Diese Arbeit soll zeigen, dass die Prinzipien der Arbeitsorganisation der "Funktionspflege" denen des Taylorismus im Kern sehr ähnlich sind. Anknüpfend stellt sich die Frage, ob und wie sich Gemeinsamkeiten, der Funktionspflege und des Taylorismus, auf Pflegende und Gepflegte auswirken. Denn wie anfangs erläutert kann es schwerwiegende Konsequenzen haben, wenn Modelle oder Konzepte aus ihrem ursprünglichen Kontext rausgerissen- und wie eine Schablone auf andere Gegenstände angewendet werden.
Um die oben genannten Fragen beantworten zu können, soll zunächst das Scientific Management von Frederick Winslow Taylor charakterisiert werden. Dies schließt ein, dass Eigenheiten und Grundzüge des Konzepts kritisch dargelegt werden, damit ein späterer Vergleich mit der Funktionspflege möglich wird. Nach Betrachtung der Spezifika der Funktionspflege und ihrer Kritik, werden beide Konzepte in einer anschließenden Diskussion verglichen. Im Zuge dessen sollen der jeweilige gesellschaftliche und historische Kontext als erweiterter Blickwinkel herangezogen-, und weiterführende Konsequenzen im Rahmen heutiger Anforderungen an Arbeit dargelegt werden. Ein Fazit und kurzer Ausblick auf die Zukunft der Pflege beschließen diese Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Scientific Management
2. 1 Kritik am Taylorismus
3. Funktionspflege
3. 1 Kritik an der Funktionspflege
4. Vergleich des Taylorismus mit der Funktionspflege
5. Diskussion
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Parallelen zwischen dem industriellen Scientific Management nach Frederick Winslow Taylor und der Funktionspflege in medizinischen Einrichtungen, um deren Auswirkungen auf Pflegende und zu Pflegende zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen und Prinzipien des Taylorismus
- Strukturanalyse der Funktionspflege im Gesundheitswesen
- Kritische Gegenüberstellung beider Organisationsmodelle
- Folgen der Arbeitszerlegung für Dienstleistungsarbeit
- Herausforderungen für Patienten und Pflegepersonal
Auszug aus dem Buch
3. 1 Kritik an der Funktionspflege
Gerade wurde angedeutet, dass es ein Vorteil der Funktionspflege sei, dass durch Spezialisierung der Pflegekräfte, der Arbeitsablauf effizienter gestaltet werden könne. Betrachtet man das Pflegesystem von einem betriebswirtschaftlichen Standpunkt aus, ist dies zutreffend. Eine solche betriebswirtschaftliche Sichtweise schließt ein, dass davon ausgegangen wird, dass durch Fixierung auf eine bestimmte Aufgabe, diese zum einen perfekt und zum anderen, als Routinehandlung sehr schnell erledigt werden kann (vgl. Fleßa 2007, 126). Weiterhin kann „durch die Aufteilung geringfügiger Aufgaben (z. B. Bettenmachen, Essensverteilung) auf weniger qualifizierte Mitarbeiter (…) die Anzahl des benötigten Fachpersonals verringert werden“ (Bolz 2015, 168). So ist die Reduktion der Personalkosten durch den überwiegenden Einsatz von Hilfskräften ein weiterer Rationalisierungseffekt. Durch die Spezialisierung ist es außerdem möglich kurzfristige Personalausfälle zu kompensieren (vgl. Elkeles 1988, 10).
Allerdings wird von Gegnern der Funktionspflege angebracht, dass gerade im Bereich der Effektivität negative Wirkungen zu verzeichnen sind: Durch Arbeitszerlegung kann es zu zeitökonomischen Nachteilen kommen, da unnötige Wege und Wegzeiten entstehen können. „Kommt eine Pflegekraft während einer Runde an ein Patientenbett und dort führt gerade eine Kollegin eine andere Verrichtung aus, so muß [sic!] sie u.v. warten oder zunächst zu einem anderen Patienten gehen und später zurückkehren“ (ebd., 6). Wegen fehlender Ganzheitlichkeit des Pflegeprozesses, ist der Koordinationsaufwand sehr hoch. Dies beinhaltet das Risiko von Doppelarbeiten, da oft Unklarheit herrscht, wer schon mit einer Aufgabe betreut worden ist. Andersrum kann es aber auch passieren, dass Aufgaben unterlassen werden, da das Personal davon ausgeht, dass schon jemand anders mit der entsprechenden Aufgabe beauftragt wurde. So kann es durch Fehler während des Pflegeprozesses dazu kommen, dass der Genesungsvorgang des Klienten mehr Zeit benötigt und dadurch ebenfalls Effektivitätseinbußen entstehen (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung des Taylorismus ein und skizziert die Übertragbarkeit industrieller Organisationskonzepte auf den heutigen Dienstleistungssektor der Kranken- und Altenpflege.
