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Kircheneinheit und kirchliche Identitätskrise

Die Differenz zwischen Ideal und Praxis am Beispiel des "meletianischen Schismas"

Title: Kircheneinheit und kirchliche Identitätskrise

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sina Hofmann (Author)

World History - Early and Ancient History
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Die „Einheit der Kirche“ ist eine christliche Thematik, die seit Beginn der urchristlichen Schriftzeugnisse im letzten Drittel des 1. Jahrhunderts nachweisbar ist und bereits früh eine gewisse Problematik erkennen lässt. Das Selbstverständnis der Kirche, der ἐκκλησία, als Gemeinschaft und als das neue Gottesvolk ist konstituiert im einheitlichen Bekenntnis von Tod und Auferstehung Jesu Christi und der dieses Bekenntnis besiegelnden Taufe. Die Einheit der Kirche ist somit primär ein geistiges Prinzip, eine Einheit im Glauben. Eine tatsächliche Einheit der Kirchen ist jedoch seit den Urchristengemeinden nie realisiert worden. Bereits die Struktur des Imperii Romani erlaubte aufgrund der Heterogenität geographischer, kultureller, politischer, religiöser und philosophischer Einflüsse und Entwicklungen keinen einheitlichen Christianisierungs- und Dogmatisierungsprozess. Die sukzessive Etablierung der Reichskirche im 4. Jahrhundert strebte ein verbindliches Reichsdogma an, womit die Kirche in den politischen Raum integriert wurde. Die Frage, was rechter Glaube in Form rechter Lehre sei, fand seinen ersten Höhepunkt im Streit um das Verhältnis von Gott-Vater und Jesus-Sohn, um den dogmatischen Begriff des όμοούσιος. Dieser mehr als fünf Jahrzehnte währende Streit im Anschluss an das erste ökumenische Konzil von Nicaea (325) führte zur Spaltung der Kirche in die Positionen der „Arianer“ und „Nizäner“, die sich im weiteren Verlauf jeweils ausdifferenzierten in komplexe Parteiungen. Die Divergenz zwischen theologischem Axiom der Einheit und der christlichen Praxis zeigt sich exemplarisch in der Spaltung der antiochenischen Kirche, dem „meletianischen Schisma“. Diese Gemeindespaltung erzwang eine überregionale Stellungnahme einer Großzahl bischöflicher Sitze in Ost und West. Dogmatische Gründe können das Scheitern der Einheit in Antiochien nicht hinreichend erklären. Inwieweit beeinflussten unmittelbare und mittelbare, personal- und kirchenpolitische Motive die ekklesiale Identitätskrise?
Zur Klärung dieser Frage sollen im Folgenden erstens die theologische Notwendigkeit der Einheit und zweitens die Positionierung der zersplitterten Parteien erläutert werden. Im Anschluss an die historische Entwicklung des Schismas sollen die möglichen Gründe für das Scheitern der Einheit analysiert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die theologische Basis

1. Die Notwendigkeit der Einheit der Kirche

2. Theologische Positionen der antiochenischen Gemeinden

III. Die kirchliche Identitätskrise

1. Das „meletianische Schisma“

2. Das Scheitern der Einheit – mögliche Gründe

IV. Fazit

V. Quellen und Literaturverzeichnis

Quellen

Forschungsliteratur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen dem christlichen Ideal der Kircheneinheit und der historischen Realität der Spaltung im 4. Jahrhundert, wobei das „meletianische Schisma“ in Antiochien als exemplarisches Fallbeispiel dient, um die tieferliegenden personalen, kirchenpolitischen und ekklesialen Motive hinter der Identitätskrise zu ergründen.

  • Theologische Begründung der kirchlichen Einheit im frühen Christentum.
  • Differenzierte Analyse der trinitätstheologischen Positionen im 4. Jahrhundert.
  • Historische Rekonstruktion und kirchenpolitische Einordnung des meletianischen Schismas.
  • Untersuchung der personalen und machtpolitischen Faktoren beim Scheitern der Kircheneinheit.
  • Bewertung des Einflusses von Ost-West-Gegensätzen auf die kirchliche Identitätskrise.

Auszug aus dem Buch

2. Das Scheitern der Einheit – mögliche Gründe

Die Spaltung der antiochenischen Gemeinde über einen offiziellen Zeitraum von 55 Jahren und inoffiziell von 85 Jahren geht weit über dogmatische Gegensätze hinaus. Die Berührungspunkte, an denen eine Einigung und somit eine geistige Einheit (der nicaenisch gesinnten Parteien) möglich gewesen wären, werden im Folgenden auf drei Ebenen hinsichtlich weiterer Gründe untersucht: Die erste Ebene bezieht sich auf die Kontrahenten Meletius und Paulinus direkt, die zweite Ebene auf die unmittelbar außerhalb von Antiochien beteiligten Bischöfe Athanasius und Basilius, und schließlich die dritte Ebene auf den Gegensatz der Ost- und Westkirche.

