1. „Weißt du noch – damals – weißt du noch, Kamerad?“ – Einleitung und Fragestellung
Spricht man mit älteren Sportkameraden oder hört deren Unterhaltungen zu, so wird immer wieder die Frage nach dem Damals gestellt. Gerade im Fußball schwärmen viele, die sie noch erlebt haben, von der guten alten Zeit, als Fußball noch der Kameradschaft und sportlichen Betätigung wegen gespielt wurde und nicht den Interessen des Marktes unterworfen war. Be-sonders die Nachkriegsepoche mit Spielern wie Fritz Walter gilt den Zeitgenossen als bei-spielhaft, und nicht erst seit dem 50jährigen Jubiläum des Sieges von Bern bei der WM 1954 beschäftigt man sich mit dem Thema. Bei den Heutigen teilt sich die Beurteilung: die einen sehen in der Einführung der Bundesliga den entscheidenden Schritt zur Kommerzialisierung und Entfremdung des Fußballsports, die anderen können sich eine Zeit ohne die Profispiel-klasse gar nicht mehr vorstellen und haben wohl eher verwundert zur Kenntnis genommen, dass die Spielklasse jüngst erst das 40-jährige Bestehen feierte.
Aus welcher Sicht auch immer, es ist interessant zu beobachten, wie sich der Fußball seit dem Ende des Krieges quasi aus dem Nichts hin zu einer Eliteklasse und einem durchstrukturierten Verband entwickelte. Diese Entwicklung aufzuzeigen, soll Aufgabe dieser Arbeit sein. Dabei wird aber nicht nur der Bericht geschichtlicher Ereignisse im Vordergrund stehen. Die Be-dingungen dieser Entwicklung – aus sportsoziologischer wie sportpolitischer Sicht – gilt es ebenfalls zu beschreiben.
Es soll also gefragt werden, wie und unter welchen Bedingungen sich der Wiederaufbau des Spielbetriebes in den Oberligen gestaltete. Von Bedeutung ist auch die Frage, wie es gelingen konnte, so schnell nach dem völligen Zusammenbruch ein funktionierendes Verbandswesen zu errichten und wieder internationale Anerkennung zu erlangen. Endlich wird nicht nur zu betrachten sein, was der Anlass zur Einführung der Bundesliga war, sondern auch warum es so lange dauerte, bis der Beschluss zu guter Letzt gefasst werden konnte.
Inhaltsverzeichnis
1. „Weißt du noch – damals- weißt du noch, Kamerad?“ – Einleitung und Fragestellung
2. Die Ausgangslage 1945
3. Der Wiederaufbau des Spielbetriebs
3.1 „Kalorienspiele“
3.2 Liga-Gründungen
4. Die Rückkehr des DFB
4.1 Kernfrage: Organisation des Sports
4.2 Neugründung des DFB
4.3 Neuer Verband- altes Personal
5. Die internationale Anerkennung
5.1 Beitritt zur FIFA
5.2 Erste WM- Teilnahme 1954
5.3 Sonderstatus des Saarlandes
6. Die Profi-Liga – Fluch oder Segen?
6.1 Vom Amateur zum Vertragsspieler
6.2 Der „ Angestellte eines lizenzierten Vereins“
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung des westdeutschen Fußballsports in der Nachkriegszeit zwischen 1945 und 1963, um die sportsoziologischen und sportpolitischen Rahmenbedingungen sowie den Weg von der Zerstörung hin zur Einführung der Bundesliga zu beleuchten.
- Wiederaufbau des Spielbetriebs nach 1945
- Strukturelle Neugründung und Organisation des DFB
- Internationale Anerkennung und Rolle der WM 1954
- Diskussion um den Übergang vom Amateur- zum Vertragsspielertum
- Einführung der Bundesliga 1963
Auszug aus dem Buch
3.1 „Kalorienspiele“
Die Zustimmung zu Vereinsgründungen hing aber von der Einstellung der örtlichen Militärregierungen ab, die solche Aktivitäten zunächst skeptisch beäugten. Allerdings wurde das Sportverbot von einzelnen Kommandanten eher lax gehalten. So kickten in Castrop-Rauxel schon am 7. Juli 1945 Auswahlmannschaften der nördlichen und der südlichen Stadtteile gegeneinander (Schreiber, Abs. 3). Schon bald nach der Besetzung des völlig zerstörten München war das Spiel des FC Bayern gegen den FC Wacker München am 24. Juni 1945 eines der ersten auf deutschem Boden nach dem Ende der Hitler-Diktatur. Allerdings fand dieses Spiel ohne Erlaubnis der alliierten Behörden statt. Der damalige Vorsitzende des FC Bayern wurde daraufhin festgenommen und musste für zwei Tage ins Gefängnis (Kamper 2004, S. 16).
