Slowenien. Der erfolgreiche Weg aus dem Pulverfass Balkan in die Europäische Union


Seminararbeit, 2003
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wirtschaftliche Faktoren

3. Politische Faktoren

4. Gesellschaft und Akzeptanz

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Masse hält sich für verwirklicht das erste Mal in der

slowenischen Geschichte, und das auch noch aus eigener Kraft.

Jetzt wartet sie auf eine Belohnung: Europa.“

(Mira Salasnic, Professorin für deutsche Literatur an der Universität Laibach)

Für diesen Aufsatz standen hier bislang als einleitende Worte ganz andere Formulierungen, ganz andere Sätze. Doch darf die tagespolitische Situation nicht außer Acht gelassen werden.

Da wird am 12. März 2003 der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic auf offener Straße ermordet. Ebenso wie Serbien war auch Slowenien eine ehemalige Teilrepublik des Vielvölkerstaates Jugoslawiens gewesen. Politische Stabilität scheint nicht überall die gleichen Bedingungen anzutreffen. Darüber hinaus hat dieser Mord den knapp zwei Millionen Bewohnern schlagartig vor Augen geführt, wie nahe Slowenien am unruhigen und instabilen Balkan liegt. Elf Tage später stimmen in einem Referendum 89,61 Prozent der Slowenen für einen Beitritt zur Europäischen Union und 66,02 Prozent für den Beitritt zur NATO. Erstgenanntes ist ein Rekordergebnis im europäischen Einigungsprozess seit Bestehen der Union.

Noch im vergangenen Jahr war in der Süddeutschen Zeitung folgendes zu lesen: „Die Verhandlungen mit der slowenischen Telekom in Bratislava [...]“. Bratislava? Das sollte wohl Ljubljana heißen. Noch immer scheint die kleine Alpen-Adria-Republik Slowenien für viele ein unbekanntes und verklärtes Bild zu erzeugen. Zumeist wird hier bei vielen ahnungslosen Leuten Slowenien mit der Slowakei verwechselt. Auf der anderen Seite gibt es den allgemeinen Stereotyp des sozialistisch-postsozialistisch-Ex-Jugoslawien-Balkan-Landes.

Doch gibt es im eigentlichen Sinn nur die kleine Republik Slowenien zwischen Alpen und Adria, die mit einer jährlichen Wirtschaftsleistung von 16.000 € pro Kopf nach Zypern der wohlhabendste unter den zehn Kandidaten für die nächste Runde der EU-Erweiterung ist. Slowenien besitzt eine konsolidierte politische Stabilität und verfügt über eine ausreichende ökonomische Prosperität.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, den erfolgreichsten Beitrittskandidaten der mittel- und osteuropäischen Länder auf seinem Transformationsprozess aus der ehemaligen Föderativen Volksrepublik Jugoslawien hinein in die Unabhängigkeit zu analysieren und zu interpretieren. Der Weg in die Freiheit brauchte keine gewaltsame Revolution, denn vielmehr profitierte Slowenien von seiner Geschichte und dem besonderen jugoslawischen System. Die Ursachen für den ökonomischen und politischen Erfolg, der auch die Zukunft Sloweniens in der Europäischen Union garantiert, sollen fokussiert werden. Hierbei wird im folgenden wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Aspekte nachgegangen.

2. Wirtschaftliche Faktoren

Die Republik Slowenien gehört zu den kleineren europäischen Staaten. Sie weist aber die mit 16.000 € pro Kopf höchste Wirtschaftsleistung der mittel- und osteuropäischen Transformationsstaaten (im folgenden als MOE-Länder bezeichnet) auf und ist demnach mit den ärmeren EU-Staaten wie Griechenland und Portugal vergleichbar. Allein ein Blick auf die jetzige sektorale Zusammensetzung des jährlichen Bruttoinlandproduktes (BIP) zeigt den erfolgreichen Wandel der slowenischen Wirtschaft vom sozialistischen zum westlichen marktwirtschaftlichen System. So nimmt die Landwirtschaft lediglich noch 3,3 Prozent ein, der Industrieanteil beträgt 38,3 Prozent und der überragende Anteil von 58,4 entfällt auf den tertiären (Dienstleistungs-) Sektor (vgl. Weltbank, 2002).

