Tassos "Aminta" als Medium höfischer Selbstdarstellung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
42 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Zeitgenössische Konflikte des Hofes von Ferrara
1) Naturkatastrophen
2) Probleme im Innern der Stadt und des Herzogtums
3) Konflikte mit dem Kirchenstaat
4) Dynastische Probleme

II. Das Schäferdrama
1) Tassos literarische Vorbilder
2) Allgemeines zum Schäferspiel

III. Höfische Selbstdarstellungsaspekte in Tassos Aminta
1) Der Ort des Geschehens
2) Anspielungen auf die dynastischen Probleme des Herzogtums von

IV. Konkrete Anspielungen auf Personen des Hofes von Ferrara
und die Rolle des Dichters und der Dichtkunst
1) Die Gestalt des weisen Elpinus und der schönen Licoris
2) Die Mopsus-Episode als Beispiel für Hofkritik und Herrscherlob
a) Mopsus als Verfechter des Antihöfischen
b) Thyrsis als Verteidiger des Hoflebens

Zusammenfassung

Anhang

Anmerkungen:

Exkurs1:
1) Historischer Hintergrund
2) Einfluß der Reformation und Gegenreformation auf den Hof Alfonso II.

Exkurs2:
Ursprüngliche Welt versus artifizielle Welt

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich einigen Fragen nachgehen, die den höfischen Selbstdarstellungsaspekt in dem Schäferspiel Aminta näher beleuchten. Die angesprochenen Fragen sind nicht als chronologische Anordnung zu verstehen, sondern greifen zum Teil dynamisch ineinander über, d.h. daß einige Überlegungen ihre Fortsetzung in den anschließenden Kapiteln finden. Hier nun die folgenden Fragen:

- Welche Rolle spielt der Fürst (hier Alfonso II.) im Kontext der höfischen Welt und in welcher Weise bestimmen innere und äußere sozialpolitische Faktoren sein Handeln? In wieweit fühlt sich die Hofgesellschaft davon betroffen?
- An welches Publikum wendet sich Tasso?
- Welche Funktion erfüllt der Dichter/die höfische Dichtung für das Herrscherhaus?
- Warum hat der Hof gerade für die Schäferdichtung eine Vorliebe?
- In welcher Form stellt Tasso enkomiastische und antihöfische Elemente dar und welche Seite bevorzugt Tasso in seinem Drama?

Gerade die Fragen nach dem Dichter und der Dichtung sowie die letzte Frage nach der Beurteilung des Hofes sind sehr eng mit der Biographie Tassos verbunden. Da ich während meiner Lektürestudien immer wieder auf derartige Hinweise gestoßen bin, habe ich sie in dieser Arbeit mit einfließen lassen.

Diese Arbeit gliedert sich in vier Abschnitte: Kapitel I beschäftigt sich mit den zeitgenössischen und historischen Problemen des Hofes von Alfonso II., der nicht ohne Grund um seine Zukunft bangen mußte. Im Kapitel II erfolgt ein kurzer Überblick über Tassos wichtigste literarische Vorgänger sowie ein paar allgemeine Überlegungen zum Schäferdrama, die jedoch wichtig sind, um einige Besonderheiten des Aminta-Schäferspiels von Tasso hervorzuheben. Mit dem dritten Abschnitt beginnt der Einstieg in die inhaltliche Textanalyse, wobei ich mich hier auf den Ort des Geschehens (hauptsächlich) im Prolog beschränke sowie auf die Anspielungen der dynastischen Konflikte des Herrscherhauses. Das vierte Kapitel teilt sich in zwei Bereiche ein, wobei sich beide jeweils mit den konkreten Anspielungen auf reale Personen des Hofes Este auseinandersetzten. Hierbei geht es auch um die Rolle der Dichtkunst und des Dichters selbst und um die Frage, in welcher Weise sie zur Hofkritik bzw. zum Herrscherlob beitragen. Zudem greife ich die höfische Selbstdarstellungsthematik unter dem Blickwinkel des Artifiziellen und Künstlichen auf, inwiefern sich diese antithetischen Elemente im höfischen und schäferlichen Kontext widerspiegeln.