Schon bald wurde die Gründung von Vereinen auch offiziell wieder zugelassen und ab Dezember 1945 durften sogar die alten Traditionsnamen wieder verwendet werden (Schreiber a.a.O.).
Für die Spieler erwies es sich als einträglich, fußballerisches Talent zu besitzen. Insbesondere die namhaften Vereinsmannschaften, die recht schnell wieder zusammenfanden, trugen nahezu ständig Begegnungen für Naturalien oder Sachleistungen aus. Fritz Walter wird mit der Bemerkung zitiert: „Wo ein Ball oder einige Trikots, Fußballschuhe, ein Sack Kartoffeln oder ähnliches winkten, da holte man sich die Beute, indem man um sie spielte.“ (Gnegel 1953, S. 94). Zahlreiche Teams behalfen sich mit solchen „Kalorienspielen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. „Weißt du noch – damals- weißt du noch, Kamerad?“ – Einleitung und Fragestellung: Die Einleitung erläutert den gesellschaftlichen Blick auf die Nachkriegsepoche im Fußball und definiert die Fragestellung bezüglich der Wiederaufbau-Bedingungen und der Professionalisierung.
2. Die Ausgangslage 1945: Dieses Kapitel beschreibt die Zerstörung des organisierten Fußballs durch die Auflösung des NSRL und die durch Krieg und Besatzung erschwerten Bedingungen für Vereine.
3. Der Wiederaufbau des Spielbetriebs: Hier wird der erste inoffizielle Neubeginn durch „Kalorienspiele“ sowie die spätere Formierung regionaler Oberligen thematisiert.
4. Die Rückkehr des DFB: Das Kapitel behandelt den hartnäckigen Prozess der Wiedergründung des DFB durch Funktionäre wie Peco Bauwens unter schwierigen besatzungsrechtlichen Voraussetzungen.
5. Die internationale Anerkennung: Der Fokus liegt auf der FIFA-Wiederaufnahme, dem Erfolg der WM 1954 und dem sportpolitischen Sonderfall des Saarlandes.
6. Die Profi-Liga – Fluch oder Segen?: Es wird der langwierige Weg von der Entschädigung für Vertragsspieler hin zum lizenzierten Profifußball und der Gründung der Bundesliga analysiert.
7. Fazit: Die Zusammenfassung reflektiert die Verzögerungen durch politisch-soziologische Faktoren und stellt die Transformation des Fußballs bis zur heutigen Zeit dar.
Schlüsselwörter
Fußball, Nachkriegszeit, DFB, Wiederaufbau, Oberliga, Kalorienspiele, FIFA, WM 1954, Sepp Herberger, Vertragsspieler, Professionalisierung, Bundesliga, Sportgeschichte, Peco Bauwens, Saarland
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die organisatorische und strukturelle Entwicklung des deutschen Fußballsports zwischen 1945 und 1963.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören der Wiederaufbau des Vereinswesens, die politische Neuordnung des DFB, die internationale Anerkennung sowie die wirtschaftliche Professionalisierung des Spielbetriebs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die sportsoziologischen und sportpolitischen Rahmenbedingungen aufzuzeigen, die zur Entstehung der Bundesliga als Eliteklasse geführt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die geschichtliche Ereignisse, politische Rahmenbedingungen und sportsoziologische Entwicklungen miteinander verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Etappen vom unmittelbaren Nachkriegschaos, über die Verbandsgründungen und internationalen Erfolge bis hin zur kontroversen Diskussion über das Profi-Statut.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie DFB-Wiedergründung, Vertragsspieler, Bundesliga-Einführung und die wirtschaftliche Entwicklung des Fußballs geprägt.
Welche Rolle spielten die sogenannten „Kalorienspiele“?
In einer Zeit großer Not und Rationierungen dienten diese Spiele dazu, durch den Gewinn von Naturalien wie Lebensmitteln oder Ausrüstung den Spielbetrieb und das Überleben der Spieler zu sichern.
Warum war die Einführung der Bundesliga ein langwieriger Prozess?
Der Prozess wurde durch das konservative Amateurdogma der DFB-Funktionäre, fiskalische Bedenken hinsichtlich der Gemeinnützigkeit und politische Widerstände gegen die Kommerzialisierung über Jahre hinweg verzögert.
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- Dimitrios Gavrilas (Author), 2006, Fußball im Wirtschaftswunderland - Die Entwicklung des Fußballsports in Westdeutschland 1945- 1963, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142975