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Liberaler Intergouvernementalismus aus neogramscianischer Sicht. Kritik und Verbindung zur Europäischen Integrationsgeschichtstheorie

Titel: Liberaler Intergouvernementalismus aus neogramscianischer Sicht. Kritik und Verbindung zur Europäischen Integrationsgeschichtstheorie

Hausarbeit , 2023 , 32 Seiten , Note: 0,9

Autor:in: Silas Merkelbach (Autor:in)

Politik - Politische Systeme allgemein und im Vergleich
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Ziel dieser Arbeit ist es, eine kritische Erweiterung des liberalen Intergouvernementalismus zu bieten. Dabei wird dieser durch eine neogramscianische Theorie und Beobachtung erweitert, sodass sich daraus - wie zuvor erläutert - zwangsläufig auch eine kritische Betrachtung der EU-Integration ergibt. Moravcsik selbst - so meine These - hat eine Theorie formuliert, welche Hegemonie, Macht und Herrschaft inkorporiert, diese aber nicht als kritischen Gegenstand erfasst. Es soll die Aufgabe dieser Arbeit sein, Macht- und Herrschaftsverhältnisse in der EU-Integration entlang des liberalen Intergouvernementalismus zu erfassen.

Abschließend möchte ich mit einer Argumentation aus neogramscianischer Perspektive, welche Moravcsiks theoriebildende Grundannahme kritisch hinterfragt, enden. Insgesamt möchte ich den Anspruch vorwegnehmen, hierbei eine Synthese beider Theorien anzustreben, welche die eine oder andere delegitimiert oder auf Eigenständigkeit hinausläuft. Dazu sehe ich mich nicht imstande und der Kontext dieser Arbeit ist nicht ausreichend. Stattdessen halte ich es für sinnvoll, den liberalen Intergouvernementalismus in die Skizze globaler Machtbeziehungen zu integrieren.

Es mag in der Forschung nicht an Theorien mangeln, die zu erklären versuchen, wie es zur Europäischen Integration gekommen ist. Und es scheint sich dabei um einen umstrittenen Kampf um Deutungshoheit zu handeln. Dieser provoziert immer wieder neue Argumente für oder gegen eine Pionierstellung der jeweiligen Theorie. Methodische oder ideologische Kritik vermag es dabei, die jeweilige Theorie in der Konjunktur um den Status quo auf- und abzuwerten. In den Grabenkämpfen der Theorieschulen werden dabei immer wieder Apologien hervorgebracht, welche die angeblich beste Erklärung zu bieten scheinen. Dabei sind diese nicht weltanschaulich unabhängig - Theorie ist schließlich "immer für jemanden, und sie hat immer einen bestimmten Zweck".

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methode

3. Der liberale Intergouvernementalismus

3.1 Präferenzen

3.2 Staat

3.3 Kooperation

4. Die neogramscianische Perspektive

4.1 Zwei essentielle Annahmen der neogramscianischen Perspektive

4.2 Hegemonie

4.3 Der Staat aus neogramscianischer Perspektive

5. Eine neogramscianische Perspektive des liberalen Intergouvernementalismus

5.1 Kritik: Eine Basis im gesellschaftlichen Vakuum - wo Moravcsiks Grundannahme scheitert

5.2 Anknüpfungspunkt: Wo Hegemonie implizit auch bei Moravcsik vorkommt

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, den liberalen Intergouvernementalismus von Andrew Moravcsik einer kritischen Überprüfung aus neogramscianischer Perspektive zu unterziehen, um die Vormachtstellung dieser Integrationstheorie in einen globalen Kontext von Macht und Herrschaft einzuordnen.

  • Kritische Auseinandersetzung mit der Grundannahme der Handlungsrationalität im liberalen Intergouvernementalismus.
  • Einführung des neogramscianischen Begriffs der Hegemonie zur Analyse europäischer Integrationsprozesse.
  • Dekonstruktion des Staatsverständnisses als isoliertes Konstrukt zugunsten eines integralen Staatsverständnisses.
  • Untersuchung der EU als Instrument neoliberaler Hegemonie und globaler Kapitalinteressen.
  • Ergänzung des liberalen Modells durch die Einbettung in transnationale Machtverhältnisse.