Tassos Aminta erscheint auf den ersten Blick eine sehr einfach strukturierte Handlung zu haben, die, wenn wir uns nur die Liebesgeschichte zwischen Aminta und Sylvia anschauen, auch zutrifft. In unserem Zusammenhang interessiert jedoch nicht diese liebenswerte Fabula, in der Tasso ein neues Arkadien der Liebesfreiheit fordert, sondern jene Personen und Orte, die in verdeckter/verkleideter Form genannt werden und den tatsächlichen Hof von Ferrara repräsentieren. Daher beschränke ich mich auf die Gestalten des ersten Aktes, die nach meiner Ansicht die engste Verbindung zur höfischen Realität Ferraras darstellen. Um auf die Frage einzugehen, warum die Schäferdichtung gerade am Hof so beliebt war, das hat sicherlich auch mit dem Genre zu tun, da es den Stadtbewohner mit seinem speziellen sozial-politischen Hintergrund in einem eher intimen Kreis anspricht und seine spezielle Sphäre in das höfische Drama hinüber getragen wird. Er selbst wird (verhüllt) zum Gegenstand harscher Kritik oder göttlichster Huldigung (wie z. B. der Herzog).

I. Zeitgenössische Konflikte des Hofes von Ferrara

Um die Bedeutung von Tassos Schäferspiel Aminta besser verstehen zu können, ist es wichtig, sich die damaligen sozialpolitischen Verhältnisse zu vergegenwärtigen, die viele Probleme für das Herrscherhaus Este des Alfonso II. von Ferrara bedeuteten. Dazu zählt die ökonomische Situation, die genealogischen sowie die inner- und außenpolitischen Aspekte, die alle im Zusammenhang betrachtet werden müssen, da sie die Auslöser für die totale Verunsicherung der Hofgesellschaft und ihre damit verbundenen Zukunftsängste waren.

1) Naturkatastrophen

Das Herzogtum Ferrara wurde wiederholt von schweren Erdbeben heimgesucht. Die Ausmaße der Schäden von 1570/71 waren noch nicht einmal bewältigt worden (Alfonso II. mußte die Evakuierung eines Teils seines Hofes veranlassen), da wurde die Region 1573 von starken Unwettern wie Überschwemmungen und Hagelschauern bedroht, was nach János Riesz in den Augen der Bevölkerung als „Strafe Gottes“ angesehen wurde. Aus diesem Grund lag dem Herzog daran, die damit verbundenen Verwüstungen und ökonomischen Folgeschäden sowie die Ängste der Bevölkerung nicht über die Grenzen des Herzogtums hinaus dringen zu lassen. Somit versuchte er den Schein eines gut funktionierenden Fürstentums nach außen hin zu wahren, indem er die Diplomatie des Herunterspielens aller Horrormeldungen verfolgte.

2) Probleme im Innern der Stadt und des Herzogtums

Zu hohe Steuern lasteten auf den Bürgern, die Alfonso II. erhob, um seine zusätzlichen Ausgaben, z. B. für aufwendige Empfänge ausländischer Besucher, zu bewältigen, denn ihm lag daran, seinen Ruf als gastfreundlicher, wohlhabender und kunstliebender Machthaber aufrechtzuerhalten, ganz gleich, ob das Volk dafür bluten mußte. Mit der zunehmenden ökonomischen Belastung begannen immer mehr Menschen, sich an andere Höfe zu bewerben. Darin sah der Herzog eine eigene existentielle Bedrohung und antwortete mit einer Überreaktion, indem er 1573 einen Erlaß heraus gab, der die Bewegungsfreiheit der Bürger massiv einschränkte. Niemand durfte sich, nach János Riesz, in den Dienst eines anderen Fürsten begeben und somit auch nicht die Grenzen überschreiten. Um das Volk bei Laune zu halten und von den Zukunftsängsten abzulenken, veranstaltete er öffentliche Feste und Schaustellungen jeglicher Weise, eine Möglichkeit, um sich und seinen Hof in seiner Großzügigkeit und seinem Glanz feiern zu lassen. Dies bedeutete gleichzeitig auch eine Bestätigung seiner Macht nach innen wie nach außen.

3) Konflikte mit dem Kirchenstaat

In diesem Fall führten Grenzstreitigkeiten zwischen Alfonso II. und Papst Pius V. zu massiven Konflikten. Diese betrafen die Wasserrechte und die Salzgewinnung und schränkten das Herzogtum Ferrara in seinen ökonomischen Handlungsmöglichkeiten sehr stark ein. Um seine geschwächte Position zu stärken, nahm Alfonso II. Kontakt zu Frankreich und deutschen Fürstentümern auf, darunter auch Lutheraner, um sich international zu stärken.