Auf der ersten Ebene bot sich die erste Möglichkeit zur Einheit bei der Absetzung Meletius‘ 360 durch die Homöer. Seine offene Aussprache der Wesensgleichheit war sowohl antiarianisch als auch antihomöisch und somit im Sinne der Eustathianer/ Paulinianer. Selbst wenn die Freude der Eustathianer verhalten war, wenn seine Predigt trotz der όμοουσία eine subordinatorische Tendenz im Sinne der Drei-Hypostasen-Lehre aufwies, so lag der Grund der Eustathianer, keine Gemeinschaft mit den Meletianern zu schließen, nicht im dogmatischen Unterschied der Hypostasenlehren, sondern darin, dass Meletius und seine Anhänger ursprünglich von Arianern ordiniert bzw. getauft worden sind. Ein gemeinsamer Dialog auf nicaenischer Grundlage wurde nicht vollzogen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Spannungsfeld zwischen dem theologischen Axiom der Kircheneinheit und der realen Zersplitterung der frühen Kirche, wobei sie die Fragestellung nach den Motiven der antiochenischen Identitätskrise formuliert.

II. Die theologische Basis: Dieses Kapitel arbeitet das neutestamentliche Einheitsideal heraus und analysiert die verschiedenen theologischen Gruppierungen und ihre Positionen zum Gott-Jesu-Verhältnis im 4. Jahrhundert.

III. Die kirchliche Identitätskrise: Der Hauptteil rekonstruiert den Verlauf des meletianischen Schismas und untersucht auf verschiedenen Ebenen, warum trotz theologischer Annäherungsprozesse keine dauerhafte Einheit erzielt werden konnte.

IV. Fazit: Das Fazit resümiert, dass kirchenpolitische Motive, persönliche Rivalitäten und der Ost-West-Gegensatz das Schisma aufrechterhielten, obwohl dogmatische Einigungsoptionen durch neue Formulierungen längst gegeben waren.

V. Quellen und Literaturverzeichnis: Dieses Verzeichnis listet die verwendeten antiken Primärquellen sowie die wissenschaftliche Forschungsliteratur zur Unterstützung der Argumentation auf.

Schlüsselwörter

Kircheneinheit, Meletianisches Schisma, Antiochien, Nicaenum, Trinitätstheologie, Hypostasenlehre, Basilius von Caesarea, Athanasius von Alexandria, Identitätskrise, Kirchenpolitik, Meletius, Paulinus, Reichskirche, Dogmatik, Frühes Christentum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Diskrepanz zwischen dem religiösen Ideal der Einheit der Kirche und der historisch beobachtbaren, langwierigen Kirchenspaltung, bekannt als meletianisches Schisma, im Antiochien des 4. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die frühchristliche Ekklesiologie, die trinitätstheologische Debatte zwischen Nicaenern, Homöern und Homöusianern sowie die Auswirkungen politischer Einflüsse auf kirchliche Strukturen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu erklären, warum rein dogmatische Einigungsversuche im Fall des Schismas in Antiochien scheiterten und welche personellen sowie kirchenpolitischen Faktoren hierbei eine entscheidende Rolle spielten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine historisch-kritische Methode, die auf der Auswertung antiker kirchengeschichtlicher Quellen (wie Sozomenos und Theodoret) sowie moderner theologischer Fachliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Schisma auf drei Ebenen: den direkten Kontrahenten vor Ort, die intervenierenden Bischöfe (Athanasius/Basilius) und den übergeordneten Ost-West-Gegensatz der Kirche.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kircheneinheit, meletianisches Schisma, Hypostasenlehre, Antiochien und kirchenpolitische Identitätskrise charakterisiert.

Warum konnte das Schisma nicht durch den Tomus ad Antiochenos beendet werden?

Der Tomus scheiterte primär daran, dass die beteiligten Akteure bereits vor dessen Ankunft unumkehrbare kirchenrechtliche Fakten schufen und persönliche Loyalitäten stärker wogen als die theoretische dogmatische Klärung.

Welche Rolle spielte Basilius von Caesarea in diesem Konflikt?

Basilius versuchte aktiv, als Vermittler zu fungieren und durch die Förderung der neunicaenischen Theologie eine Brücke zwischen den zerstrittenen Parteien sowie dem Osten und dem Westen zu schlagen.

Was bedeutet der Begriff „meletianisches Schisma“ konkret?

Es bezeichnet die langjährige Gemeindespaltung in Antiochien nach 360, ausgelöst durch die Absetzung eines Bischofs und das Bestehen konkurrierender, orthodox beanspruchter Bischofssitze.

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Details

Title
Kircheneinheit und kirchliche Identitätskrise
Subtitle
Die Differenz zwischen Ideal und Praxis am Beispiel des "meletianischen Schismas"
College
Humboldt-University of Berlin  (Geschichtswissenschaften)
Course
HS Frühes Christentum in Kleinasien
Grade
1,0
Author
Sina Hofmann (Author)
Publication Year
2009
Pages
16
Catalog Number
V143003
ISBN (eBook)
9783640519828
ISBN (Book)
9783640521579
Language
German
Tags
Meletius Nicaea Einheit Dogma Athanasius
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sina Hofmann (Author), 2009, Kircheneinheit und kirchliche Identitätskrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143003
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