2. Scientific Management: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung, die Grundzüge sowie das Menschenbild des Scientific Management nach Frederick Winslow Taylor.
2. 1 Kritik am Taylorismus: Dieser Abschnitt beleuchtet die wissenschaftliche Fundierung des Taylorismus und dessen Reduktion menschlicher Komplexität auf messbare Repetitivaufgaben.
3. Funktionspflege: Hier wird das Konzept der Funktionspflege als spezifische Organisationsform in stationären Pflegeeinrichtungen definiert und deren Zielsetzung hinsichtlich Arbeitsteilung dargestellt.
3. 1 Kritik an der Funktionspflege: Dieses Unterkapitel diskutiert die negativen Folgen der Funktionspflege, insbesondere die Einbußen bei der Ganzheitlichkeit, die Demotivation von Personal und die resultierende Entfremdung vom Patienten.
4. Vergleich des Taylorismus mit der Funktionspflege: Dieser Abschnitt zieht Parallelen zwischen beiden Konzepten bezüglich Arbeitsteilung, Hierarchie und Kontrolle und erörtert die Übernehmbarkeit dieser Strukturen auf die Pflege.
5. Diskussion: Das Kapitel analysiert die spezifischen Konsequenzen der Anwendung industrieller Mechanismen auf personenbezogene Dienstleistungen und betont den Unterschied zum Umgang mit unbelebten Gütern.
6. Fazit und Ausblick: Diese Zusammenfassung resümiert die Problematik der übertragenen tayloristischen Systeme und fordert eine patientenorientierte Neuausrichtung in der Pflegeforschung.
Schlüsselwörter
Taylorismus, Funktionspflege, Arbeitsorganisation, Scientific Management, Pflegequalität, Dienstleistungssektor, Krankenhäuser, Altenpflege, Effizienzsteigerung, Fachpersonal, Arbeitsteilung, Motivation, Patientenorientierung, Ganzheitlichkeit, Personalkosten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Übertragung tayloristischer Managementprinzipien auf das moderne Pflegesystem und die damit verbundenen strukturellen Vor- und Nachteile.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind der industrielle Taylorismus, die Funktionspflege als Pflegesystem, der Vergleich beider Organisationsformen sowie die Auswirkungen auf das Personal und die Patienten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Funktionspflege in ihrem Kern tayloristischen Prinzipien folgt und dies im personenbezogenen Dienstleistungssektor zu erheblichen, kritisch zu betrachtenden Problemen führen kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturstudie, die Konzepte der Organisationstheorie auf die Praxis der Pflege überträgt und diese kritisch würdigt.
Was wird primär im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung des Scientific Managements, die Charakterisierung der Funktionspflege und eine detaillierte Diskussion der Gemeinsamkeiten sowie der negativen Auswirkungen auf die Pflegequalität.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am treffendsten?
Schlüsselbegriffe sind Taylorismus, Funktionspflege, Arbeitsteilung, personenbezogene Dienstleistung, Effizienz und Arbeitsorganisation.
Warum wird die Funktionspflege trotz ihrer Kritik oft immer noch in Heimen eingesetzt?
Die Autorin hebt hervor, dass vor allem der Kostendruck, der demografische Wandel und der Drang zur wirtschaftlichen Effizienz die Beibehaltung dieses Modells trotz inhaltlicher Mängel forcieren.
Welche Rolle spielt die Trennung von Hand- und Kopfarbeit in der Funktionspflege?
Genau wie im Taylorismus führt sie auch in der Pflege zu einer hierarchischen Statusabhängigkeit, bei der administrative Tätigkeiten wertgeschätzt werden, während die ausführende Grundpflege physisch belastend und monoton ist.
- Quote paper
- Anna Melcher (Author), 2015, Ein Vergleich von Taylorismus und Funktionspflege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1431899