4) Dynastische Probleme

Alfonso II. hatte bereits zwei Ehefrauen, die verstarben, ohne einen Thronfolger hinterlassen zu haben. Mit Lucrezia de’Medici war er von 1558 - 1561 verheiratet und später mit Barbara von Habsburg, verheiratet von 1565-1572. Die Ursache für seine Kinderlosigkeit wurde ihm als ein Mangel zugesprochen. Das bedeutete für ihn einen großen Verlust an Anerkennung als Herrscher und als Garant für den Fortbestand seiner Dynastie. Zu allem Unglück war eine päpstliche Verfügung im Mai 1567 herausgekommen, die insbesondere den Hof Este treffen sollte. Das Verbot lautete: uneheliche Kinder und Verwandte entfernter Abstammung dürfen nicht als Thronfolger eingesetzt werden. Damit wäre das Aussterben seines Herzogtums endgültig besiegelt gewesen. Um das zu verhindern, mußte er gezwungenermaßen eine weitere Ehe eingehen.

Mit der zukünftigen dritten Ehefrau, Margherita di Conzaga, hoffte die Hofgesellschaft auf eine Existenzsicherung des Herzogtums von Ferrara.

Bei einem fehlenden Thronfolger konnte sich der Papst sicher sein, Ferrara wieder zurückzugewinnen. Er stützte sich auf eine sogenannte pippinische Schenkung von 756 n. Chr.. In dieser Urkunde hatte der karolingische König der Kirche die Oberhoheit über das ehemalige Exarchat von Byzanz zuerkannt. Diese Tatsache war Alfonso II. bekannt, umso größer seine Ängste vor einem ausbleibenden Thronfolger.1

Soweit nun zum historischen und zeitgenössischen Hintergrund des Hofes von Este, der mit vielen Spannungen und Widersprüchen behaftet war. Es ist der Augenblick der ersten Aufführung des Aminta, nach Da Pozzo - eine Zeit voller Dynamik, in der Lächeln und Traurigkeit, Angespanntheit und Ausgelassenheit, Lebensangst und beschauliche Distanznahme - unmittelbar nebeneinander wirkten. Bevor ich zur Analyse das Stückes selbst komme, möchte ich vorab auf Tassos Vorläufer eingehen sowie einige Grundgedanken zum Schäferdrama niederlegen, um Tassos Aminta in unserem Themenkomplex der höfischen Selbstdarstellung besser einordnen zu können.

II. Das Schäferdrama

1) Tassos literarische Vorbilder

Das Schäferdrama entwickelte sich erst während der Renaissance in Italien und kennt keine antiken Vorgänger. Zu den Wurzeln gehören die humanistische Dialogstruktur, die Eklogen Vergils, Ovids Dichtung, die Novellistik im Sinne Boccaccios (durch die aktive Teilnahme der Zuhörer und die anekdotisch gestalteten Erzählungen erhielten die Geschichten Aufführungscharakter) sowie alle Arten von Hoffesten, die der Panegyrik der Herrscherhäuser dienten. Tasso orientierte sich an einer Vielzahl von Schauspielen: Zu Beginn der zahlreichen Aufführungen stand Jacopo Sannazaros Arcadia, (1504) welches in ganz Europa bekannt wurde und Nachahmer fand. In die lange Serie der Schauspiele reihten sich ein z. B. das Satyrspiel von Battista Giraldi Cinthio Egle, favola di satiri, das Pastoraldrama von Agostino Beccari, Il sacrificio ( Aufführung 1554) sowie in Ferrara Aretuso von Alberto Lollio (1563) und Lo Sfotunato von Agostino Argenti (1567). Die Anzahl der genannten literarischen Vorbilder, die Tasso zu seiner Zeit studierte, kann hier nur einen kleinen Ausschnitt wiedergeben. Alles andere würde den Rahmen dieser Arbeit überschreiten und vom eigentlichen Thema wegführen.

