Informalität und Entwicklung


Seminararbeit, 2006

13 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Organisationsformen der Wirtschaft
2.1 Arbeitsstandards
2.2 Industrialisierung durch Importsubstitution
2.3 Export-Orientiertes Wirtschaften

3 Verflechtungen innerhalb der Sektoren
3.1 Informal Marketing Chain
3.2 Input Supply Chain
3.3 Vertical Poduction Chain
3.4 Multiple Production and Marketing Chain

4 Konjunkturhypothese

5 Fazit

Quellenangaben

Anhang

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll der Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Arten informeller Arbeit und der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes untersucht werden. Es stellt sich also die Frage, ob Informalität mit einer Entwicklung einhergehen kann, oder, ob sie die Länder der Dritten Welt daran hindert eine stabile und funktionierende Wirtschaft aufzubauen. A. Portes, ein Vertreter des strukturalistischen Ansatzes, ist der Ansicht die Verlagerung der Produktion aus den Industrieländern sei mit der Informalität eng verknüpft. Diese würden nun eine neue Strategie verfolgen, die im Allgemeinen als Post-Fordismus1 bezeichnet wird und eine flexible Produktion bedeutet und als eine Neuregelung der Arbeitsorganisation verstanden wird.2

Im Abschnitt 2. werde ich unter der Überschrift „Organisationsformen der Wirtschaft“ auf die Arbeitsstandards und auf die Bedeutung der In-und Exportorientierung lateinamerikanischer Länder in Zeitverlauf eingehen.

Die sich daraus ergebenden komplizierten Verflechtungen innerhalb des informellen und formellen Sektor, die auch bereits in den vorhergehenden Hausarbeiten angesprochen wurden, möchte ich mit einigen Modellen von Portes und Sassen-Koob verdeutlichen . In meinem mündlichen Vortrag zeige ich dann ein Beispiel aus dem Bereich des Tourismus. Abschließend stelle ich die Theorie von Maloney dar, der den informellen Sektor als einen „Dämpfer“ im Wirtschaftskreislauf sieht.

Diese Hausarbeit unternimmt also einen Versuch die heterogenen Aspekte und Zusammenhänge einer wirtschaftlichen Entwicklung lateinamerikanischer Länder dem Leser näher zu bringen und verschiedene Denkansätze vorzustellen.

2 Organisationsformen der Wirtschaft

Im Vorfeld sollten einige wirtschaftswissenschaftliche Begrifflichkeiten geklärt werden. Denn ohne zu wissen was Entwicklung eigentlich heißt, können wir nicht klären, ob sie im Zusammenhang mit dem informellen Sektor steht.

Wirtschaftliche Entwicklung hängt unmittelbar mit Wachstum zusammen, der als „der stetige Anstieg der Produktion im Zeitverlauf“3definiert wird. Wachstum bedeutet nicht nur technischen Fortschritt, der für eine gewinnmaximierende Wirtschaft nötig ist, sondern setzt eine Kapitalakkumulation voraus, um Investitionen zu tätigen.

Wenn man sich nun die Lage vieler Dritte Welt Länder ansieht, wo bereits eine überwältigende Mehrzahl von Menschen im informellen Sektor tätig ist, stellt man fest, dass der informelle Sektor eher „dem Versorgungsprinzip als dem der Gewinnmaximierung“4 folgt.

Weitere wesentliche Merkmale informeller Wirtschaft nach der Definition der ILO sind unter anderem die wenig produktive Technologie, die extensive Produktionsweise, einheimisches Kapital, sowie die geringe Betriebsgröße.5 All diese Faktoren scheinen nicht in das Konzept einer modernen freien Marktwirtschaft hineinzupassen. In Folgenden soll dieser Gegenstand näher betrachtet werden.

2.1 Arbeitsstandards

Viele Länder Lateinamerikas haben Arbeitschutzgesetze, die, zumindest auf dem Papier, in nichts denen der Industrienationen nachstehen. Die Arbeiter im formellen Sektor genießen rechtlichen Schutz bei Betriebsunfällen, Kündigung und im Alter.6Jedoch reflektieren diese Standards die Ideen und Werte westlicher Industriegesellschaften, die von den Dritte Welt Ländern einfach übernommen wurden.7

Da es in diesen Ländern einen Überschuss an Arbeitskraft gibt, die im formellen Sektor beschäftigt werden können, hat sich neben dem formellen, arbeitsrechtlich abgesicherten Sektor, ein informeller oft schlechter bezahlter Sektor gebildet. Organisationen wie die ILO (International Labor Organisation) und PREALC (Programa Regional de Empleo para América Latina y el Caribe) sehen also unter anderem die ungenügende Arbeitsplatzkapazität des modernen Sektors als Grund für die vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten im informellen Sektor.8 Schlussendlich ist es für viele formelle Unternehmen viel teurer und umständlicher einen „legalen“ Arbeiter einzustellen als mit informellen Kleinbetrieben zusammen zu arbeiten, um so mit scheinbarer Formalität auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben.