Auszug aus dem Buch

3.1 Präferenzen

Die basale Einheit bildet bei Moravcsik - obwohl es sich um eine Theorie der internationalen Beziehungen handelt - „rational agierende Individuen und private Gruppen" (Steinhilber 2006:S.174), die versuchen, sich in einem innerstaatlichen Konkurrenzkampf durchzusetzen. „Grundsätzlich handelt es sich bei den Akteuren um nutzenminimierende Einheiten, die auch das Verhalten anderer Akteure in die eigene Kalkulation mit einbeziehen" (Steinhilber 2012:S.144). Dabei ist deutlich: Auf der basalen Ebene spielt das gesellschaftliche Feld eine Rolle. So sind die Individuen zwar nutzenmaximierend, aber ihre Handlungen fügen sich in den innerstaatlichen Konkurrenzkampf um die Artikulation von Interessen ein.

Nutzenmaximierung bezieht sich bei Moravcsik dabei auf die Annahme, die eigene Präferenz - also Interessen - durchzusetzen. Diese ist deutlich im Kosmos der Ökonomie einzuordnen: „Gesellschaftliche Akteure streben nach Gütern, die ihre Wohlfahrt steigern" (Auth 2008:S.110). Währenddessen spielen Ideologien nur eine rudimentäre Rolle. Sie sind immer nur dann bei Moravcsik auffindbar, wenn ökonomische Interessen zweitrangig werden. Das zeigt sich in zwei Dimensionen: Ideen tauchen im Bereich der Präferenzen auf, wenn sie „bei begrenzter Rationalität Entscheidungshilfen sein können, indem sie den Akteuren Hinweise über die möglichen Konsequenzen ihres Handelns geben" (Steinhilber 2006:S.174) und in ihrer Umformung als ökonomische Präferenz. Im Bereich der Präferenzen sind Ideen bei Moravcsik nachweisbar, verlieren aber gänzlich ihre Gewalt, und letztlich wird ihnen von Moravcsik sogar keine „politikgestaltende Kraft [...] gegenüber den materiellen Interessen damit (nicht) zugestanden" (Steinhilber 2006:S.174). Auf staatlicher Ebene spielen Ideen bei Moravcsik dann eine Rolle, wenn Politikerinnen und Staatsvertreter aus Eigeninteresse handeln können (vgl. Moravcsik 1993:S.494) (Bedingungen dazu werden später geklärt). Denn Ideen wie etwa Nationalismus lassen sich dann nutzbar machen, wenn sie dienlich sind, die eigene Position als Regierung inner- wie außerstaatlich zu sichern.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung etabliert den liberalen Intergouvernementalismus als dominante, aber kritisierbare Integrationstheorie und stellt das neogramscianische Forschungsdesign als komplementäre Perspektive zur Dekonstruktion von Machtverhältnissen vor.

2. Methode: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundprämissen des liberalen Intergouvernementalismus sowie die fragmentierte Analyse-Perspektive der neogramscianischen Strömung geklärt und der geplante Forschungsablauf skizziert.

3. Der liberale Intergouvernementalismus: Das Kapitel erläutert das dreiteilige Modell Moravcsiks, bestehend aus Präferenzbildung, der Rolle des Staates als rationaler Akteur und zwischenstaatlicher Kooperation unter zweckrationalen institutionellen Bedingungen.

4. Die neogramscianische Perspektive: Hier werden die zentralen Konzepte der Hegemonie nach Gramsci und das Verständnis des integralen Staates eingeführt, um internationale Beziehungen nicht nur als staatliche Interaktion, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Kräfteverhältnisse zu begreifen.