2) Allgemeines zum Schäferspiel

Beim Schäferdrama ist in der Regel das Publikum begrenzt und überwiegend auf die Sphäre des Hofes beschränkt, inhaltlich in der Regel durch einen geringen Anspruch, gekennzeichnet, formal klassisch - aristotelisch angelegt. Kritik wird im Gegensatz zur Komödie in Verschlüsselungen dargestellt. „Die Entsprechungen zwischen der Realität und dem Spiel auf der Bühne“ werden nach János Riesz in Form einer „kritischen Distanznahme“ gezeigt und geschieht durch eine „sanft-behutsame“ Andeutung, die „den Kritisierten Zeit und Raum läßt, sich darein zu finden und selbst dem Traum von einer besseren Welt nachzuhängen“ (János Riesz, S. 253). Tassos Hirtenspiel Aminta weist zwar eine denkbar einfache Handlung auf ( im Gegensatz zu seinen Vorgängern), doch erfordert das Stück eine genauere Betrachtung, um in die tieferen Schichten der zahlreichen Anspielungen vorzudringen.

Zum Schauplatz

In der traditionellen Schäferdichtung wie sie die Antike vermittelte, erscheint Arkadien als das typische Hirtenland, welches von „friedliebenden, glücklich, gastfreundlichen Schäfern bewohnt wird (Herta Wendel, Arkadien, 1.c. S.65) und der Schauplatz ist zu meist eine idealisierte Landschaft, die in ihrer Schönheit und Ursprünglichkeit gepriesen wird, eine detaillierte Naturbeschreibung eines Ortes erfüllter Liebe der Geliebten (eine Allegorie für den Dichtergesang). Oder es ist der locus terribilis der als allegorische Chiffre für die Klagen der Liebenden steht. Das Schäferdrama hält sich hingegen mit der ausführlichen Beschreibung des Schauplatzes zurück und ist „überaus arm an natürlicher Wirklichkeit. Die Erklärung liegt darin, daß alle diese Dramen zur Aufführung bestimmt sind und der Text durch das Bühnenbild ergänzt wird. „Der locus amoenus wird, bis auf Ausnahmen, in denen eine heroisch-erhabene Kontrastkulisse oder ein Binnenraum gefordert wird, so selbstverständlich für das pastorale Drama vorausgesetzt, daß sich der Autor eine dementsprechende Angabe entweder ganz spart oder sie nur andeutet und die Ausgestaltung des Bühnenraums dem Dekorateur überläßt“ (Klaus Garber, locus amoenus, S. 168 f.).

III. Höfische Selbstdarstellungsaspekte in Tassos Aminta

1) Der Ort des Geschehens

Tassos Aminta wurde vor einem intimen Kreis der Hofgesellschaft d’Este und dem Herzog am 31.Juli 1573 im Südwesten von Ferrara auf der Po-Insel Belvedere, „ein sogenannter <Lustort>, ein öffentlicher Platz oder Innenhof, der für die Aufführung zurechtgemacht wurde“ von der Schauspielgruppe Gelosi aufgeführt. ( János Riesz, S. 252)

In seinem Stück läßt er den Schauplatz durch die auftretenden, redenden Personen in Erscheinung treten oder die Figuren weisen auf einen Ort hin, der den Zuschauern auf der Bühne verborgen bleibt oder der Schauplatz wird in Form einer Vorausdeutung genannt.

In dem Prolog des Amintas nennt Amor nicht präzise den Ort des Geschehens, d.h. Arkadien kommt nicht als Begriff vor, sondern stellt sich dar in „Wäldern und Hütten der kleinen Leute“(Tasso S.11 V31), So erlaubt seine Mutter Venus, daß die

„Schar seiner Diener und jüngeren Brüder

in den Wäldern...hausen...“ darf (Tasso, S.9 V 22)

J. H. Kirchhoff, der im 18. Jahrhundert den Aminta übersetzte, versah den Bühnenort mit der Bezeichnung „Der Schau-Platz ist ein Wald“ (S.14), ohne daß Tasso eine Regieanweisung dafür gegeben hätte. Amor erklärt in einer Vorankündigung, daß auch er sich in diese Wälder begeben wird:

„In diesen Wäldern wird man heute von Amor

in neuer Weise reden hören...“ (Tasso, S.13 V82)

Und am Ende des Prologs deutet er darauf hin, daß sich in dieser bewaldeten Landschaft der Ausgang der Fabula in seinem Sinne zum Positiven wenden werde:

„Und wenn meine Mutter,

die mich nicht gerne in den Wäldern irren sieht,

dies nicht erkennt, ist sie die Blinde, nicht ich,

den blind der Pöbel zu Unrecht nennt.“ (Tasso, S.15 V 89)

Indem Tasso in der Vorrede des Amors sein Hirtenland Arkadien in die Wälder der Po-Landschaft Ferraras verlegt und ihr eine positive Bedeutung beimißt, kann davon ausgegangen werden, daß er damit den Hof der Este huldigt.