Diese Thematik wird in Kapitel 3 noch näher erläutert.

2.2 Industrialisierung durch Importsubstitution

Die Jahre nach 1960 gelten in Lateinamerika als zweite Phase der Ersetzung der eingeführten Güter durch Eigenproduktion (Importsubstitution). Die erste Phase fand ab ca. 1930 bis in die späten 1950er Jahre statt, als einfache Güter wie Nahrungsmittel und Textilien, die früher importiert wurden, industriell für die Binnenwirtschaft hergestellt wurden. In der zweiten Phase wurde die industrielle Produktion auch auf technologisch aufwendigere und Kapitalgüter (z.B. Betriebsanlagen und Maschinen) ausgeweitet.9 Da der Staat historisch eine führende Position in den früheren Kolonialländern Lateinamerikas einnahm und Privatkapital nur in Händen einer kleinen Oberschicht akkumuliert war, spielte der Staat bei der Industrialisierung eine Schlüsselrolle. Es waren meist multinationale Unternehmen, die sich in vielen Staaten Lateinamerikas niederließen und Investitionen tätigten. Je fortschrittlicher die Industrie sich jedoch entwickelte, desto mehr mussten teure dauerhafte Investitionsgüter, wie Maschinen und Ersatzteile, aus den USA, Europa und Japan importiert werden. Dieser Prozess führte zu einer Verschuldungsspirale, da ohne Maschinen die Produktion still stand und die Schulden nicht abgezahlt werden konnten. „Die Einfuhrkosten für diese Güter waren nach der Fertigstellung der Anlagen oft höher als die Devisenerlöse aus dem Export“.10 An dieser Stelle sollte jedoch zwischen zwei Ländergruppen unterschieden werden, Brasilien und Mexiko auf der einen und die übrigen Länder Lateinamerikas auf der anderen Seite. Nur den beiden erstgenannten ist es gelungen die erste Phase der industriellen Produktion zu überwinden, die anderen blieben in starker Import-Abhängigkeit.

Wenn man sich nun den informellen Sektor im Zeitraum 1950 bis 1980 ansieht (vgl. Tabelle

1. im Anhang) stellt man fest, dass er auf dem gleichen Niveau von ca. 30% verblieben ist und die Zahl der informell Beschäftigten offensichtlich nicht mit der industriellen Entwicklung und Wachstum im BIP gesunken ist.11(vgl. Tabelle 2. im Anhang)

[...]


1Das Massenproduktionsprinzip wird aufgegeben, es werden verstärkt neue Technologien genutzt, es entstehen Cluster kleinerer selbstständiger Betriebe, die untereinander verflochten sind und so eine höhere Flexibilität erreichen lassen. Aus: Leser, Hartmut (2001): Wörterbuch der Geographie. München.

2Vgl. Komslosy, A./Parnreiter, C./Stacher, I./Zimmermann, S. (1997):S. 23

3Blanchard, Oliver/Illing,Gerhard (2004):S. 857

4Gans, Paul (1990):S. 52

5Vgl. Komslosy, A./Parnreiter, C./Stacher, I./Zimmermann, S. (1997): S.12

6Vgl. Portes, Alejandro (1994): S.115

7Vgl. ebd. :S. 116

8Vgl. ebd. :S. 119

9Waldmann, Peter (2000): S. 39

10Ebd S.40

11Vgl. Portes, Alejandro (1994): S. 121 Tabel 7.1

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Informalität und Entwicklung
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Urbaner informeller Sektor in lateinamerikanischen Großstädten
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V143044
ISBN (eBook)
9783640540907
ISBN (Buch)
9783640541393
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Informeller Sektor, Lateinamerika, Entwicklungspolitik
Arbeit zitieren
Paulina Holbreich (Autor), 2006, Informalität und Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143044

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