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Kriminalisierung psychischer Krankheiten im Film am Beispiel von James Mangolds 'Identität' (2003)

Title: Kriminalisierung psychischer Krankheiten im Film am Beispiel von James Mangolds 'Identität' (2003)

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 14 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Hildegard Schnell (Author)

Film Science
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„Ich ging die Treppe rauf und sah dort einen Mann, der war nicht da.“ Dieses Zitat aus dem Film Identität spiegelt ein zentrales Symptom dissoziativer Identitätsstörung wider, das sich in Form von visuellen, akustischen oder haptischen Halluzinationen äußern kann. Das Interesse der post-modernen Gesellschaft an psychischen Krankheiten im Kino kann bis Mitte der 70er Jahre zurückverfolgt werden, in der die Verfilmung von Ken Keseys Einer flog über das Kuckucksnest einen Anti-Psychiatrie Diskurs initiierte. Miloş Formans Verfilmung stellte psychiatrische Fehldiagnosen und deren fatale Folgen für die vermeintlich an psychischen Krankheiten leidenden Patienten visuell dar, so dass es dem Zuschauer möglich war die an Folter grenzenden Behandlungsmethoden intensiv nachzuvollziehen und als inhuman zu verurteilen. Diese Kritik an der psychiatrischen Praxis wurde Ende der 90er Jahre mit James Mangolds Verfilmung von Susanna Kaysens autobiographischem Roman Durchgeknallt wieder aufgegriffen. Die eigentlichen Anfänge im Umgang mit psychisch Kranken reichen jedoch weit in das 18. Jahrhundert zurück und spiegeln sich in der zeitgenössischen Literatur wider, die psychische Krankheiten, so wie wir sie heute bezeichnen, anhand von Wahnsinns- und Doppelgängerphänomenen thematisiert. Der Schauerliteratur des 18. Jahrhunderts und der Verfilmung psychischer Krankheiten ist eines über die Jahrhunderte gemein geblieben: Beide thematisieren und kriminalisieren die psycho-pathologische Variante der Identität und stellen die Frage, ob der Protagonist, weil psychisch krank, unschuldig oder doch schuldig sei. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts wird versucht dieser Frage auch in Serien, wie CSI oder Medium, etc. mal mit wissenschaftlichen, mal mit übersinnlichen Mitteln, nachzugehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Genre des Psychothrillers

3. James Mangolds Identität

4. Interpretation

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Kriminalisierung psychischer Krankheiten, insbesondere der dissoziativen Identitätsstörung, am Beispiel des Films "Identität" (2003) von James Mangold und hinterfragt dabei kritisch die forensisch-psychiatrische Praxis sowie aktuelle Entlastungsstrategien für psychisch kranke Kriminelle.

  • Analyse der dissoziativen Identitätsstörung im filmischen Kontext
  • Untersuchung des Psychothrillers als Genre für pathologische Identität
  • Kritische Reflexion forensisch-psychiatrischer Behandlungsmethoden
  • Dualistische Perspektive von Rahmen- und Binnenhandlung
  • Intertextuelle Bezüge zu Philosophie und Literatur

Auszug aus dem Buch

3. James Mangolds Identität

„Verurteilt man den Körper oder den Geist?“10 Dies ist eine existenzialistische Frage, denn der Geist ist, aufgrund des freien Willens, fähig den Körper in seinem Handeln zu steuern. Für die Thematik des Films ist diese Frage des forensischen Psychiaters in James Mangolds Identität zentral, jedoch ist die Antwort im Verlauf des Films nicht so eindeutig wie sie scheint, da Rahmen- und Binnenhandlung den Film spalten und so eine dualistische Perspektive des Zuschauers erzeugen. In Identität unterscheiden sich die Rahmen- und Binnenhandlung nicht so sehr in Ort, Zeit und Handlung als in ihren Figuren, dennoch ist es wichtig auf diese drei dramaturgischen Kategorien einzugehen, womit gleichzeitig auch die rahmen- und binnenhandlungsspezifischen Figurenkonstellationen näher erläutert werden.