Die Ausgangsbedingungen unterschieden sich sehr von denen in anderen ehemals sozialistischen Staaten. Die Republik Slowenien profitierte von den frühen marktwirtschaftlich orientierten Reformen im föderativen Jugoslawien. Darüber hinaus existieren einige eigene Vorzüge.

Slowenien ist arm an Rohstoffen. Der Abbau und die Nutzung derer Vorkommen wurde in den letzten Jahrzehnten unwirtschaftlich und ökologisch problematisch und somit konsequent reduziert oder ganz aufgegeben. Weiterhin besteht ein großer Teil der Landesfläche aus Mittel- und Hochgebirgen oder trockenem Karst und ist daher für eine intensive exportorientierte Agrarwirtschaft ungeeignet. Die Regierung in Laibach erkannte frühzeitig, dass die wirtschaftlichen Qualitäten Sloweniens im hohen Ausbildungsstand der Arbeitskräfte, der zentralen Lage in Europa und den mannigfaltigen natürlichen und historischen touristischen Attraktionen bestehen (vgl. Bebler, 1995, S. 231).

Doch gestaltete sich dieser heute erkennbare wirtschaftliche Erfolg in den ersten Jahren nach dem Austritt aus dem Vielvölkerstaat Jugoslawien in die Unabhängigkeit mühsamer als angenommen. Als Erbe hinterließ Belgrad eine hohe Inflationsrate, große monetäre Instabilität und eine daraus resultierende hohe Staatsverschuldung. Der Krieg im benachbarten Kroatien, der noch länger währende Konflikt in Bosnien-Herzegowina und letztendlich der Zerfall Jugoslawiens trugen dazu bei, dass bisherige Absatzmärkte der slowenischen Wirtschaft und die damit verbundene technische und personale Infrastruktur zusammenbrachen. Darüber hinaus hatte Slowenien ebenso erkennbare Probleme wie andere MOE-Länder beim Übergang vom Sozialismus zur freien Marktwirtschaft zu verzeichnen. Als Beispiele wären hier die anlaufenden Privatisierungsprozesse, der Wegfall vieler ehemaliger Handelspartner oder die Auflösung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW oder COMECON) zu nennen.

Im Folgenden sollen aber die Ursachen der heutigen wirtschaftlichen Prosperität Sloweniens erklärt werden. Die anfänglichen Schwierigkeiten sind hier von geringerem Einfluss. Vielmehr war die Situation Sloweniens als Teilrepublik innerhalb Jugoslawiens bis zur Unabhängigkeit am 25. Juni 1991 von nicht unerheblicher Bedeutung.

Slowenien konnte zumindest teilweise negative Auswirkungen des Sozialismus auf seine Wirtschaft vermeiden und profitierte eher vom sogenannten „Jugoslawischen Dritten Weges“. Ineffiziente und umweltgefährdende Industrie wurden früh stillgelegt und wachstumsorientierte, arbeits- und kapitalintensive Branchen modernisiert. Die slowenische Industrie war schon in der Zeit vor der Unabhängigkeit relativ gut diversifiziert. Von den cirka 22 Millionen Einwohnern des ehemaligen Jugoslawien leb(t)en knapp zwei Millionen in der Teilrepublik Slowenien, die wiederum 22% zum gesamten BIP beitrug. Vor allem der gute Ausbildungsstand der Arbeitnehmer, eine für die Verhältnisse gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur und bereits bestehende Kontakte zu westlichen Unternehmen waren somit ein Grundstein für eine hinreichende wirtschaftliche Flexibilität für die Anforderungen an moderne westliche Marktwirtschaften gegeben (vgl. Bebler, 1995, S. 232).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Slowenien. Der erfolgreiche Weg aus dem Pulverfass Balkan in die Europäische Union
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Dreizehn Jahre ohne Plan – Demokratisierung in den neuen Bundesländern und in Osteuropa in vergleichender Perspektive
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V143126
ISBN (eBook)
9783640523214
ISBN (Buch)
9783640522286
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Slowenien, Ljubljana, Laibach, Tito, Balkan, Balkankrieg, EU-Osterweiterung, Transformation, Jugoslawien, Ex-Jugoslawien, Milan Kucan, Souveränität, EU-Beitritt, Kroatien
Arbeit zitieren
Dipl.-Geogr. Nico Beuster (Autor), 2003, Slowenien. Der erfolgreiche Weg aus dem Pulverfass Balkan in die Europäische Union, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143126

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