5. Eine neogramscianische Perspektive des liberalen Intergouvernementalismus: Dieses Kapitel führt die Kernkritik am liberalen Intergouvernementalismus aus, deckt dessen gesellschaftliches Vakuum auf und verortet Integration als Resultat hegemonialer Strukturen.

6. Fazit: Das Fazit resümiert die theoretische Erweiterung des liberalen Intergouvernementalismus durch neogramscianische Ansätze und betont die Notwendigkeit, europäische Integration in ihrer Totalität aus einer kritischen Perspektive zu analysieren.

Schlüsselwörter

Liberaler Intergouvernementalismus, neogramscianische Perspektive, europäische Integration, Hegemonie, Gesellschaftlicher Konsens, Institutionen, Handlungsrationalität, Machtverhältnisse, Integraler Staat, Transnationale Verhältnisse, Interessenbildung, Zivilgesellschaft, Politikharmonisierung, Neoliberalismus, Klassencharakter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen theoretischen Auseinandersetzung mit Moravcsiks liberalem Intergouvernementalismus, indem dieser durch neogramscianische Konzepte ergänzt wird, um Macht- und Herrschaftsaspekte sichtbar zu machen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der europäischen Integration, dem Verhältnis von Staat und Zivilgesellschaft unter hegemonialem Einfluss sowie der Analyse neoliberaler globaler Machtstrukturen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den liberalen Intergouvernementalismus nicht zu delegitimieren, sondern für die kritische Forschung nutzbar zu machen, indem seine empirisch schlanke Basis theoretisch um eine Perspektive auf Hegemonie und Herrschaft erweitert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, der zwei divergierende Denkschulen (liberaler Intergouvernementalismus und neogramscianische Theorie) zusammenführt, um eine neue Perspektive für die Integrationsforschung zu gewinnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Kernannahmen Moravcsiks (Präferenzen, Staat, Kooperation), kontrastiert diese mit neogramscianischen Kategorien wie dem integralen Staat und Hegemonie und prüft die EU-Integration auf ihr hegemoniales Fundament.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Liberaler Intergouvernementalismus, neogramscianische Perspektive, Hegemonie, Machtverhältnisse, europäische Integration und Integraler Staat.

Inwiefern ist laut der Arbeit der liberale Intergouvernementalismus unvollständig?

Der Arbeit zufolge scheitert Moravcsik daran, den Ursprung von Integrationsprozessen in einem gesellschaftlichen Kontext zu ergründen, da er von einem "gesellschaftlichen Vakuum" und einer rein zweckrationalen Handlungslogik ausgeht.

Welche Rolle spielen Institutionen wie der Europäische Gerichtshof in Moravcsiks Theorie verglichen mit der kritischen Perspektive?

Während Moravcsik Institutionen als rein zweckrationale Werkzeuge zur Senkung von Transaktionskosten betrachtet, sieht die neogramscianische Perspektive darin Ausdrucksformen einer neoliberalen Konstitution, die Machtverhältnisse zementiert und den demokratischen Zugriff einschränkt.

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Details

Titel
Liberaler Intergouvernementalismus aus neogramscianischer Sicht. Kritik und Verbindung zur Europäischen Integrationsgeschichtstheorie
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Gesellschaftswissenschaften und Philosophie)
Veranstaltung
Geschichte und Theorien der EU-Integration
Note
0,9
Autor
Silas Merkelbach (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
32
Katalognummer
V1432251
ISBN (PDF)
9783346984722
ISBN (Buch)
9783346984739
Sprache
Deutsch
Schlagworte
EU EU Integration Moravcsik Neogramscianismus Politische Ökonomie Kritische Theorie Cox Der liberale Intergouvernementalismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Silas Merkelbach (Autor:in), 2023, Liberaler Intergouvernementalismus aus neogramscianischer Sicht. Kritik und Verbindung zur Europäischen Integrationsgeschichtstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1432251
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Leseprobe aus  32  Seiten
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