kaum berufliche Aufstiegs- und Entfaltungschancen, verdienen im Durchschnitt we-sentlich weniger als Männer und tragen – spätestens im Alter – das größere Ar­muts­risiko (vgl. Born in: Heinz u. a. 1998, 95).

Wie oben bereits festgestellt, haben die Mädchen mit den Jungen in der Schulbildung allemal gleichgezogen, sie sogar überholt. In der Berufsausbildung hingegen werden die jungen Frauen fortgesetzt benachteiligt. Diese Feststellung wurde schon in den 80er-Jahren getroffen und ausreichend diskutiert (vgl. Lemmermöhle-Thüsing in: Rabe-Kleberg 1990, 169 ff.). Und auch heute kann es nicht nur daran liegen, dass Frauen sich weiterhin nur für frauentypische Berufe entscheiden. Die Struktur der beruflichen Ausbildung ist nicht so klar und es gibt auch nicht ausreichend eindeutige Statistiken. Die formale Berufsausbildung ist zwar geregelt, aber nicht durch eindeutige Zuordnungen, sondern eher durch Min­destqualifikationsanforderungen. Viele Studienberechtigte verzichten zugunsten einer guten Berufsausbildung auf ein Studium, insgesamt mehr Frauen als Männer.

[...]

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Das antagonistische Verhältnis von weiblicher Kultur und beruflich organisierter Arbeit
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Kultur und Soziale Verhaltenswissenschaften)
Note
2,8
Autor
Jahr
2002
Seiten
40
Katalognummer
V14290
ISBN (eBook)
9783638197359
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhältnis, Kultur, Arbeit
Arbeit zitieren
Astrid Reiß (Autor), 2002, Das antagonistische Verhältnis von weiblicher Kultur und beruflich organisierter Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14290

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