Der Ort der Rahmen- und Binnenhandlung ist der US-Bundesstaat Nevada, allerdings finden sich die Figuren der Rahmenhandlung in einem Richterzimmer und die Figuren der Binnenhandlung in einem Motel ein. Der zeitliche Rahmen beider parallel laufender Handlungsstränge ist ungefähr kurz gegen Mitternacht zu verorten und bei beiden ist es eine regnerische stürmische Nacht. In der Rahmenhandlung ist es die Nacht vor der Vollstreckung des Todesurteils gegen den Massenmörder Malcolm Rivers, in der Malcolms Anwalt, aufgrund der Diagnose des forensischen Psychiaters, noch eine letzte richterliche Anhörung erwirken konnte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Darstellung psychischer Krankheiten im Film ein und stellt die dissoziative Identitätsstörung in den Fokus der Untersuchung.

2. Zum Genre des Psychothrillers: Das Kapitel definiert den Psychothriller als Genre und erläutert dessen charakteristische Elemente wie Spannung, rätselhafte Handlungsverläufe und die Fokussierung auf die Psyche des Protagonisten.

3. James Mangolds Identität: Hier wird der Inhalt des Films detailliert zusammengefasst, wobei insbesondere die dualistische Struktur zwischen Rahmen- und Binnenhandlung sowie die Figurenkonstellation analysiert werden.

4. Interpretation: Dieses Kapitel interpretiert die psycho-pathologische Variante der Identität im Film und beleuchtet die Motive der Täuschung, Selbsttäuschung und Rache durch intertextuelle Bezüge zu Philosophie und Literatur.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert die forensisch-psychiatrische Behandlung, indem es den Film als Appell liest, das kriminelle Potential psychisch kranker Täter nicht zu verharmlosen.

Schlüsselwörter

Identität, Psychothriller, dissoziative Identitätsstörung, forensische Psychiatrie, Kriminalisierung, Malcolm Rivers, Rahmenhandlung, Binnenhandlung, Jean-Paul Sartre, Selbsttäuschung, Rache, Anti-Psychiatrie-Diskurs, Todestrieb, Psychopathologie, Filmwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Darstellung und Kriminalisierung psychischer Krankheiten im Film, fokussiert auf den Psychothriller "Identität" von James Mangold.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die dissoziative Identitätsstörung, die forensisch-psychiatrische Diagnostik, das Genre des Psychothrillers und die philosophische Frage nach Identität und freiem Willen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob psychiatrische Behandlungsmethoden bei kriminellen Patienten mit dissoziativer Störung effektiv sind oder ob sie das tatsächliche kriminelle Potential ausblenden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Analyse, die den Film durch den Einbezug von philosophischen und literarischen Theorien interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil erfolgt eine inhaltliche Zusammenfassung des Films sowie eine tiefgehende Interpretation der Handlungsmotive, insbesondere der Rache und Täuschung, im Vergleich mit philosophischen Ansätzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Identität, Psychothriller, dissoziative Identitätsstörung, forensische Psychiatrie, Selbsttäuschung und der Anti-Psychiatrie-Diskurs.

Wie bewertet der Autor die Rolle des forensischen Psychiaters im Film?

Der Autor kritisiert den Psychiater im Film stark, da dieser durch seine Fixierung auf die Integration der Persönlichkeiten die tatsächliche Gefahr, die vom kriminellen Kern des Patienten ausgeht, übersieht.

Welche Bedeutung hat das Ende des Films für die Interpretation?

Das offene Ende dient als cineastische Metapher, die den Zuschauer zwingt, selbst über die Menschlichkeit oder das Monsterdasein des Protagonisten zu entscheiden.

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Details

Title
Kriminalisierung psychischer Krankheiten im Film am Beispiel von James Mangolds 'Identität' (2003)
College
University of Duisburg-Essen
Course
Blockseminar: Identität
Grade
1.0
Author
Hildegard Schnell (Author)
Publication Year
2009
Pages
14
Catalog Number
V142941
ISBN (eBook)
9783640519637
ISBN (Book)
9783640520848
Language
German
Tags
Kriminalisierung Krankheiten Film Beispiel James Mangolds Identität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hildegard Schnell (Author), 2009, Kriminalisierung psychischer Krankheiten im Film am Beispiel von James Mangolds 'Identität' (2003), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142941
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