Es ist aber nicht nur das Arkadien der „kleinen Leute“, sondern auch die Hofgesellschaft, die hier durch Amor mit einbezogen wird, denn es ist ebenso der Ort

„...an den Höfen und unter Kronen und Szeptern...“

wo er seine Kraft erweisen muß.“ (Tasso, S.9 V 18)

Damit spielt Tasso auch auf den realen Hof von Ferrara an, wo er sich selbst als Dichter behaupten mußte. Tassos Arkadien präsentiert sich erst in der Aufführung, nämlich in der Feier der geplanten Festlichkeit:

„ Ich will mich in die Schar der Hirten mischen,

die blumenbekränzt ihre feste Feiern, wozum Zeitvertreib

man die Festtage verbringt,...

grad an diesen Ort, will ich die Wunde schlagen, “ (Tasso, S.13 V 70 ff) 1

Der Streit beider Gottheiten gibt uns einen Einblick in die unterschiedlichen Motive des Stückes. Es ist die Liebesthematik, die Tasso als unterschiedliche Konzepte in seinen Figuren poetisch darstellt - das soll uns hier weniger interessieren - dann spricht er die Rolle der Hofgesellschaft an, die er mit der Schäferwelt verbindet. Indem Tasso vom „Feste feiern zum Zeitvertreib“ spricht, bezieht er unmittelbar das Publikum mit ein, das sich in diesem Stück wiederfinden soll Anlaß und Ort der Aufführung und der Schauplatz des Geschehens fallen hier zusammen. Wie bereits erwähnt geht es um das höfische Fest des Alfonso II. von Ferrara, zu dem das Schäferspiel aufgeführt werden soll.

Die Po-Insel Belvedere, konnte von den Zuschauern in einigen wenigen Schilderungen wiedererkannt werden, z.B. eine Insel mit einem Eichenwald:

„Sylvia .bat...mich, mit ihr

zu gehen zu der Jagd, die in dem Eichenwalde

festgesetzt war.“ (Tasso, S.111 V 1383)

und einem Gewässer, in dem sich Sylvia das erste Mal selbstverliebt betrachtet:

“...dort, wo nahe die Stadt, auf jenen großen Wiesen,

wo zwischen Teichen eine große Insel liegt,

auf einem Wasserspiegel, der ganz klar und ruhig,

da beugte sie sich nieder und schien sich mit

Wohlgefallen zu betrachten...“ (Tasso, S.69 V 855ff )

Ein anderes Arkadien

Wenn Arkadien erstmalig als goldenes Zeitalter von Tasso erwähnt wird, dann bezieht es sich auf die graue Vorzeit, wo noch rauhe Sitten und ein leidvolles Leben herrscht, (also anders als bei Ovid, der ja das goldene Zeitalter verklärte) wie bei den

„ersten Menschen, die einst in einer kindlich-schlichten Welt noch lebten

und Wasser für köstlichen Trank und für köstliche

Speise die Eicheln hielten, ...Speis und Trank für Tiere,

seit Brot und Wein in Gebrauch gekommen...“. (Tasso, S.18 V 111 ff)

Tasso zeigt uns hier keine rückwärtsgewandte Utopie, sondern zieht eine Parallele zu jenem ersten, rauhen, aber auch naiven Menschheitsalter, wofür Sylvias Sprödigkeit als Allegorie stehen könnte, denn Daphne erinnert Sylvia an die Freuden, die sie kosten sollte, um nicht die verlorene Jugendzeit zu bereuen (Tasso, S. 18 V 117 ff).

[...]

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Tassos "Aminta" als Medium höfischer Selbstdarstellung
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Institut für Deutsche Philologie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Fest und Spiel in der Literatur des 17.Jahrhunderts
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
42
Katalognummer
V142936
ISBN (eBook)
9783640514748
ISBN (Buch)
9783640512188
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tassos, Aminta, Medium, Selbstdarstellung
Arbeit zitieren
Christina Kleine (Autor), 2001, Tassos "Aminta" als Medium höfischer Selbstdarstellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142936

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